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Titel Moralkapitalismus - Moralische Verhaltensweisen in einer Marktgesellschaft? 
Untertitel  
AutorIn Jörg-Michael Rösner 
Seiten 119 Seiten 
Hochschule Otto-Friedrich-Universität Bamberg Deutschland 
Art der Arbeit Diplomarbeit 
Abgabe 2008 
Note 2,7 
Preis 28,00 EUR (inkl. MwSt.)
 
Bestellnummer 95016981 
Sprache Deutsch 
Medien  
Inhaltsangabe
Einleitung:

'Der Kapitalismus beruht auf dem freien Markt. Es wird behauptet, je freier der Markt, desto besser könne der Kapitalismus die Frage klären, was wie für wen bereitgestellt werden soll. Und es wird behauptet, die Gemeinschaft profitiere vom individuellen Gewinnstreben.' Wie passt also Kapitalismus und Moral zusammen? Was kann unter Moral verstanden werden - was unter Markt? Werden hier nicht die Ansprüche an den freien Markt gestellt, die Allokation und Distribution von Gütern zu regeln, und überdies die Feststellung getroffen, die Gemeinschaft und jeder Einzelne profitiere von individuellem Gewinnstreben? Warum, so frage ich mich, haben dann aber einige das Gefühl, als stünden die aus individuellem Gewinnstreben entstehenden Handlungen oft im krassen Gegensatz zu moralischem Verhalten? 'Warum erweckt eine Handlung oder ein Gefühl, wenn wir sie für sich betrachten und prüfen, eine bestimmte Art der Befriedigung oder ein bestimmtes Unbehagen?'.

So oder so ähnlich wird nicht nur in Anbetracht der zyklisch auftretenden Wirtschaftskrisen und der teilweise düsteren Prognosen über das kapitalistische Wirtschaftssystem stets erneut die Gerechtigkeitsfrage gestellt. Ich möchte dies nicht tun! In dieser Arbeit steht nicht die Frage nach einer möglichst gerechten Verteilung von Kooperationsgewinnen oder die Frage danach, ob der Kapitalismus überhaupt ein gerechtes System des Wirtschaftens darstellt, im Mittelpunkt. Es soll hier auch nicht der Frage nachgegangen werden, ob und welche Maßstäbe an gerechte Verteilungen gestellt werden dürfen. Kurzum, all das, was wir unter Fragen der distributiven Gerechtigkeit verstehen, soll für diese Arbeit weitestgehend ausgeblendet werden. Auch Fragen der kommutativen Gerechtigkeit, also danach, welchen Status Individuen im Verhältnis zueinander besitzen sollen, werden nur am Rand behandelt. Wenn ich von Gerechtigkeit spreche, dann meine ich das richtige individuelle Handeln auf der Basis einer gegebenen Rahmenordnung, auf die ich später genauer eingehen werde.

Ziel dieser Arbeit ist es vielmehr, möglichst umfassend darzustellen, wie Moral und Markt überhaupt zusammenhängen. Wo liegen die Berührungspunkte und wo gibt es teils fundamentale Unterschiede? Ist der Markt überhaupt ein geeigneter Rahmen, um über individuelles moralisches Handeln zu sprechen? Wenn dies der Fall sein sollte, gibt es dann Märkte, die sich hinsichtlich der Möglichkeit, moralisch zu handeln, unterscheiden? Hier stelle ich die Hypothese auf, dass mit zunehmendem Entwicklungsstand und zunehmender Komplexität von Märkten die Möglichkeiten für individuell (un)moralisches Verhalten steigen.

