Einleitung:
Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit ist die zur Russischen Föderation gehörende autonome Republik Sacha, ehemals Jakutien. Durch den Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 begann ein Abspaltungsprozess der einstigen Unionsrepubliken, der in vielen Regionen noch nicht friedlich gelöst werden konnte. Für die Republik Sacha (kurz: RS) sind diese fundamentalen Fragen konfliktlos geklärt worden, so dass sich gegenwärtig alle gesellschaftlichen Kräfte auf den Umwandlungsprozess der staatlichen Planwirtschaft zur freien Marktwirtschaft konzentrieren.
Bei der Transformation und den damit verbundenen Problemen nimmt die Neuordnung der Property Rights Strukturen eine Schlüsselrolle ein.
Diese Analyse beschränkt sich nicht nur auf die ökonomischen Fragen der Privatisierung. Da sich der Wandel in vielen Lebensbereichen gleichzeitig vollzieht, stehen alle alten Strukturen und Werte aus Wirtschaft und Politik sowie dem gesellschaftlich-kulturellen Leben zur Disposition. Eine Ausklammerung bestimmter Faktoren würde zu einer realitätsfernen Untersuchung führen und den Gegebenheiten in der Republik nicht gerecht werden. Unter Berücksichtigung der vorhandenen industriellen Strukturen und den spezifischen Erfordernissen in der Region soll der ökonomische Umbau vollzogen werden.
Zur Bearbeitung des Themas dienten vorwiegend russische Quellen, die ich während meines Russlandaufenthaltes im April 1995 in Moskauer und St. Petersburger Instituten, Ministerien und Bibliotheken erhielt. Ferner sandte mir das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten und das Ministerium für Außenwirtschaftsbeziehungen, beide mit Sitz in Jakutsk, aktuelle Wirtschafts- und Strukturberichte per FAX zu. Komplettiert wurden die Hintergrundinformationen durch deutsche und amerikanische Veröffentlichungen.
Am 17. Mai 1995 nutzte ich die Möglichkeit mit dem jakutischen Geschäftsmann Aleksej Wasiljewitch Gorochow, der sich auf einer Promotiontour durch Deutschland befand, ein persönliches Gespräch über die derzeitige Stimmung im Land zu führen.
Diese Mosaikstücke summierten sich zu der jetzt vorliegenden Arbeit.
Problemstellung:
Diese Ausarbeitung, mit dem Thema: "Transformation in den Regionen Russlands; Vorteile und Hindernisse auf dem Weg zur Marktwirtschaft in Sacha", stellt am Beispiel einer Republik deren typische Schwierigkeiten im Umwandlungsprozess dar. Die Grundproblematik ist für alle ehemaligen Unionsmitglieder ähnlich, jedoch sind aufgrund der Branchenspezifität unterschiedliche Hürden in den verschiedenen Regionen zu bewältigen. Die Arbeit zeigt für die RS auf, wie ein von der Russischen Föderation (kurz: RF) emanzipierter Weg zu Produktivität und Effizienz erreicht werden kann. Um die Veränderungen dieser Republik im Wirtschaftsgebiet Ferner Osten besser einordnen zu können, bedarf es einer Standortanalyse, die Aufschluss über das Produktions- und Rohstoffpotential, die Infrastruktur und die klimatischen Bedingungen gibt.
Russland soll bei der Analyse Sacha's weder als Maßstab dienen, noch Vorbildcharakter einnehmen. Es geht vielmehr um eine unabhängige Untersuchung des Transformationsprozesses und der Privatisierung, auch wenn einige Aspekte nur in Zusammenhang mit Russland bzw. der Russischen Föderation betrachtet werden können. Ergänzend wird untersucht, wie es heute um die ehemalige Subventionsnehmerrepublik Jakutien steht und ob sie weiterhin vom großen "Föderationstopf" profitiert.
Die Fallstudie am Beispiel der Republik Sacha kann ein Baustein sein, neue, auf die speziellen Regionen angepasste Privatisierungskonzepte zu entwickeln. Diese könnten den Transformationsprozess beschleunigen und die Bedingungen vor Ort besser berücksichtigen. Ferner werden die Kenntnisse dem Privatisierungsprozess Russlands oder anderer Gebiete Sibiriens Hilfestellung leisten.
Gang der Untersuchung:
Ziel der Untersuchung ist eine detaillierte Darstellung des Transformationsprozesses in der RS. Diese Umstrukturierung vollzieht sich auf ökonomischer, politischer und auch kultureller Ebene. Primär ist die Schaffung neuer Eigentumsverhältnisse und der Aufbau einer effektiv arbeitenden Verwaltung zum selbsterklärten Ziel der Republik deklariert worden. Inwieweit und in welchen Bereichen Fortschritte erreicht wurden, wird nachfolgend erörtert.
Den Einstieg bildet ein kurzes demographisches Kapitel über Lage, Bodenschätze und Bevölkerungsentwicklung. Das folgende Kapitel untersucht schwerpunktmäßig den politischen Status Sacha's innerhalb der Föderation und das gegenwärtige Parteienwesen. Ein zusammengefasster historischer Rückblick verdeutlicht den vollzogenen Werdegang.
Der nachfolgende Themenkomplex: "Transformationspotential der Wirtschaft" befasst sich mit der ökonomischen Strukturumwandlung und der Entwicklung der Infrastruktur. Die Branchenschwerpunkte Diamanten und Goldindustrie werden in einem eigenen Unterpunkt behandelt. Die Analyse des industriellen und landwirtschaftlichen Sektors, unter Einbeziehung der derzeitigen Umweltsituation in der RS, ist ein weiterer Aspekt der Untersuchung.
Das nächste Kapitel vermittelt, wo bei der Veränderung der Property Rights, Vorteile oder Nachteile entstanden. Der Privatisierungsweg sowie dessen unterschiedliche Umsetzung in den Rayonen steht dabei im Mittelpunkt des Interesses. Orientierungshilfe bei den Problemen des Transformationsprozesses soll das 1993 verabschiedete "Sozial-ökonomische Programm der Republik Sacha für die Übergang zur Marktwirtschaft" leisten. Ergänzt wird dieser Themenbereich mit einer Darstellung der Banken- und Geldpolitik sowie der Rolle von Investitionsfonds in der RS.
Abschließend werden die Ziele und Perspektiven der Republik im Hinblick auf bestehende bzw. mögliche Investitionsbereiche, Joint-Ventures und sonstige Auslandsbeziehungen konkretisiert.
Inhaltsverzeichnis: