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E-Book

Achtsamkeit in der Partnerschaft

Was dem Zusammenleben Tiefe gibt

AutorHans Jellouschek
VerlagKreuz
Erscheinungsjahr2011
Seitenanzahl160 Seiten
ISBN9783451336805
FormatePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis12,99 EUR
Wirklich bei mir sein und beim Anderen: Dieses Wechselspiel hält eine Partnerschaft lebendig und gibt ihr auf die Dauer Tiefe. Achtsamkeit in der Partnerschaft zu üben und zu pflegen bedeutet herauszufinden, was dem Anderen und mir selbst wichtig ist, ohne es gleich zu bewerten. Denn Hans Jellouschek weiß, dass Unachtsamkeit, Unaufmerksamkeit und Ablenkung auf Dauer eine Partnerschaft unterhöhlen. Achtsamkeit zu üben bedeutet, wieder im Fluss des gemeinsamen Lebens anzukommen. Hans Jellouschek hat dies für das partnerschaftliche Zusammenleben nutzbar gemacht. Mit vielen praktischen Übungsanleitungen und Beispielen aus der Beratungspraxis zeigt er, wie diese Kunst zu üben und zu pflegen ist. Ein völlig neuer Zugang, der in die tiefere Dimension der Beziehung führt.

Dr. theol. Lic. phil. Hans Jellouschek, geb. 1939, ist Eheberater, Psychotherapeut und Lehrtherapeut für Transaktionsanalyse. Psychotherapeutische Praxis mit dem Schwerpunkt Paartherapie in der Nähe von Stuttgart. Langjährige Erfahrung in der Fort- und Weiterbildung von Therapeuten und Eheberatern.

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Leseprobe
1. Kapitel
Was versteht man unter
»Achtsamkeit«?

Die Praxis der Achtsamkeit als tägliche Übung spielt in der »gegenstandslosen« Meditation des Ostens, vor allem im Zen-Buddhismus und ähnlichen Richtungen, eine zentrale Rolle. Von dort sind in den letzten Jahrzehnten Begriff und Praxis der Achtsamkeit in den Westen gekommen, seit östliche Meditationsformen auch hier in größerem Umfang praktiziert werden. Aber nicht nur in der Spiritualität spielt Achtsamkeit eine große Rolle. Inzwischen begegnet man dem Begriff auch immer häufiger im Zusammenhang mit Psychotherapie und ganz allgemein mit »Lebenskunst«. 1979 hat der amerikanische Arzt Jon Kabat Zinn in den USA eine Anti-Stress-Klinik gegründet, in der das Erlernen und Praktizieren von Achtsamkeit für gute Stress-Bewältigung als Vorgehensweise und Übung eine zentrale Rolle spielt. Bei uns in Deutschland hat vor allem die Verhaltenstherapie Achtsamkeit als einen wichtigen Bestandteil der »kognitiven Verhaltenstherapie« in ihr Repertoire integriert (vgl. Andersen-Reuster 2007). Was ist darunter zu verstehen?

Ich lasse zunächst Kabat Zinn selbst zu Wort kommen: »Achtsamkeit bedeutet, auf eine bestimmte Weise aufmerksam zu sein: bewusst im gegenwärtigen Augenblick und ohne zu urteilen … Achtsamkeit ist eine einfache und zugleich hochwirksame Methode, uns wieder in den Fluss des Lebens zu integrieren, uns wieder mit unserer Weisheit und Vitalität in Berührung zu bringen.« (2007). Oder mit den Worten der deutschen Verhaltenstherapeutin U. Andersen Reuster in ihrem wertvollen Sammelband (2007, S. 1): »Achtsamkeit ist ein Prozess, bei dem die Aufmerksamkeit nicht-wertend auf den gegenwärtigen Augenblick gerichtet ist. Sie nimmt wahr, was ist, und nicht, was sein soll. Das heißt: Sie ist einerseits, nüchtern, real, desillusionierend, andererseits annehmend, integrierend.«

Diese Beschreibungen enthalten mehrere wichtige Elemente – und wenn wir uns im Folgenden diese bewusst machen, werfen wir dabei sogleich jeweils kurze Blicke auf unser Zusammenleben in der Partnerschaft, um einen ersten Eindruck von der Bedeutung dieser Haltung und Praxis gerade auch für die Paarbeziehung zu bekommen, dem Anliegen, dem ich mich in diesem Buch ausführlich widmen möchte.

