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Titel Sprache der Moderne in Ingeborg Bachmanns Roman 'Malina' 
Untertitel  
AutorIn Ines Streu 
Seiten 104 Seiten 
Hochschule Universität Kassel Deutschland 
Art der Arbeit Magisterarbeit 
Abgabe 1998 
Note 1,5 
Preis 38,00 EUR (inkl. MwSt.)
 
Bestellnummer 75001080 
Sprache Deutsch 
Medien Papier / CD 
Inhaltsangabe
Zusammenfassung:

Ab Mitte der 50er Jahre schreibt Bachmann kaum mehr Gedichte. In den 60er Jahren widmet sie ihr Schaffen verschiedener Prosa wie Erzählungen oder Essays und Hörspielen. 1971 veröffentlicht sie den Roman "Malina". In welcher Gattung Bachmann auch arbeitet, immer ist die Sprache ein zentrales Thema ihres Schaffens.

Sie realisiert in "Malina" ein Sprachkonzept, das sie in den Frankfurter Vorlesungen erläutert. Hier entwirft die Dichterin das Bild einer Sprache und Utopie, um die sich Künstler und Rezipient bemühen sollen. In "Malina" erscheint die Sprache in ihrer schönsten Form, gleichzeitig werden Zweifel an der Sprache geäußert: Die Sprachskepsis der Ich-Figur des Romans geht so weit, daß sie sich nach einer überirdischen, metaphysischen Sprache sehnt, sie sagt: "Genügt ein Satz denn, jemand zu versichern, um den es geschehen ist? Es müßte eine Versicherung geben, die nicht von dieser Welt ist" Äußerungen, die wie diese die Sprache behandeln, treten häufig im Romantext auf. Sie sind der Gegenstand meiner Untersuchung.

Ich analysiere Textausschnitte, die sprachästhetische Gedanken spiegeln oder reflektieren sowie semantische und stilistische Sprachmerkmale. Unter diesen Aspekten verstehe ich im weiten Sinn die 'Form' des Romans. Dabei interpretiere ich weder die äußere Handlung des Romans, noch gehe ich auf biographische oder psychoanalytische Aspekte ein, welche in der Forschungsliteratur zu "Malina" in den 70er Jahren starke Berücksichtigung finden, noch auch auf feministische Perspektiven, die seit den 80er Jahren im Vordergrund stehen.

Die sprachlichen Merkmale und die Aussagen über Sprache in "Malina" sind nicht nur für das Werk Bachmanns sondern auch für die Literatur der Epoche der Moderne bezeichnend.

Nach einer Einführung in Geschichte, Aufbau und Struktur des Romans (Kapitel 2) untersuche ich bedeutende Sprachmerkmale des Romans (Kapitel 3). Als moderne sprachliche Stilmittel analysiere ich exemplarisch die Fragmentarisierung (3.1) und die Sprachreflexion (3.2) in "Malina". Dabei untersuche ich jeweils, in welcher Beziehung sie zur Literatur der Moderne stehen. Anschließend erarbeite ich anhand des Romans Kennzeichen einer modernen Erzähltechnik. Hier untersuche ich die subjektive Erzählweise, ihre Grenzen in der modernen Gesellschaft (3.3) und die Problematik von subjektiver Erfahrung und Erinnerung als Grundbedingung des Erzählens (3.4) - in diesem Zusammenhang ist auch die in moderner Literatur vorzufindende Erkenntnisskepsis zu analysieren (3.5). Hier ist es aufschlußreich, Bachmanns Perspektive auf die Sprachphilosophie Wittgensteins zu analysieren, da mit Wittgenstein eine neue, für die Moderne entscheidende Perspektive auf den Zusammenhang von Sprache und Erkenntnis entsteht, deren Bedeutung die Autorin schon seit den 50er Jahren beschäftigt, und die für die Erzählweise in "Malina" Erklärungen liefert. Ausschlaggebend für die Art des Umgangs mit Sprache besonders in "Malina" - aber auch in moderner Literatur überhaupt - ist die Position, die Kunst und Literatur innerhalb einer rationalistischen Gesellschaft haben, aber auch welche Grenzen einem blinden Irrationalismus mit den Mitteln der Sprache gesetzt werden können, weshalb ich "Malina" auf Hinweise auf Logozentrismuskritik und die Philosophie der Aufklärung untersuche (3.6). In den folgenden letzten Kapiteln erarbeite ich, von den gewonnenen Erkenntnissen ausgehend, in welcher sprachlichen Form Bachmann ihr Sprachkonzept, das sie in den Frankfurter Vorlesungen am ausführlichsten referiert, in "Malina" umsetzt (3.7), und daraufhin den Bachmannschen Entwurf einer Utopie, der weitere Moderne-typische Kennzeichen aufweist (3.8). Abschließend ist zu analysieren, welche Kategorien die Poetik der Dichterin, die in "Malina" sprachliche Gestaltung findet, charakterisieren (3.9).

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung
2. Aufbau und Struktur des Romans
2.1 Handlung
2.2 Aufbau und Struktur
3. Moderne Sprachmerkmale in "Malina"
3.1 Fragmentarisierung
3.1.1 Begriffsklärung
3.1.2 Das Fragment in der Frühromantik
3.1.3 Fragmentarische Textstruktur in "Malina"
3.1.4 Fragmentarisiertes Sprechen und Schreiben in "Malina"
3.1.5 Fragmentarisierung als Spiegel der Gesellschaft
3.2 Sprachreflexion
3.2.1 Frühromantische Theorie als Referenz
3.2.2 Reflexion von Schreibprozeß, Zeichen und Sprache in "Malina"
3.3 Subjektivismus und Erzählproblematik
3.3.1 Thema der Frühromantik
3.3.2 Subjektivismus versus Gesellschaft in "Malina"
3.3.3 Die Krise des Subjekts in "Malina"
3.3.4 Divergierende Erzählhaltungen in "Malina"
3.3.5 Subjektivistische Erzählperspektive in "Malina": Folgen für die Rezeption
3.3.6 Namen und Identität in "Malina"
3.4 Erfahrung und Erinnerung als Grundbedingung des Erzählens in "Malina"
3.5 Erkenntnisskepsis
3.5.1 Erkenntnisskepsis gegenüber der Mediengesellschaft in "Malina"
3.5.2 Der Einfluß von Wittgensteins Sprachphilosophie auf Bachmann
3.6 Rationalismus und Logozentrismuskritik
3.6.1 Ratio und Natur bei Hölderlin und in der Frühromantik
3.6.2 Logozentrismuskritik und aufgeklärtes Denken in "Malina"
3.7 Poetische Sprache
3.7.1 Novalis' Idee einer anderen Sprache als Substrat in "Malina"
3.7.2 Poetische und informative Sprache in "Malina"
3.7.3 Unsagbares in "Malina"
3.8 Die Utopie
3.8.1 Romantische Utopien
3.8.2 Die Bedeutung der Sprache für die Utopie in "Malina": Wirkmächtigkeit
3.8.3 Konzept der Utopie: Schönheit der Sprache in "Malina"
3.9 Sprachkonzept der Moral
3.9.1 Diskrete Sprache in "Malina"
3.9.2 Sprache und Menschenwürde in "Malina"
4. Zusammenfassung
5. Literaturverzeichnis
 
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