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Afrikanischer Ahnenkult und christlicher Glaube

Der afrikanische Ahnenkult als Herausforderung für die Inkulturation des Christentums in Schwarzafrika

AutorDaniel Dittert
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl73 Seiten
ISBN9783640280865
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis8,99 EUR
Examensarbeit aus dem Jahr 2007 im Fachbereich Theologie - Praktische Theologie, Note: 3,00, Universität Kassel, 46 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Bevor man zur heutigen Inkulturation des Christentums in Schwarzafrika kommen kann, müssen verschiedene Epochen des Kontinents näher betrachtet werden. Die Arbeit befasst sich mit dem historischen Kontext, um die religiöse Situation des Kontinents in der er sich heute befindet näher zu schildern und zu verstehen. Hierbei darf nicht vergessen werden, dass die Theologie in Afrika von dieser Historie geprägt ist und viele Elemente der Geschichte immer noch einen wesentlichen Bestandteil der Theologie ausmachen. Die folgende Ausarbeitung wird sich in drei Hauptpunkte gliedern. Der erste Punkt befasst sich mit der Kolonialzeit und der Missionierung. Die Zeit der Kolonialherren und Missionare, die für die Gemeinschaft der Ethnien grundlegende Elemente aus dem Gleichgewicht brachten, legt den Grundstein für die befreiende Religion der negro-afrikanischen Tradition. Der zweite Punkt geht näher auf das zweite vatikanische Konzil ein, welches den Weg für die heutige Sichtweise der Theologie in Afrika und der ganzen Welt ebnet. Vor allem das Dekret 'Ad gentes', ist in diesem Kontext besonders wichtig, da hier die missionarische Tätigkeit der Kirche behandelt wird. Der letzte Punkt erarbeitet die Inkulturation des Christentums am Bespiel des Ahnenkultes. Die Frage, die hier gestellt wird ist, ob der Afrikaner, um sich zum Evangelium zu bekehren, die Beziehung zu den Ahnen abbrechen muss? In diversen Unterpunkten wird die Wichtigkeit der Ahnen für die afrikanischen Völker südlich der Sahara behandelt. Außerdem soll die Schwierigkeit gezeigt werden, inwiefern sich die afrikanischen Christen in einer religiösen Zerrissenheit befinden. Der christliche Glauben auf der einen Seite und die afrikanische Spiritualität auf der anderen. Weiterhin werden Bezüge zu afrikanischen Theologen hergestellt, die sich mit der Inkulturation des Christentums in Afrika befassen, aber auch den Christen das Verständnis für die Ahnenfrömmigkeit zu vermitteln versuchen. Dieser Aspekt ist besonders wichtig, da die Inkulturation nicht nur als Monolog der euro- amerikanischen Seite gesehen werden darf, sondern als Dialog zwischen verschiedenen Religionen betrachtet werden sollte.

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Leseprobe

3. Die Entwicklung des Afrikabildes der Christen durch das Vaticanum II

 

3.1 Vorkonzilszeit

 

Nachdem der Tiefpunkt der Missionsarbeit (Wende 18. zum 19. Jahrhundert) erreicht war,  half nur ein Neuaufbruch der Mission in einer straff organisierten, weltumspannenden Tätigkeit. Dies geschah anfänglich 1814 durch die Propaganda Fide, die am 30. Januar desselben Jahres erneut ins Leben gerufen war, nachdem sie 1810 durch französische Truppen aufgelöst wurde.[56] Unter Leitung dieser Vereinigung entstanden verschiedene Missionsinstitute, die ein bestimmtes Missionsgebiet zugewiesen bekamen. Dieses Gebiet unterstand einem apostolischen Präfekten d.h. einem vom Papst beauftragten Geistlichen, der jurisdiktionelle Vollmachten hat und unter Aufsicht der Propaganda Fide die Mission aufbaut und leitet.[57] Nach dem ersten vatikanischen Konzil zählte man wieder mehr als 20000 Missionspriester, 350 Apostolische Vikare und eine kleine Gruppe autochthoner Priester. Auf Anraten der Propaganda Fide war es wichtig einen einheimischen Klerus heranzubilden, was aber bei den Missionaren anfangs kein Gehör fand. Um 1930 nahm diese Idee unter Pius XI. Gestalt an. Etwa ein Drittel des Missionspersonals war zu dieser Zeit autochthoner Herkunft. Nach Beendigung seines Pontifikats waren es 50 Prozent.[58]

