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E-Book

Adel des Geistes

Ein vergessenes Ideal

AutorRob Riemen
VerlagSiedler
Erscheinungsjahr2010
Seitenanzahl160 Seiten
ISBN9783641045876
FormatePUB/PDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis13,99 EUR
Warum wir auf das humanistische Ideal nicht verzichten können
Adel des Geistes bezeichnet eine Haltung, die Bildung mit gesellschaftlichem Engagement verbindet. Sie war in der Vergangenheit das Merkmal herausragender Denker und ist heute, angesichts vielfältiger sozialer, ökonomischer und politischer Herausforderungen, aktueller denn je. Rob Riemens international gefeiertes Buch zeigt uns, wie wir dieses vergessene Ideal für unser heutiges Leben fruchtbar machen können.
Rob Riemen plädiert für eine Rückkehr zu den zentralen Idealen der westlichen Kultur. Wahrheit, Freiheit und Würde sind Werte, die es zu bewahren gilt. Er folgt den Spuren von Sokrates, Spinoza, Goethe und allen voran Thomas Mann, um sich der Grundlagen der europäischen Bildungstradition zu vergewissern.
Rob Riemens Meditation über den Adel des Geistes, inspiriert von Manns gleichnamiger Essaysammlung aus dem Jahr 1945, beginnt mit einer außergewöhnlichen Begegnung mit Elisabeth Mann Borgese, Thomas Manns jüngster Tochter. Sein Appell, den Glauben an die Bedeutung großer Ideen in der Gegenwart nicht zu verraten, endet mit der Beschwörung des italienischen Schriftstellers und Antifaschisten Leone Ginzburg, der 1944 im Kampf für seine Ideale starb.


Rob Riemen ist der Gründer und Präsident des Nexus Instituts in den Niederlanden, eines internationalen Zentrums für die Debatte sozialer, philosophischer und künstlerischer Themen. Rob Riemen hat zahlreiche Essays verfasst. 'Adel des Geistes' ist seine erste Buchveröffentlichung, die in über zwölf Sprachen übersetzt wurde.

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Leseprobe
"TEIL III Sei tapfer (S. 120-121)

I Die Ankläger haben ihre Beschuldigungen vorgebracht, der Angeklagte hat das Wort. Im Gerichtshof auf der Südseite des Marktplatzes haben sich fünfhundert Männer versammelt, die das Urteil sprechen werden über den siebzigjährigen Mann, der sich erhoben hat, um seine Verteidigungsrede zu halten. Während der alte Mann schweigend den Blick über die Geschworenen gleiten lässt, die vor ihm und seitlich von ihm sitzen, wird es still. So still, dass man nur noch die Vögel zwitschern hört, die völlig gleichgültig für den Ernst dessen sind, was sich an diesem Vorfrühlingstag innerhalb der Mauern des Gerichtshofs abspielt.

Alle Anwesenden sind sich bewusst, dass es sich bei dieser Gerichtsverhandlung um keinen alltäglichen Prozess handelt und dass die Menschen vielleicht noch nach Generationen über das Geschehen an diesem Ort sprechen werden. Gleichzeitig befürchten die Mitglieder des Volksgerichts - auch wenn es keiner von ihnen offen zugeben würde -, dass sie nur namenlose Statisten in der Lebensgeschichte des alten Mannes sein werden, der schweigend in der Mitte steht und mit so viel selbstsicherer Ruhe, die Arme vor der Brust verschränkt, umherblickt, als wolle er damit zeigen, dass das, was er sagen wird, für ihn von unendlich größerem Wert ist als das Todesurteil, das seine Zuhörer verkünden können.

Noch immer schweigt er, und niemand wagt es, die Stille zu unterbrechen. In diesem spannungsgeladenen Moment, in dem alle Augen auf den Angeklagten gerichtet sind, wird unweigerlich die Erinnerung an jenen kalten Winterabend vor inzwischen mehr als dreißig Jahren wachgerufen. Fast alle, die nun hier im Gerichtshof sind, einschließlich des Angeklagten, hatten sich vor den Mauern der Stadt versammelt, um einer Rede zu lauschen, von der man schon beim Zuhören wusste, dass sie nicht vergessen werden dürfte. Seit einem Jahr herrschte Krieg, und nach gutem Brauch bereiteten die Athener den Mitbürgern, die als erste im Kampf gefallen waren, ein Staatsbegräbnis.

Zum Schluss der Zeremonie war ihr Staatsführer Perikles auf eine hohe Rednerbühne gestiegen und hatte eine Ansprache gehalten. Seine Leichenrede wurde zu einer Lobrede auf Athen - eine Stadt, so Perikles, die sich rühmen dürfe, ein besseres Gemeinwesen zu sein. Eine Stadt, die den Mut habe, eine Demokratie zu sein, deren Bürger in Freiheit und Duldsamkeit miteinander leben. Achtung vor den Vorfahren und Traditionen gehe einher mit Offenheit für neue Entwicklungen, und alle freien Bürger bekämen den Raum, sich zu selbstständigen Persönlichkeiten zu entwickeln.

Es sei eine Gesellschaft, in der man das Schöne liebe mit Einfachheit und sich am geistigen Genuss erfreue ohne Weichlichkeit. Athen sei, so erklärte Perikles seinen Zuhörern, eine Schule für den Rest der Welt. Deshalb müsse Athen verteidigt werden, deshalb würde, wer für diese Stadt sterbe, nicht vergessen werden. Ein eisiger Wind hatte sich während seiner Rede erhoben, doch niemand hatte die Kälte gespürt. Von Stolz erfüllt waren alle nach Hause gegangen, und wenn sie künftig über Athen sprachen, würde fast immer auch das eine Rolle spielen, was"
Blick ins Buch

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