Einleitung:
Eines der vorrangigen Ziele der Verkehrspolitik ist die Erhöhung des Modal-Split-Anteils des öffentlichen Personenverkehrs mit Bussen und Bahnen, da dieser unter ökologischen, sozialen und ökonomischen Gesichtspunkten gegenüber dem motorisierten Individualverkehr und dem Luftverkehr zu bevorzugen ist.
Dennoch verlor der öffentliche Personenverkehr mit Bussen und Bahnen über Jahrzehnte an Bedeutung, während der motorisierte Individualverkehr sowie der Luftverkehr von einem enormen Verkehrswachstum und steigenden Marktanteilen profitierten. Besonders auffällig ist die negative Entwicklung im Schienenpersonenfernverkehr, welcher sogar durch rückläufige Fahrgastzahlen gekennzeichnet ist. Dies wird häufig mit dem fehlenden intramodalen Wettbewerb im Schienenpersonenfernverkehr und der daraus resultierenden unzureichenden Angebotsqualität sowie der Preishöhe und Preisgestaltung begründet.
Eine mögliche intermodale Alternative in Form des Buslinienfernverkehrs existiert aufgrund der Restriktionen des Personenbeförderungsgesetzes in Deutschland derzeit nicht. Es stellt sich die Frage, ob die bestehende Regulierung gerechtfertigt werden kann bzw. ob eine Deregulierung zu einer Verbesserung des öffentlichen Verkehrs beitragen könnte. Im Rahmen dieser Arbeit soll daher die volkswirtschaftliche und verkehrliche Sinnhaftigkeit einer möglichen Deregulierung des Buslinienfernverkehrs in Deutschland untersucht werden.
Gang der Untersuchung:
Zu Beginn der Arbeit (Abschnitt 2) wird zunächst der Untersuchungsgegenstand genauer definiert, danach werden die rechtlichen und verkehrlichen Rahmenbedingungen dargestellt.
Im ersten Abschnitt des Hauptteils (Abschnitt 3) erfolgt die ökonomische Beurteilung der bestehenden Regulierung des Buslinienfernverkehrs. Im Rahmen einer normativ-theoretischen Analyse wird geprüft, ob die Regulierung mittels bestimmter Kriterien des Marktversagens gerechtfertigt werden kann. Bei der folgenden positiv-theoretischen Analyse wird die Entstehung und der Fortbestand der Regulierung mit den Zielsetzungen und Verhaltensweisen der beteiligten Akteure erklärt. Anschließend werden die volkswirtschaftlichen Auswirkungen des staatlichen Eingriffs aufgezeigt.
Im zweiten Abschnitt des Hauptteils (Abschnitt 4) werden die erwartbaren verkehrlichen Auswirkungen einer Deregulierung des Buslinienfernverkehrs beurteilt. Die Analyse erfolgt anhand praktischer Erfahrungen in Großbritannien, theoretischer Überlegungen zur Verkehrsmittelwahl, einem intermodalen Vergleich der Angebote im Personenfernverkehr und den Ergebnissen einer empirischen Schätzung des Modal Split.
Am Ende der Arbeit (Abschnitt 5) werden eine mögliche Gestaltung der Deregulierung und sinnvolle begleitende Maßnahmen vorgeschlagen.
Die verwendeten Informationen entstammen dabei im Wesentlichen der wirtschafts- und verkehrswissenschaftlichen Fachliteratur, den Ergebnissen entsprechender Fachtagungen sowie den bestehenden wissenschaftlichen Arbeiten zum Buslinienfernverkehr. Das Ziel ist die Informationen der verschiedenen wissenschaftlichen, politischen und unternehmerischen Bereiche mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten zusammenzuführen und auszuwerten, um eine umfassende und objektive Beurteilung der Deregulierung des Buslinienfernverkehrs in Deutschland zu erreichen.