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Diplomarbeiten

 

 

Titel Lokale Produktionssysteme in Süditalien 
Untertitel Eine Untersuchung am Beispiel Apuliens 
AutorIn Kerstin Reiff 
Seiten 102 Seiten 
Hochschule Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland 
Art der Arbeit Diplomarbeit 
Abgabe 2002 
Note
Preis 48,00 EUR (inkl. MwSt.)
 
Bestellnummer 90005655 
Sprache Deutsch 
Medien Papier / CD 
Inhaltsangabe
Einleitung:

Die Strukturdefizite Süditaliens im Vergleich zu anderen Regionen Italiens und Europas sind Gegenstand dieser Arbeit. Der Mezzogiorno ist seit der Einigung Italiens Ende des 19. Jahrhunderts eine Randregion Europas und Italiens. Die periphere Lage ist nicht nur durch die räumliche Entfernung zu anderen Regionen in Europa bestimmt. Auch wirtschaftlich befindet sich Süditalien in einer benachteiligten Situation gegenüber den hochindustrialisierten Regionen Norditaliens. In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts konnten in den Regionen Mittel- und Nordostitaliens kleine und mittlere Betriebe, die in lokalen Produktionssystemen organisiert waren, zu einer Mobilisierung regionaler Ressourcen beitragen. Seitdem spricht man von einer Überwindung des traditionellen Dualismus und der Aufhebung der Trennung Italiens in Nord und Süd. Die Regionen des Nordosten und des Zentrums werden als "Drittes Italien" bezeichnet, wo Strukturdefizite zum industrialisierten Norden durch den Erfolg der lokalen Produktionssysteme überwunden werden konnten.

Die Regionen des Mezzogiorno profitierten nicht von dieser Entwicklung. Versuche seitens der Entwicklungspolitik, durch die Ansiedlung von Großbetrieben der Grundstoffindustrien der Stahl- oder Chemiebranche Industriezentren und damit Entwicklungspole zu schaffen, scheiterten. Eine eigendynamische Entwicklung in den süditalienischen Regionen konnte dadurch nicht erreicht werden. Die ehemaligen Fördergebiete Süditaliens sind heute die eigentlichen Krisengebiete mit besonders hoher Arbeitslosigkeit.

Jenseits der ehemaligen Industrialisierungspole der staatlichen Entwicklungspolitik konnte sich in verschiedenen Regionen Süditaliens eine wirtschaftliche Dynamik etablieren, die Charakteristika des Dritten Italien enthält. Es besteht eine Vorherrschaft von kleinen und mittleren Unternehmen, flexible Produktion und die Spezialisierung der Betriebe eines Gebietes auf eine oder wenige Branchen. Neben historisch etablierten Produktionssystemen ist eine Dynamik in der Entstehung neuer lokaler Produktionssysteme feststellbar. Die Produktionssysteme Süditaliens befinden sich zum Großteil an einer Entwicklungsachse entlang der adriatischen Küste (via adriatica). Aufgrund der wirtschaftlichen Dynamik dieser Gebiete im Vergleich zu anderen Regionen des Mezzogiorno ist in der Literatur oft von einem sich etablierenden "Vierten Italien" die Rede.

Obwohl die lokalen Produktionssysteme einen bedeutenden und dynamischen Entwicklungsfaktor im ansonsten strukturschwachen Süden Italiens darstellen, weisen sie im Vergleich zu denjenigen im Dritten Italien einige Schwächen auf. Es sind wenige innovative Branchen ansässig. Die Distrikte Süditaliens bestehen oft aus einem einfachen Agglomerat von strukturhomogenen und in sich geschlossenen Kleinbetrieben. Die Zusammenarbeit innerhalb des Distriktes besteht aus reinen Zulieferbeziehungen und erreicht nicht das hohe Niveau der technischen Zusammenarbeit wie im Dritten Italien. Dieses Defizit wird u.a. auf die geringe Ausprägung einer sozialen Mentalität aus kultureller Sicht zurückgeführt.

Die Regionen entlang der via adriatica als "Viertes Italien" zu bezeichnen ist verfrüht. Trotz der hohen wirtschaftlichen Dynamik, die von den lokalen Produktionssystemen dieser Gebiete ausgeht, konnten die historisch verwurzelten Strukturdefizite gegenüber den nördlichen Regionen Italiens nicht überwunden werden. Die Entwicklung steht jedoch noch am Anfang. Nachdem auch die Politik das Potential der lokalen Produktionssysteme erkannt hat, werden diese gezielt gefördert. Es ist zu hoffen, dass durch die fortschreitende Etablierung lokaler Produktionssysteme ein Beitrag zur Überwindung der räumlichen Disparitäten innerhalb Italiens geleistet werden kann.

