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Titel Controlling in mittleren Unternehmensberatungen 
Untertitel Eine qualitative Untersuchung 
AutorIn Stefan Seibert 
Seiten 124 Seiten 
Hochschule Wirtschaftsuniversität Wien Österreich 
Art der Arbeit Diplomarbeit 
Abgabe 2011 
Note
Preis 48,00 EUR (inkl. MwSt.)
 
Bestellnummer 91016463 
Sprache Deutsch 
Medien  
Inhaltsangabe
Einleitung:

Die gesamtwirtschaftliche Bedeutung von Unternehmensberatungen steigt im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen seit Jahren überdurchschnittlich an. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich erreichte die Branche im Jahr 2008 eine Wertschöpfung von mehr als einem Prozent des Bruttoinlandprodukts. Neben Großbritannien haben Unternehmensberatungen in keinen anderen Ländern der Europäischen Union einen höheren Anteil an der gesamten Wertschöpfung.

Dabei erreichten in den vergangenen Jahren insbesondere die mittleren Unternehmensberatungen ein überdurchschnittliches Umsatzwachstum. Sie haben in Deutschland mittlerweile einen Marktanteil von mehr als 34 % gemessen am Gesamtumsatz im Markt für Beratungsdienstleistungen. Fast alle großen privaten Konzerne, aber auch öffentliche Unternehmen und gemeinnützige Organisationen nehmen Beratungsleistungen in Anspruch.

Dieses hohe wirtschaftliche Gewicht wirft die Frage auf, wie es um die eigene betriebswirtschaftliche Planung und Steuerung innerhalb von mittleren Beratungsunternehmen bestellt ist. Hierzu ist zum Ersten festzustellen, dass sich Unternehmensberatungen insbesondere im Hinblick auf Marktdynamik und Personalstruktur stark von Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe und von klassischen Dienstleistungsbetrieben unterscheiden. Traditionelle Controlling- und Managementkonzepte, die ursprünglich für Industrieunternehmen entwickelt wurden, können daher in den meisten Fällen nicht eins zu eins auf Unternehmensberatungen angewendet werden.

Zum Zweiten beschäftigte sich die betriebswirtschaftliche Forschung bisher noch recht wenig mit auf die spezifischen Charakteristika von Unternehmensberatungen ausgerichteten Controllingsystemen. Unternehmensberatungen als Forschungsgegenstand gelten als 'underconceptualized,...even atheoretical.' Die wenigen Untersuchungen, die Unternehmensberatungen zum Betrachtungsgegenstand hatten, konzentrieren sich zudem zumeist nicht auf mittlere Beratungsunternehmen, sondern auf große, global operierende Unternehmensberatungen. Zum Dritten gibt es in der Praxis des Controllings in mittleren Unternehmensberatungen Defizite. 'Der Schuster hat die am schlechtesten besohlten Schuhe' - diese Redewendung trifft auf das Controlling vieler Beratungsunternehmen zu. Das Controlling nimmt dort im Vergleich zu Unternehmen anderer Branchen eine untergeordnete Stellung ein. In mittleren Beratungen wird das Controlling oft nebenbei durch ein Mitglied der Geschäftsführung erledigt. Dennoch bieten viele dieser Consulting-Unternehmen ihren Kunden eine umfassende Beratung zu Controllingthemen an.

Zuletzt nimmt der Bedarf an Controlling-Know-How in der Beraterbranche auch vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise 2009 und den damit verbundenen Umsatzeinbrüchen zu.

Die Arbeit versucht, einen Beitrag zur Beseitigung der in der Problemstellung aufgezeigten Defizite zu leisten und verfolgt daher das Ziel, die Besonderheiten und die Komplexität des Controllings in der Praxis von mittleren Beratungsunternehmen umfassend darzustellen. In diesem Zusammenhang soll eine Antwort auf die folgenden Fragen gegeben werden:

Wie gestalten mittlere Beratungsunternehmen ihre Controllingsysteme in der Praxis - unterschieden nach normativer, strategischer und operativer Ebene?

Inwiefern unterscheiden sich dabei Controlling-Aufgaben, Objekte und organisatorische Einbettung in mittleren Beratungen vom Controlling in anderen Branchen?

Zur Beantwortung der Fragen werden qualitative Interviews mit Top-Controllern und Führungskräften ausgewählter mittlerer Beratungen geführt. Grundlage dieser Interviews bildet ein Leitfaden, der auf einer umfassenden Literaturanalyse basiert.

Nach der wissenschaftstheoretischen Einführung (Kapitel 1) werden die Forschungsgegenstände näher erläutert. Dabei werden die Begriffe Unternehmensberatung, mittlere Unternehmen und Controlling (Kapitel 2 und 3) definitorisch abgegrenzt. Anhand einer Literaturanalyse werden die branchenspezifischen Merkmale von Unternehmensberatungen herausgearbeitet.

Anschließend wird das Untersuchungsschema und die Erhebungsmethode spezifiziert (Kapitel 4). Im empirischen Teil der Arbeit wird dann die Zusammenfassung von neun qualitativen Interviews mit Top-Controllern und Führungskräften von mittleren Beratungsunternehmen dargestellt und zu den Ergebnissen einer Literaturanalyse in Kontext gesetzt (Kapitel 5-9). Am Schluss werden die Ergebnisse im Hinblick auf weiteren Forschungsbedarf kritisch bewertet (Kapitel 10).

