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Titel Heinrich Heine und Friedrich Nietzsche 
Untertitel Eine Untersuchung zur Kongruenz im Denken beider Autoren 
AutorIn Karl Knispel 
Seiten 128 Seiten 
Hochschule Gerhard-Mercator-Universität Duisburg Deutschland 
Art der Arbeit Magisterarbeit 
Abgabe 1997 
Note
Preis 38,00 EUR (inkl. MwSt.)
 
Bestellnummer 75000646 
Sprache Deutsch 
Medien Papier / CD 
Inhaltsangabe
Einleitung:

Parallelen oder sogar Kongruenz im Denken von Heinrich Heine und Friedrich Nietzsche? Mutet das zunächst nicht paradox an...?!

Heine, der furchtlose Kämpfer mit der spitzen Feder, der sich für Werte wie soziale Gerechtigkeit, Freiheit und Revolution stark gemacht hat - er, der "linke Dichter", soll etwas gemein haben mit dem "Gottesmörder", dem "Wertezertrümmerer" Nietzsche, der in elitärer Weise den "Untergang" der Menschen und die Heraufkunft eines "Übermenschen" verkündete? Worin sollen sie denn bestehen, diese Gemeinsamkeiten zwischen Heine, dem revolutionären Geist, dem schwärmerischen Dichter der Liebe, der von seinen Freunden geliebt wurde, bei seinen Feinden und Neidern hingegen verhaßt war ob seines scharfzüngigen Spottes über die Menschen und die Gesellschaft seiner Zeit...? Und auf der anderen Seite Nietzsche, dem Dekonstrukteur des gesellschaftlich Überkommenen, mit seinen zum Teil nur schwer verdaulichen "Tiraden", die den "strikten Egoismus" verkündend die "Härte" gegen sich selbst ebenso einforderten wie die "Härte" gegen Andere...?

Die vorliegende Untersuchung hat sich zum Ziel gesetzt, durch eine schwerpunktorientierte Analyse ausgewählter Denkinhalte beider Autoren dieser in Frage stehenden und in der literaturwissenschaftlichen Forschung m. E. bis dato allenfalls unbefriedigt beantworteten "Problematik" nachzugehen. Zwar hat die literaturwissenschaftliche Forschung eine Unmenge an Material über die hier zur Diskussion stehenden Autoren zusammengetragen und viele Winkel ihres Denkens eingehend "durchleuchtet". Aber der "blinde Fleck" ist nicht zu leugnen: In der Auseinandersetzung um den ideengeschichtlichen Kontext des 19. Jahrhunderts werden Heine und Nietzsche nur selten in einem Atemzug genannt. Wo doch - wie später zu zeigen sein wird - Nietzsche in einigen charakteristischen Bereichen in Heine eine Art unmittelbaren Vorläufer, wenn nicht gar ein "Vorbild" seines Denkens gefunden zu haben scheint... Klar ist hierbei nur, daß sich Nietzsche in seinem Werk allein da explizit auf Heine bezieht, wo es sich um die Würdigung der Heineschen Dichtkunst handelt. Lediglich dort, was im ersten Kapitel der Arbeit aufgewiesen wird, ist von einer direkten "Vorbildwirkung" die Rede. Ansonsten schweigt sich Nietzsche über Heine aus. Um so augenfälliger sind die punktuellen Übereinstimmungen zwischen beiden Autoren, insofern sich doch so manches, was Nietzsche später für sich reklamiert, bereits bei Heine in nahezu wortgetreuer und gedanklicher "Vorfertigung" aufspüren läßt.

Die literaturwissenschaftliche Forschungsrichtung hat diesen "Anhaltspunkten" m. E. bisher nur ansatzweise Rechnung getragen: Zwar erschien im Jahre 1972 ein Aufsatz von Hanna Spencer, der viele einander entsprechende Elemente im Werk der beiden deutschen Literaten aufzählt. Aber eben nur aufzählt! Es folgt keine tiefergehende Analyse nach. - Fast 20 Jahre später, anläßlich der Benennung der Düsseldorfer Universität nach Heinrich Heine, erinnerte Prof. Dr. Herwig Friedl an die geistige Nähe im Schaffen beider Dichter und Denker. Die rar gesäten Aufsätze des englischsprachigen Raumes hingegen sind ihrer Intention nach vor allem den Gemeinsamkeiten in der Lyrik Heines und Nietzsches gewidmet.

