Inhaltsangabe:
Der Innovationsdruck unter den Herstellern von modernen Kommunikationslösungen und die weiter zunehmende Nutzung von Mobilkommunikationslösungen haben unter anderem dazu geführt, dass die bisherigen Grenzen zwischen Mobilfunk- und Festnetztelefonie, aber auch zwischen unterschiedlichen Funktechnologien immer weiter verschwimmen. Zukunftsträchtige Kommunikationslösungen erlauben daher eine möglichst nahtlose Nutzung unterschiedlicher Technologien. Dadurch wird einerseits die Flexibilität und Erreichbarkeit der Nutzer erhöht, andererseits werden Mehrwertdienste und Kostenvorteile der unterschiedlichen Kommunikationsmöglichkeiten vereint. Ein Hauptaugenmerk der Hersteller liegt dabei auch auf der Nutzung von Wireless Local Area Networks (WLAN) als Medium für die Sprachübertragung. Kommunikationssysteme, die sowohl WLAN als auch Mobilfunk mit den Eigenschaften von modernen Kommunikationslösungen verbinden, werden häufig unter der Bezeichnung 'Fixed Mobile Convergence' (FMC) zusammengefasst.
Die zentrale Herausforderung bei der nahtlosen Nutzbarkeit von zumeist firmeneigenen WLAN und öffentlichen Mobilfunknetzen ist die möglichst störungs- und unterbrechungsfreie Übergabe (Roaming) der Sprachverbindung zwischen den beiden Funktechnologien. Erste Ansätze führten diesen Wechsel nicht automatisch durch, sondern machten den Eingriff des Nutzers erforderlich. Der Nutzer musste den Roaming-Vorgang am Mobilgerät selbst einleiten und bestätigen, so dass der Wechsel im laufenden Gespräch kaum sinnvoll möglich war. Neuere Systeme übernehmen diesen Roaming-Vorgang automatisch. Der Nutzer einer solchen Lösung kann, je nach Hersteller, lediglich bestimmte Schwellwerte einstellen und den Vorgang so an seine Bedürfnisse anpassen.
Um ein möglichst störungsfreies Roaming zu gewährleisten, sind vor allem zwei Aspekte von zentraler Bedeutung: Die Minimierung der Verbindungsaufbauzeiten und die richtigen Schwellwerte für das Auslösen eines Roaming-Vorgangs. Grundvoraussetzung für einen störungsfreien Übergang sind darüber hinaus aber auch die richtige Zellplanung und die Auswahl eines möglichst effizienten Handover- und Roaming-Verfahrens.
Aufgabenstellung und Zielsetzung:
Derzeit bieten erst wenige Hersteller Fixed-Mobile-Convergence-Lösungen für WLAN und Mobilfunk an. Dabei ist festzustellen, dass diese Lösungen sich sowohl in ihren Ansätzen, als auch in Umfang und Realisierung unterscheiden. Die objektive Analyse und Bewertung, der jeweils für das Roaming verwendeten Verfahren, soll dabei Bestandteil dieser Arbeit sein.
Im Zuge der Analyse sollen dabei folgende Aspekte genauer untersucht werden:
Roam-In / Roam-Out: Einfluss des Wechsels der Kommunikationstechnologie auf die Qualität und die Unterbrechungsfreiheit der übertragenen Sprache. Untersuchung der verwendeten Verfahren und deren Schwellwerte zur Beurteilung der einzelnen Lösungen.
WLAN-Handover: Untersuchung der entstehenden Verzögerungszeit (Delay) und der möglichen Unterbrechungen, bezüglich der Übertragung der Sprache, beim Wechsel von einer WLAN-Zelle zur nächsten. Überprüfung des Einflusses von simulierter Lastzunahme in den WLAN-Zellen auf die Qualität des Handover.
Sprachqualität: Anhand des PESQ-Verfahrens [IDT] (Perceptual Evaluation of Speech Quality) nach ITU-T P.862 wird die Sprachqualität eines WLAN-Gesprächs mit dem MOS-Wert (Mean Opinion Score) [ITU-T] bewertet. Anhand der ermittelten Werte soll ein Vergleich der möglichen Qualitäten im WLAN und GSM erstellt werden.
