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Titel Ein gesunder Geist in einem geschickten Körper? 
Untertitel Zur Beziehung von Bewegung, Kognition, Sprache und Selbstbild bei 6- und 7-jährigen Kindern. Eine theoretische und empirische Studie 
AutorIn Thomas Moser 
Seiten 350 Seiten 
Hochschule Deutsche Sporthochschule Köln Deutschland 
Art der Arbeit Dissertation / Doktorarbeit 
Abgabe 2000 
Note
Preis 48,00 EUR (inkl. MwSt.)
 
Bestellnummer 73017754 
Sprache Deutsch 
Medien CD 
Inhaltsangabe
Problemstellung:

Die vorliegende Untersuchung gilt dem Zusammenhang zwischen Merkmalen der körperlichen Bewegung und psychosozialen Prozessen und Strukturen bei sechs- und siebenjährigen Kindern.

Positive Effekte körperlicher Aktivität auf biologische Strukturen und Prozesse sind heute für das Erwachsenenalter wissenschaftlich relativ gut dokumentiert, obwohl die Resultate empirisch-analytischer Untersuchungen immer noch hinter den Wünschen vieler Forscher und Praktiker her hinken. Für den Kinderbereich liegen, wenn auch in viel geringerem Ausmaß, Befunde vor, die die Annahme positiver gesundheitlicher Konsequenzen körperlicher Aktivität teilweise unterstützen.

Im Hinblick auf psychosoziale Wirkungen sind die empirischen Resultate zwar spärlicher, für den Erwachsenenbereich kann aber dennoch bereits auf eine Reihe von Übersichtsdarstellungen hingewiesen werden, in denen zum Teil ermutigende Resultate referiert werden. Dabei ist aber nicht zu übersehen, dass bedeutsame Meta-Analysen einem pauschalen und unkritischen Anspruch der Förderung der psychischen Gesundheit durch Sport nicht oder nur bedingt unterstützen. Empirische Befunde zu psychosozialen Wirkungen der Bewegung bei Kindern sind immer noch eher selten.

Insbesondere seit der Zeit der Aufklärung und des damit einhergehenden Philanthropismus, wird auch für das Kindesalter immer wieder nachdrücklich auf die große Bedeutung von Körper und Bewegung für die Persönlichkeitsentwicklung und Sozialisierung hingewiesen, wie einschlägigen historischen Beiträgen zu entnehmen ist. Besondere Aktualität gewinnt das Thema im Zuge der Reformpädagogik am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Nach einer Periode des Stillstands in der fachlichen und didaktischen Entwicklung während und nach dem Zweiten Weltkrieg, wird der persönlichkeitsformenden Wirkung von Körper, Bewegung und Sport in neuerer Zeit in der sportpädagogischen und -psychologischen Forschung wieder eine zentrale Stellung eingeräumt.

Bewegungsfähigkeiten und -fertigkeiten, kognitives und sprachliches Funktionsniveau sowie Selbstbild sind als bedeutungsvolle Teilkomponenten der ganzheitlichen Entwicklung von Kindern anzusehen. Gerade die eventuellen Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Objektbereichen der individuellen Entwicklung einer Person werden in der Literatur zwar häufig angesprochen, gehören aber dennoch nicht zu den Gebieten der Entwicklungspsychologie, denen intensive Forschungsbemühungen entgegengebracht werden. Als Beleg dafür kann die dritte Ausgabe des von Oerter und Montada herausgegebenen und wohl umfassendsten Lehrbuchs der Entwicklungspsychologie in deutscher Sprache angeführt werden. In dessen 45 Kapiteln, die sich über nahezu 1200 Seiten erstrecken, nimmt die Beziehung zwischen Objektbereichen keinen zentralen Platz ein. Sie wird gleichwohl innerhalb einzelner Beiträge angesprochen.

Es kann also im Hinblick auf die Bedeutung von körperlicher Aktivität für eine optimale psychosoziale Entwicklung von Kindern generell festgestellt werden, dass sie trotz einer großen Anzahl von Publikationen zu diesem Thema immer noch nicht ausreichend empirisch dokumentiert ist. Angesichts der Tatsache, dass in der sportpädagogischen Diskussion diesbezüglich schon seit langer Zeit starke Zusammenhänge und Abhängigkeiten postuliert werden, ist die eher bescheidene Anzahl entsprechender quantitativ-empirischer Analysen doch etwas überraschend. Eggert und Lütje-Klose haben zuletzt nachdrücklich auf diese Diskrepanz zwischen postulierten und wissenschaftlich dokumentierten Sachverhalten hingewiesen.

