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Aikido - eine traditionelle Kampfkunst in der heutigen Zeit - wozu ?

AutorWolfgang Schwatke
VerlagBooks on Demand
Erscheinungsjahr2019
Seitenanzahl184 Seiten
ISBN9783749490707
FormatePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis9,99 EUR
In diesem Buch wird aufgezeigt, welchen positiven Einfluss das Erlernen von traditionellen Kampfkünsten auch in unserer heutigen Zeit auf die Lebensgestaltung der Übenden nehmen kann. Beispielhaft wird hier die japanische Kampfkunst Aikido vorgestellt, welche Anfang des 20. Jahrhunderts vom Begründer Ueshiba Morihei entwickelt wurde. Die Verteidigungstechniken des Aikidos basieren auf der frühen waffenlosen Verteidigung der japanischen Krieger (Samurais) gegen bewaffnete Angreifer. Entsprechend der Geisteshaltung einer traditionellen, japanischen Kampfkunst dient das ernsthafte Trainieren neben dem Erlernen der jeweiligen Techniken auch der positiven Entwicklung der Übenden (Budoka). So sollen diese sich auszeichnen, durch einen widerstandsfähigen Körper, einen wachsamen Geist, ein wohlwollendes Handeln und eine positive Lebenseinstellung. Aikido ist eine der wenigen überlieferten Kampfkünste, die - wie ursprünglich gedacht - eine positive, geistige Entwicklung der Übenden als wesentliches Ziel des praktischen Trainings anstrebt. Aikido wird daher auch als eine Form der dynamischen Meditation bezeichnet. Zudem ist Aikido eine Kampfkunst, in der die Vermeidung von Konflikten vor deren Beseitigung (Kampf) gestellt wird. Im Aikido wird der Weg des Friedens gewählt, dessen Wichtigkeit nie an Bedeutung verlieren wird.

Der Autor betreibt seit 40 Jahre intensiv die Kampfkunst Aikido und ist seit ca. 36 Jahren ununterbrochen als Trainer ehrenamtlich tätig.

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Leseprobe

4 Aikido - ein Auslaufmodell?


Sich mit der Kampfkunst Aikido ernsthaft zu beschäftigen, bedeutet gleichzeitig eine Verbundenheit mit ihrer Geisteshaltung entstehen zu lassen und auf ihre traditionellen Formen der Etikette einzugehen. Diese Vorgehensweise zu wählen ist nicht ungewöhnlich. Denn schon immer investierten Menschen, die sich für die unterschiedlichsten Formen der schöpferischen Künste interessierten, das notwendige Verlangen und die Bereitschaft sich intensiver mit der für sie interessanten Kunstform zu beschäftigen.

Dies gilt im gleichen Maße für die verschiedensten Kunstformen, egal ob diese in der Gegenwart entstehen oder deren Wurzeln in der Vergangenheit liegen. Denn sie haben bis heute nicht an Bedeutung verloren, wie beispielsweise die traditionellen, japanischen Kampfkünste.

Sich mit der traditionellen Kampfkunst Aikido auseinanderzusetzen, bedeutet nicht automatisch eine geistig rückwärtsgewandte Lebenseinstellung einzunehmen, um dabei in übertriebener Weise sein tägliches Handeln nach vergangenen Zeiten auszurichten. Es bedeutet gewollt und bewusst in der Gegenwart zu leben aber dennoch traditionelle und noch immer gültige Tugenden in sein tägliches Denken und Tun zum eigenen Wohle und zum Wohle anderer einzubinden.

Daher ist eine dosierte Zuwendung in die Vergangenheit gar nicht so falsch, auch wenn uns ständig dynamische, nur auf die Zukunft fixierte Mitmenschen von dem Gegenteil überzeugen wollen. Es stimmt natürlich, dass ein ständiges auf die Vergangenheit ausgerichtetes Tun auf Dauer nicht förderlich ist.

Denn neben den technischen Weiterentwicklungen haben sich von Generation zu Generation auch die Lebensgewohnheiten und -einstellungen geändert und die daraus resultierenden Geschehnisse haben sich unterschiedlich auf die Menschen der jeweiligen Epochen ausgewirkt.

Aus diesen Gründen treffen in den meisten Fällen Vergleiche nicht zu, wie „früher war alles besser” oder „damals hätte es so etwas nicht gegeben”. Es ist falsch, bei derartigen Vergleichen Denkmodelle und Handlungsweisen, die sich in der Vergangenheit durchaus als richtig erwiesen haben, ohne Vorbehalt in die heutige Zeit zu übertragen, zur Lösung von unterschiedlichen privaten oder gesellschaftlichen Problemen.

Wir wissen aber auch, dass im privaten oder beruflichen Alltag unzählige Arbeitsabläufe auf technischen Erkenntnissen beruhen, die in der Vergangenheit entwickelt und nahezu unverändert oder in modifizierter Form in unsere heutige Zeit übernommen wurden. Entsprechend dem oft zitierten aber dennoch immer zutreffenden Sinnspruch „das Rad muss nicht neu erfunden werden”.