Gegenwärtiger Augenblick – »Hier und Jetzt«


Im gegenwärtigen Augenblick »da«, im Hier und Jetzt sein: Machen wir uns bewusst, wie häufig wir mit unserer Aufmerksamkeit im Alltag – auch im Alltag der Paarbeziehung – entweder in der Zukunft sind, bei dem, was uns bevorsteht, bei Zielen, die wir haben, bei Anliegen, die wir verfolgen, bei der Angst vor dem, was auf uns zukommt … Oder – was vielleicht noch häufiger geschieht – wie wir bei dem sind, was in der Vergangenheit geschehen ist, was nicht erledigt ist, was uns mit Sorge und anderen schlechten Gefühlen erfüllt. Natürlich müssen wir auch in die Zukunft schauen, planen und Vorsorge treffen, und natürlich ist es zuweilen auch wichtig, zurückzuschauen auf das, was war, um uns zu erinnern, daraus zu lernen oder es zu verstehen, zu »integrieren«. Aber oft werden wir von unseren Gedanken und Gefühlen dahin – in die Zukunft oder in die Vergangenheit – »gezogen« und darin »festgehalten«, und werden unachtsam für das, was gerade ist und was gerade geschieht. Da sitzt ein Paar zum Beispiel am Tisch, der Mann schaufelt das Essen in sich hinein und merkt gar nicht, dass dies sein Lieblingsgericht ist, das ihm die Frau extra gekocht hat, geschweige denn, dass er es freudig oder dankbar ansprechen würde. Er ist mit seinen Gedanken noch im Geschäft, wo er etwas Ärgerliches erlebt hat, das ihn immer noch gefangen hält, sodass er das »Jetzt« – damit aber auch die Liebe seiner Frau, die sich hier zeigt – einfach übersieht. Oder seine Gedanken sind schon wieder beim morgigen Tag, wo eine schwierige Aufgabe auf ihn wartet, ein Gespräch, das unangenehm ist, ein Projekt, das ihn zu überfordern droht. Natürlich kann man dafür Verständnis haben. Dennoch, für die Paarbeziehung geht ihm damit eine kleine Chance verloren: Seiner Frau in die Augen zu schauen, nach ihrer Hand zu greifen und zu sagen: »Oh, schmeckt das gut! Wie schön, dass du gerade an diesem anstrengenden Tag an meine Lieblingsspeise gedacht hast!« Wenn er nicht im »Dort« und »Dann« wäre, sondern im Hier und Jetzt, würde er diese Chance ergreifen. So aber sitzt seine Frau daneben und ist enttäuscht … Leben im Hier und Jetzt erschließt uns den Reichtum des Lebens! Und nur dieses Hier und Jetzt ist Realität! Denn die Vergangenheit ist vorbei und die Zukunft ist noch gar nicht da.

Wenn wir – um ein anderes Beispiel zu wählen – miteinander in den Bergen wandern, und der eine ist immer damit beschäftigt, auf das Ziel, die Hütte, zu starren, die man da oben schon manchmal auftauchen sieht, und sich mit dem Gedanken zu quälen, dass er ihr nicht und nicht näher zu kommen scheint, obwohl sie die im Wanderführer dafür vorgesehene Zeit schon überschritten haben, und der andere denkt die ganz Zeit an das, was in der nächsten Woche zu Hause alles zu tun ist, dann leben beide nicht im Hier und Jetzt. Der eine hängt an seinem Ziel »da oben«, der andere an den Aufgaben »da vorne«, in der nächsten Woche. So berauben sich beide vollständig des Genusses, miteinander jetzt und hier die herrliche Landschaft zu erleben und sich darüber auszutauschen. Sie leben vielmehr an der Gegenwart und damit auch aneinander vorbei. Der Reichtum des Lebens, auch des Zusammen-Lebens erschließt sich uns – wie Kabat Zinn in seiner Definition sagt – wenn wir den gegenwärtigen Augenblick wahrnehmen!

