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E-Book

Achtsamkeit to go

Meditation für Menschen auf dem Sprung

AutorDavid Harp
VerlagGoldmann
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl288 Seiten
ISBN9783641118099
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis6,99 EUR
schnell, schneller ... OMMM!
Immer in Bewegung und allzeit erreichbar? Keine Zeit für die fünf Tibeter? Entspannung gelingt auch zwischendurch, light und komprimiert. David Harp ('Meditieren in drei Minuten') zeigt uns wie. Kleine Meditationsübungen auf dem Weg von einem zum nächsten Termin, Ruheoasen im trubeligen Alltag. Es gibt immer die Möglichkeit, achtlos oder achtsam durchs Leben zu gehen. Mit dieser handlichen Entspannungshilfe in der Tasche, glückt der achtsame Weg.


David Harp, Unternehmenssprecher, Verhaltenstherapeut und Autor von 'Meditieren in drei Minuten', pflegt eine weitere Leidenschaft: die des Mundharmonika-Spielens.

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Leseprobe

1 Achtsamkeit – was, warum und wie?

Alles Leben ist Bewegung. Leben ist ohne Bewegung nicht denkbar, ob wir das Zugverhalten der Tiere betrachten oder subatomare Teilchen auf ihren Bahnen, also den Stoff, aus dem dieses Universum ist. Dennoch glauben viele, Achtsamkeit könne man nur in äußerer Bewegungslosigkeit üben, indem man still in einer Zimmerecke oder im Kloster sitzt. Diese Annahme ist nicht nur falsch, sondern wirkt sich eher hemmend aus, denn tatsächlich können wir auch dann Achtsamkeit lernen und achtsam sein, wenn wir »auf Trab« sind. Vielen fällt es sogar leichter, wenn sie dabei ihren normalen täglichen Verrichtungen nachgehen.

Was ist Achtsamkeit?

Es gibt viele mögliche Antworten auf die Frage, was Achtsamkeit ist. Meine persönliche Definition – praktisch, einfach und vor allem hilfreich – lässt sich etwa so formulieren: die Geistesverfassung, in der wir die Wahl haben, auf vielen Ebenen (zum Beispiel körperlich, geistig oder philosophisch) gleichzeitig bewusst und gegenwärtig zu sein oder unsere bewusste Wahrnehmung willentlich auf eine dieser Ebenen zu konzentrieren.

Möglicherweise denken Sie jetzt, Sie könnten das bereits, und vielleicht ist es ja auch so. Wenn Sie etwa am Abend einen stillen Feldweg entlanggehen, können Sie zu den Sternen aufblicken und über diesen Kosmos staunen, während Sie zugleich Ihre eigenen Schritte hören. Das kann allerdings etwas anders aussehen, wenn Sie zur Stoßzeit mit einem Wagen voller zankender Kinder auf einer verstopften Straße unterwegs sind und die Tankanzeige schon auf Reserve steht.

Seien wir also lieber ehrlich uns selbst gegenüber. Die meisten Menschen – und zu denen zähle ich mich selbst auch – lassen zu, dass ihre Gefühle, ihr Sprechen, ihr Handeln weitgehend von ihrem Kopf beherrscht werden, von ihren Gedanken.

Wenn wir jedoch Achtsamkeit eingeübt haben, können wir wenig nützliche Gedanken früher bemerken und sie rechtzeitig abfangen, bevor sie ungute Folgen nach sich ziehen, um dann mit unserer Aufmerksamkeit zu den Erfordernissen der jeweiligen Situation zurückzukehren. Die Übungen in diesem Buch werden Ihnen helfen, diesen Zustand zu erreichen.

Der Unterschied zwischen Achtsamkeit und Meditation

Achtsamkeit ist das, was wir erreichen möchten. Meditationen sind die Übungen, die uns diesem Ziel näher bringen. Achtsamkeit verhält sich zu diesen Übungen so wie gekonntes Baseballspielen zu Lauftraining, Gewichtheben, Schlagtraining und Fangtraining.

Was ist »mentale Muskulatur«?

