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Diplomarbeiten

 

 

Titel Das Ruhrgebiet im Spannungsfeld westalliierter und deutscher Wirtschaftspolitik 1945 bis 1952 
Untertitel  
AutorIn Martin Goosmann 
Seiten 139 Seiten 
Hochschule Universität zu Köln Deutschland 
Art der Arbeit Diplomarbeit 
Abgabe 1995 
Note
Preis 38,00 EUR (inkl. MwSt.)
 
Bestellnummer 95003385 
Sprache Deutsch 
Medien Papier / CD 
Inhaltsangabe
Einleitung:

Das Ruhrgebiet wurde als "Rüstungsschmiede des Deutschen Reiches" bezeichnet. Aufgrund der hohen Konzentration an Grundstoff- und Schwerindustrie, war es jedoch - aus westalliierter wie deutscher Sicht - innerhalb der drei westlichen Besatzungszonen die ökonomisch wichtigste Region. Die dort praktizierte Wirtschaftspolitik hatte folglich stets auch überregional Einfluss und Konsequenzen. Daraus resultiert nun die Fragestellung, ob die im bzw. mit dem Ruhrgebiet in den Jahren 1945 bis 1952 - von verantwortlichen und einflussnehmenden Institutionen wie westalliierten Regierungen und Militärregierungen, deutschen Verbänden, Parteien, Behörden, Parlamenten und Regierungen - verfolgte Wirtschaftspolitik primär ökonomisch oder polit-ökonomisch ausgerichtet war. In den folgenden Ausführungen wird davon ausgegangen, dass die Wirtschaftspolitik - sowohl auf westalliierter wie deutscher Seite - polit-ökonomisch motiviert war, sich jedoch in Interessen und Zielen stark unterschied. Das Ruhrgebiet lag folglich im Spannungsfeld zwischen westalliierter und deutscher Wirtschaftspolitik.

Wurden zunächst Thesen formuliert, soll es nun um die eigentliche Herangehensweise an den Untersuchungsgegenstand gehen. Daher werden nun das Ruhrgebiet, der gewählte Zeitraum sowie der Begriff Wirtschaftspolitik analysiert und begründet.

Das Ruhrgebiet umfasst das Gebiet des - seit 1920 zur Lösung gemeinsamer. Siedlungs- und Verkehrsprobleme bestehenden - Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk. Dieser umfasst ca. 4.600 qkm Fläche und ist durch die Ruhr im Süden, die Lippe im Norden, die Städte Kamp-Lintfort und Rheinhausen im Westen sowie die Städte Hamm, Unna und Herdecke im Osten begrenzt. Diese geographische Begrenzung dient dazu, die Kernzone des rheinisch-westfälischen Industriegebietes von anderen industriellen Wirtschaftsräumen in Nordrhein-Westfalen wie z.B. dem Bergischen Land oder den traditionellen Industriegebieten Aachen, Ravensberg-Lippe und Krefeld-Mönchengladbach abzugrenzen. Während das Ruhrgebiet vorwiegend schwerindustriell geprägt wurde, sind die anderen Wirtschaftsregionen vorwiegend durch Textil- und metallverarbeitende Industrie geprägt worden und erreichten nicht annähernd die ökonomische, soziale und politische Bedeutung des Ruhrgebietes.

Diese Bedeutung erreichte das Ruhrgebiet zuletzt in den Jahren von 1945 bis 1952, da von der Entwicklung des dortigen Bergbaus nach dem Zusammenbruch nicht nur der deutsche, sondern auch der westeuropäische ökonomische Wiederaufbau in hohem Maße abhing. Die Folge war, dass sich politische und wirtschaftliche Interessen auf westalliierter und deutscher Seite eng verquickten. Die praktische wirtschaftspolitische Einflussnahme der Westalliierten auf das Ruhrgebiet nach dem zweiten Weltkrieg begann mit der Besetzung 1945 und endete mit der Errichtung der Montanunion 1952. Danach beginnt die - bis auf den heutigen Tag andauernde - Periode der ökonomischen Zusammenarbeit der westeuropäischen Staaten, zunächst begrenzt auf Kohle und Stahl, so dass sich hier ein tiefer Einschnitt ergibt, der diese Diplomarbeit sinnvoll begrenzt. Jedoch ist neben dem internationalen Aspekt für diese Zeitbegrenzung ebenso zu berücksichtigen, dass in den Jahren von 1945 bis 1952 auch auf deutscher Seite grundlegende Entwicklungen im und mit dem Ruhrgebiet vollzogen wurden. Hierzu zählen z.B. die Montanmitbestimmung oder die Errichtung einer marktwirtschaftlich dominierten Wirtschaftsordnung. Zudem kann durchaus die Schlussfolgerung gezogen werden, dass der ökonomischen Grundlage des Ruhrgebietes, der Kohleproduktion, ab dem Beginn der Heizölimporte in die Bundesrepublik im Verlauf der Kohlekrise 1951 eine Konkurrenz erwuchs, die ihr langfristig - über den billigeren Preis - den Boden entzog und einen industriellen Strukturwandel vorbereitete. So wird man mit einiger Berechtigung sagen können, dass nach dem Jahr 1952 die ökonomischen Grundlagen des Ruhrgebietes nicht mehr wie im bisherigen Maße von ausschlaggebender Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland waren.

