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Absurdität: Hexenverfolgung

AutorBruno Emil König
VerlagAischab
Erscheinungsjahr2017
Seitenanzahl69 Seiten
ISBN9783946182436
Altersgruppe9 – 12
FormatePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis4,49 EUR
Hexenverfolgung im Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Viele Fakten aus historischer Überlieferung, die den Verrat an Mitmenschen legitimerte und in der Regel den Tod zur Folge hatte. Zu Zeiten von Carpzov allein wurden 20.000 Todesurteile vollstreckt. Und noch mehr sollten folgen. Im ersten Buch werden die historischen Grundlagen für den Aberglauben und die Vollstreckung des Hexenhammers beschrieben.

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Leseprobe

Wie kam es zur Hexenverfolgung?


Ein Blick zurück….

Der Hexenwahn ist uralt und aus dem Heidentum auf die christlichen Völker übergegangen. Alle uns bekannten Völker des Altertums, auch diejenigen, denen der Teufelsglaube fremd war, glaubten an Hexerei, d. h. sie befanden sich in dem Wahne, dass es möglich sei, durch Flüche, Verwünschungen oder Zauberformeln etc. Menschen, Vieh und Früchten zu schaden und sei zu verderben.

Bei den Juden schlug der Teufelsglaube erst Wurzel, nachdem sie mit den Persern in Berührung gekommen waren. Der Glaube an Hexerei und Zauberei dagegen findet sich bei ihnen viel früher.

Bei den Römern enthielt schon Roms ältestes Gesetzbuch, die zwölf Tafeln, Strafen für diejenigen, welche durch Zaubersprüche Menschen oder deren Feldfrüchte beschädigten.

Plinius berichtet (Buch 18, Kap. 8 seiner Historia naturalis):

„Ich kann mir nicht versagen, hier ein Beispiel aus dem Altertum anzuführen. C. Furius Crefinus, ein Freigelassener, wurde, weil er auf einem sehr kleinen Acker einen weit reicheren Ertrag gewann, als sein Nachbar auf größeren Äckern, von dem Neide stark verdächtigt, als ob er durch Zauberkünste fremde Früchte an sich ziehe.“

Auch Tibull sagt von der Zauberkunst:

„..Götter der Nacht, o erscheint mir! Ihr schuft, dass, wenn ich wollte, den staunenden Ufern die Flüsse aufwärts kehrten zum Quell. Und ihr, dass geschwollene Meerflut stand, und stehende schwoll die Bezauberung. Wolken vertreib ich. Mir durch Wort und Gemurmel zerplatzt der Rachen der Natter. Auch den lebenden Fels und die Eiche, aus dem Boden gerüttelt, raff ich, und Wälder, hinweg. Mir bebt der bedräuende Berg auf. Mir auch brüllt der Grund und Gestorbene gehen aus den Gräbern. Selbst dich ziehe ich, o Mond, wie sehr temesäisches Erz auch dir, Arbeitendem, hilft. Es erblasst der Wagen des Ahnen unserem Gesang. Es erblasst vor unseren Giften Aurora.“

Als ihm deshalb vom Aedilis curulis Sp. Albinus ein Termin zur Verhandlung angesetzt wurde und er verurteilt zu werden fürchtete, trug er sein ganzes Ackergerät auf den Markt und brachte seine kräftigen und, wie Piso sagt, wohlgepflegten und wohlgekleideten Leute, seine gut gearbeiteten Eisengeräte schwere Hacken und Pflugscharen und seine gutgefütterten Ochsen mit. Dann sprach er:

„Hier, Quiriten, sind meine Zauberkünste, doch meine Nachtwachen, meine sauren Arbeiten und meinen Schweiß kann ich euch nicht zeigen oder auf das Forum bringen.“

Hierauf wurde er einstimmig freigesprochen.

Ferner berichtete Plinius (in demselben Werk im 28. Buche Kap. 3 und 4):

„Noch heute glaubt man, dass unsere Vestalinnen entlaufene Sklaven, falls sich dieselben noch nicht aus der Stadt entfernt haben, durch ein Gebet auf der Stelle festbannen können. Erkennt man dieses einmal an, so muss man auch zugeben, dass die Götter gewisse Gebete erhören und sich durch gewisse Gebete bewegen lassen.

