Problemstellung:
Die internationale Luftfahrtbranche befindet sich im Umbruch. Während etablierte Fluggesellschaften im Rahmen traditionell gewachsener Wettbewerbsmodelle mit Umsatzeinbrüchen zu kämpfen haben, trotzen Low Cost Carrier-Anbieter diesem Trend und vermelden steigende Passagierzahlen und Zuwächse beim Gewinn und Umsatz.
Kennzeichnend für die momentane Entwicklung sind dabei zwei wesentliche, sich zunächst entgegenstehend erscheinende Trends; der Marktfragmentierung und der Marktkonsolidierung. Unter Zugrundelegung steigender Nachfrage und einer Überlastung der Hauptflughäfen, die durch deren Bedeutung als Hub noch forciert wird, geht zum Beispiel Airbus von einer Marktkonsolidierung aus, welche einen Ausbau von Hub-Flughäfen sowie den Einsatz von neuen Großraumflugzeugen, wie der A 380, zur Folge hat.
Dahingegen weist das Erfolgmodell der LCC, ermöglicht unter anderem durch die fortschreitende Liberalisierung des Luftverkehrs, auf eine veränderte Wettbewerbsstruktur in der Luftfahrtbranche hin, die über eine Fragmentierung, also über einen Ausbau des Punkt zu Punkt Verkehrs, zu einem Wachstum regionaler Flughäfen führen wird. Im ersten Halbjahr 2003 stieg dabei das Passagieraufkommen der LCC in Deutschland mit 2,9 Millionen Fluggästen binnen Jahresfrist um 27 Prozent.
Die Entwicklung der Luftfahrtbranche ist für die Lufthafenbranche maßgeblich, da die Airlines die größten Kunden der Airports sind und über Auswirkungen auf die Flughafenentgelte oder den Retail-Bereich deren Erfolgsposition direkt beeinflussen. Der Erfolg des LCC-Wettbewerbmodells resultiert dabei aus seiner Kostenstruktur, welche unter anderem aus der Benutzung weitaus günstigerer regionaler Flughäfen erreicht wird. Der Anteil der LCC an dem wirtschaftlichen Erfolg der Regionalflughäfen ist zum Teil überproportional und lässt die Frage aufkommen, ob eine stärkere strategische Ausrichtung an diesem Wettbewerbsmodell notwendig ist.
Der LCC-Erfolg in Deutschland hat über den britischen Anbieter Ryanair auch den Lübecker Flughafen begünstigt. Der Flughafen Lübeck steigerte im ersten Halbjahr 2003 die Zahl der Fluggäste um 58,4 Prozent auf knapp 200.000. Dabei gilt Lübeck-Blankensee als ein Flughafen, der sich konsequent an den Anforderungen der LCC ausgerichtet hat und dem das Potenzial für weiteres Wachstum zugesprochen wird. Zudem erfährt der Verkehrsflughafen durch ein geplantes Privatisierungsvorhaben sowie einer anstehenden Kapazitätserweiterung zusätzliche Aufmerksamkeit. Die Situation des Lübecker Flughafens beinhaltet somit branchentypische Problemstellungen, welche ihn zu einem interessanten Untersuchungsobjekt machen.
Anhand des bewährten Instruments einer Stärken/Schwächen-Chancen/ Risiko-Analyse sollen strategische Implikationen für die Flughafen Lübeck GmbH abgeleitet werden. Die exemplarische Behandlung eines Regionalflughafens kann über die unternehmensspezifische Bewertung hinaus allgemein Anforderungen für Flughäfen in vergleichbaren Situationen aufzeigen. Die voranschreitende Privatisierung, verbunden mit dem Anspruch, einen ökonomisch sinnvoll operierenden Flughafenbetrieb zu gewährleisten, bedingt Modifikationen, welche es in der vorliegenden Untersuchung herauszustellen gilt.
Ziel der Untersuchung ist die Herausarbeitung von unternehmensexternen Chancen und Risiken sowie unternehmensinternen Stärken und Schwächen für die Flughafen Lübeck GmbH. Daraus resultierend sollen strategische Konsequenzen für die Nutzung von Marktchancen beziehungsweise der Abwendung von Risiken abgeleitet werden. Zudem soll die exemplarische Behandlung dieses Regionalflughafens allgemein auf Branchenstrukturänderungen aufmerksam machen und den daraus resultierenden Modifikationsbedarf regionaler Flughäfen aufzeigen.
Gang der Untersuchung:
Die vorliegende Untersuchung ist systematisch in zwei verschiedene Komplexe, einen theoretischen und einen praktischen, unterteilt. Nach einer Abgrenzung wesentlicher Begrifflichkeiten im 2. Abschnitt werden die theoretische Bedeutung und der Charakter einer SWOT-Analyse im Rahmen der strategischen Analyse behandelt. Dabei wird die Struktur und Bedeutung der einzelnen Teilanalysen einerseits allgemein behandelt sowie andererseits bereits Aussagen zur spezifischen Anwendung auf die Untersuchungsobjekte der Flughafenbranche sowie der Flughafen Lübeck GmbH gemacht. Die Funktion der Teilanalysen im Rahmen der strategischen Analyse wird durch einen Überblick über mögliche strategische Konsequenzen im Abschnitt 3.5. komplettiert.
Nachdem der theoretische Rahmen der Untersuchung dargelegt wurde, beinhaltet der 4. Abschnitt die SWOT-Analyse der Lübecker Flughafen GmbH. Nach Erläuterungen zur Zielsetzung der Analyse sowie einer Beschreibung der Untersuchungsbereiche und -methodik werden Partialanalysen betreffend der relevanten Bereiche angestellt.
Als Teil der Chancen/Schwächen-Analyse wird zunächst in Abschnitt 4.3. eine Umweltanalyse vorgenommen, die sich aus eine Analyse der all-gemeinen Umweltbedingungen im Abschnitt 4.3.1. und einer Branchenstrukturanalyse im Abschnitt 4.3.2. nach Michael E. Porter zusammensetzt. Die Ergebnisse werden dann in Abschnitt 4.3.3. zusammengefasst. Anschließend wird in Abschnitt 4.4. die Unternehmensanalyse vorgenommen, welche unternehmensinterne Spezifika erfasst und Stärken sowie Risiken herausstellt. In Abschnitt 4.4.3. werden wiederum die Ergebnisse zusammengefasst. Der Abschnitt 5. umfasst schließlich die Zusammenführung der beiden Analyseteile, die Bewertung der Ergebnisse sowie die Ableitung strategischer Konsequenzen.
Die Untersuchung endet mit einer Schlussbetrachtung.
Inhaltsverzeichnis: