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Aggression, Selbstbehauptung, Zivilcourage

AutorFrank-M. Staemmler, Rolf Merten
VerlagEdition Humanistische Psychologie
Erscheinungsjahr2006
Seitenanzahl249 Seiten
ISBN9783897975477
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis19,99 EUR

Die Frage, ob Aggression, Selbstbehauptung, und Zivilcourage einer gemeinsamen Quelle entspringen, steht im Zentrum dieses Bandes: die drei Begriffe gleichsam als eine Reihe, die bei der biologischen Aggression beginnt und über die personale Selbstbehauptung bis hin zur soziologisch-gesellschaftlichen Dimension führt.

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Leseprobe
Geld – Der Bruch eines der letzten gesellschaftlichen Tabus im Kontext von not-wendiger Selbstbehauptung und Zivilcourage (S. 138-139)

Jede und jeder von uns verbringt den größten Teil seiner Tage damit, Geld zu verdienen und Geld auszugeben. Aber was ist das eigentlich: Geld? Obwohl wir es seit Jahrtausenden kennen und täglich benutzen, gibt es nichts Vergleichbares, worüber wir so wenig wissen.

Wissen Sie, was Geld ist? Woher das Geld kommt? Wer die Spielregeln festlegt? Und was Geld mit der Zukunft unseres Planeten zu tun hat? Man fragt sich doch: Warum fehlt in diesem reichen Land plötzlich überall das Geld? Wo ist das viele Geld geblieben, das von Generationen erarbeitet wurde? Warum wird als Lösung für viele Probleme beharrlich nach immer weiterem Wirtschaftswachstum gerufen? Warum wird ignoriert, dass es in einer endlichen Welt kein unendliches Wachstum geben kann? Warum muss alles Handeln »wirtschaftlich« sein, obwohl das erkennbar zu Lasten von Mensch und Natur geht? Warum bleiben Wissenschaft und Politik Antworten auf diese Fragen schuldig?

Die Antwort ist, dass wir es hier mit einem der letzten Tabus zu tun haben, dass es, wenn wir auf diesem Planeten überleben wollen, zu brechen gilt. Das System, das wir haben, ist dabei, das Leben auf dieser Erde, durch sein exponentielles, d.h. krebsartiges Wachstum zu ersticken. In diesem Beitrag möchten wir versuchen zu erklären, was die weltweiten wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Probleme mit unserem derzeit akzeptierten Geldsystem zu tun haben, wie unser Geldsystem funktioniert, welcher »Konstruktionsfehler« die Entwicklung einer wirklich freien, sozialen und ökologischen Marktwirtschaft verhindert, und wie mögliche Lösungen aussehen, die in Deutschland bereits an einigen Orten praktiziert werden.

Es wird dabei klar werden, was diese Zusammenhänge mit dem Thema »Aggression, Selbstbehauptung, Zivilcourage« zu tun haben: Erstens bietet dieser Konstruktionsfehler im Geldsystem die Möglichkeit der zugleich aggressivsten und am wenigsten sichtbaren Form der Umverteilung von Geld (sprich: Macht) von unten nach oben, in die Hände einer kleinen Elite von Menschen. Zweitens brauchen diejenigen, die diesen Fehler offen beschreiben und praktisch beheben wollen, ein großes Maß an Zivilcourage. Und drittens wird deutlich werden, dass die echte Selbstbehaup- tung des Einzelnen sowie eine Demokratie, die diesen Namen verdient, nur möglich sind, wenn das bestehende Geldsystem dauerhaft durch ein gerechteres und das hieße auch nachhaltiges System ersetzt wird. Unser Beitrag gliedert sich in drei Teile: Im ersten Teil wird Margrit Kennedy die Ergebnisse ihres Lernprozesses über die letzten 23 Jahre zum Thema Geld zusammenfassen. Im zweiten Teil wird Rolf Merten beschreiben, wie ein praktisches Beispiel, der »Regio im Oberland«, zustande kam und funktioniert. Und im dritten Teil werden wir zusammen einige Schlussfolgerungen formulieren, die diese Erfahrung enger mit dem Thema der Tagung verknüpfen.

Teil 1: Das Geldproblem und eine Lösung

Die Ursache von Wachstumszwang und Umverteilung

Technisch gesehen wären wir heute in der Lage, uns einen Menschheitstraum zu erfüllen: Wir könnten jedem Menschen auf dieser Welt alles zur Verfügung zu stellen, was er zum Leben braucht, und außerdem die unangenehmsten Arbeiten von Maschinen erledigen lassen. Was fehlt, ist das Geld. Doch was ist Geld anderes als eine Vereinbarung unter Menschen ein bestimmtes Medium als Tauschmittel zu akzeptieren und zu verwenden, seien es Papierscheine, Münzen, in manchen Teilen der Welt Muscheln, im Krieg Zigaretten? Haben wir uns womöglich mit unserem üblichen Verständnis vom Geld in ein Denkgefängnis verirrt?

