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E-Book

Adoleszenz und Computer

Von Bildungsprozessen und religiöser Valenz. E-BOOK

AutorAstrid Dinter
VerlagVandenhoeck & Ruprecht
Erscheinungsjahr2007
Seitenanzahl413 Seiten
ISBN9783862340316
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis59,99 EUR

Anwendungsfähigkeiten und das Interesse für neuste mediale Technik sind zu einem Kennzeichen moderner Adoleszenz geworden. Dabei spielt das Universalmedium Computer eine erhebliche Rolle, dessen Nutzung weit über einfache Anwendungsweisen hinausgeht. In der Relation von Medium und Subjekt ereignen sich komplexe Prozesse der Individualentwicklung. Zugleich sind innerhalb dieser Prozesse Dimensionen zu beobachten, die religiöse Valenz besitzen und als Formen »verflüssigter Religion« dem Diskussionszusammenhang um »Medienreligion« zuzurechnen sind. Wie sich die Identitätsbildung und Subjektgestaltung in Relation zum Medium Computer innerhalb der Adoleszenz ausgestalten, untersucht die vorliegende empirische Studie. Anhand ihrer Ergebnisse werden dann konkrete Schlussfolgerungen für die religionspädagogische Praxis entwickelt.

Das Buch wurde mit dem Research Prize 2008 der European Society for the Study of Science and Theology (ESSSAT) ausgezeichnet.



Dr. Astrid Dinter ist Professorin für Evangelische Theologie / Religionspädagogik und ihre Didaktik an der PH Weingarten und Pfarrerin der bayrischen Landeskirche.

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Leseprobe
"D) Jugendliche am Computer: Ergebnisse und Implikationen (S. 360-362)

10 Jugendliche am Computer: Ergebnisse der Prozesse abduktiver Korrellierung von Theorie und Empirie

Die im folgenden präsentierten Analysen zu Dimensionen von Identitäts- und Selbstbildung, der Bildung am Allgemeinen als Element strukturaler Bildungsprozesse und religiöser Valenz hinsichtlich des Computerumgangs Jugendlicher entstammen dem bereits beschriebenen Verfahren abduktiver Korrellierung von induktiv operierenden materialen Theorieelementen und deduktiv operierenden formalen Elementen der Metatheorie. Die Analysen selbst stellen Theorieelemente mittlerer Ebene dar.

10.1 Dimensionen von Identitäts- und Selbstbildung

Die Identitätsgenese ist – wie sich gezeigt hat – heute zu einem entscheidenden Faktor für Bildung geworden: »Die Identitätsfrage ist zu einer der großen Herausforderungen der Gegenwart geworden. Identitätskompetenz (ist) als vorrangiges Lernziel in einer Welt gesellschaftlicher Umbrüche« zu verstehen. Damit kommen wiederum Grundelemente des Bildungsbegriffs in den Blick:

»Bildung ist keine Frage der Vollständigkeit, auch nicht auf Gebieten des Wissenswerten und Kulturellen, sondern ein allmähliches Wachsen von innen heraus in geistiger Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten der Umwelt. Sie ist geistige Bewältigung des Menschseins und zwar auf allen Ebenen des Menschseins«.

Innerhalb dieser Subjektwerdungsprozesse, die den beschriebenen Freiraum der Ich-Werdung ausfüllen, nimmt das Medium Computer dann eine nicht zu vernachlässigende Rolle ein. Allerdings umgreifen die für den Identitäts- bzw. für den Bildungsbegriff wichtigen Aspekte der Computernutzung Jugendlicher nur einzelne Facetten dieser Begriffe und erschöpfen nicht ihr gesamtes Spektrum. Welche Elemente der Computernutzung Jugendlicher können im Rahmen der dargelegten Überlegungen bezüglich Identität und Bildung als subjektfördernd, ich-entwickelnd und zukunftsrelevant wahrgenommen werden? Und welche Bereiche sind dem Zusammenhang der die Relation von Subjekt und Welt betreffenden Sinnfindung zuzurechnen?

Bezogen auf die Modelle flexibler und fragmentarischer Identitätskonstruktionen bietet der Umgang mit dem Computer zu Beginn des 21. Jahrhunderts gerade hinsichtlich der Entwicklungsphase der Adoleszenz multiple Möglichkeiten der Identitätsmodulation bzw. Identitätsstabilisierung. Selbstpräsentation und Selbstexplikation sind ein entscheidendes Element jugendlicher Web-Seiten-Gestaltung. Selbststabilisierung und Selbstexplorationen sind aber auch im Rahmen erfolgreichen Spielens und Programmierens zu beobachten.