Es gibt keinen Menschen, welcher nicht fürchtete, durch schreckliche Verwünschungen gebannt zu werden.“

Außerdem berichtet uns Plinius, dass selbst Menschen zu magischen zwecken geopfert worden, und Tacitus teilt uns ein solches Beispiel mit.

Unter Tiberius starb nämlich dessen Adoptivsohn Germanicus im Orient. Zu Folge dessen wurden gegen Piso, Statthalter von Syrien, Anklage erhoben, den Germanicus vergiftet zu haben, und als Verdachts-grund wurde angeführt, dass Piso nicht nur vielfachen Verkehr mit Giftmischern gehabt, und dass an der Schwelle des von Germanicus bewohnten Palastes sich die Leichen von Menschen gefunden hätten, die Piso habe töten und dort vergraben lassen, um Germanicus vermittelst derselben durch Zauberei zu töten.

In der fünften Ode seiner Epoden schildert Horaz, wie einige Zauberinnen unter Anrufung der Hekate und Tisiphne einen freigeborenen Knaben binden und bis an den Hals in die Erde gegraben, damit er den Hungertod sterbe, weil sie seine Leber zu einem Liebestranke verwenden wollten. Er schildert uns, wie der Knabe erst flehentlich um sein Leben bittet, dann aber die Zauberinnen verflucht und ihnen vorhersagt, dass sie vom Volke gesteinigt werden würden.

In der siebzehnten Ode erzählt uns Horaz ein Gespräch zwischen ihm und der Zauberin Candidia. Er sagt ihr, dass er jetzt wohl glauben müssen, was er früher geleugnet habe, dass nämlich Marsi‘sche und Sabelli’sche Zauberlieder Krankheiten hervorrufen könnten, und bittet Candidia den auf ihn geworfenen Zauber zu lösen. Candidia weist diese Bitte zurück und versichert Horaz, sie könne durch ihre Kunst Wachsbilder beleben, den Mond vom Himmel herabreißen, Tote erwecken und Liebestränke bereiten, so dass er nicht glauben dürfe, ihrer Kunst jemals entgehen zu können.

Homer berichtet uns, dass Ulysses das aus einer Wunde fließende Blut durch einen Zauberspruch gestillt habe und der um 390 v. Chr. Auf Lesbos lebende griechische Philosoph Thephrastos, dass man damit auch das Hüftweh heilen könne. Cato gibt einen Zauberspruch gegen Gliederverrenkungen, Barro einen anderen gegen die Fuß Gicht an.

Der im Anfang des dritten Jahrhunderts nach Christi lebende Jurist Paulus sagt in seinen Receptae sententiae lib. V, Tit. 28 ad legem Corneliam de sicariis et venefiris:

„Wer gottlosen oder nächtlichen Gottesdienst vorgenommen hat oder hat vornehmen lassen, um jemand zu besprochen festzumachen oder zu binden, soll gekreuzigt oder wilden Tieren vorgeworfen werden. Wer einen Menschen opfert und aus dessen Blute wahrsagt oder einen Hain oder Tempel besudelt, wird den wilden Tieren vorgeworfen oder, wenn er besseren Standes ist, einfach mit dem Tode bestraft. Die Mitwisser der Magie sollen mit den strengsten Strafen belegt, das heißt, wilden Tieren vorgeworfen oder gekreuzigt werden. Die Magier selbst werden verbrannt. Niemand darf Bücher über Magie besitzen. Nicht bloß die Ausübung, auch die Kenntnis der Magie ist verboten.“

In der römischen Kaiserzeit werden häufig Untersuchungen gegen Chaldaei und Mathematici, das heißt nach unserem jetzigen Sprachgebrauch gegen Astrologen und Wahrsager erwähnt. Diese schon zu Cäsars Zeit in großer Anzahl in Rom lebenden Astrologen hatten durch ihre Prophezeiungen, indem sie vorher verkündigten, wann der regierende Kaiser sterben würde, zu Empörungen aufgereizt, weshalb dieses inquirere in dies principis daher auf das Strengste verboten wurde. Auch unter den Griechen herrschte derselbe Glaube an Beschwörung und Bezauberung und Plato hat diesen Glauben seiner Landsleute einer wissenschaftlichen Betrachtung gewürdigt.

