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Über 130 Jahre Butzon & Bercker
Wie alles begann
Am 20. November 1870 gründete der Buchbinder Franz Hermann Bercker mit einem knappen Dutzend Mitarbeitern in Kevelaer eine handwerkliche Buchbinderei und legte damit den Grundstein für die heutige Butzon & Bercker GmbH. Das rasch wachsende Überseegeschäft und der damit verbundene Bedarf an widerstandsfähigen Einbandmaterialien führte 1874 zur Partnerschaft mit dem Zelluloidfabrikanten Hermann Butzon. Zeitgleich begann unter dem Signet des Ankers die religiöse Verlagstätigkeit. Dem ersten Buch folgte bald ein ganzes Programm, in dem so bekannte Namen wie Wilhelm Hauff, Gottfried Keller und Jeremias Gotthelf vertreten waren, und schon im Jahr 1900 ernannte Papst Leo XIII. Franz Hermann Bercker zum "Verleger des Apostolischen Stuhls". Fortan besaß das Unternehmen das Recht, das päpstliche Wappen zu führen. Auch wenn die Gründerzeit inzwischen vorüber war und der Kulturkampf seine Schatten auf das christliche Buchgeschäft warf, blühte der handwerkliche Zweig des Geschäfts und erforderte die Herstellung von Zelluloideinbänden in großer Anzahl. 1890 bauten die Geschäftspartner daher in Krefeld eine neue Fabrik. Einnahmen und Kosten wurden redlich geteilt, ganz gleich "ob Kunden aus dem Schreinerdorf Weeze mit Holz oder Kunden aus Holland mit Heringen bezahlten". Doch die geschäftlichen Interessen gingen auseinander: 1891 übernahm Hermann Butzon die Krefelder Fabrik, während Franz Hermann Bercker unter dem eingeführten Doppelnamen Butzon & Bercker Buchbinderei und Verlagsbuchhandlung weiterführte.
Als er 1899 starb, übernahmen seine Söhne Joseph und Bernhard die Leitung und bewiesen rasch ähnlichen Geschäftssinn wie ihr Vater. Angesichts der wachsenden Nachfrage nach religiösem Kunsthandwerk und Devotionalien im Wallfahrtsort Kevelaer gliederten sie dem Familienunternehmen kurz nach der Jahrhundertwende die Butzon & Bercker Kunstwerkstätten an. Nachdem die Firma 1913 in eine GmbH umgewandelt worden war und Joseph Bercker sich aus dem Geschäftsleben zurückgezogen hatte, machte sein Bruder Bernhard direkt nach dem Krieg 1918 den nächsten großen Schritt und eröffnete eine eigene Buchdruckerei. Dieser technische Bereich wurde 1975 unter dem Namen "Bercker Graphischer Betrieb GmbH" in eine selbstständige Tochtergesellschaft umgewandelt; und 1999 wurde der Betrieb veräußert.
Schwierige Zeiten
Nach dem Tod Bernhard Berckers im Jahr 1927 übernahm zunächst der Prokurist Bernhard Pier die Geschäftsleitung, zwei Jahre später trat mit Edmund Bercker wieder ein Mitglied der Unternehmerfamilie in die Geschäftsleitung ein. Der Zeitpunkt war für seinen Einstieg nicht der beste, denn die Arbeit des christlich geprägten Unternehmens wurde zusehends schwieriger. Politisch motivierte Einschränkungen bedeuteten massive persönliche und finanzielle Schwierigkeiten. So wurden 250.000 Bücher ohne Entschädigung beschlagnahmt, und ganze Programmsparten konnten nicht mehr realisiert werden.
Der Zweite Weltkrieg schlug dem Unternehmen noch tiefere Wunden. Doch als die Unternehmerfamilie Bercker 1945 aus Kriegsdienst und bayerischem Exil zurückkehrte, warteten in Kevelaer schon 28 Betriebsangehörige auf den Neuanfang. Gedruckt wurde zunächst mit einer von Hand betriebenen kleinen Presse. Erst als Druckaufträge der britischen Militärregierung erteilt wurden, gab es wieder ausreichend Arbeitsmaterial; jetzt durfte sogar mit Strom geheizt werden. Bis Ende 1946 vergrößerte sich die Belegschaft beständig, und mit der Währungsreform normalisierte sich das Geschäftsleben endlich wieder.
1949 schlug Edmund Bercker mit "Bercker`s Kleine Volksbibliothek" und der ersten Ausgabe von "Berckers katholischer Taschenkalender" ein neues Kapitel der Verlagsgeschichte auf. Der Erfolg der allgemeinen Reihen bildete eine gute Rücklage, als nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil 200.000 religiöse Bücher nicht mehr abgesetzt werden konnten.