Gang der Untersuchung:

Leider kann die folgende Untersuchung nur die "wichtigsten" verwandten Elemente im Gesamtwerk Heines und Nietzsches vergleichend in den Blick nehmen. Eine Überblicksdarstellung ist demgemäß also nicht beabsichtigt, würde doch die Fülle des zur Verfügung stehenden Materials den durch die Aufgabenstellung notwendigerweise knapp gesteckten Rahmen dieser Arbeit sprengen. So müssen zentrale Aspekte wie beispielsweise die Funktion von "Ironie" und "Lachen", das Deutschlandbild beider Autoren, die Bedeutung des "Tanzes" und Elemente der Lyrik unberücksichtigt bleiben.

Vielmehr ist daran gelegen, die sinnfälligen und essentiellen Momente der Kongruenz zwischen Heine und Nietzsche aufzugreifen und dann eingehender zu analysieren, um so die Hauptlinien der stilistischen bis weltanschaulich-philosophischen Affinitäten im Denken und Schaffen der beiden deutschen Autoren explizieren zu können. Die hier getroffene Auswahl trägt m. E. diesem Anliegen Rechnung.

Am Anfang der Arbeit steht die Analyse der Gemeinsamkeiten im sprachlichen Stil. Es wird dargestellt, daß sich Sprachform und Gedankeninhalt gegenseitig bedingen, daß aphoristischem Ausdruck sowie metaphorischer Verschlüsselung von beiden Dichtern ein hoher Stellenwert eingeräumt wird. Beide sehen in einem "prä-rationalen", vorbegrifflichen Bereich die eigentliche und kreative Erkenntnisleistung schöpferischer Menschen angesiedelt. An dieser Stelle wird auch die philosophische Herleitung des Sprachproblems durch Nietzsche ihre Berücksichtigung finden.

Das zweite Kapitel ist dem zentralen Moment der "Kritik am Christentum" gewidmet, wobei Heines und Nietzsches jeweilige Versionen vom "Tode Gottes" im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Diese These wird im landläufigen Sinne beständig Nietzsches Urheberschaft zugeschrieben, und er selbst beanspruchte dies ja auch für sich! Anhand fast wortgetreuer Entsprechungen, wie sie bei Heine bereits ein halbes Jahrhundert zuvor zu finden sind, wird jedoch die Bedenklichkeit dieser Zuschreibung aus wissenschaftlicher Perspektive ersichtlich. Weiterhin werden die sich aus dieser These für beide Autoren ergebenden Konsequenzen erörtert, wobei abermals dargelegt werden kann, daß Heine wie Nietzsche auch in dieser Hinsicht durchaus "in eine Richtung" weitergedacht haben. Da sich aus Nietzsches radikalerem Denken aber sehr wohl auch deutliche Unterschiede zu Heine ergeben, wird die These vom "Tode Gottes" abschließend noch im ideengeschichtlichen Kontext betrachtet.

Aus methodischen Gründen erfolgt im dritten Kapitel ein Wechsel der Betrachtungsperspektive. Untersucht wird hier das Denken beider Autoren anhand einander adversativer Prinzipien. Jedoch kann dabei nicht nur eine formale, sondern in Zusammenhang mit der engen inhaltlichen Verknüpfung mit dem Gegenstand des zweiten Kapitels eine substantielle Kongruenz gerade da aufgezeigt werden, wo Heines und Nietzsches Reflexionen um die "Lebensfeindlichkeit des Christentums" kreisen. Beide versuchen, antithetische Prinzipien in einer höheren Einheit aufzulösen. Das klingt zunächst nach dialektischem Denken, meint aber eine Synthesis mit Übergewicht eines determinierenden Momentes, welches bei ihnen beiden im "Primat des Lebens" und im "kreativ-schaffenden" Menschen zu finden ist: Hier treffen sich Nietzsches "Übermensch" und Heines "göttlicher Mensch".

Im vierten Teil der Abhandlung schließlich wird der Gesichtspunkt der "Wiederkunftslehre" im Denken dieser beiden Dichter in den Fokus der Untersuchung gerückt. Diesem Gedanken fällt im Schaffen Heines und Nietzsches jeweils unterschiedliche Gewichtung zu. Während bei Heine die Wiederkunftslehre eher "am Rande" behandelt wird und dem "zweifelnden Denken" zuzuordnen ist, stellt sie bei Nietzsche das zentrale und wichtigste Moment seiner Philosophie dar. Diesem Umstand den angebrachten wissenschaftlichen Respekt zollend, endet die vorliegende Untersuchung auch mit der philosophischen Herleitung und Erörterung dieser "Universalfrage".

