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Diplomarbeiten

 

 

Titel Neue Chancen für Kommunen - Potentialanalyse von genossenschaftlichen Infrastrukturbetrieben 
Untertitel  
AutorIn Roland Thomas Nöbauer 
Seiten 90 Seiten 
Hochschule Hamburger Fern-Hochschule Deutschland 
Art der Arbeit Diplomarbeit 
Abgabe 2011 
Note 1,1 
Preis 38,00 EUR (inkl. MwSt.)
 
Bestellnummer 90016924 
Sprache Deutsch 
Medien  
Inhaltsangabe
Einleitung:

Nicht erst seit der aktuellen Wirtschaftskrise stehen Gemeinden immer häufiger vor dem Problem, ihren kommunalen Infrastrukturaufgaben nachzukommen.

Seit etwa Anfang der 90er-Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde in der kommunalwirtschaftlichen Leistungserbringung ein deutlicher Schub hin zu stärker kostenoptimierter Leistungserbringung spürbar.

Sowohl die Errichtung als auch der Betrieb von Infrastruktur-Einrichtungen stellt die Gemeinden in vielen Fällen vor unlösbare finanzielle Schwierigkeiten. Auch von den übergeordneten Länderverwaltungen wird mit den Schlagworten 'wirkungsorientierte Verwaltung' (kurz: WOV) und 'new public management' (kurz: NPM) den Kommunen ein klares Ziel vorgegeben: Kosten- und Organisationsoptimierung in allen Bereichen.

Der Kostendruck führt in vielen Fällen jedoch zu einer Zweiklassengesellschaft: In jene Bürgerklasse, die in den Städten und Ortszentren schon seit vielen Jahren mit der wichtigsten Infrastruktur wie Trinkwasserversorgung, Abwasserbeseitigung, Wärme- und Energieversorgung, leistungsfähige Internetverbindungen und Kabelfernsehen, Straßenbeleuchtung, öffentliche Verkehrsmittel, Kindergärten, Schulen und anderen Annehmlichkeiten der modernen Gesellschaft versorgt sind und in jene Klasse, die außerhalb der Ortszentren in Siedlungen und kleinen ländlichen Gemeinden, noch auf diese Versorgung warten müssen. Für viele betroffene Bürger bedeutet die aktuelle Wirtschaftskrise einen nicht abschätzbaren Aufschub bis zum Ver- bzw. Entsorgungsanschluss.

Alleine in Oberösterreich gibt es mit seinen typischen Streusiedlungen über 4.000 Ortsteile von Städten und Gemeinden mit weniger als 20 Häusern. Davon ist noch ein großer Teil von der Infrastruktur, wie sie in anderen Siedlungsbereichen als Standard empfunden wird, abgeschnitten und Vieles fiel schon dem Sparstift zum Opfer (Lebensmittelgeschäft im Ort ('Greißler'), Postfiliale, Kindergarten, Volksschule,...).

Für viele benachteiligte Bürger ist dieser Zustand nicht akzeptabel oder wird als Chance zur Eigeninitiative gesehen. Sie formieren sich in Bürgergemeinschaften wie Vereinen, Genossenschaften und Kooperativen, um selbst Infrastruktur zu errichten und zu betreiben.

Genossenschaften haben eine lange Geschichte, die bis zur Industriellen Revolution zurückreicht, sind aber keine Überbleibsel aus dem 19. Jahrhundert. Genossenschaften sind moderne und dynamische Unternehmen mit einem großen Potential.

Die Geschichte der Genossenschaftsbewegung ist und bleibt ein Teil der Sozialgeschichte. In diesem Zusammenhang betrachtet, reichen die geistigen Ursprünge der Bewegung über ihre äußeren Anfänge in der Mitte des 19. Jahrhunderts weiter zurück in frühere Zeiten, ja sie umfassen, wenn man den Bogen weit spannt, letztlich alle auf die Gemeinschaft gerichtete geistigen Bestrebungen der Menschen.