Auf zu neuen Ufern
Auch die anderen Unternehmensbereiche zeigten in der Wirtschaftswunderzeit wieder steigende Umsatzkurven. Die Kunstwerkstätten, deren Sortiment ursprünglich durch Einkauf zusammengestellt wurde, setzten verstärkt auf Eigenproduktionen. Artikel aus Holz fertigten Kevelaerer Schreiner, die Bronzeartikel kamen seit 1957 aus einer eigenen Bronzegießerei. Während in der Druckerei und Buchbinderei die neueste Technik Einzug hielt, setzten die Kunstwerkstätten auf selbst entwickelte Werkstoffe: Die erste Krippe aus "Berkalith" kam in den Handel, hergestellt in der neu gegründeten Kunststoffgießerei Wulfert & Bercker. Das Experimentieren mit Materialien ist eine Tradition des Hauses, die sich bis heute fortsetzt: Die besondere Patinierung der BU-BE-Stoßgriffe und die bunten Bronzen von cleve art-line sind jüngste Ergebnisse dieser Arbeit.
Ausbau
Aufgrund der eigenen Erfahrungen stellte Edmund Bercker bereits frühzeitig die Weichen für den Eintritt der vierten Unternehmergeneration und berief 1966 seine beiden Söhne Klaus und Edmund in die Geschäfsleitung. Während Klaus Bercker sich dem technischen Bereich widmete, lagen die Interessen von Edmund Bercker jun. - zu dieser Zeit bereits studierter Theologe und promovierter Historiker - im Bereich Verlag und Kunstwerkstätten. Zunächst gemeinsam mit dem Vater, später als alleiniger Geschäftsführer, baute er, ausgehend von den Schwerpunkten Buch und Kunst, "seinen" Unternehmensbereich in den folgenden Jahrzehnten beständig aus.
Das Arbeitsspektrum der Bronzegießerei war von Beginn an breit angelegt. Neben den Artikeln der Kunstwerkstätten fertige sie seit den sechziger Jahren für externe Auftraggeber Stadtsiegel, Reliefs, Skulpturen und Brunnen. Künstler und Auftraggeber, die bei Butzon & Bercker ihre Sondergüsse herstellen lassen, erhalten hier eine kompetente Rundumbetreuung, die auf dem Markt einzigartig ist.
Die Bronzegießerei ist auch die "Mutter" zweier weiterer Kinder des Hauses Butzon & Bercker. 1969 wurde zur besseren Auslastung der selbstständige Unternehmensbereich BU-BE etabliert, der sich auf Baubeschläge aus Bronze, Silberbronze und Messing spezialisiert hat. Dominierten im Programm zunächst eher traditionelle Formen, setzt BU-BE heute auf exklusiv gefertigte Designermodelle und stellt mit modernen Mustern und innovativen Kombinationen die Bronzegießerei vor neue Herausforderungen.
1968 übernahm Butzon & Bercker die Kevelaerer Firma Fritz Cleve, die sich unter ihrem vorherigen Besitzer auf keramische Kunst spezialisiert hatte. Vertrieben wurden unter diesem Label zunächst Holzschnitzarbeiten, Keramiken, Bleiverglasungen, Graphiken und Artikel in Zinnguss. Seit Mitte der 80er Jahre zeigte sich, dass der Unternehmenszweig in dieser Form keine Zukunft mehr hatte. So wagte man 1995 eine radikale Programmänderung und entwickelte den Bereich unter dem neuen Namen "cleve art-line" zu einem Spezialanbieter für künstlerische Bronzen.
Alle diese Veränderungen fanden längst nicht mehr dort statt, wo 1870 alles angefangen hatte. Das wachsende Unternehmen sprengte nach 100 Jahren Entwicklung und Erweiterung den engen Raum, den das Berckersche Stammhaus in der Kevelaerer Innenstadt bot, und so wurde in den 70er Jahren der Grundstein für die Aussiedlung in den Außenbezirk der Stadt Kevelaer gelegt. Zuerst bezog 1977 die Bronzegießerei ihr neues Gebäude auf dem Hoogeweg; 1980/81 siedelte schließlich der gesamte Betrieb um.
Während sich auf den planierten Flächen in der Innenstadt nahezu zehn Jahre lang nicht allzu viel bewegte, gab es am Hoogeweg ständig Neues zu vermelden. 1991 hielt der von den Pallottinern übernommene Lahn-Verlag Einzug in das Haus Butzon & Bercker. Ein weiterer Bereich des Unternehmens ist das Auslieferungszentrum Niederrhein, kurz und knapp AZN genannt. Seit dem 1. Juli 1998 bietet Butzon & Bercker hier das Leistungsspektrum der eigenen Auslieferung auch anderen Verlagen und Herstellern an. Als dynamisch wachsender Full-Service-Dienstleister für mittelständische Unternehmen und ihre Partner hat es sich seither im Markt fest etabliert.
Das bislang jüngste Kind in der B & B-Unternehmensfamilie heißt bube karten bei butzon & bercker. Die Übernahme des erfolgreichen Groh-Kartenprogramms durch die Butzon & Bercker GmbH im Oktober 2001 war ein konsequenter Schritt, um die Marktposition im religiösen Buch- und Kunsthandel weiter auszubauen und zugleich den Weg zu neuen Kundenzielgruppen zu öffnen. Das gut eingeführte Programm wurde mit dem bestehenden Kartensegement des Kunstbereichs zusammengeführt, und so ist ein qualitativ hochwertiges Glückwunsch- und Postkartenprogramm entstanden, das den Namen Butzon & Bercker auch über den religiösen Markt hinaus transportiert.
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