Offenheit und Realismus


Achtsamkeit heißt aber auch: Sich nichts vormachen. Die Dinge so nehmen, wie sie gerade sind, sie nicht schöner, aber auch nicht schlechter machen wollen als sie sind. Machen wir uns für einen Augenblick bewusst: Wie viele Konflikte entstehen in einer Beziehung durch Erwartungen, was sein »soll« und durch Nicht-Akzeptanz dessen, was gerade ist! Zum Beispiel ist heute Abend der Bus, mit dem er nachhause fährt, im Verkehrsstau stecken geblieben. Er ist darum spät dran. Sie überfällt ihn sofort: »Nie bist du pünktlich …!« Und schon ist der Krach da! Würde sie es zunächst einfach so nehmen, wie es ist: Er ist spät dran, so ist es! – dann würde sie zum Beispiel sogleich in den Blick bekommen, dass diese Tatsache die verschiedensten Ursachen haben kann, nicht bloß die eine, auf die sie sofort innerlich und äußerlich »abfährt« (»Er nimmt auf mich keine Rücksicht!«). Dann könnte sie ganz ruhig fragen: »Was war denn los, wie kommt es, dass du so spät dran bist?« Dann könnte der Abend trotz des Zu-Spät-Kommens noch ein schöner Abend werden!

Die Dinge zunächst einmal so nehmen, wie sie sind – darin ist auch noch ein weiteres Element enthalten: Dem, was ist, dem was sich ereignet, mit Offenheit begegnen. Wie viel »Sich wehren gegen …« ist mit unserer Wahrnehmung oft verbunden – im Sinne von Christian Morgensterns treffender Formulierung: »Weil, so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf«. Damit leben wir an der Realität vorbei. Diese verändern zu wollen, kann in Ordnung oder auch notwendig sein, setzt aber voraus, dass wir zunächst einmal die Dinge so nehmen, wie sie sind, sonst beginnen wir, in einer illusionären Welt zu leben und einen Konflikt nach dem anderen zu inszenieren. Und abgesehen davon: Wenn wir immer in dem leben, was sein soll oder »eigentlich« nicht sein darf, wird unsere Energie in diese Illusionswelt abgezogen und sie fehlt uns dann, um tatsächliche konstruktive Veränderungen zu bewerkstelligen. Denken wir daran, wie oft, zum Beispiel auch in Paarbeziehungen, darüber geredet und fantasiert wird, was anders sein »sollte« oder, worunter ich »leide«, anstatt Veränderungen tatsächlich anzugehen!

Neugier


Offenheit enthält auch noch das Element der Neugier. Ich bin neugierig auf das, was sich mir als Realität zeigt. Manche sprechen von »Forschergeist«, und zwar gerade nicht nur dem hochinteressanten Thema gegenüber, auf das ich bei der Lektüre oder im Beruf gerade gestoßen bin, sondern Forschergeist, Neugier auch den alltäglichen Dingen gegenüber. Wenn ich frage: »Na, wie geht’s?« – wie oft ist diese Frage eine leere Formel. Ich will es gar nicht wissen! Es wäre aber auch möglich, dass es keine bloße und nichtssagende Formel wäre, nein, ich könnte, wenn ich so frage, mich auch wirklich für dich und dein Ergehen interessieren! Ich möchte tatsächlich wissen, wie es dir heute geht und ergangen ist. Ich kaschiere mit dieser Frage nicht mein Desinteresse und ich ordne dich nicht in ein schon vorhandenes Schema (»Wahrscheinlich geht es ihr eh wieder schlecht!«) ein, nein, ich stelle mich immer wieder neu und aufmerksam auf dich ein – und ich erfahre dabei, auch noch nach Jahren des Zusammenlebens, erstaunliche neue Dinge von dir!

Aber oft lassen meine Erwartungen gar nichts Neues mehr in mein Bewusstsein dringen. Ich bemerke zum Beispiel nicht, dass meine Frau ein neues Make-up verwendet, das sie frischer und lebendiger macht, vielmehr sehe ich sie genau so, wie sie vorher war – aufgrund meiner feststehenden Erwartung. Wieder verpasse ich eine Chance in der Beziehung! Forschergeist ist das Gegenteil von alltäglichem Trott, der mich gar nicht mehr merken lässt, was rund um mich passiert, und worin immer wieder neue Nuancen enthalten sind, die ich auf neue Weise nutzen oder an denen ich mich neu erfreuen könnte. Wenn wir der Realität immer wieder neu mit »Forschergeist«, mit Interesse und Neugier begegnen,...

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