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Titel Behindertentourismus auf der Insel Sylt 
Untertitel Ein unentdecktes Marktsegment? 
AutorIn Stephanie Philipp 
Seiten 161 Seiten 
Hochschule Technische Universität München Deutschland 
Art der Arbeit Diplomarbeit 
Abgabe 1998 
Note 2,3 
Preis 38,00 EUR (inkl. MwSt.)
 
Bestellnummer 91001157 
Sprache Deutsch 
Medien Papier / CD 
Inhaltsangabe
Einleitung:

"Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden." (GG, Art. 3 Abs. 3 Satz 2) Dieses Gleichstellungsgesetz, das erst im September 1994 im Grundgesetz verankert wurde, ist bislang noch keine Garantie dafür, daß behinderte Menschen ebenso behandelt werden wie Nichtbehinderte. Vielmehr sind behinderte Menschen in unserer Gesellschaft immer noch massiven Schwierigkeiten im alltäglichen Leben ausgesetzt. Das Bürgerrecht auf Reisen und Erholung können Behinderte nur mit hohem Aufwand nutzen. Die Benachteiligungen, die für Menschen mit einer Behinderung bei Reisen entstehen, äußern sich vorwiegend darin, daß ihnen zumeist der Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln, Besucherattraktionen und Beherbergungen verwehrt bleibt.

Bislang gibt es nur wenige Reiseveranstalter, die sich auf die Belange von Behinderten eingestellt haben, obwohl nach Schätzungen der Bundesregierung zirka 3 Millionen von 6,5 Millionen behinderten Menschen in der Bundesrepublik verreisten. Der Behindertentourismus ist somit ein nicht zu verachtendes Marktsegment für die Tourismusindustrie.

Begeben sich behinderte Menschen - speziell Rollstuhlfahrer - ohne die Mittlerfunktion eines Reiseveranstalters, auf die Suche nach einem geeigneten Urlaubsziel, so muß vorab die Barrierefreiheit der Unterkunft überprüft werden. Unter Barrierefreiheit versteht man die uneingeschränkte Zugänglichkeit des Gebäudes. Wichtig ist hierbei ein stufenloser oder mit Rampe erreichbarer Eingang, eine ausreichende Wendemöglichkeit in den einzelnen Räumen, vor allem für Rollstuhlfahrer. Steht das Urlaubsziel und die Unterkunft fest, wird als nächstes die Anreise organisiert. Reist ein Rollstuhlfahrer nicht mit dem eigenen Pkw an, so muß er bei der Bahn oder den jeweiligen Fluggesellschaften die Mitarbeiter bzw. die Helfer von sozialen Organisationen (z. B. Malteser, DRK) benachrichtigen, die bei einem Ein- und Ausstieg in das jeweilige Transportmittel helfen. Vor allem Rollstuhlfahrer haben Schwierigkeiten, selbständig in das Fahrzeug zu gelangen, und sind auf fremde Hilfe angewiesen.

In dieser Arbeit wurde untersucht, wie das aktuelle Angebot auf der Insel Sylt für behinderte Touristen ist, welche Einstellungen die Anbieter in bezug auf den Behindertentourismus haben und wie die Nachfrager, speziell Rollstuhlfahrer, die Nordseeinsel als Urlaubsregion sehen.

Die Ergebnisse waren zum größten Teil niederschmetternd. Bislang werden auf Sylt nur neun Unterkunftsmöglichkeiten für behinderte Touristen angeboten. Die Anreise per Bahn oder mit dem Flugzeug ist vor allem für Rollstuhlfahrer problemlos möglich, da der Bahnhof sowie der Flughafen in Westerland weitestgehend barrierefrei ausgestattet sind. Für Rollstuhlfahrer ist es sehr viel schwieriger, die gleichen Freizeitmöglichkeiten zu nutzen wie für Nichtbehinderte. Viele Sehenswürdigkeiten, Museen und Wanderwege verfügen nicht über befestigte Wege oder sind nur über Stufen zu erreichen.

