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Titel Formalgrammatische Beschreibung und automatische Analyse von Verbalkomplexen in der deutschen Sprache 
Untertitel Die Studie ist aufgrund des Seitenumfangs nur digital erhältlich (CD oder Download) 
AutorIn Jörg Schreiber 
Seiten 275 Seiten 
Hochschule Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Deutschland 
Art der Arbeit Magisterarbeit 
Abgabe 1995 
Note 1,3 
Preis 38,00 EUR (inkl. MwSt.)
 
Bestellnummer 75000510 
Sprache Deutsch 
Medien CD 
Inhaltsangabe
Einleitung:

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Verbalkomplexen der deutschen Sprache. Dabei ist festzustellen, daß diese in ihrer Struktur sehr differenziert sind. Die grammatische Struktur der Verbalkomplexe ist insofern sehr differenziert, als einerseits relativ viele verschiedene morphologische Komponenten daran beteiligt sind, und andererseits die Wortstellung dieser Komponenten stark variieren kann.

Die meisten Verbalkomplexe werden mit den Auxiliaren haben, sein und werden in finiter Form gebildet, die dann mit einem infiniten Vollverb in der Form eines Partizip II oder eines Infinitivs verbunden werden, um ein Tempus oder das Genus verbi zu umschreiben. Die Infinitive der Vollverben bestehen dabei aus dem infiniten Vollverb selbst oder aus einer Kombination von infinitem Vollverb und infiniten Auxiliaren. Die infiniten Auxiliare können als Infinitive (haben, sein, werden) oder als Partizip II (sein, werden) vorkommen, wobei das Partizip II von werden in diesem Zusammenhang ohne das Präfix ge- gebildet wird, also nur worden lautet.

Weitere Verbalkomplexe werden mit den Modalverben in finiter Form gebildet. Diese werden dann mit einem Infinitiv verbunden, womit eine bestimmte Art und Weise des durch das Vollverbs bezeichneten Geschehens ausgedrückt wird. Im allgemeinen werden die Modalverben mit einem einfachen Infinitiv verbunden, aber es ist auch möglich, sie mit einem der komplexen Infinitive zu verbinden. Sie können also auch an den Stellen stehen, an denen das Auxiliar werden mit einem Infinitiv verbunden wird, um eine Form im Futur I oder Futur II zu bilden.

Wenn die Modalverben mit dem Auxiliar haben verbunden werden, um eine der Perfektformen zu bilden, kommt das infinite Modalverb dabei nicht in der Form eines Partizip II, sondern in der eines Infinitivs vor. Soll es jedoch mit dem Auxiliar werden zur Bildung eines Futur II verbunden werden, steht es im Infinitiv Perfekt in der Form eines Partizip II. Zusätzlich können die Modalverben auch miteinander kombiniert und mit den Auxiliaren zur Tempusbildung verbunden werden.

Neben den Modalverben gibt es die Modalitätsverben (pflegen, gedenken etc.), die ebenfalls einen modalen Charakter haben und einen Verbalkomplex bilden können. Sie werden aber mit der Präposition zu und mit einem einfachen Infinitiv verbunden. Zu den Modalitätsverben zählen auch die Auxiliare haben und sein, denn auch sie können eine Modalität ausdrücken und werden dann mit der Präposition zu und einem einfachen Infinitiv verbunden.

Außerdem können die Modalitätsverben auch mit den Auxiliaren verbunden werden um, Formen des Tempus und Genus verbi zu bilden.

Des weiteren gibt es die Infinitivverben, die keine Modalität ausdrücken, aber einen Sachverhalt näher beschreiben. Sie werden wie die Modalverben mit einen Infinitiv ohne zu oder wie die Modalitätsverben mit einen Infinitiv mit zu verbunden. Auch in diesem Zusammenhang kann das Auxiliar haben verwendet und mit einem Infinitiv ohne zu verbunden werden. Diese Verben können auch mit den Auxiliaren verbunden werden um, Formen des Tempus und Genus verbi zu bilden.

Schließlich gibt es noch die Partizipverben, die einen Verbalkomplex bilden können. Sie werden mit dem Partizip Il eines Vollverbs verbunden, und auch dann ist es wieder möglich, von diesem Verbalkomplex mit den Auxiliaren Tempusformen zu bilden.

Daneben gibt es noch einige Verben, die verschiedene Verwendungsmöglichkeiten haben, aber von sich aus keinen Verbalkomplex bilden. Von diesen Verben lassen sich nun auch Verbalkomplexe bilden, wenn sie mit den Auxiliaren haben, seih und werden verbunden werden. Zu diesen Verben zählen die Auxiliare selber, wenn sie als Vollverben verwendet werden, das Auxiliar sein wenn es eine imperfektive Aktionsart zum Ausdruck bringen soll, sowie haben, sein und einige andere Verben, wenn sie als Funktionsverben die Konjugationsendungen tragen, während das Geschehen durch das Nomen einer Nominal- oder Präpositionalphrase beschrieben wird.

