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Titel Möglichkeiten und Grenzen der Finanzierung von lokalen Infrastrukturmaßnahmen in Entwicklungsländern durch kostendeckende Tarife 
Untertitel Theoretische Analyse und empirische Untersuchung am Beispiel der Wasserversorgung im Jemen 
AutorIn Sylvia Schweitzer 
Seiten 161 Seiten 
Hochschule Ruhr-Universität Bochum Deutschland 
Art der Arbeit Diplomarbeit 
Abgabe 1997 
Note 1,3 
Preis 38,00 EUR (inkl. MwSt.)
 
Bestellnummer 95000978 
Sprache Deutsch 
Medien Papier / CD 
Inhaltsangabe
Zusammenfassung:

Die vorliegende Arbeit stellt den Versuch dar, Möglichkeiten und Grenzen der Finanzierung von lokalen Infrastrukturmaßnahmen durch kostendeckende Tarife aufzuzeigen, wobei sich der Fokus auf die Situation in den Entwicklungsländern richtet.

Kostendeckende Tarife gewinnen für die Finanzierung von Infrastrukturmaßnahmen immer größere Bedeutung: Einerseits nimmt die Nachfrage nach Infrastrukturgütern im Zuge des hohen Bevölkerungswachstums und den mit fortschreitendem Wirtschaftswachstum steigenden Ansprüchen der Bevölkerung zu. Gleichzeitig steigen mit zunehmender Siedlungsdichte die Bereitstellungskosten von Infrastrukturgütern. Andererseits sieht sich der Staat angesichts hoher Verschuldung zahlreicher Länder immer weniger in der Lage, die Finanzierung von Infrastrukturmaßnahmen zu übernehmen. Diese Problematik läßt sich sicherlich nicht auf die Entwicklungsländer beschränken, erhält dort jedoch eine neue Dimension: Für viele dieser Länder ist die finanzielle Unterstützung internationaler Geberorganisationen von existentieller Bedeutung. Um z.B. Beistandskredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu erhalten, müssen sich die betroffenen Länder meist zu weitreichenden Strukturanpassungsreformen verpflichten, welche neben einer Abwertung der Inlandswährung und anderer Auflagen zur Inflationsbekämpfung auch eine massive Kürzung der Staatsausgaben vorsehen. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, daß die Bereitstellung von Infrastrukturgütem in Zukunft von staatlicher Finanzierung, weitgehend entkoppelt werden muß, um eine flächendeckende und zuverlässige Versorgung, der Bevölkerung sicherzustellen. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, dürfen jedoch sozialpolitische Gesichtspunkte bei der Einführung kostendeckender Tarife nicht aus den Augen verloren werden: Angesichts der Armut eines großen Anteils der Bevölkerung, insbesondere in Entwicklungsländern, muß die Zahlungsfähigkeit der Menschen berücksichtigt werden, so daß auch für die Unterschicht zumindest eine Grundversorgung gewährleistet werden kann. Im folgenden soll deshalb nicht nur dargestellt werden, welche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Einführung kostendeckender Tarife erfüllt sein müssen, sondern auch, welche Möglichkeiten bestehen, Kostendeckung und Sozialverträglichkeit in Einklang zu bringen.

Der Begriff der Entwicklungsländer hat sich im allgemeinen Sprachgebrauch durchgesetzt und soll im folgenden verwendet werden. Seine Problematik soll dabei keineswegs außer acht gelassen werden. Er hat früher verwendete Begriffe wie "rückständige""unterentwickelte" und "nicht entwickelte" Länder abgelöst, die als zu wertbehaftet beurteilt wurden, ist jedoch selbst ebenfalls vorbelastet: Zum einen unterstellt er, daß sich die betreffenden Länder tatsächlich entwickeln. Dabei ist es jedoch gerade die Frage, ob und wie sie sich entwickeln klärungsbedürftig. Zum anderen bleibt die Frage nach der inhaltlichen Bedeutung von Entwicklung ungeklärt. Gleichzeitig täuscht der Begriff über die ausgeprägte Heterogenität der betreffenden Länder hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Gegebenheiten hinweg.

Nach einer für die folgenden Ausführungen grundlegenden Begriffsbestimmung von Infrastruktur wird in der vorliegenden Arbeit zunächst ihre Bedeutung für den Entwicklungsprozeß dargestellt. Im Anschluß daran erfolgt eine Charakterisierung verschiedener Infrastrukturgüter in Hinblick auf ihre Produktions- und Konsummerkmale. Sie ermöglicht es, diejenigen Infrastrukturgüter zu identifizieren, die sich für eine Finanzierung durch Nutzergebühren eignen und bildet darüber hinaus den Ausgangspunkt für die im nächsten Kapitel vorgenommene Darstellung möglicher Organisationsfonnen der Infrastrukturbereitstellung. Ausgehend von der These, daß eine Kostendeckung durch Tarife umso eher möglich wird, je effizienter die Produktion des betreffenden Gutes erfolgt, wird von den jeweiligen Charakteristika eines bestimmten Infrastrukturgutes auf seine unter Effizienzgesichtspunkten optimale Bereitstellungsoption geschlossen; dies soll unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen geschehen. Im Anschluß daran werden verschiedene, dem Kostendeckungsbegriff potentiell zu Grunde liegende Kostenkonzepte sowie grundlegende Tarifstrukturen dargestellt. Das folgende Kapitel dient dann der Untersuchung dieser Tarifstrukturen hinsichtlich ihrer Sozialverträglichkeit, wobei neben der Zahlungsfähigkeit und -bereitschaft der Nutzer auch die Umweltverträglichkeit der Tarife in die Betrachtung einbezogen wird.