Philosophische, kulturkritische und gesellschaftsgenealogische Überlegungen sind vor allem beim "Philosophen" Nietzsche, aber auch beim "Dichter" Heine grundsätzlich über das gesamte Werk verteilt. Jedoch sind an dieser Stelle zwei zentrale Aufsätze Heines zu nennen, in welchen er sich - expliziter als in seinen übrigen Schriften - in theoretischer Ausformung gezielt diesen Themen zuwendet: einmal "Die Romantische Schule" von 1833, zum anderen "Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland" von 1834.

Abschließend sei noch betont, daß mit - oder besser: trotz der thematischen Zusammenführung in dieser wissenschaftlichen Arbeit keinesfalls die Intention verfolgt werden soll, die Dichter und Denker Heinrich Heine und Friedrich Nietzsche in ihrem Schaffen etwa "gleichzuschalten"! In ihren Werken überwiegen zuletzt die divergenten Töne. Nur steht die Behandlung dieser Frage hier nicht zur Aufgabe. Vielmehr liegt es im Bestreben dieser Arbeit, durch die analytische Herausarbeitung der vielfältigen Affinitäten im Denken Heines und Nietzsches auch einen Beitrag zu leisten zur Relativierung der üblichen Kategorisierungen, welche durch die unselige Inanspruchnahme von Schriftstellern durch die verschiedensten ideologischen Richtungen hervorgerufen wurden.

Inhaltsverzeichnis:

EINLEITUNG 04
KAPITEL I AFFINITÄT IN SPRACHE, AUSDRUCK UND STIL 08
I.1. Die aphoristische Ausdrucksform 09
I.2. Die essayistische Ausdrucksform 14
I.3. Techniken des Aphorismus 16
I.3.1. Witz und Paradox 16
I.4. Metaphorische und parabolische Grundzüge der Sprache 19
I.4.1. Philosophische Analyse des Sprachproblems 20
I.4.2. Beispiel: das parabolische Gleichnis bei Friedrich Nietzsche 25
I.4.3. Beispiel: die metaphorische Tierfabel bei Heinrich Heine 28
KAPITEL II KRITIK AM CHRISTENTUM 33
II.1. Die Dekonstruktion der Gottesvorstellung 33
II.1.1. Das Motiv vom Tod Gottes 33
II.1.2. Gründe für den Tod Gottes 37
II.2. Konsequenzen aus der These vom Tod Gottes 41
II.2.1. Schlußfolgerungen bei Heinrich Heine 41
II.2.2. Die religiöse Wende bei Heine 46
II.2.3. Schlußfolgerungen bei Friedrich Nietzsche 48
II.3. Grundprobleme der Dekonstruktionsphilosophie 53
II.4. Kritik der christlichen Moral 55
KAPITEL III ANTITHETISCHE PRINZIPIEN UND SYNTHESISVERSUCHE 66
III.1. Der Dualismus von Spiritualismus und Sensualismus 66
III.1.1 Synthesis: Sensualistischer Pantheismus 69
III.1.2 Die Rolle der Phantasie 72
2. Der Leib-Geist-Dualismus 74
III.2.1. Die Zerrissenheit der Welt 74
III.2.2. Synthesis im Postulat des Übermenschen 80
III.2.2.1. Die Leiblichkeit des Ich 80
III.2.2.2. Das Projekt des Selbst 82
III.3. Nazarener und Hellenen 86
KAPITEL IV DIE EWIGE WIEDERKUNFT DES GLEICHEN 92
IV.1. Heinrich Heine: Zyklische Geschichtsvorstellung und trostloses Wiederholungsspiel 92
IV.1.1. Das zyklische Geschichtsmodell 92
IV.1.2. Wiederkunft als Metempsychose und Wiederholungsspiel 95
IV.2. Friedrich Nietzsche: Der Wiederkunftsgedanke als erkämpfte Einsicht 98
IV.2.1. Das Verhältnis des Machtwillens zur Zeit 98
IV.2.2. Zeitimmanenz: Der Augenblick als Jetztpunkt 101
IV.2.3. Zeittranszendenz: Der zeitlos kreative Augenblick 103
SCHLUSSBEMERKUNGEN 108
ABBILDUNGEN 109
ABKÜRZUNGSVERZEICHNISS 110
BIBLIOGRAPHIE 111
ERKLÄRUNG 119
 
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