Gerade für die Erhaltung öffentlicher Einrichtungen in Kultur, Sport oder Bildung ist es häufig notwendig, ein breites Bündnis von Bürgern, Vereinen, Kommunen und örtlichen Unternehmen zu schmieden, um die erforderliche wirtschaftliche Basis für eine nachhaltige Sicherung der Einrichtungen zu schaf¬fen. Die Genossenschaft bietet für eine solche Bündelung wirtschaftlicher Kräfte nicht nur einen verlässlichen Rechtsmantel, sondern entfaltet darüber hinaus wegen ihres Vereinscharakters eine hohe Identifikationskraft der Mitglieder mit ihrem Unternehmen bzw. ihrer Einrichtung.

Meine Diplomarbeit widmet sich den Rahmenbedingungen für das Wirtschaften der Genossenschaften und Wassergenossenschaften, die nicht immer bürger- bzw. ehrenamtfreundlich sind. Es gibt aber, aus meiner beruflichen Erfahrung gesehen, auch seitens der Genossenschaften einige Optimierungsmöglichkeiten. Dies untermauern meine Analysen zahlreicher Genossenschaften und Wassergenossenschaften sowie Daten aus einer österreichweiten Eigenbild- und Fremdbilderhebungen.

Das Potential für Genossenschaften und Wassergenossenschaften ist noch lange nicht ausgeschöpft. Gerade in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten für Kommunen unterstützen Genossenschaften und Wassergenossenschaften diese bei der Bewältigung teils hoheitlicher Aufgaben und stärken wie seit Beginn der Genossenschaftsbewegung die Selbsthilfe, Selbstverantwortung, Selbstverwaltung und Selbstbestimmung der Bürger als Eigentümer und Betreiber gemeinsamer Infrastruktur. Kommunen kann es somit gelingen, sich auf die Kernaufgaben der Verwaltung mit optimiertem Kostenaufwand zu konzentrieren und gleichzeitig sicherzustellen, dass wesentliche Infrastruktur vorhanden ist und nicht in die Hände von privaten Investoren gelangt, die rein wirtschaftliche Interessen verfolgen. Weltweit gibt es dazu zahlreiche bekannte negative Beispiele. Auch Versuche mit Leasing-Modellen haben Gemeinden viel Geld gekostet.

In den Niederlanden entfallen 83% der landwirtschaftlichen Produktion auf Genossenschaften, in Frankreich 50% sowie in Zypern 37% der Bankdienstleistungen, in Spanien 21% des Gesundheitswesens und in Schweden 60% der Forstwirtschaft.

Sieht man die Zahl der Genossenschaftsmitglieder relativ zur Bevölkerung, so nimmt Finnland weltweit einen Spitzenrang ein. Sind doch 59% der Finnen mindestens in einer Genossenschaft Mitglied. Etwa 51% sind in einer der beiden genossenschaftlichen Lebensmittelgruppen Mitglied. Den zweitgrößten Sektor bilden die Genossenschaftsbanken, zu denen jeder vierte Finne gehört. 7% sind Mitglied eines genossenschaftlichen Versicherers.

Für Österreich sind keine konkreten %-Angaben bekannt, jedoch wirtschaften 2 der größten Banken (Raiffeisen und Volksbank) als Genossenschaften, stärken die zahlreichen Lagerhausgenossenschaften den Landwirtschaftsbereich, versorgen die größten Molkereien als Genossenschaften mit Milchprodukten, ist Intersport der größte genossenschaftliche Sportartikelhändler, ADEG der größte genossenschaftliche Lebensmittelversorger, es versorgen Wassergenossenschaften knapp 500.000 Personen mit Trinkwasser, beseitigen für knapp 200.000 Personen das Abwasser und stellen rd. 300 Genossenschaften Biowärme zur Verfügung.

 
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