Der Begriff der Wirtschaftspolitik umfasst im allgemeinen die Gesamtheit staatlicher Maßnahmen, die darauf gerichtet sind, das Wirtschaftsleben zu ordnen und im Sinne bestimmter Ziele zu beeinflussen. Diese Diplomarbeit betrachtet weitgehend nur die Branchen Bergbau, Eisen- sowie Stahlindustrie, ausdrücklich nicht z.B. das Handwerk oder andere Dienstleistungsbereiche. Die Wirtschaftspolitik begrenzt sich weitgehend auf ordnungs- (z.B. die Frage der Sozialisierung von Großunternehmen) und wettbewerbspolitische Aspekte (z.B. die Frage der Dekartellierung), aber auch außenwirtschaftliche, geldpolitische sowie agrar- und verkehrspolitische Aspekte werden behandelt. Hingegen werden mikro- sowie makroökonomische Zusammenhänge sowie finanz- und steuerpolitische Aspekte nicht behandelt.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Das Ruhrgebiet und seine polit-ökonomische Bedeutung 1
1.2 Begriffliche Definitionen und ihre Eingrenzungen 1
2. Nachkriegskonzeptionen 1943 bis 1945 und die ökonomische Ausgangslage nach der Besetzung 3
2.1 Alliierte Nachkriegskonzeptionen 3
2.2 Deutsche Nachkriegskonzeptionen 11
2.3 Die Kriegsschäden 15
2.4 Die Bevölkerungsstruktur 17
3. Die regionale Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik 1945 bis 1946: britische Militärregierung, deutsche Interessenorganisationen und Bürokratien 18
3.1 Die Organisation der Militärkontrolle und Wirtschaftspolitik 19
3.2 Die regionale Wirtschaftspolitik der britischen Besatzung 21
3.3 Die britische regionale Gesellschaftspolitik 38
3.3.1 Die britische Unternehmer- und Verbandspolitik 38
3.3.2 Die britische Gewerkschaftspolitik 40
3.4 Die Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen 49
4. Die überregionale Ebene 1947 bis 1949: Bizone, Marshall-Plan und Währungsreform 59
4.1 Die Bizone 59
4.2 Der Marshallplan und seine Wirkungen 69
4.3 Die Währungsreform und der Konflikt um die Wirtschaftsordnung 74
4.3.1 Die parteipolitischen Auseinandersetzungen und Konflikte im Wirtschaftsrat 74
4.3.2 Die Währungsreform und die Ausnahmen der Preisfreigaben 77
5. Die amerikanisch-britische Demontage- und Reparationspolitik im Ruhrgebiet 1947 bis 1950 79
5.1 Motive und Ziele der Demontage- und Reparationspolitik aus westalliierter und deutscher Sicht 79
5.2 Die Zeit der Unklarheit (am Beispiel der Krupp-Werke) 83
5.3 Das Reparationsprogramm vom Oktober 1947 84
5.4 Der Weg zum Ende der Reparationen 88
5.5 Die ökonomischen Auswirkungen der Demontage 92
6. Die Dekartellierungspolitik 95
6.1 Ausgangslage und unterschiedliche Interessen 95
6.2 Die Entflechtung der Konzerne 99
6.3 Die Konflikte um ein deutsches Kartellgesetz 1949 bis 1957 101
6.4 Eine Analyse der Dekartellierungsgesetzgebung am Beispiel der August-Thyssen-Hütte 106
7. Sozialisierungsfrage, Montanmitbestimmung und die britisch-amerikanische Gewerkschaftspolitik 1947 bis 1951 108
7.1 Die Sozialisierungsfrage 108
7.2 Die Problematik der Montanmitbestimmung 114
8. Die supranationale Ebene 1948 bis 1952: Internationale Ruhrbehörde, Schumanplan und Montanunion 120
8.1 Die internationale Ruhrbehörde 120
8.2 Der Schumanplan 124
8.3 Die Errichtung der Montanunion 126
9. Schlußbetrachtung 129
Literaturverzeichnis 131
 
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