Inhaltsverzeichnis:

TABELLENVERZEICHNIS V
ABBILDUNGSVERZEICHNIS VI
1. EINLEITUNG 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Forschungsfragen und Ziele 2
1.3 Aufbau der Arbeit 4
2. LOKALISIERUNGSTENDENZEN UND NETZWERKBILDUNG KLEINER UND MITTLERER UNTERNEHMEN IM GLOBALEN WETTBEWERB 6
2.1 Das filière - Konzept 7
2.2 Der Industrial - District-Ansatz 8
2.2.1 Der Begriff "industrial district" 10
2.2.2 Wirtschaftliche Entwicklung im Dritten Italien 12
2.2.3 Merkmale des Marshallian und Italiante Industrial Districts 15
2.2.4 Sozialstruktur im Dritten Italien 17
2.2.5 Das Problem der Übertragbarkeit 18
2.3 Der Begriff "lokale Produktionssysteme" 19
3. ENTWICKLUNG IM MEZZOGIORNO 21
3.1 Der Wirtschaftsraum Mezzogiorno 21
3.1.1 Die historische Entwicklung der Wirtschaftsstruktur 21
3.1.2 Sozialstruktur des Mezzogiorno 24
3.1.3 Wirtschaftsräumliche Disparitäten innerhalb des Mezzogiorno 25
3.1.4 Die Entstehung von lokalen Produktionssystemen im Süden Italiens 26
3.1.5 Die heutige wirtschaftliche Situation Süditaliens 29
3.2 Entwicklungspolitik im Mezzogiorno 33
3.2.1 Die "Cassa per il Mezzogiorno"-Erfolge und Misserfolge 34
3.2.2 Neues Förderinstrument der EU: die "patti territoriali" 35
3.2.3 Förderung der lokalen Produktionssysteme 36
4. DER WIRTSCHAFTSSTANDORT APULIEN 39
4.1 Wirtschafts-, Branchen-, und Unternehmensstruktur 39
4.2 Aktuelle Beschäftigungssituation 42
4.3 Infrastruktur 43
4.4 Die lokalen Produktionssysteme in Apulien 45
4.4.1 Geographie der Produktionssysteme 45
4.4.2 Charakterisierung der Produktionssysteme 47
4.4.3 Die Rolle der lokalen Produktionssysteme für die wirtschaftliche Entwicklung 49
5. DIE UNTERSUCHUNGSGEBIETE UND DAS METHODISCHE VORGEHEN 51
5.1 Vorstellung der Untersuchungsgebiete 51
5.1.1 Barletta 51
5.1.2 Putignano 52
5.1.3 Tricase und Casarano 53
5.2 Methodik 54
5.2.1 Auswahl des Untersuchungsgebietes 54
5.2.2 Die schriftliche Unternehmensbefragung 55
5.2.3 Durchführung von Expertengesprächen 56
6. ANALYSE AUSGEWÄHLTER PRODUKTIONSSYSTEME IN APULIEN 58
6.1 Ergebnisse der Unternehmensbefragung 58
6.1.1 Die Unternehmen 58
6.1.2 Die Produkte und die Produktions- und Vertriebsstruktur 60
6.1.3 Beschäftigtenstruktur 65
6.1.4 Die Zusammenarbeit mit anderen Wirtschaftsakteuren 66
6.1.5 Die Beurteilung des Wirtschaftsstandortes durch die Unternehmen 70
6.2 Ergebnisse der Expertengespräche 72
6.2.1 Aufgaben der befragten Institutionen 72
6.2.2 Charakterisierung der Region durch die Experten 72
6.2.3 Eigeninitiative der Unternehmen und Zusammenarbeit 75
7. APULIEN AUS DEM BLICKWINKEL DES INDUSTRIAL - DISTRICT - ANSATZES 77
7.1 Übereinstimmende Merkmale Apuliens und des "Dritten Italiens" 77
7.2 Defizite in den Produktionssystemen Apuliens 78
7.3 Aktualität des Phänomens "Drittes Italien" 79
8. SCHLUSSFOLGERUNG: GIBT ES EIN "VIERTES ITALIEN"? 81
ZUSAMMENFASSUNG 83
LITERATURVERZEICHNIS 85
 
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