Neben der großen Anzahl von morphologischen Komponenten gibt es für den Verbalkomplex auch noch verschiedene Möglichkeiten der Wortstellung. Am häufigsten tritt die Variante auf, in der das finite Verb an der zweiten funktionalen Stelle steht, und das infinite die letzte Position einnimmt. Besteht der infinite Teil aus mehreren Verben, so haben diese jedoch eine feste Reihenfolge. Desweiteren gibt es die Variante, in der das finite Verb das erste Wort im Satz ist, und der infinite Teil wieder - bei mehreren Verben in fester Reihenfolge - am Ende des Satzes steht. In eingeleiteten Nebensätzen, die mit einer unterordnenden Konjunktion beginnen, stehen sowohl der finite als auch der infinite Teil des Verbalkomplexes am Ende. Allerdings steht zuerst der infinite, dann der finite Teil. Diese Regel wird nur in Sätzen mit mehreren Infinitiven im Verbalkomplex abgeändert, wo wieder der finite Teil vor den infiniten tritt.

Diese vielfältigen Strukturen werden in den von mir benutzten Grammatiken von EISENBERG', ENGELZ und HELBIG/BBUSCHA3, in der Dudengrammatik4, sowie in 'Syntaktische Analyse' von VAN DER ELSTS unterschiedlich beschrieben und dabei mehr oder weniger ausführlich behandelt. Ob die Grammatik dabei wie der Duden eher normativ ist, ob die verschiedenen Strukturen wie bei EISENBERG oder ENGEL eher deskriptiv und aus einer anderen Sicht dargestellt werden, ob sich die Grammatik wie bei HELBIG/BUSCHA eher an Ausländer mit geringer Kompetenz für die deutsche Sprache richtet, oder ob es sich dabei wie bei VAN DER ELST um eine Anleitung und Beschreibung zur syntaktischen Analyse handelt, eines ist allen Bücher gemein: Sie verwenden bei der Beschreibung der verschiede-nen Strukturen alle eine Mischung aus Syntax und Semantik.

Aus computerlinguistischer Sicht stellt sich nun das Problem, daß eine Beschreibung für diese Strukturen gefunden werden muß, die sich nur auf die morphologischen Komponenten und die Stellungsregularitäten in den Verbalkomplexen bezieht. Ziel dieser Arbeit ist es also, die Informationen aus den verschiedenen Grammatiken zu abstrahieren und Regeln für Verbalkomplexe zu erstellen, die so explizit und exakt sind, daß sie als Computerprogramm (Parser) implementiert werden können. Dazu ist es nötig, eine Beschreibungsmöglichkeit für die in verschiedenen Kontexten und Bedeutungen vorkommenden Verben (Auxiliare, Modal-, Modalitäts-, Infinitiv-, Partizip-, Funktionsverben) zu finden, und es muß eine Möglichkeit gefunden werden, die verschiedenen Stellungsregularitäten zu beschreiben.

Als programmiertechnischen Rahmen verwende ich hierzu den Formalismus der linksassoziativen Grammatiken, wie er von HAUSSERE beschrieben wird. Das Ergebnis der vorliegenden Arbeit ist ein Parser für die Verbalkomplexe der deutschen Sprache, der auf dem Bereichsrechnemetz der Philosophischen Fakultäten I und II als Teilkomponente der grammatischen Beschreibung in der LA-Grammatik entwickelt worden ist.' Die Vorgehensweise bei der Beschreibung und Analyse der Verbalkomplexe in dieser Arbeit ist immer nach demselben Schema strukturiert: Zunächst werde ich den Verbalkomplex mit den Mitteln der konventionellen Grammatik beschreiben (Dudengrammatik, EISEN-BERG, ENGEL, HELBIG%BUSCHA). Dann folgt eine syntaktische Analyse, bei der ich mich besonders an die Arbeit von VAN DER ELST halten und hauptsächlich seiner Vorgehensweise bei der Analyse folgen werde. Nachdem ich den Verbalkomplex auf konventionelle Weise analysiert habe, werde ich die Verbalkomplexe mit der links-assoziativen Grammatik von HAussER darstellen. Dazu werde ich die Phänomene an Beispielen, einer automatischen Satzanalyse, die mit dem von mir geschriebenen Parser erstellt wurde, und einem Regelpfad beschreiben.

Beginnen werde ich diesen Beschreibungszyklus mit dem Satz:

Die Menschen segeln das Schiff.