Die Ergebnisse der geführten Expertengespräche auf Sylt bestätigten, daß dieses bislang noch unentdeckte Marktsegment nicht ausgebaut werden wird. Die häufigsten Argumente gegen einen behindertengerechten Ausbau waren:

- "Behinderte sind lediglich eine Nische, aber kein Garant, der die Wirtschaftlichkeit im Tourismus tragen kann.".

- "Sylt ist noch nicht gewappnet, sich auf den Behindertentourismus einzustellen.".

- "Die Hemmschwelle ist einfach zu hoch, sich auf diese bislang noch gesellschaftlich ausgegrenzte Persönlichkeit einzustellen.".

- "Warum sollte ich die behindertengerechten Sanitärräume in die Zimmer integrieren, da fühlen sich ja andere Gäste wie im Krankenhaus, da kann man ja die Zimmer nicht mehr vermieten.".

- "Wenn ich einen behindertengerechten Strandzugang ermöglichen würde, was aus Kosten, aber auch aus Sicherheitsgründen, nicht realisierbar ist, und es würde dann ein Rollstuhlfahrer umfallen, dann ist das Geschreie groß, und wer übernimmt dann die Verantwortung?".

Durch die Befragung von Vermietern von Unterkünften sollte herausgefunden werden, ob denn Privatanbieter bereit wären, sich auf das bislang noch unentdeckte Marktsegment einzustellen. Lediglich ein Teil der befragten Vermieter, würden bei bestehender Nachfrage ihre Unterkünfte behindertengerecht umbauen. Privatanbieter sehen im Behindertentourismus keinen wirtschaftlichen Faktor, denn 69,6% würden durch die Bereitstellung von behindertengerechten Unterkünften nicht zu einer besseren Auslastung kommen. Generell, so scheint es, sind behinderte Touristen auf Sylt willkommen: immerhin 87,3% der Vermieter würden eine vermehrte Anzahl von behindertengerechten Unterkunftsmöglichkeiten begrüßen. Konflikte mit nicht behinderten Gästen werden von den Vermietern nicht gesehen. Im Gegensatz dazu steht allerdings die Aussage einer Vermieterin, die schon Absagen von nicht behinderten Gästen erhielt, als sie darauf hinwies, daß zur gleichen Zeit auch behinderte Gäste ihren Urlaub in der Nachbarwohnung verbringen würden.

Welche Meinungen Rollstuhlfahrer von der Insel Sylt haben, wurde ebenso ermittelt. Aufgrund des bislang noch unzureichenden Angebotes für behinderte Touristen auf Sylt und dem entsprechenden Mangel an Probanden mußte eine schriftliche Befragung durchgeführt werden. Von den insgesamt 32 befragten Rollstuhlfahrern, besuchten alle die Insel mit dem eigenen Pkw, organisierten ihre Reise individuell und griffen dabei zum größten Teil (20) auf die Informationen der Kurverwaltungen und Fremdenverkehrsbüros in den einzelnen Gemeinden auf Sylt zurück, um eine Unterkunft in Erfahrung zu bringen. Folgende Kommentare bestätigen die eher schlechte Beurteilung des Angebotes für behinderte Gäste:

- "Die Auswahl an behindertengerechten Unterkünften ist recht klein, die Ignoranz vieler Hotels dagegen recht groß.".

- "Insgesamt scheint man auf Rollis nicht angewiesen zu sein, denn die Kohle kommt auch so auf die Insel.".

- "Die Kurverwaltungen sind eindeutig überfordert mit dem Begriff behindertengerecht.".

- "Die Informationen für behinderte Touristen sind äußerst mangelhaft und unzureichend.".

- "Sylt ist eine schöne Insel, doch für Rolli-Fahrer absolut ungeeignet, man kann zum Beispiel die Sehenswürdigkeiten aus einem Reiseführer nicht oder aber nur mit hohem Aufwand erreichen.".

