Zusammenfassung:
Die Entscheidung zur Entwicklung neuer Produkte ist mit hohen Kosten und unsicheren Erträgen verbunden. Als Mittel zum Vergleich alternativer Entwicklungsmöglichkeiten wird meist eine Kombination verschiedener Bewertungsmodelle angewandt. Sie sollen zum einen die unmittelbaren monetären Konsequenzen eines Projekts erfassen und zum anderen strategische oder produktpolitische Absichten des Entwicklungsvorhabens berücksichtigen. Die getrennte Betrachtung dieser Größen resultiert aus den methodischen Beschränkungen der angewandten Modelle. In dieser Arbeit wird der Realoptionsansatz als eine Erweiterung des bestehenden Instrumentariums der Investitionsrechnung vorgestellt und hinsichtlich seines Beitrags zur Bewertung von Innovationsprojekten beurteilt.
Die Betrachtung nimmt ihren Ausgang im Zielsystem des Unternehmens und definiert die Aufgabe einer Bewertungstechnik im Rückschluss auf die Preisbildung an Kapitalmärkten. Es werden Merkmale von Investitionsprojekten herausgestellt, welche für eine marktorientierte Bewertung berücksichtigt werden müssen. Diese bilden die Kriterien zur Beurteilung der vorherrschenden Bewertungspraxis und den Anknüpfungspunkt des Realoptionsansatzes. Der als Realoptionsansatz bezeichnete Themenkomplex wird schrittweise dargestellt und auf die Bewertungsfrage zugeführt. Diese wird durch den Abgleich zweier Optionspreismodelle mit den Anforderungen einer Realoptionsbewertung beantwortet. Auf dem erarbeiteten konzeptionellen Verständnis aufbauend, werden Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Produktentwicklung aufgezeigt. Nachdem in die Bewertungstechnik eingeführt wurde, werden zwei der zuvor dargestellten Anwendungsmöglichkeiten wieder aufgegriffen und umgesetzt.
Ergebnisse der Arbeit sind: Mit dem Realoptionsansatz können zahlreiche Handlungsrechte in Analogie zu Finanzoptionen modelliert und bewertet werden. Einschränkungen erfährt die Methode in erster Linie durch die Qualität der vorliegenden, bewertungsrelevanten Daten und die höheren Anforderungen an den Anwender. Obwohl insbesondere bei der Bewertung neuartiger Projekte die erstgenannte Einschränkung besteht, erscheint das Bewertungsprinzip als überlegenes Konzept. Es ermöglicht eine differenzierte Berücksichtigung bekannter Projektrisiken und -flexibilitäten. Die empfohlene Bewertungstechnik vermag diese zu erfassen und in einem um Flexibilitätswerte erweiterten Kapitalwert zu verdichten.
Der Nutzen dieser Möglichkeit ergibt sich im Innovationskontext im Wesentlichen aus zwei Anwendungsformen:
- Das Methodenset zur Projektbeurteilung kann erweitert werden. Der unternehmenseigene Innovationsprozess als institutionalisiertes Flexibilitätsinstrument kann den Rahmen für ein Bewertungsmodell bilden.
- Es können Gestaltungsempfehlungen für diesen Innovationsprozess aus den spezifischen Unsicherheitsfaktoren einzelner Projektarten abgeleitet werden.
Die generelle Folge einer Anwendung des Optionskalküls ist, dass Flexibilitäten, Lernprozesse, modulare Konzepte sowie alle Mechanismen, die die Adaptionsfähigkeit des Unternehmens erhöhen, sowohl auf konzeptioneller als auch auf instrumentell-analytischer Ebene aufgewertet werden.
Gang der Untersuchung:
Im ersten Kapitel wird das wissenschaftliche Forschungsgebiet dargestellt und die Motivation der Arbeit durch Forschungsfragen konkretisiert.
Daraufhin werden im zweiten Kapitel, ausgehend vom Unternehmenswert, Investitionsmerkmale herausgestellt, welche in einer dynamischen Welt zu beachten sind. Diese bilden die Kriterien einer sich anschließenden Beurteilung der vorherrschenden Bewertungspraxis.
Aufbauend auf den hierbei erarbeiteten Kritikpunkten erfolgt im dritten Kapitel die Darstellung der Realoptionstheorie. Dies umschließt neben dem Analogieschluss zu Finanzoptionen die Systematisierung und Modellierung möglicher Realoptionen sowie die Ausarbeitung von Besonderheiten, welche bei der Bewertung realer Handlungsmöglichkeiten zu beachten sind.
Letztere besitzen bereits einen bewertungstechnischen Bezug und definieren neben den Modellierungsformen die Anwendungsbedingungen möglicher Optionspreismodelle. Der Frage, welches Modell am besten zur Bepreisung von Realoptionen im Innovationsbereich geeignet ist, geht Kapitel vier nach. Es schließt mit der Empfehlung eines Bewertungsprinzips und gibt Aufschluss über die Grenzen der Methode sowie getroffenen Annahmen.
Kapitel fünf erläutert Faktoren, welche im Kontext von Entwicklungsprojekten für die Modellierung von Realoptionen wichtig sind. Aus diesen und der existierenden Literatur werden daraufhin Anwendungen in Form von Optionsmodellierungen abgeleitet und aufgezeigt.
Die Verbindung der erarbeiteten konzeptionellen und modelltheoretischen Erkenntnisse erfolgt im sechsten Kapitel. Es empfiehlt ein Vorgehensmodell der Bewertung, nennt Werkzeuge zur Umsetzung und leitet mit zwei Bewertungsfällen aus dem Bereich der Produktentwicklung zur instrumentellen Nutzung des Realoptionsansatzes an.
Inhaltsverzeichnis: