Zusammenfassung:
Biotechnologieunternehmen, die im Bereich der Medizin und Pharmazie agieren, sind mit außergewöhnlichen ethischen Herausforderungen konfrontiert. Die Besonderheit ihrer biotechnologischen Produkte, die nicht mit gewöhnlichen Konsumgütern gleichzusetzen sind, erfordert die Übernahme von sowohl bioethischer als auch unternehmensethischer Verantwortung. Welche Ethikmanagement-Maßnahmen die drei umsatzstärksten amerikanischen Unternehmen der Roten Biotechnologiebranche, Genentech Inc., Amgen Inc. und Genzyme Corp. anwenden, um dieser Forderung nachzukommen, wird anhand von Fallstudien erläutert. Die unternehmensethische Frage zum Ausmass der jeweiligen unternehmerischen Moral unter den Bedingungen des Wettbewerbes steht dabei im Mittelpunkt der Ausarbeitungen.
Die genannten Unternehmen wenden primär institutionalisierte - im Gegensatz zu informellen - Ethikmanagement-Maßnahmen an. Diese umschließen Verhaltensstandards, Ethikrichtlinien, Hotlines und Helplines, Ausbildung und Training, den Einsatz von Richtlinienbeauftragten, Komitees und Ombudspersonen. Die unternehmensethischen Verpflichtungen Roter Biotechnologieunternehmen wie die Produktsicherheit, die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung und die ethisch korrekte Unternehmensführung erfüllen sie beispielhaft. Die analysierten Biotechnologieunternehmen, in denen ethische Grundsätze im Sinne eines Integrity-Ansatzes verankert sind, genießen in der Gesellschaft, bei Investoren und Mitarbeitern eine hohe Reputation. Es kann jedoch abschließend nicht mit Sicherheit bestätigt werden, dass das ethische Verhalten der Unternehmen eine wahre Tugend ist, oder ob es aus Eigeninteresse getätigt wird und als Mittel zur Akzeptanzbeschaffung dienen soll.
Gang der Untersuchung:
Das Ziel der vorliegenden Arbeit, die Ethikmanagement-Massnahmen der drei umsatzstärksten amerikanischen Unternehmen der Roten Biotechnologiebranche zu erläutern, legt ein Vorgehen in folgenden Schritten nahe:
Kapitel 2 stellt eine Einführung in die Biotechnologie und ihre bioethischen Implikationen dar. Neben einer Begriffsdefinition werden die geschichtlichen Eckdaten der Biotechnologie erläutert und ihre heutigen Anwendungsfelder abgegrenzt. Unter Bezugnahme auf die Gentechnik, Gentherapie, Genmedizin und Reproduktionsmedizin wird aufgezeigt, dass im Bereich der Roten Biotechnologie diverse bioethische Probleme existieren, die eine ethische Reflexion seitens der BU notwendig machen. Um die Sensibilität der Gesellschaft gegenüber diesen Anwendungsfeldern zu veranschaulichen, werden zudem die Ergebnisse einer Studie zur Akzeptanzforschung vorgestellt. Ein Zwischenrésumé, welches die bisher gewonnenen Erkenntnisse zusammenfasst, bildet den Abschluss des zweiten Kapitels.
Kapitel 3 thematisiert die Unternehmensethik, da BU neben den in Kapitel 2 beschriebenen bioethischen auch unternehmensethischen Herausforderungen gegenüber stehen. Zunächst wird die Vereinbarkeit von Ökonomie und Ethik diskutiert und betont, dass eine Koexistenz möglich, ja geradezu notwendig ist. Basierend auf dieser Argumentation werden unternehmensethische Verpflichtungen Roter BU diskutiert, deren Erfüllung sich auf die Reputation eines BU auswirkt. Es werden dabei die Best Practice Kriterien eines effektiven Managements von Reputationsrisiken dargelegt, um diese zur Erarbeitung der Unternehmensfallstudien im vierten Kapitel heranziehen zu können. Da die Wahrnehmung sozialer Verantwortung und die Verankerung ethischer Grundsätze in den Unternehmen variiert, wird diesbezüglich eine Klassifikation in drei Ansätze vorgenommen: Markt-, Compliance- und Integrity-Ansatz. Das jeweilige Ethikbewusstsein, welches den einzelnen Ansätzen zugrunde liegt, wird skizziert, um es ebenfalls für die Analyse der ausgewählten Unternehmen im vierten Kapitel anwendbar zu machen. Im Anschluss daran werden anhand einer Studie die Ethikmanagement-Massnahmen europäischer BU verschiedener Sektoren und Grössen erläutert, um einen Bezug zu den in der Praxis verwendeten Instrumentarien herzustellen und einen Übergang zum folgenden Fallstudienkapitel zu schaffen. Wiederum dient ein Zwischenrésumé zum Abschluss des Kapitels dazu, die Möglichkeit der gedanklichen Nachvollziehung der Untersuchung zu erhöhen.
Kapitel 4 stellt das zentrale Kapitel dieser Arbeit dar. Es führt die zuvor angeeigneten theoretischen Grundlagen bei der Erarbeitung der Unternehmensfallstudien zusammen. Zunächst werden die zur Unternehmensauswahl angewendeten Kriterien sowie die Erhebungsmethode der Untersuchung beschrieben. Jeder Fallstudie wird sodann ein Unterkapitel gewidmet. Anfänglich werden in Kürze die wichtigsten Eckdaten der Firmen und die Anwendungsgebiete ihrer Produkte dargestellt. In einem nächsten Schritt werden ihre jeweiligen Ethikmanagement-Massnahmen ausführlich beschrieben. Basierend auf den Analyseergebnissen wird im Fazit jeder Fallstudie anhand der zuvor erläuterten Klassifikation aus Abschnitt 3.4 identifiziert, ob ethische Grundsätze in den Unternehmen verankert sind, ob sie die unternehmensethischen Verpflichtungen Roter BU erfüllen, und ob ihr Management von Reputationsrisiken den Best Practice Kriterien, wie in Passage 3.3.4 beschrieben, genügt. Im abschliessenden Zwischenrésumé werden die Resultate der Fallstudien zusammengefasst und verglichen.
Kapitel 5 fasst die Hauptaussagen dieser Arbeit in komprimierter Form zusammen und liefert eine kritische Stellungnahme zu den Ergebnissen der Untersuchung.