Deutlich wird diese Diskrepanz auch daran, dass Lehrer und Physiotherapeuten über einen kontinuierlichen Rückgang des motorischen Funktionsniveaus bei Kindern berichten, wofür jedoch ebenfalls nur wenige überzeugende wissenschaftliche Dokumentationen vorliegen. Der behauptete Rückgang motorischer Fähigkeiten und Fertigkeiten wird häufig in kausale Beziehung zur ständig steigenden Anzahl von Verhaltens- und Lernproblemen gesetzt. Für die Gesamtproblematik werden in der Regel die veränderten Lebensbedingungen von Kindern in der modernen Gesellschaft verantwortlich gemacht.

In der Grundschule ist darüber hinaus die Meinung stark verbreitet, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Motorik und Lernen besteht. Das schulische Lernen, genauer gesagt der schulische Lernerfolg, wird dabei als vom motorischen Funktionsniveau abhängig angesehen. Dies findet in Norwegen auch Ausdruck in den neuen Lehrplänen für die Grundschule, die im Schuljahr 1997/98 in Kraft traten. Hier wird die Bedeutung von Spiel, sinnlichen Erfahrungen und Bewegung als primäre Lern- und Erfahrungsform in den Ersten vier Schulstufen besonders hervorgehoben. Dabei wird explizit von einem Zusammenhang zwischen dem motorischen und dem kognitiven Funktionsniveau ausgegangen. Eine solche Auffassung ist auch unter norwegischen Grundschullehrern weit verbreitet, wie wir in einer neueren Untersuchung deutlich bestätigen konnten.

Die vorliegende Arbeit will einen Beitrag zur Abklärung der Frage leisten, bezüglich welcher Merkmale und in welchem Ausmaß die Annahme eines Zusammenhanges zwischen Bewegung und Psyche gerechtfertigt erscheint. Im Hinblick auf die Bewegung wird dabei zwischen grob- und feinmotorischem Funktionsniveau sowie Gleichgewicht unterschieden. Im psychosozialen Bereich werden das kognitive Funktionsniveau (Intelligenz, Konzentration, Gedächtnis), das sprachliche Funktionsniveau und das Selbstbild einbezogen.

Den Ausgangspunkt der vorliegenden Forschungsarbeit bilden Erfahrungen, die im Zeitraum von 1993 bis 1996 in feldexperimentellen Untersuchungen an einer norwegischen Grundschule gewonnen wurden. In diesen Studien wurde unter anderem der Frage nachgegangen, welche Effekte ein psychomotorisch orientiertes Trainingsprogramm im Hinblick auf verschiedene Entwicklungsbereiche sechs- bis achtjähriger Kinder mit sich führt. Schon bei der Auswahl dieser Kinder konnte ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem motorischen Funktionsniveau, der generellen Intelligenz und der Sprachkompetenz konstatiert werden, obwohl es sich dabei nur um verhältnismäßig kleine Gruppen handelte. Der Zusammenhang kam zum einem in den subjektiven Beurteilungen der Lehrer zum Ausdruck, zum anderen aber auch in den Resultaten pädagogischer und psychologischer Tests. Die gewonnenen Beobachtungen waren der Anlass dafür, diese Verhältnisse mit Hilfe einer Querschnittsuntersuchung an einer größeren Anzahl von Normalschülern in einer differenzierteren Form quantitativ zu analysieren.

Die Untersuchung liegt somit inhaltlich in einem Überschneidungsbereich von Psychologie, Motologie/Psychomotorik und Pädagogik. Speziell die hier eingeschlagene forschungsmethodische Annäherung an das Thema ist der Sportpsychologie zuzuordnen. Praktische Implikationen lassen sich gegebenenfalls für die Bewegungspädagogik sowie die psychomotorische Entwicklungsförderung und Therapie ableiten.

Zum einen baut die Untersuchung auf handlungstheoretischen, genauer gesagt, handlungspsychologischen, Grundüberlegungen auf, wie sie von Nitsch für den Bereich der Sportpsychologie dargestellt wurden. Zum anderen wird von einem Psychomotorikverständnis ausgegangen, das von der deutschen Tradition der Psychomotorik und Motologie ausgeht. Philippi-Eisenburger hat handlungstheoretische Überlegungen, unter wesentlicher Bezugnahme auf Nitsch, für die theoretische Grundlegung der Motologie (oder Psychomotorik) herangezogen. Eine handlungstheoretische Perspektive wird auch in Verbindung mit Betrachtungen zu einer entwicklungsorientierten Perspektive innerhalb der Psychomotorik angewandt.