 

Nach dem II. Weltkrieg und der Herausbildung der Dritten Welt wurden die Missionare in die Dekolonialisierung verwickelt und  hatten nun neue Pflichten. Die Missionskirchen wurden gefordert „an den neuen gesellschaftlichen, politischen, nationalen und kulturellen Identitätsbildungsprozessen teilzunehmen.“[59] Dies war wichtig, da der einheimische Klerus, der die Leitung der Missionsgebiete übernehmen sollte, die traditionellen ansässigen Religionen mit dem Christentum verbinden musste. Diese Herausforderung an den autochthonen Klerus war groß, denn die Vorwürfe von ihm an die missionierende Kirche waren eindeutig. In diesen heißt es unter anderem, dass die Kirche lediglich „dem kapitalistischen Imperialismus[60] gedient habe und die Form der Missionierung sehr an die des Kolonialismus erinnerte. Dies alles diente der Entfremdung der gesellschaftlichen Identität und es war von „Apartheid“ und „Rassendiskriminierung[61]  die Rede.

 

Die Respektierung der verschiedenen Kulturkreise und die Aufnahme der kulturellen Formen in das kirchliche Leben, greift Pius XII. in seiner Enzyklika „Summi Ponifikatus“ von 1939 auf.[62] Für ein einleitendes Vorwort zum Zweiten Vatikanischen Konzil und wegen des späteren Bezugs auf das Dekret „Ad gentes“ kann hier auf die Bearbeitung dieser Enzyklika verzichtet werden.

 

Der neue Zustand, in dem sich das afrikanische Volk nun befand, war wie schon erwähnt über das Potenzial ihrer autochthonen Missionare gewachsen. Die Besinnung auf die eigene Herkunft und die eigene Geschichte mit dem Christentum zu verbinden, fiel den Missionaren schwer, zumal die Zahl der ausländischen Missionare zurück ging und der Raum für Fragen und Hilfestellungen kleiner wurde. Eine neue Strukturierung war  das Ergebnis. Die Arbeit der Missionare wurde vermehrt in den wirtschaftlichen und sozialen Sektoren eingesetzt und die Missionsschulen verloren an Gewicht. Trotz des Rückgangs der christlichen Bildung ist es erstaunlich, wie die jungen Kirchen die Umgestaltung mit so viel Dynamik und Lebenskraft durchstehen konnten.

 

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die katholische Mission vor dem Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils im Wesentlichen durch drei Faktoren bestimmt war.[63] Der erste Punkt war die Mentalität der Missionare, die sich noch auf dem Stand des 19. Jahrhunderts, vor allem ausgeprägt durch das Erste Vatikanische Konzil, befand. Der zweite wichtige Punkt war die  Kirchenpolitik nach Pius dem XI. und Pius dem XII., die die Einbindung der Völker forderten und unter der sich ein autochthoner Klerus und eigenständige Bischöfe in den Missionsgebieten herausbildeten. Der letzte Punkt war die Missionstätigkeit, die in den fünfziger Jahren immer mehr in die Öffentlichkeit gelangte. Diskussionen über die überlieferten Religionen und die Lebensformen der Stammesmitglieder wurden geführt.[64]Die Fragen von politischer Befreiung und Entwicklungshilfe verbinden sich zu einer massiven Infragestellung der Missionstätigkeit.[65]

 

3.2 Entstehungsgeschichte des II. Vatikanum

 

Der Überblick über die Situation der Mission und die theologischen Probleme im Vorfeld des Zweiten Vatikanischen Konzils machen die Herausforderungen klar, denen sich die Konzilsväter zu stellen hatten.

 

Bevor aber auf die Herausforderung und die daraus resultierende Neustrukturierung eingegangen werden kann, muss das Zweite Vatikanische Konzil als Ganzes betrachtet werden, um die Problematik aufzuzeigen.

 

Papst Johannes XXIII., der Nachfolger Pius XII., sprach in der Vorbereitungszeit des Konzils immer wieder von einem „ökumenischen Konzil“[66], d.h. einem „Konzil für die Gesamtkirche“. Die weiteren Zielsetzungen kristallisierten sich in den Ansprachen und Reden Johannes XXIII. während der Vorbereitungsjahre allmählich heraus.