Die Mehrheit der Rollstuhlfahrer fühlte sich auf Sylt eher integriert als isoliert und beurteilte das Kontaktverhältnis zu nicht behinderten Touristen eher positiv als negativ.

Trotz alledem liegt in bezug auf den Behindertentourismus auf Sylt noch einiges im Argen. Die Wünsche der Nachfrage werden sich nur teilweise erfüllen. An erster Stelle der Wunschliste stand eine vermehrte Anzahl an Auswahlmöglichkeiten im Unterkunftsbereich (31), ebenso eine vermehrte Anzahl an ausleihbaren Freizeithilfsmitteln wie strandtaugliche Rollstühle oder kombinierbare Fahrradrollstühle; da es bislang keine Möglichkeit gab, diese auszuleihen. Zumindest die Kommunen List und Hörnum werden sich im Jahr 2002 den Bedürfnissen behinderter Touristen annähern können: die alten Kurmittelhäuser weichen einem Hotelkomplex mit einer Zimmerkapazität von 80 Suiten, wovon 20 behindertengerecht ausgebaut werden sollen. Ebenso plant das DRK, in Westerland bis Mitte 1998 zirka 20 behindertengerechte Suiten mit Anschlußbetreuung bereitstellen zu können.

Allgemein kann allerdings gesagt werden, daß sich die Anbieter nicht auf behinderte Touristen einstellen werden und die Ferienregion Sylt ihr bevorzugtes Klientel in anderen Bereichen sieht.

Inhaltsverzeichnis:

