Einleitung:
Im Mittelpunkt dieser Diplomarbeit stand die explorative Erforschung des Phänomens der Unternehmensgründung in Frankreich und der hierfür bestehenden staatlichen Rahmenbedingungen. Außerdem sollten die in der Fachliteratur aufgezeigten Wirkungsweisen einzelner Umfeldkomponenten auf die Gründungsaktivität dargelegt werden.
Sehr auffällig ist zunächst die aufgedeckte, weitestgehend parallele Entwicklung des konjunkturellen Verlaufs und der Neugründungsaktivität. Eine Ausnahme stellt dabei das abgelaufene Jahr 1997 dar, in dem der seit 1994 rückläufige Trend der Neugründungsaktivität trotz leichter Konjunkturerholung nicht aufgehalten werden konnte. Bei einem internationalen Vergleich liegt die in Frankreich festzustellende Gründungsaktivität relativ geringfügig oberhalb des EU-Durchschnitts. Nationale Unterschiede lassen sich im wesentlichen auf die Arbeitslosigkeit, den Wohlstand, technologische Veränderungen, die Bevölkerungsstruktur, kulturelle und psychologische Faktoren sowie das Verhalten des Staatsapparates eines Landes zurückführen.
Verschiedene Auswirkungen auf das Gründungsphänomen hat die in Frankreich festzustellende, hohe Arbeitslosigkeit. Einerseits sehen viele hiervon Betroffene neben einer Existenzgründung keine weitere Möglichkeit, wieder erwerbstätig zu werden. 1994 wurde beispielsweise fast die Hälfte der Unternehmensneugründungen von Arbeitslosen durchgeführt. Überschreitet die Arbeitslosenquote jedoch eine gewisse Schwelle, so kann hiervon andererseits eine desillusionierende Wirkung auf potentielle Neugründer ausgehen. Bei steigender Arbeitslosigkeit ging die Gründungsaktivität im Verlauf der letzten Jahre zurück.
Wie in dieser Untersuchung herausgearbeitet wurde, liegt die Steuerbelastung in Frankreich über dem Durchschnitt der EU-Länder, wovon negative Effekte auf das Unternehmertum ausgehen.
Die allgemeinen rechtlichen Bestimmungen zur Gründung eines Unternehmens können jedoch als relativ liberal bezeichnet werden. Ein wesentlicher Fortschritt hat auch hinsichtlich der Gründungsformalitäten stattgefunden, die in sogenannten Centres de formalités des entreprises zentral abzuwickeln sind, womit zur Vereinfachung dieser Formalitäten beigetragen wurde.
Besondere Berücksichtigung sollte im Rahmen dieser Untersuchung auch das in Frankreich anzutreffende Innovationsklima finden. In den letzten Jahren kam es hier zur Entwicklung eines breiten Umfeldes für die Gründung technologisch orientierter, hochinnovativer Gründungen, von dem bisher jedoch keine nennenswerten Erfolge in bezug auf die Anzahl innovativer Gründungen aus dem High-Tech-Bereich zu verzeichnen sind. Die in diesem Bereich festzustellende Gründungsaktivität bewegt sich seit Jahren auf eher marginalem Niveau. Zurückzuführen ist diese Situation im wesentlichen auf das Ausbildungssystem an privaten Ingenieurhochschulen, an denen der Unternehmergeist lange Zeit nicht ausreichend vermittelt wurde. Hier sollte an den Bemühungen der letzten Jahre angeknüpft werden, die auf die Förderung der Gründungsaktivität von Ingenieuren über die Etablierung des Unternehmergeistes ausgerichtet sind.
Der bei Ingenieuren bisher festgestellte Unternehmergeist deckt sich im wesentlichen mit dem der gesamten französischen Gesellschaft. In bezug auf das Motivationsklima konnte der in der Literatur festgestellte ausgeprägte Drang zur Risikovermeidung bestätigt werden, dem allgemein hoher Stellenwert in Verbindung mit der Gründungsaktivität beigemessen wird.
Das in der französischen Gesellschaft aufgedeckte Bild des Unternehmers ist immer noch von dem des Kapitalisten geprägt. Die Ergebnisse aus den Experteninterviews und der schriftlichen Studentenbefragung deuten jedoch auf eine wesentliche Verbesserung in diesem Bereich hin.
Die in Frankreich anzutreffende Gründungsinfrastruktur muß als durchaus umfangreich bezeichnet werden. Sowohl auf staatlicher als auch auf regionaler und kommunaler Ebene wurden vielfältige Förderprogramme für Unternehmensgründungen eingerichtet. Als bedeutsam wurde auch das Bankensystem herausgestellt, das rund die Hälfte der Finanzierung von Unternehmensgründungen abdeckt. Das Beteiligungsvolumen von Venture-Capital-Gesellschaften an neugegründeten Unternehmen konnte zuletzt 1996 erheblich gesteigert werden, wobei die Anzahl der durch sie geförderten Gründungen jedoch weiterhin gering bleibt. Gewissen Anlaß zur Hoffnung geben hier die 1996 erfolgte Gründung des Nouveau Marché und die geplante Einführung privater Rentenfonds.
Eine sehr positive Entwicklung weist das Gründerausbildungssystem an französischen Hochschulen auf, das in den letzten Jahren erheblich ausgebaut werden konnte. Hieran sollte nach Meinung des Autors auch in Zukunft festgehalten werden, um auch bei ungünstiger demographischer Entwicklung beste Voraussetzungen für eine hohe Gründungsaktivität zu schaffen.
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