Die Legitimität der Fragestellung dieser Studie, die also der Beziehung zwischen dem motorischen, dem kognitiven und dem sprachlichen Funktionsniveau sowie dem Selbstbild von Kindern gilt, kann relativ einfach begründet werden: Auch heute gibt es dazu noch verhältnismäßig wenige quantitativ ausgerichtete Untersuchungen mit großen Gruppen 'normaler' Kinder, das heißt mit Kindern die keinen speziellen Förderungs- oder Behandlungsbedarf aufweisen. Der sich daraus ergebende Mangel an Wissen ist im Hinblick auf die Diskussion der Bedeutung von Körper und Bewegung für die Entwicklung und Erziehung von Kindern sowie die Legitimation des Faches Leibesübungen (Sportunterricht) als gravierendes Erkenntnisdefizit aufzufassen. Hinzu kommt, dass in Norwegen kaum nationale Untersuchungen zum Gegenstandsbereich vorliegen, in Verbindung mit den aktuellen schulpolitischen Diskussionen aber immer wieder gewünscht und gefordert werden.

In der vorliegenden Untersuchung sollen daher ausschließlich quantitative Methoden zur Anwendung kommen. Neben der relativ geringen Anzahl quantitativer Analysen, kann für ein solches Vorgehen auch im Hinblick auf erwünschte praktische Konsequenzen argumentiert werden: Quantitative Resultate sind in der politischen Diskussion, als Unterstützung pädagogischer und didaktischer Wünsche und Bedürfnisse häufig etwas leichter 'zu verkaufen', beispielsweise in Verbindung mit dem Setzen von Prioritäten im Rahmen begrenzter finanzieller Ressourcen im Schulbereich. Dies darf allerdings nicht dahingehend missverstanden werden, dass damit die Bedeutung qualitativer Methoden grundsätzlich in Frage gestellt wird. Hier wird vielmehr die Ansicht vertreten, dass auch diese mit wichtigen Erkenntnissen zur vorliegenden Fragestellung beitragen können. Quantitative und qualitative Methoden ergänzen einander in ihren Aussage- und Erkenntnismöglichkeiten, ihre Anwendung ist daher keine prinzipielle Frage, sondern von der Problemstellung und den Intentionen der Untersuchung abhängig.

Eine weitere Festlegung wurde bereits implizit getroffen, sie gilt dem Alter der zu untersuchenden Gruppe, nämlich sechs- und siebenjähriger Kinder. Diese Altersgruppe nimmt in der pädagogischen Diskussion in Norwegen gegenwärtig eine zentrale Stellung ein. Die Ursache dafür liegt in der vorgehenden Grundschulreform, im Zuge derer unter anderem das Alter für den Schulbeginn von sieben auf sechs Jahre gesenkt wurde. Aus den hier angeführten Argumenten wird leicht ersichtlich, dass der vorliegenden Untersuchung neben ihrer reinen 'Erkenntnisfunktion' auch eine praktische Implikation zu Grunde liegt, die sich auf die pädagogische Diskussion des Faches Leibesübungen im norwegischen Schulwesen bezieht.

Mit der folgenden Übersicht wird zur Erleichterung der Orientierung ein Ausblick auf den inhaltlichen Aufbau der Arbeit gegeben.

Im zweiten Kapitel des theoretischen Teils wird nach einer Begriffsabklärung zunächst auf das Verhältnis zwischen Körper, Bewegung und Psyche aus historischer Sicht eingegangen und darauf aufbauend Konsequenzen für die vorzunehmende Modellbildung abgeleitet. Intention dieses Kapitels ist es dabei nicht eine erschöpfende Darstellung und Diskussion der Thematik vorzunehmen, sondern einen Kontext für die Untersuchung zu erarbeiten.

Im dritten Kapitel werden aus handlungstheoretisch begründete Modellbildungen zu Körper und Bewegung vorgenommen. Danach wird der Begriff Psychomotorik als eine handlungstheoretische Konkretisierung eingeführt und eine psychomotorische Modellvorstellung zur Beziehung zwischen Körper, Bewegung und Psyche präsentiert und diskutiert.

Das vierte Kapitel widmet sich einleitend einer Übersicht über Erklärungsmöglichkeiten des Zusammenhangs zwischen Bewegung und Psyche. Im Anschluss daran werden empirische Forschungsresultate zur Beziehung von motorischen, kognitiven und sprachlichen Prozessen sowie dem Selbstbild zusammenfassend dargestellt. Damit wird auch der Übergang zum empirischen Teil der Arbeit vorgenommen.

Im kurzen fünften Kapitel, das den empirischen Teil einleitet, werden auf der Grundlage der Problemstellung und der theoretischen Betrachtungen die Fragestellungen der Untersuchung konkretisiert und spezifische Fragestellungen formuliert.

Das sechste Kapitel widmet sich der Darstellung und Diskussion der forschungsmethodischen Bedingungen und Entscheidungen sowie der Bewertung forschungsethischer Aspekte und der Untersuchungsqualität.

Im siebenten Kapitel werden die Untersuchungsresultate präsentiert und interpretiert. Danach wird im achten Kapitel eine kurze und zusammenfassende Schlussdiskussion der Befunde vorgenommen.

 
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