Kern dieser Arbeit ist die wissenschaftliche Untersuchung der in Kapitel 1.1 erläuterten Problemstellung. Wissenschaft wird hier im Sinne einer Tätigkeit als der 'Prozess, Erkenntnis systematisch zu gewinnen, um so den Vorrat an Wissen zu vergrößern', verstanden. Die Wissenschaftstheorie legt den Bezugsrahmen fest, in dem die Erkenntnis gewonnen wird. Sie bestimmt, was als Erkenntnis gilt und formuliert Ansätze darüber, wie Erkenntnis gewonnen werden kann. In der Literatur gibt es gegensätzliche wissenschaftstheoretische Ansichten. Vielfach wird formuliert, dass es die 'Wissenschaft als ein einheitliches und unbestrittenes System der Erkenntnisgewinnung nicht gibt'.

Als Forscher ist man grundsätzlich auch nicht dazu gezwungen, sich auf eine bestimmte wissenschaftstheoretische Position festzulegen. Dennoch soll hier eine grundsätzliche Positionierung erfolgen, um offenzulegen, durch welche Brille das zu untersuchende Objekt hier betrachtet wird und um die Arbeit damit besser nachvollziehbar zu machen.

Als theoretische Grundposition bzw. 'Brille', durch die das Controlling in mittleren Unternehmensberatungen betrachtet wird, dient der Konstruktivismus. Demnach ist die Wirklichkeit subjektabhängig, es gibt jenseits der eigenen Wahrnehmung keine objektive, universell gültige Erkenntnis.

Aufgrund dieser Position wird im Rahmen der Untersuchung die Ansicht vertreten, dass 'die Realität lediglich durch Beobachtung zugänglich ist - und damit zwangsläufig subjektiv interpretiert wird.' Die Wissenschaft selbst kann im Rahmen des Konstruktivismus 'nicht losgelöst von kulturellen, sozialen, politischen und ökonomischen Einflüssen betrachtet werden.' Die Wahrheit gilt dann als gegeben, wenn die Aussagen auf Zustimmung stoßen und im jeweiligen Kontext von anderen geteilt werden.

Als Leser sollte man von dieser Arbeit daher nicht die Darstellung einer objektiven Realität erwarten, sondern die Anregung zur Reflexion und kritischen Hinterfragung der Beobachtungen des Autors.

Des Weiteren versteht sich diese Arbeit als Beitrag zur Beratungsforschung (englisch: Consulting Research) im Sinne einer angewandten Wissenschaftskonzeption. Die anwendungsorientierte Forschung zeichnet sich durch Umsetzungsorientierung aus und befasst sich mit Problemstellungen, die nicht in der Wissenschaft selbst, sondern in der Praxis entstehen. Wissenschaftliches Ziel ist nicht das Entwickeln rein theoretischer Modelle, sondern Erkenntnisse zu gewinnen, die sich durch praktische Relevanz und Umsetzbarkeit auszeichnen.

In der Literatur wird zwischen qualitativen und quantitativen Forschungsansätzen unterschieden. Quantitative Forschungsansätze werden meistens verwendet, um in bereits relativ gut erschlossenen Gebieten zum Beispiel mit standardisierten schriftlichen Befragungen bestehende Theorien zu überprüfen.

In dieser Arbeit wird hingegen ein qualitativer Forschungsansatz gewählt. Dieser zeichnet sich durch das Prinzip der Offenheit des Forschers im Hinblick auf Untersuchungsperson, Untersuchungsobjekt und Untersuchungsmethoden aus. Es gibt im Vorfeld der Untersuchung keine durch Hypothesen festgelegte Meinung, die dann empirisch überprüft werden könnte. Mayring stellt dazu fest, dass man durch qualitative Untersuchungen ein grundlegendes Verständnis der Komplexität und Ganzheit des Untersuchungsgegenstandes bekommen sollte.

Ob man einen qualitativen oder quantitativen Ansatz verfolgt, hängt in der Forschungspraxis vor allem vom Forschungsgegenstand und der Forschungssituation ab. Für den qualitativen Ansatz spricht, dass der Forschungsgegenstand - das Controlling in mittleren Unternehmensberatungen - noch relativ unerforscht und sehr komplex ist.

Es gibt nach Recherchen des Autors noch keine geschlossene Theorie zum Controlling in mittleren Beratungsunternehmen, die quantitativ überprüft werden könnte. Außerdem ist die Beraterbranche als 'People Business' durch den Faktor Mensch geprägt. Dies führt dazu, dass auch im Controlling verhaltenswissenschaftlich geprägte Sachverhalte eine wichtige Rolle spielen, zu deren Untersuchung sich qualitative Ansätze anbieten. Der qualitative Ansatz kommt in dieser Arbeit insbesondere durch die Vorstellung der Ergebnisse der qualitativen Interviews in den Kapiteln 5-9 zum Ausdruck.

 
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