WLAN-Planung: Einfluss der Stärke des WLAN-Signals auf die Sprachqualität und die Sicherheit des Handovers zwischen zwei WLAN-Zellen. Beeinträchtigung des Roaming-Vorgangs zwischen WLAN und GSM, durch mögliche Störungen des WLAN-Signals. Unterschiede bei der Planung eines WLAN für reine Datenübertragung und der Planung eines WLAN für Sprachübertragungen in Echtzeit.
Zur Ermittlung der einzelnen Bewertungskriterien wird eine Testumgebung aufgebaut, in welcher die von den Herstellern zur Verfügung gestellten FMC-Lösungen, bezüglich der relevanten Aspekte untersucht werden. Die entsprechende Testumgebung bietet ebenfalls die Möglichkeit die Umgebungsvariablen wie Netzlast, Paketverlust oder Verzögerungszeiten (Delay) variabel zu justieren und so die Reaktionen des getesteten Systems zu untersuchen.
Aufbau und thematische Abgrenzung:
Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit wird zunächst auf technologische Grundlagen wie das Global System for Mobile Communications (GSM), WLAN, Voice over IP (VoIP) und Voice over WLAN (VoWLAN) eingegangen. Außerdem wird eine WLAN-Zellplanung beispielhaft anhand des Gebäudes der ComConsult Beratung und Planung GmbH demonstriert. Im Zuge der Ausführung werden einige wichtige Problemstellungen, die sich bei einer Zellplanung ergeben näher erläutert.
Im dritten Kapitel wird das Thema Fixed Mobile Convergence betrachtet. Erklärungen zu den Grundlagen und Probleme bei der Realisierung werden aufgezeigt und ihrer Relevanz nach abgewogen. Nach Erläuterung der Testaufbauten und der Erklärung, welche Werte mit dem jeweiligen Aufbau gemessen werden sollen, werden dann im vierten Kapitel die Messergebnisse der einzelnen Hersteller-Lösungen aufgelistet. Im fünften Kapitel werden dann auf Grundlage der erarbeiteten Ergebnisse der Testreihen die qualitativen Unterschiede der einzelnen Lösungen diskutiert und bewertet. Zusätzlich werden Vergleiche bezüglich der verwendeten Medien und die allgemeinen Vor- und Nachteile von Fixed Mobile Konvergenz Lösungen besprochen. Ein Fazit und ein Ausblick auf mögliche Verbesserungen für künftige Lösungen bilden den Abschluss dieser Arbeit.
In dieser Arbeit geht es nicht darum, ein neues Verfahren zu entwickeln oder neue Techniken aufzuzeigen. Es werden standardisierte Technologien wie in Kapitel 2 beschrieben verwendet, um die einzelnen Hersteller-Lösungen zu vergleichen und die Tauglichkeit der Lösung für ihren tatsächlichen Einsatz dieser abzuwägen.
Die von den Herstellern zur Verfügung gestellten Systeme werden alle mit derselben WLAN-Struktur getestet, um vergleichbare Werte zu erhalten. Ebenfalls aus Gründen der Vergleichbarkeit, werden für alle Tests dieselben Endgeräte (Mobiltelefone) verwendet. Die zum Einsatz kommende Software ist entweder Open Source oder die nötigen Lizenzen wurde von den Herstellern zur Verfügung gestellt. Die Systeme wurden durch Techniker der Hersteller an die vorhandene WLAN-Struktur angepasst. Die verwendeten Mobiltelefone wurden ausdrücklich von den Herstellern als kompatibel angegeben und die Software der Hersteller wurde für diese Endgeräte entwickelt.
Es geht in dieser Arbeit nicht um den Vergleich der möglichen Fixed-Mobile-Convergence (FMC) Techniken (DECT/GSM, Personal Number Service, ...) oder Ebenen (Prozesskonvergenz, Dienstkonvergenz, Netzkonvergenz, Gerätekonvergenz), sondern um die qualitative Analyse des Roaming-Vorgangs der FMC-Lösungen die sich mit GSM und WLAN befassen.