Ich bezeichne mit diesem Ausdruck die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit des Gehirns mithilfe der Sinne auf einen bestimmten Gegenstand zu lenken. Manche Gegenstände, zum Beispiel ein James-Bond-Film, fesseln unsere Aufmerksamkeit ganz einfach mit haarsträubenden Verfolgungsjagden, attraktiven Gesichtern und Körpern sowie Bösewichten, die große Reden schwingen. Wenn wir uns dagegen auf etwas seiner Natur nach wenig Interessantes zu fokussieren versuchen, verlangt uns das einiges ab. Davon kündet noch ein leicht veraltet wirkender Ausdruck, nach dem wir Aufmerksamkeit nicht einfach schenken oder zuwenden, sondern »zollen«.

Bei der Ausrichtung auf Dinge, die uns ohnehin packen oder fesseln – seien es Hollywoodfilme oder unsere Angst- und Zornregungen –, ist unsere mentale Muskulatur nicht gefordert. Im Gegenteil: Bei fehlender mentaler Muskelkraft wird unsere Aufmerksamkeit wie von selbst von den am lautesten Zuwendung heischenden Gedanken und Dingen angezogen, auch wenn uns das nicht guttut. Wenn Ihnen auffällt, dass Sie bei der Arbeit ans Essen oder beim Essen an die Arbeit denken, wird Ihnen ein wenig mentales Muskeltraining wahrscheinlich nicht schaden.

Wie die Muskeln des Körpers zu trainieren sind, hat man schnell heraus: Klimmzüge für den Bizeps, Rumpfbeugen für die Bauchmuskulatur. Schwieriger ist es da schon, die notwendige Zeit und Beharrlichkeit aufzubringen, die das Training zum gewünschten Ziel führen. Und wie Sie für den Körper sportliche Übungen machen, so für den Geist meditative. So einfach das klingt, leicht ist es für viele nicht, zumal wenn wir noch keine Meditationsform gefunden haben, die uns liegt und bei der wir bleiben können.

Vögel, Fledermäuse, Seepocken und Bienen

Was die Meditationspraxis angeht, bin ich zu einer griffigen Typologie der Vögel, Fledermäuse, Seepocken und Bienen gelangt. Diese Tiervergleiche mögen stark vereinfachend erscheinen, bringen jedoch auf den Punkt, dass die meisten Menschen bei der Aufnahme, Verarbeitung und Umsetzung von Informationen deutlich erkennbare Vorlieben und Tendenzen zeigen. Vögel besitzen ein phänomenales Sehvermögen, das beispielsweise Raubvögeln erlaubt, Mäuse aus größter Höhe zu erspähen. Menschen, die ich dem Typus »Vogel« zuordne, sind visuell orientiert und bevorzugen darauf abgestimmte Meditationsübungen; sie lernen auch bevorzugt visuell, das heißt direkt von einer Person, jedenfalls aber eher von einer DVD als von einer CD oder aus einem Buch, das nur Text enthält.

»Fledermäuse«, das ahnen Sie jetzt vermutlich schon, sind eher akustisch orientiert. Ihnen werden Mantrameditationen liegen, und sie lernen besser über das Zuhören als über visuelle Eindrücke oder Körperempfindungen. »Seepocken« sind in der Natur ortsfeste, also mit dem Untergrund dauerhaft verklebte Krebse. Sie kommen nicht viel herum und haben auch nicht den Wunsch danach. Sie bleiben an ein und derselben Stelle und durchkämmen und schmecken das Wasser mit ihren zu Reusen erweiterten Gliedmaßen. Menschen von dieser Anlage mögen Geruchs- und Geschmacksmeditationen oder solche, bei denen man in der Bewegungslosigkeit Körperempfindungen wie etwa dem Kontakt des Gesäßes mit der Sitzfläche des Stuhls nachspürt.

Bienen schließlich, zu denen ich mich auch zähle, sind geschäftig, agil, immer in Bewegung. Sie werden unschwer erraten, welche Meditationsformen uns Bienen am meisten liegen und uns am ehesten in die Achtsamkeit bringen: Meditationen, mit denen wir Achtsamkeit in Bewegung üben.