So nutzen gerade männliche Jugendliche den Computer als Plattform, um über kommerzielles Web-Seiten-Design und Programmierung am Leben der Erwachsenen zumindest punktuell zu partizipieren.967 Gleichzeitig gelingt es ihnen, die für das Jugendalter typischen Größen- und Allmachtsphantasien auszuleben.968 So werden die selbsterstellten, durch Technik erzeugten Produkte sowohl von männlichen wie weiblichen Jugendlichen als besonders großartige Eigenleistung gewertet. In diesem Sinne bemerkt Christina Schachtner."
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Vorwort9
Inhalt11
A) Zur Problemstellung17
1 Einleitung19
1.1 Computer in der Jugendkultur19
1.2 Die kritische Haltung von Theologie und Kirche20
1.3 Zum phänomenologisch- wahrnehmungsorientierten Forschungsansatz23
1.4 Zum Defizit einer lebensweltlichen Orientierung am Lernort »Schule« – ein religionspädagogisches Desiderat25
1.5 Phänomenologisch- wahrnehmungsorientierter Forschungsansatz, Normativität und empirische Theologie30
1.6 Zur Forschungsstruktur33
2 Religionspädagogische Entwürfe zum Thema Computer und Internet39
2.1 Die deutschsprachige Diskussion und ihr Kontext39
2.2 Zur Entwicklung computergestützten Lernens39
2.3 Wolfgang Schindler: Menschen am Computer (seit 1984)42
2.4 B. Beuscher: Schnittstelle Mensch / Remedia (seit 1994)49
2.5 W. Vogel: Religion Digital / Religionspädagogik kommunikativ-vernetzt ( seit 1997)54
2.6 A. Mertin: Internet im Religionsunterricht (seit 2000)60
2.7 M. Sander-Gaiser: Lernen mit vernetzten Computern in religionspädagogischer Perspektive ( 2001)63
2.8 J. Siemann: Jugend und Religion im Zeitalter der Globalisierung ( 2002)67
2.9 Ch. Brenner: Der Computer als Medium im Religionsunterricht? ( 2003)72
2.10 Zum Desiderat einer lebensweltlich-feldforschungsgestützten Perspektive78
3 Adoleszenz, Technik und Medialität81
3.1 Zur Veränderung des Jugendbegriffs in der Postmoderne81
3.2 Zur Relation von Jugend und Technik84
3.3 JIM 2002: Jugend, Information, (Multi-)Media88
3.4 Zum Desiderat einer lebensweltlich orientierten empirischen Feldforschung zum Medienumgang Jugendlicher92
B) Jugendliche am Computer: Der Theoriehorizont95
4 Zur Relation von Theorie und Empirie97
5 Identität und Bildung101
5.1 Zur Problemstellung101
5.2 Person und Identitätsbildung: Von der Freiheit zur Selbstgestaltung103
5.3 Von der Personmaske und dem Interface106
5.4 Von der Prozessualität der Identitätsbildung Adoleszenz und Identitätsentwicklung110
5.5 Identität und Fragment: Identitätsgenese in der Postmoderne114
5.6 Zur Konvergenz theologischer und postmoderner Identitätskonzepte118
5.7 Von der Gestaltung von Selbstbildungsprozessen Zur Theorie strukturaler Bildung129
5.8 Imago – Bild – Bildung133
5.9 Auswertung: Implikationen zur Gestaltung des Identitäts- und Bildungsbegriffs138
6 Religion und religiöse Valenz141
6.1 Zur Problemstellung141
6.2 Zur Relation von Theorie und Empirie144
6.3 Zum religionstheoretischen Horizont der Analyse »impliziter Religion« bzw. » religiöser Valenz «145
6.4 Der religionstheoretische Horizont zur Explikation jugendlichen Computerumgangs157
6.5 Exkurs: Zur Diskussion um »Medienreligion«173
6.6 Exkurs: »Spielräume«182
6.7 Auswertung: Implikationen zur Gestaltung des Religionsbegriffs189
C) Jugendliche am Computer: Die empirische Feldstudie193
7 Methodologie und Methode195
7.1 Zur Methodologie195
7.2 Zur Methodik der empirischen Feldstudie201
7.3 Das Sample207
7.4 Zur Sampling-Strategie210
7.5 Thematische Selbstverortung211
7.6 Zur Ergebnis-Valenz212
8 Jugendliche am Computer am Ende der 80-er und zu Beginn der 90- er Jahre217
8.1 Die Baerenreiter-Studie (1990): Männliche Computeruser in der zweiten Hälfte der 80- er Jahre Eine Re- Analyse217
8.2 Die Ritter-Studie: Weibliche Computeruser zu Beginn der 90- er Jahre: Eine Re- Analyse247
9 Jugendliche am Computer zu Beginn des 21. Jahrhunderts269
9.1 Alltagsethnographische Studien zur Computernutzung Jugendlicher zu Beginn des 21. Jahrhunderts269
9.2 Einzelfallstudien: Männliche Computeruser zu Beginn des 21. Jahrhunderts291
9.3 Einzelfallstudien: Weibliche Computeruser zu Beginn des 21. Jahrhunderts323
9.4 Entwicklungen vom Ende der 80-er Jahre bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts355
9.5 Zum Vergleich der empirischen Feldstudie mit JIM 2002358
D) Jugendliche am Computer: Ergebnisse und Implikationen361
10 Jugendliche am Computer: Ergebnisse der Prozesse abduktiver Korrellierung von Theorie und Empirie363
10.1 Dimensionen von Identitäts- und Selbstbildung363
10.2 Dimensionen der Bildung am Allgemeinen als Element strukturaler Bildungsprozesse367
10.3 Dimensionen religiöser Valenz370
11 Religionspädagogische Implikationen der Computernutzung Jugendlicher377
11.1 Adoleszente Subjektwerdung und Computer Eine Herausforderung für Bildung in ihrer religiösen Dimension377
11.2 Adoleszente Subjektwerdung und Computer Ein exemplarisches Element » religiöser Grundbildung«380
11.3 Adoleszente Subjektwerdung und Computer: Konkrete Gestaltungselemente383
12 Adoleszente Subjektwerdung und Computer Grundeinsichten zur Gestalt Praktischer Theologie bzw. Religionspädagogik389
13 Glossar393
14 Literatur397

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