Einleitung:
Prozessorientierung nimmt bei der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW AG) einen hohen Stellenwert ein. Daher existieren in den EnBW Gesellschaften Aktivitäten, die sich mit Business Process Management beschäftigen, jedoch mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Das Thema BPM ist keine Neuentdeckung, bereits Anfang der 90er Jahre fanden erste Diskussionen zu diesem Managementansatz statt. Der Fokus lag hier allerdings stärker auf den kurzfristigen organisatorischen Aspekten.
BPM befindet sich weiter unverändert stark im Fokus der Unternehmen. So gaben nahezu80 % der befragten Unternehmen im gesamten deutschsprachigen Raum an, dass sie sich intensiver denn je mit dem Thema BPM auseinandersetzen. Dies berichtet die IDS (Integrierte Datenverarbeitungs Systeme) Scheer AG in ihrer Business Process Studie 2007.
Die IDS Scheer AG und Pierre Audoin Consults befragten in diesem Zusammenhang nahezu 130 Entscheidungsträger aus Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Vor allem ging es dabei um Einsatzgebiete, Schwerpunkte des Geschäftsprozessmanagements, Verantwortlichkeiten und die zukünftige Ausrichtung der Unternehmen.
Die Notwendigkeit für Unternehmen sich mit BPM zu beschäftigen liegt darin, dass sich bestehende Unternehmensstrukturen verändern, weg von der funktionalen Organisation, hin zur Prozessorientierung. In den klassischen funktionalen Linienorganisationen haben einzelne Prozesse lange Wege und zahlreiche Schnittstellen zwischen den Abteilungen. Dies führt zu langen Liegezeiten, Übermittlungsfehlern und einem hohen Koordinationsaufwand. Durch die explizite Beschäftigung mit den Geschäftsprozessen versprechen sich Unternehmen eine Steigerung der Produktivität und der Wettbewerbsfähigkeit, sowie die Erhöhung der Kundenzufriedenheit. Die Beschäftigung mit BPM ist für Unternehmen daher unerlässlich.
Aufgrund dieser Relevanz beschäftigt sich die vorliegende wissenschaftliche Arbeit mit dem Business Process Management und soll dazu beitragen, die Komplexität und den Umfang des BPM zu verdeutlichen sowie ein gemeinsames Verständnis zu etablieren. Den beteiligten Personen werden Möglichkeiten zur Betrachtung des gesamten Zusammenhangs und zur Komplexitätsreduzierung gegeben, damit effektiv und effizient das Thema BPM in Unternehmen behandelt werden kann.
Gang der Untersuchung:
Im Rahmen dieser wissenschaftlichen Arbeit soll eine modulare Methodik für die Modellierung von Geschäftsprozessen unter Berücksichtigung der bestehenden Zielsetzungen und Ansätze, wie die Schaffung eines gemeinsamen Prozessverständnis und eine standardisierte Vorgehensweise bei Verbesserungsprojekten im BPM-Umfeld, erarbeitet werden. Diese sollen in einer Methodendokumentation gesammelt werden und dienen den Mitarbeitern als "Best Practice"- Ansatz für zukünftige BPM-Projekte. Für die Anwendung der Methodik im Modellierungstool ARIS ist eine entsprechende Umgebung bereitzustellen.
In Kapitel zwei werden zunächst aktuelle Herausforderungen für Unternehmen beschrieben, deren Bewältigung die Auseinandersetzung mit Geschäftsprozessen und Schaffung neuer Prozesse voraussetzt. Außerdem erfolgt in Kapitel zwei die grundlegende Aufarbeitung des BPM und die dazugehörigen Bausteine, wie strategisches Prozessmanagement, Prozessentwurf, Prozessimplementierung und Prozesscontrolling. Als strukturierendes Element wird hierzu ein Referenzmodell mit möglichen Einsatzgebieten und Einordnungsmöglichkeiten entwickelt.
Die föderalistische Struktur der EnBW AG ermöglicht es, dass einzelne Gesellschaften eigene Ideen realisieren und umsetzen können. Dazu gehört auch das BPM als Themengebiet. In Kapitel drei werden deshalb modellierte Anwendungsfälle des BPM in den einzelnen Gesellschaften evaluiert, um ein Gesamtverständnis zum BPM erarbeiten zu können.
Aufgrund der evaluierten Anwendungsmöglichkeiten und grundsätzlichen Einsatzgebieten wird in Kapitel vier ein modularer BPM-Methodenstandard erarbeitet, der dann in Kapitel fünf durch ein modulares BPM-Methodenfilter-Set in der ARIS Umgebung bereitgestellt wird.
Abschließend wird in Kapitel sechs eine Zusammenfassung dieser Arbeit sowie ein Ausblick gegeben.