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis IV
Kartenverzeichnis V
Abkürzungsverzeichnis VI
Vorwort 1
1. Ausgangssituation 3
1.1 Zielsetzung und Fragestellungen 4
1.1.1 Aufbau der Arbeit 5
2. Allgemeine Erläuterungen zum Thema Behindertentourismus 6
2.1 Definition zentraler Begriffe 6
2.1.1 Marktsegmentierung als touristische Marketingstrategie 6
2.1.2 Die Vielschichtigkeit des Begriffs Behinderung 7
2.1.3 Körperbehinderte Menschen im Rollstuhl 9
2.2 Behindertentourismus als Marktsegment 10
2.2.1 Die Anzahl behinderter Menschen an der Gesamtbevölkerung 11
2.2.2 Demographische Merkmale der Behinderten 11
2.2.3 Verhaltensorientierte Merkmale behinderter Touristen 14
2.2.4 Psychographische Merkmale behinderter Touristen 19
2.3 Forderungen an die Anbieter 21
2.3.1 Barrierefreies Bauen nach den DIN-Normen 18 024 und 18 025 21
2.3.1.1 Horizontale Erschließung 22
2.3.1.2 Vertikale Erschließung 23
2.3.2 Begriffsdefinitionen zur Beurteilung der Unterkünfte: 'behindertengerecht', 'behindertengeeignet' und 'behindertenfreundlich' 25
2.3.2.1 'rollstuhl- und behindertengerecht' 25
2.3.2.2 'rollstuhl- und behindertengeeignet' 26
2.3.2.3 'behindertenfreundlich' 26
2.3.3 Ökonomische Machbarkeit beim barrierefreien Bauen 26
2.4 Verkehrsträger für einen barrierefreien Urlaub 28
2.4.1 Der Reisebus 28
2.4.2 Die Bahn 30
2.4.2.1 Nahverkehr 31
2.4.2.2 Fernverkehr 31
2.4.3 Das Flugzeug 33
2.4.4 Der Pkw 35
2.5 Reisebüros und Reiseveranstalter für behinderte Touristen 36
2.5.1 Spezialreiseveranstalter für Behinderte 37
2.6 Die rechtliche Situation von Behinderten im Tourismus 39
2.6.1 Die Gerichtsurteile von Frankfurt und Flensburg 39
2.6.2 Grundgesetzerweiterung und EU-Pauschalrechtsreiselinie 41
2.6.2.1 Grundgesetzerweiterung 41
2.6.2.2 EU-Pauschalrechtsreiselinie 44
2.7 Die Haltung der Politik zum Fremdenverkehr für Behinderte 45
2.7.1 Die EU 45
2.7.1.1 Aktionsprogramme der EU zur Förderung des Behindertentourismus 45
2.7.2 Der Bund 48
2.7.2.1 Empfehlungen des Bundes zur Förderung des Behindertentourismus 48
2.7.2.2 Forschungsprojekte des Bundes zum Tourismus für behinderte Menschen 52
3. Verwendete Methodik und Vorgehensweise 54
3.1 Methodenwahl 54
3.1.1 Auswahl der Experten 54
3.1.1.1 Gesprächsleitfaden der Interviews 55
3.1.1.2 Auswertung der Interviews 56
3.1.2 Befragung des Angebots 57
3.1.2.1 Ermittlung der Grundgesamtheit 57
3.1.2.2 Organisation und Rücklauf der Befragung 59
3.1.2.3 Fragebogenaufbau der Angebotsseite 60
3.1.3 Befragung behinderter Touristen 61
3.1.3.1 Fragebogenaufbau der Nachfragerseite 61
4. Empirischer Teil: Behindertentourismus auf Sylt 63
4.1 Der Untersuchungsraum Sylt 63
4.1.1 Die Heilkraft des Nordseeklimas 64
4.1.2 Entwicklung des Tourismus auf der Nordseeinsel 66
4.1.2.1 Behindertentourismus auf Sylt 69
4.2 Angebotsstruktur auf der Insel Sylt für behinderte Urlauber 71
4.2.1 Ankunft 71
4.2.2 Unterkünfte für behinderte Touristen 73
4.2.3 Freizeitgestaltung für behinderte Touristen 76
4.3 Darstellung der Expertengespräche 85
4.3.1 Behindertentourismus als Marktsegment für die Insel Sylt? 85
4.3.2 Die Akzeptanz von behinderten Urlaubern 90
4.3.3 Zukünftige Planungen für den Behindertentourismus 93
4.3.4 Zwischenfazit I: Expertengespräche 95
4.4 Darstellung der Erhebung in Wenningstedt/Braderup 97
4.4.1 Rücklauf und Antwortbereitschaft 97
4.4.2 Ausstattungskriterien der Unterkünfte 98
4.4.3 Selbsteinschätzung der Vermieter 99
4.4.4 Nachfrage nach behindertengerechten Unterkünften 100
4.4.5 Geschätzte Zahl der Nachfrage 101
4.4.6 Umbaumaßnahmen bei Nachfrage 102
4.4.7 Wirtschaftlichkeit des Behindertentourismus 105
4.4.8 Konflikte mit anderen Gästen 106
4.4.9 Vermehrte Anzahl behindertengerechter Unterkünfte auf Sylt? 107
4.4.10 Zwischenfazit II: Befragung des Angebots 108
5. Eigenversuch im Rollstuhl auf Sylt 109
5.1 Reaktionen von nicht behinderten Menschen 109
5.2 Freizeitmöglichkeiten 110
6. Darstellung der Ergebnisse der Nachfrager 111
6.1 Demographische Merkmale 111
6.1.1 Alter und Geschlecht 111
6.1.2 Herkunftsorte 112
6.2 Verhaltensorientierte Kriterien 112
6.2.1 Häufigkeit, Dauer und Grund des Besuchs auf der Insel 112
6.2.2 Organisation der Reise 114
6.2.2.1 Buchung und Verkehrsmittelwahl 114
6.2.2.2 Probleme bei der Organisation der Reise 115
6.2.2.3 Freizeitgestaltung 115
6.3 Beurteilung des Angebotes auf Sylt für behinderte Touristen 116
6.4 Beurteilung der Unterkünfte 118
6.5 Auswertung der Fragen über allgemeine soziale Bindungen 119
6.6 Wünsche an die Insel 120
6.7 Zwischenfazit III: Befragung der Nachfrage 122
7. Fazit 123
8. Lösungsansätze 126
9. Literaturverzeichnis 127
Anhang 134
Erklärung 146
 
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