Im 11. Buche, Kap. 772 seiner Schrift über die Gesetze sagt er:

„Es glauben gewisse Leute, dass sie durch allerlei Gaukeleien, Zaubersprüche und sogenannte Bannformeln anderen Schaden zufügen können, und viele fürchten sich demgemäß vor jenen, die sie im Besitz solcher Kräfte wähnen. Was für eine Bewandtnis es mit solchen Dingen hat, ist nicht leicht zu durchschauen noch schwerer ist es, andere darüber zu belehren, ja es lohnt sich nicht der Mühe, dies bei Leuten zu versuchen, die bereits einen derartigen Verdacht gegen einander gefasst haben.

Wenn Menschen ihnen ähnliche aus Wachs geformte Bilder an ihren Türen, an Kreuzwegen oder auf den Gräbern ihrer Eltern finden, so ist es fast nicht möglich, sie zu überzeugen, dass dies nichts zu bedeuten habe.“

Als Grund dieses Wahnglaubens gibt Plato an, es sei allgemein die irrige Ansicht verbreitet, es ließen sich die Götter durch Opfer und Gebete ebenso wohl zum Guten, als auch zum Böden bestimmen. Ein solcher Glaube sei aber eine Beleidigung für die Götter und wenig besser als Atheismus.

Damit trifft er den Nagel auf den Kopf: Die Völker haben sich ihre Götter nach ihrem eigenen Bilde geschaffen, rohe Völker haben rohe, zivilisierte Völker zivilisierte Götter, menschliche Eigenschaften, wenn auch mit übermenschlicher Macht verbunden, haben sie sämtlich. Gleich den Menschen leben sie untereinander in Unfrieden, verfolgen sie häufig sich widersprechende Interessen, haben sie ihre Günstlinge, denen sie wohlwollen, und Menschen, denen sie feind sind. Wie die Menschen sich durch Überredung oder Bestechung sich zu diesem oder jenem verleiten lassen, so lassen sich auch die Götter von denen, die es verstehen, durch Gebete oder Opfer bewegen, so oder anders zu handeln.

„Bettelpriester und Wahrsage“, fährt Plato fort, „ziehen vor den Häusern Riecher umher und sagen ihnen, dass, wenn sie einem Feind etwas antun wollten, könnten sie mit wenig Kosten ebenso gut einem Gerechten, als einem Ungerechten schaden, indem sie mit gewissen Zaubermitteln und Bannsprüchen die Götter zu bewegen wüssten, ihnen dienstbar zu sein.“

Da die Völker die Götter nach ihrem eigenen Bilde geschaffen, dieselben also mit menschlichen Eigenschaften ausgerüstet waren, so ist es allerdings kein Wunder, dass dieselben nicht nur angerufen wurden, Kranke gesund zu machen, die Früchte vor Hagel zu schützen, sondern auch, um Lebende zu töten, Gesunde krank zu machen, Früchte und Vieh zu schädigen.

Im ersten Buche der Ilias lesen wir, um bei den Griechen zu bleiben, dass der von Agamemnon beleidigte Priester Apollos den Gott durch sein Gebet veranlasste, den Achäern die Pest zu schicken, bis es Agamemnon endlich gelang, den zürnenden Gott durch Opfer und Gebete zu versöhnen.

Ähnliche Beispiele aus dem sogenannten „klassischen“ Altertum ließen sich noch viele anführen.

Übrigens nicht bloß bei den Griechen und Römern herrschte der Glaube an Zauberei. Herodot erzählt uns (4. Buch, Kap. 68) auch von den Skythen:

„So oft der Skythen König krank wird, lässt er drei Wahrsager kommen, die am meisten in Ansehen stehen. Diese sagen dann gewöhnlich,...

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