Sieht man etwas genauer hin, so fehlt es uns ja auch gar nicht am Geld. Geld gibt es tatsächlich in Hülle und Fülle. Woran es tatsächlich mangelt, ist eine gerechte Verteilung des Geldes, und damit eine gerechte Verteilung des Zugangs zu den Ressourcen dieser Welt. Was die meisten Menschen nicht verstehen, ist, dass von den weltweit stattfindenden Geldtransaktionen sich heute nur drei Prozent auf den realen Austausch von Gütern und Dienstleistungen beziehen. Dem stehen 97 Prozent der transferierten Summen gegenüber, die ausschließlich zu spekulativen Zwecken im Währungsbereich eingesetzt werden.
Inhaltsverzeichnis
Inhalt6
Vorwort8
Das Thema »Aggression – Selbstbehauptung – Zivilcourage«8
Die Beiträge12
Danksagung14
Die Zukunft der Aggression: Eine gestalttherapeutische Meditation – Menschliche Natur, Theorie und Politik15
Freud, Erikson und Perls16
Aggression oder Beziehung?19
Aggression und Sexualität20
»Unbehagen in der Kultur«?22
Der Schatten von Armageddon23
Aggression, Kooperation und das Erbe des Sozialdarwinismus26
Individualismus28
Kooperation30
Kontext32
Anarchismus, Aggression und menschliche Natur34
Politik der Zugehörigkeit36
Aggressionsnarrative, Ideologie und Friedensarbeit – Integrative Perspektiven»40
Kulturtheoretische und anthropologische Überlegungen zum Thema Aggression41
Aggressionsnarrative50
Friedensnarrative56
Anhang63
Aggression – Die evolutionsbiologische Perspektive74
1. Aggression – Ein universelles Merkmal74
2. Was ist Aggression?76
3. Tinbergens Fragen oder die Ebene der Analyse77
4. Evolutionsbiologische Perspektive78
5. Zusammenfassung100
Zivilcourage bei Jesus und Sartre108
Begriffsklärung108
Die jesuanische Befreiungsbewegung111
Sartres philosophischer Grundansatz118
Aggression und Moralentwicklung – Eine gestalttherapeutische Perspektive127
Gute und schlechte Vorbilder128
Stufen der Moralentwicklung130
Das Antisoziale und das Aggressive133
Wiederherstellung von Moral und sozialen Werten135
Geld – Der Bruch eines der letzten gesellschaftlichen Tabus im Kontext von not-wendiger Selbstbehauptung und Zivilcourage139
Teil 1: Das Geldproblem und eine Lösung140
Teil 2: Ein praktisches Beispiel – Der Regio im Oberland151
Teil 3: Die verdeckte Aggression im Geldsystem und die not-wendige Zivilcourage zur Veränderung156
Potenziale persönlicher Mythen – Das Expressive Selbstportrait als Zugang zum persönlichen Umgang mit Aggression, Selbstbehauptung und Zivilcourage160
Der persönliche Mythos160
Zur Geschichte des Selbstportraits: Die Entdeckung des Ich166
Das Expressive Selbstporträt: Selbsterkenntnis durch Gestaltung168
Das Expressive Selbstporträt: »Inszenierte Individualität« oder Selbsterkenntnis?171
Das Expressive Selbstportrait als Instrument des Abbaus von Aggression und der Förderung von Selbstbehauptung und Zivilcourage180
Therapeutischer Umgang mit mörderischer Wut185
Fallbeispiel 1: Auflösung einer Selbstvergewaltigung186
Fallbeispiel 2: Auflösung von Rachegefühlen189
Zusammenfassung189
Gewaltberatung und Tätertherapie193
Männergewalt193
Häusliche Gewalt194
Erklärungsversuche für Gewalt194
Erklärungsversuch: Gewalt ist Machtausübung195
Beziehung Täter – Opfer196
Verantwortung197
Psychotherapeutische Erklärungen für Gewalt198
Gewalt als Abwehr von Ohnmacht199
Die zehn Phasen des Gewaltkreislaufs201
Beratung für Männer206
Gewaltberatung und Tätertherapie207
Thema Schuld209
Streiten – Aggression211
Hotline zur Prävention von Gewalt – EuLine212
Lieben, Streiten und Versöhnen – Der Weg der Liebe: Streitkultur im Rahmen der Paarsynthese215
Paarsynthese und Streitkultur215
Kurze Übersicht über Forschung zu Aggression und Streit216
Grundlagen der Paarsynthese219
Zur Streitkultur der Paarsynthese: Eckpfeiler221
Psychologie der Streitkultur in der Paarsynthese222
Die Macht der Stimme – Stimm-Begegnung und stimmige Selbstbehauptung235
Die Stimm-Begegnung von Stimm-Persönlichkeiten235
Der Stimm-Persönlichkeits-Test240
Der »Runde Tisch« als Modell für den Konflikt-Dialog241
Der Begriff »stimmig« und der Kompass der Stimmigkeit243
Selbstbehauptung245
Schluss246
Die Autorinnen und Autoren248

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