Abschließend werden die Möglichkeiten und Grenzen der Infrastrukturfinanzierung durch kostendeckende Tarife an Hand eines empirischen Fallbeispiels, der Wasserversorgung im Jemen, veranschaulicht.

Die vorliegende Arbeit basiert somit auf einer Kombination von Literaturstudium und empirischer Analyse. Für ersteres bildete sogenannte "graue Literatur" (unveröffentlichte Diskussionspapiere und Forschungsberichte) eine wichtige Quelle, die teilweise nur schwierig zu bekommen war; aus diesem Umstand erklärt sich auch die etwas knapp geratene Literaturliste. Der empirische Teil der Arbeit stellt eine Mischung aus quantitativer und qualltativer Analyse dar, die während eines sechswöchigen Forschungsaufenthaltes im Jemen vorgenommen wurde und auf standardisierten Interviews mit Nutzern der Wasserinfrastruktur einerseits und freien Experteninterviews mit Angestellten des Wasserversorgungsuntemehmens sowie Beratem der Deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) andererseits beruht.

Inhaltsverzeichnis:

I) Einleitung 1
A) Problemstellung 1
B) Aufbau der Arbeit 2
C) Quellen und methodische Vorgehensweise 2
II) Infrastruktur: Derinition, Bedeutung für den Entwicklungsprozeß und charakteristische ökonomische Merkmale 4
A) Definition 4
B) Bedeutung für den Entwicklungsprozeß 7
1) Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung 7
2) Auswirkungen auf Armut 11
3) Auswirkungen auf die Umwelt 13
Zusammenfassung 16
C) Charakteristische Merkmale von Infrastruktur 17
1) Infrastruktur als öffentliches Gut 17
2) Infrastruktur als meritorisches Gut 22
3) Externe Effekte 22
4) Natürliche Monopole 26
5) Qualitäts- und Nutzenunkenntnis 31
6) Preiselastizität 32
7) Nachfrageschwankungen 33
Zusammenfassung 33
III) Effizienz verschiedener Organisationsoptionen der Infrastrukturbereitstellung 35
A) Problemstellung 35
B) Bereitstellung durch eine Regierungsabteilung 37
C) Bereitstellung durch Eigenbetriebe 43
D) Organisatorische Arrangements zur Effizienzsteigerung des öffentlichen Sektors 44
1) Effizienzsteigerung ohne Beteiligung von Privaten 44
a) Dezentralisierung 44
b) Untemehmensumwandlung und Kommerzialisierung 48
c) Leistungsvereinbarungen 49
2) Kooperation mit dem privaten Sektor 49
a) Kooperation zwischen Staat und Privaten bei staatlichem Eigentum der Infrastrukturanlagen 50
1) Dienstleistungsverträge 50
2) Managementverträge 52
3) Leasing 53
b) Kooperation mit Privaten bei (zeitweiliger) Eigentumsübertragung 54
1) Betreibermodelle 54
2) Konzessionen 56
c) Private Bereitstellung bei privatem Eigentum 59
d) Leistungsbereitstellung durch Genossenschaften 65
Zusammenfassung 67
IV) Kostenkonzepte und Tarifstrukturen zur Finanzierung von Infrastrukturgütern 74
A) Problemstellung 74
B) Kostenkonzepte 76
1) Servicekosten 77
2) Opportunitätskosten 77
3) Grenzkosten 77
C) Tarifstrukturen 79
1) Anschlußgebühren 79
2) Fixpreise 80
3) Verbrauchsbezogene Preise 80
4) Nutzungszeitbezogene Preise 80
D) Voraussetzungen für die Implementierung kostendeckender Tarife 85
E) Die Sozialverträglichkeit der Tarife 87
1) Die Zahlungsfähigkeit der Nutzer 87
2) Die Zahlungsbereitschaft der Nutzer 95
3) Die Umweltverträglichkeit der Tarife 97
Zusammenfassung 99
V) Fallbeispiel: Die Wasserversorgung des Jemen 102
A) Hintergrund 102
B) Historische, wirtschaftliche, politische und sozio-kulturelle Rahmenbedingungen 103
C) Der Wasserversorgungssektor 105
1) Verfügbare Ressourcen 105
2) Organisationsstruktur der Wasserversorgungswirtschaft 107
a) Die aktuelle Situation 107
b) Angestrebte Reformen 111
3) Die Tarife in der jemenitischen Wasserversorgungswirtschaft 113
1) Die aktuelle Tarifstruktur 113
2) Kostendeckung 116
3) Die Sozialverträglichkeit der Tarife 118
a) Der Einfluß der Tarife auf die Qualität der Dienstleistungen 119
b) Die Bewertung der Tarife durch die Bevölkerung 121
c) Die Auswirkung der Tarife auf den Wasserkonsum 122
d) Die Belastung des Einkommens durch die Wasserpreise 123
e) Der Beitrag der Tarife zur Quersubventionierung zwischen sozialen Gruppen 125
f) Die Nachhaltigkeit der Tarife 127
g) Auswirkungen der institutionellen, technischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auf die Sozialverträglichkeit der Tarife 128
Zusammenfassung 130
VI) Schlußbetrachtung 132
Literaturverzeichnis 134
Anhang:
Übersichtskarten des Jemen
Übersichtskarte der NWSA
Fragebogen
 
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