Von diesem Satz ausgehend werden die Auxiliarkonstruktionen beschrieben, die sich mit diesem Satz erstellen lassen. Nachdem die Auxiliarkonstruktionen ausführlich behandelt worden sind, werde ich die anderen Verbalkomplexe und die sich daraus ergebenden Auxiliarkonstruktionen behandeln. Zum Schluß werden die weiteren Konstruktionen und die Auxiliarkonstruktionen, die diese bilden können, bearbeitet.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Zur Begriffsklärung der linguistischen Grundlagen 5
2.1 Verbalkomplexe 5
2.2 Auxiliarkonstruktionen 5
2.3 Andere Verbalkomplexe 7
2.4 Weitere Konstruktionen 7
2.5 Satzarten 8
2.6 Satzglieder 9
2.7 Wortstellung 10
3. Zur Begriffsklärung der links-assoziativen Grammatik 13
3.1 Theorie der links-assoziativen Grammatik 13
3.2 Der links-assoziative Parser LAP 16
4. Sätze mit einem finiten Vollverb 19
4.1 Konventionelle syntaktische Analyse 19
4.2 Links-assoziative Analyse 20
4.2.1 Kernsatz 21
4.2.2 Kernsatz mit Topikalisierung 26
4.2.3 Stirnsatz und Spannsatz 29
5. Sätze mit Auxiliarkonstruktionen 31
5.1 Auxiliarkonstruktionen mit zwei verbalen Elementen 31
5.1.1 Die Auxiliare haben oder sein und ein Partizip II 31
5.1.1.1 Konventionelle syntaktische Analyse 38
5.1.1.2 Links-assoziative Analyse 38
5.1.1.2.1 Kernsatz 39
5.1.1.2.2 Kernsatz mit Topikalisierung 42
5.1.1.2.3 Stirnsatz und Spannsatz 44
5.1.2 Das Auxiliar werden und ein Infinitiv 45
5.1.2.1 Konventionelle syntaktische Analyse 48
5.1.2.2 Links-assoziative Analyse 48
5.1.3 Das Auxiliar werden und ein Partizip II 50
5.1.3.1 Konventionelle syntaktische Analyse 54
5.1.3.2 Links-assoziative Analyse 55
5.1.3.2.1 Kernsatz 55
5.1.3.2.2 Kernsatz mit Topikalisierung 59
5.1.3.2.3 Stirnsatz und Spannsatz 61
5.1.4 Das Auxiliar sein und ein Partizip II 61
5.1.4.1 Konventionelle syntaktische Analyse 65
5.1.4.2 Links-assoziative Analyse 65
5.2 Auxiliarkonstruktionen mit drei verbalen Elementen 66
5.2.1 Das Auxiliar werden, ein Partizip II und der Infinitiv von haben oder sein 67
5.2.1.1 Konventionelle syntaktische Analyse 69
5.2.1.2 Links-assoziative Analyse 69
5.2.2 Das Auxiliar sein, ein Partizip II und das Partizip II von werden ohne ge- 72
5.2.2.1 Konventionelle syntaktische Analyse 73
5.2.2.2 Links-assoziative Analyse 73
5.2.3 Das Auxiliar sein, ein Partizip II und das Partizip II von sein 74
5.2.3.1 Konventionelle syntaktische Analyse 75
5.2.3.2 Links-assoziative Analyse 76
5.2.4 Das Auxiliar werden, ein Partizip II und der Infinitiv von werden 77
5.2.4.1 Konventionelle syntaktische Analyse 78
5.2.4.2 Links-assoziative Analyse 78
5.2.5 Das Auxiliar werden, ein Partizip II und der Infinitiv von sein 80
5.2.5.1 Konventionelle syntaktische Analyse 81
5.2.5.2 Links-assoziative Analyse 82
5.3 Auxiliarkonstruktionen mit vier verbalen Elementen 83
5.3.1 Das Auxiliar werden, ein Partizip II, das Partizip II von werden ohne ge- und der Infinitiv von sein 84
5.3.1.1 Konventionelle syntaktische Analyse 85
5.3.1.2 Links-assoziative Analyse 85
5.3.2 Das Auxiliar werden, ein Partizip II, das Partizip II von sein und der Infinitiv von sein 87
5.3.2.1 Konventionelle syntaktische Analyse 88
5.3.2.2 Links-assoziative Analyse 88
6. Sätze mit anderen Verbalkomplexen 91
6.1 Modalverbkomplexe 91
6.1.1 Konventionelle syntaktische Analyse 95
6.1.2 Links-assoziative Analyse 95
6.2 Infinitivmitzuverbkomplexe 98
6.2.1 Konventionelle syntaktische Analyse 101
6.2.2 Links-assoziative Analyse 101
6.3 Infinitivverbkomplexe 104
6.3.1 Konventionelle syntaktische Analyse 106
6.3.2 Links-assoziative Analyse 107
6.4 Partizipverbkomplexe 110
6.4.1 Konventionelle syntaktische Analyse 112
6.4.2 Links-assoziative Analyse 112
7. Sätze mit weiteren Konstruktionen 116
7.1 'Verlaufsform' 116
7.1.1 Konventionelle syntaktische Analyse 117
7.1.2 Links-assoziative Analyse 118
7.2 Vollverben 120
7.2.1 Konventionelle syntaktische Analyse 122
7.2.2 Links-assoziative Analyse 123
7.3 Funktionsverben 125
7.3.1 Konventionelle syntaktische Analyse 128
7.3.2 Links-assoziative Analyse 129
8. Fazit und Ausblick 132
Literaturverzeichnis 134
 
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