Weshalb wir achtsamer werden müssen

Es gibt eine Menge guter Gründe, sich mit Achtsamkeit zu befassen und sie zu üben. Es ist ein Prozess in mehreren Phasen, ungefähr so, als wollte man eine Kampfkunst erlernen. Manch einer fängt vielleicht mit, sagen wir, Taekwondo an, um ein wenig in Form zu kommen. Andere möchten ebenfalls in Form kommen, interessieren sich aber auch für den Aspekt der Selbstverteidigung. Und sehr wenige träumen vielleicht von einer Medaille bei den Olympischen Spielen oder möchten so gut werden, dass aus der sportlichen Körperübung auch eine spirituelle Praxis wird. Wer so etwas im Sinn hat, muss natürlich ungeheuer viel Zeit und Energie darauf verwenden, und sehr wahrscheinlich braucht er eine natürliche Begabung. So gut wie jeder kann Basketball, Malen, Tennis oder Boxen soweit lernen, dass es ihm Freude macht, aber nur wenige bringen die körperlichen und geistigen Voraussetzungen mit, ein Michael Jordan, Pablo Picasso, eine Serena Williams oder ein Muhammad Ali zu werden.

So können wir auch die Achtsamkeit zu unterschiedlicher Könnerschaft entwickeln. Nicht jeder wird ein erleuchteter Guru oder Heiliger. Und das ist vollkommen in Ordnung, denn wer sein Leben auch nur in bescheidenem Umfang mit Achtsamkeit anreichert, kann sofort die Früchte genießen. Das hat vor allem einen Grund:

Achtsamkeit reduziert Stress.

Was ist daran so wichtig? Nun, die American Psychological Association führte 2007 eine Untersuchung durch, deren Ergebnisse unter dem Titel »Stress in America« veröffentlicht wurden. 77 Prozent der 1 848 befragten Personen gaben an, sie hätten im vergangenen Monat mit Stress in Zusammenhang stehende körperliche Symptome gehabt; bei den stressbedingten psychischen Symptomen waren es 73 Prozent. Und das war noch vor der Rezession.

Wenn Sie dieses Buch zur Hand genommen und bis hierher gelesen haben, glauben Sie wahrscheinlich, dass meditative Achtsamkeitspraxis Ihr Leben verbessern könnte. Sie sind nicht darauf versessen, ein Guru oder Heiliger zu werden (was Ihnen natürlich freisteht), Sie möchten einfach nur Stress abbauen. Unterwegs werden Sie aber noch weitere positive Veränderungen bemerken, zum Beispiel in folgenden Bereichen:

  • Umgang mit Ärger und Angst;
  • Beziehungen;
  • Ihre Kommunikationskompetenz;
  • die Fähigkeit, mit ungesunden Bedürfnissen umzugehen, etwa in der Sexualität, beim Essen oder beim Konsum von Schund im Fernsehen oder online;
  • Versagensängste, vom Sport bis hin zu Prüfungen.

Mit Übung und Geduld werden Sie Ihre Selbstwahrnehmung verbessern. Sie werden alles in allem ruhiger und können so leichter auf wechselnde Umstände reagieren. Wenn Sie religiös oder spirituell orientiert sind, werden Sie Ihre Achtsamkeitspraxis vielleicht soweit vertiefen wollen, dass ein starkes Gefühl der Verbundenheit mit dem entsteht, was »Gott« oder »spirituelles Bewusstsein« oder auch »Grund des Seins« genannt wird. Für die meisten von uns kommt es aber vor allem darauf an zu wissen, was Achtsamkeit ist, und mit etwas Übung ein Instrument an die Hand zu bekommen, das wir überall und jederzeit einsetzen können, um unser Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Zusammenfassung

  • Im Zustand der Achtsamkeit können wir uns verschiedener Wahrnehmungsebenen gleichzeitig bewusst sein. Achtsamkeit hat viele Grade, doch selbst in der einfachsten Form haben Sie sofort einen Gewinn durch Stressreduzierung.
  • In der Achtsamkeit entscheiden Sie selbstbestimmt, worauf Sie Ihre Aufmerksamkeit...
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