Im Mittelpunkt der Arbeit steht demzufolge das individuelle moralische Verhalten und erst in zweiter Linie die Güte von Regeln: Was kann, soll oder muss der Einzelne tun, um 'moralisch' zu handeln? In diesem Zusammenhang möchte ich bereits jetzt darauf hinweisen, dass individuelles Handeln natürlich immer mit geltenden Regeln und Institutionen verbunden ist. Auf sie muss an den entsprechenden Stellen eingegangen werden. Trotzdem sollen Institutionen des Marktes weitestgehend als gegeben betrachtet werden. Folglich ist das individuelle moralische Verhalten von Individuen die abhängige Variable. Mögliche Problembereiche sowie Änderungen des individuellen Verhaltens werden - wo möglich - auf Basis feststehender institutioneller Arrangements erörtert. Auf der anderen Seite müssen, soweit notwendig, die Bereiche diskutiert werden, in denen individuelle Handlungsweisen direkte Auswirkungen auf Institutionen haben.

Ich bin mir darüber vollkommen bewusst, dass in dieser Untersuchung weder eine umfassende Markttheorie noch eine umfassende Moraltheorie entstehen kann. Trotzdem habe ich dem Marktbereich eine höhere Priorität zugestanden als der Moraltheorie. Daher setze ich mich in vollem Wissen dem möglichen Vorwurf aus, einzelne, möglicherweise interessante Stellen nicht hinreichend tiefgründig zu untersuchen. Das ist jedoch auch nicht mein Anliegen. Es gibt bereits zu jedem einzelnen der von mir untersuchten Punkte tiefgehende und weitreichende Untersuchungen. Nicht wenige stellen dabei sogar eigene Forschungszweige dar.

Das ausdrückliche Ziel dieser Arbeit ist - und das möchte ich noch einmal verdeutlichen - die Frage zu beantworten, warum Menschen der Ansicht sind oder sein können, der freie Markt müsse etwas mit Moral zu tun zu haben. Dazu will ich möglichst umfassend all jene Situationen finden, aus denen sich Moralprobleme ergeben können. Basis für diese Problemsuche ist dabei hauptsächlich der Marktmechanismus mit seinem geltenden Regelwerk. Nachdem die Problemsphären moralischen Handelns hinreichend herausgestellt worden sind, will ich auch einen Ausblick auf Möglichkeiten der Implementation moralischen Handelns innerhalb der Marktarena geben. Hier wird nicht auf die Detailtreue der Schilderungen der einzelnen Maßnahmen, sondern auf das Erfassen der generellen Bandbreite an Möglichkeiten Wert gelegt.

Ich erhoffe mir von den Untersuchungsergebnissen, an den notwendigen Stellen hinreichend zwischen Markt und Moral trennen zu können, jedoch auch Möglichkeiten aufzeigen zu können, in deren Rahmen jeder Einzelne durch sein persönliches Handeln dazu beitragen kann, den Markt moralisch zu gestalten.

Der Hauptteil der Arbeit ist in vier Kapitel gegliedert. Im Kapitel 2 werde ich zeigen, dass es unterschiedliche Arten von Märkten gibt. Hier werden die grundsätzlichen Regeln des Funktionierens von Märkten im Bezug auf eine bestmögliche Verteilung von Gütern besprochen. Dabei wird zunächst auf die einfachsten Arten, hernach auf die komplexeren, sozial gestalteten Arten von Märkten eingegangen, jedoch nicht, ohne zuvor eine kurze Folgerung für die Notwendigkeit von Institutionen gezogen zu haben. In Abhängigkeit zu der Art der marktimmanenten Regeln des Wirtschaftens lassen sich verschiedene Erwartungen hinsichtlich moralischen Verhaltens äußern. Dabei wird die Hypothese untersucht, der zufolge mit zunehmender Komplexität von Marktbeziehungen das Potential wächst, unmoralisch zu handeln. Nachdem sich die eigentliche Funktion des Marktmechanismus herausgestellt haben wird, werde ich ein Modell heranziehen, welches bis heute den wirtschaftswissenschaftlichen Diskurs maßgeblich beeinflusst. Dieses 'neoklassische Marktmodell' eignet sich zwar hervorragend, um den Markt bzw. Marktmechanismus zu analysieren, allerdings lässt es keine Räume, um moralisches Verhalten - in welcher Form auch immer - in die Analyse mit einzubeziehen.