 

Erst in der Eröffnungsrede am 11. 10. 1962 verkündete er schließlich die konkreten Ziele und Absichten des Konzils. Diese Rede nennt einen „springenden Punkt[67] des Konzils. „Nicht Wiederholung der alten Lehre, sondern – bei unveränderter Lehrsubstanz – eine neue, erneuerte Formulierung und Ausprägung der christlichen Botschaft.“[68] Als weitere Aufgabe nannte der Papst: „…das heilige Überlieferungsgut der christlichen Lehre mit wirksamen Methoden zu bewahren und zu erklären.“[69]

 

Diese Aussagen enthielten doppelte Aufgabenstellungen von Seiten Johannes, einerseits die Bewahrung des Überlieferungsgutes, anderseits die Anwendung neuer Methoden in dessen Weitergabe. Johannes Ziel war es, die katholische Kirche der damaligen Zeit anzupassen, um die Menschen wieder für den Glauben zu gewinnen. Er benutzte oft den Begriff „Aggiornamento“, was in der Übersetzung „Anpassung“ heißt. Ausgeschlossen ist beim Sinn des „Aggiornamento“ eine Angleichung, welche zur Säkularisierung der Kirche führen könnte. Weiterhin konnte man die „starre Verkapselung der Gemeinschaft der Gläubigen in sich selbst[70] ausschließen. Wichtig ist bei der „Anpassung“ die „missionarische Öffnung zum Heil der Welt in seiner Fülle[71]. Zu diesem Zweck sollten nicht nur menschlichen Werte angenommen werden, sondern es sollte auch die Grundgesetze eines jeden Menschen gewahrt bleiben.[72] Glaube und christliches Leben sollten von dem Blickwinkel der Moderne her betrachtet werden,  wenngleich die prägende Kraft des Glaubens für Gegenwart und Zukunft bleibt.[73]

 

Als weiteren Schritt behandelte der Papst die inhaltlichen Bestimmungen der christlichen Lehre im Bezug auf die Neubestimmung.

 

Damit diese Lehre die vielfältigen Bereiche des menschlichen Wirkens erreicht, sowohl den Einzelnen wie die Familien und das soziale Leben, ist es vor allem nötig, dass die Kirche ihre Aufmerksamkeit nicht von dem Schatz der Wahrheit abwendet, den sie von den Vätern erlebt hat. Sodann muss sie auch der Gegenwart Rechnung tragen, die neue Umweltbedingungen und neue Lebensverhältnisse geschaffen und dem katholischen Apostolat neue Wege eröffnet hat.“[74]

 

Der Papst präzisierte zunehmend seine Vorstellung von der Aufgabe des Konzils, indem er deutlich sagte, was in diesem Konzil erarbeitet werden sollte und was keiner Betrachtung unterzogen werden musste:

 

Es ist nicht unsere Sache, gleichsam in erster Linie einige Hauptpunkte der kirchlichen Lehre zu behandeln und die Lehre der Väter wie der alten und der neueren Theologen weitläufig zu wiederholen….“[75]

 

Als weitere Aufgabe nannte Johannes das „pastorale Lehramt“, welches das Konzil auszuüben hatte. Es solle nicht wie in der Vergangenheit zu Verurteilungen von falschen Lehren kommen, die manchmal mit Strenge vorgenommen worden waren.

 

Heute dagegen möchte die Braut Christi lieber das Heilsmittel der Barmherzigkeit anwenden, als die Waffe der Strenge erheben. Sie glaubt es sei den heutigen Notwendigkeiten angemessen, die Kraft ihrer Lehren ausgiebig zu erklären als zu verurteilen.“[76]

 

Der letzte Punkt seiner Ansprache bezog sich auf die Ökumene und die Wiedervereinigung der Christen. Die getrennten Christen sollten zur „Reinheit ihres Ursprungs zurückkehren.[77]

 

Im Vorfeld des Konzils gründete der Papst am 17. Mai 1959 eine Vor- Vorbereitungskommission, die die Vorschläge für mögliche Themen des Konzils erarbeiten sollte. Die Aufgabe der Vor- Vorbereitungskommission bestand darin, Ratschläge und Anregungen der Bischöfe sowie Vorschläge der...

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