Nach der Darstellung der wissenschaftlichen Analysemöglichkeit des Marktmechanismus im zweiten Kapitel soll im dritten Kapitel der Moralbegriff genauer definiert werden. Dies ist notwendig, um einen gemeinsamen Moralbegriff zu erarbeiten, soll jedoch kurz gehalten werden, da es nicht darum gehen kann, eine umfassende Moralphilosophie zu liefern. Dennoch gilt es, verschiedene Arten der Betrachtungsweise des individuellen moralischen Handelns und des Redens über Moral darzustellen. Mittelpunkt ist unter anderem der Zusammenhang zwischen individuellem Verhalten und Institutionen, also zwischen Individual- und Institutionenethik. Wie kann überdies der Moralbegriff für die Analyse des Marktes zugänglich gemacht werden? Das Ergebnis dieses Kapitels wird der für die fortlaufende Untersuchung verwendete Begriff individuellen moralischen Handelns sein.

Im vierten Kapitel werden daraufhin zunächst die Ergebnisse der zwei vorangegangenen Kapitel zusammengeführt. Ein geeignetes Analyseinstrument für Markt und Moral wird in der Neuen Institutionenökonomik gefunden. Nach der Erörterung grundlegender Annahmen des Modells werde ich mich der Analyse von möglichen Moralproblemen während des Vertragsfindungsprozesses widmen. Während dort noch davon ausgegangen wurde, dass sich die Individuen gleichberechtigt gegenüberstehen, behandelt die Prinzipal-Agent-Theorie mögliche Moralprobleme aus Sicht unterschiedlich informierter Personen. Dort wird unter anderem der Frage nachgegangen, ob es ein 'doppeltes Moralproblem' geben kann, nämlich sowohl hinsichtlich der Individual- als auch der Institutionenethik. Hier möchte ich auch etwas detaillierter als in anderen Bereichen auf Moralprobleme eingehen. Während im Gang der Untersuchung bislang davon ausgegangen wurde, dass Individuen in irgendeiner Form einen Einfluss auf Handlungsergebnisse haben, soll dies im Abschnitt über externe Effekte, wo und wenn nötig, ausgeblendet werden. Nach der Untersuchung weiterer Einflussfaktoren auf eine Handlungsmoral besonders hinsichtlich Kooperationen und einer möglichen totalen Zerstörung des Kapitalismus endet das vierte Kapitel mit einer Zusammenfassung der Moralprobleme, die durch individuelles Handeln entstehen können.

Im fünften Kapitel werden anschließend Maßnahmen vorgestellt, die geeignet sind, die in Kapitel vier aufgeworfenen Moralprobleme zu lösen. Die Möglichkeiten der Implementation moralischen Verhaltens lehnen sich dabei weitgehend an die Analyseschritte des vierten Kapitels an, wobei hier zunächst ein Lösungsansatz innerhalb der Vertragsgestaltung besprochen wird. Die sich daran anschließenden Punkte lassen sich jedoch nicht mehr überschneidungsfrei den einzelnen Problemfeldern einer individuellen Handlungsmoral zuordnen, so dass hier nebeneinanderstehend zunächst Versprechen, Vertrauen und Reputation behandelt werden. Danach wird auf zwei typische Instrumente zur Lösung von Moralproblemen durch asymmetrische Information eingegangen, bevor die Synthese aus moralischem Wollen und institutionellem Sollen vollzogen wird. Instrumente zur Internalisierung externer Effekte schließen diesen Abschnitt ab. Im Anschluss wird die Idee des 'Marktes der Tugend' vorgestellt, nicht ohne auf die in der Realität damit verbundenen Probleme einzugehen. Im letzten Abschnitt wird auf die Rolle von Werten eingegangen, was eine sinnvolle Synthese der Kapitel zwei und drei darstellt.

Abschließend werden im Kapitel 6 die Ergebnisse der Untersuchung zusammengefasst und die Frage geklärt, ob man tatsächlich von 'Moralkapitalismus' sprechen kann. Hier werden noch offenen Fragen und mögliche Anschlussuntersuchungsfragen angesprochen.

 
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