Warum muss aber das Rad nicht in jeder Generation neu erfunden werden? Weil das Rad unter Beachtung der technischen Gegebenheiten und physikalischen Gesetze erschaffen wurde, welche diese Konstruktion - egal unter welchen Umständen und zu welchen Zeiten - unverrückbar und somit alternativlos macht. Dies gilt ebenso für Arbeitsabläufe, die auf den natürlichen Gesetzmäßigkeiten und auf Erfahrungswerten basieren, beispielsweise lässt Eisen sich nur bei Hitze biegen, Wasser gefriert erst unter 0C etc. All das sind gesetzmäßige Vorgaben, die grundsätzlich unverrückbar sind. Auch wenn der Mensch es mitunter ermöglicht, mit neuen technischen Verfahren diese natürlichen Gesetzmäßigkeiten teilweise zu umgehen, wie die Änderung des Siedepunktes bei Wasser aufgrund technischer Verfahren.

Vor diesen Hintergrund (Erkennen und Beachten der naturgegebenen Gesetzmäßigkeiten) ist ein Überleiten zur Kampfkunst Aikido nicht so abrupt wie es zu seien scheint. Auch im Aikido funktionieren die Verteidigungstechniken bis in die heutige Zeit, weil sie auf die über Jahrhunderte unveränderte Anatomie des menschlichen Körpers und dessen „Schwachpunkten” ausgerichtet sind.

Wir haben bereits erfahren, dass Aikido sich über die Wurzeln des Aikijujutsu bis in das 9. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. So wie aus früher Zeit berichtet wird, waren es maßgeblich Minamoto no Yoshimitsu und sein älterer Bruder, Minamoto Yoshiie, welche die Strukturen und Funktionen der menschlichen Gliedmaßen an sezierten Kriegsgefallenen und verstorbenen Kriminellen studierten. Beide waren als bedeutende Krieger bekannt und gehörten einer der damaligen Hauptfamilien Japans an - den Minamotos. Dieses über die Anatomie des Menschen erworbene Wissen nutzten sie zur Gestaltung ihrer Kriegskunst.

Sie ergründeten für ihre Kriegskunst, wo und warum am menschlichen Körper welche Hebeltechniken wirkungsvoll eingesetzt werden sollten. Sie erkannten die Dehnbarkeit und leichte Verletzlichkeit der Gelenke und somit die Wirkung, welche ein strenges Verdrehen der Gelenke - entgegen der natürlichen Beweglichkeit - nach sich zieht.

Ebenso, dass - aufgrund der unveränderbaren, anatomischen Gegebenheiten - ein fachgerechtes Verhebeln des Handgelenks eine Blockade des Ellenbogens und der Schulter zur Folge hat, was letztendlich zu einer Kontrolle des gesamten Körpers führt.

Dieses auch im Aikido erlernte Wissen über die Auswirkung der Selbstverteidigungstechniken (hier: relativ geringe Maßnahme am Handgelenk - dennoch starke Auswirkung für den ganzen Körper) entspricht dem Aikido-Prinzip „Erkennen der Zusammenhänge”. Von der gleichen Wichtigkeit ist das Basis-Wissen, wie der menschliche Körper über die Gleichgewichtsbrechung bzw. -aufhebung („Kuzushi”) in eine instabile Position geführt werden kann, unter Beachtung des Aikido-Prinzips der „rechten Mitte”.

Wie wir noch später erfahren werden, gibt es im Aikido noch weitere zahlreiche Prinzipien und Elemente, die eng mit den Selbstverteidigungstechniken im Zusammenhang stehen aber ebenso in der Geisteshaltung des Aikidos verwurzelt sind. Die Beachtung und Einhaltung dieser Prinzipien und Elemente waren zumindest im rein technischen Bereich der Kriegskünste sowie der späteren Kampfkünste über Jahrhunderte bis jetzt von großer Wichtigkeit. So wie in unserer Zeit werden sie auch in der Zukunft immer „aktuell” bleiben und nichts an ihrer Bedeutung verlieren.

Bekanntlich wird im Aikido neben den technischen Fertigkeiten auch eine Geisteshaltung vermittelt, die den Menschen und dem Leben positiv zugewandt ist. Der Begründer des Aikido, Ueshiba Morihei, verstand seine Kampfkunst vorrangig als Botschaft des Friedens, was seinen Ausspruch „Schließe den Angreifer in dein Herz” widerspiegelt.

Mit seinen Bestreben eine friedvolle Kampfkunst entstehen zulassen verfolgte er das Ziel, dass sich der Aikidoka über das ständige Üben zu einem geistig starken und anständigen Menschen entwickelt. Zu einem Menschen, der sich seinen Mitmenschen gegenüber in natürlicher Weise tugendhaft und somit vorbildhaft verhält.

Tugendhaft verhalten

Tugendhaft verhalten galt und gilt bis in unsere heutige Zeit als eine hervorhebende und erstrebenswerte Charaktereigenschaft, auch wenn diese in unserer modernen Zeit von den zahlreichen Trendsettern oder anderen scheinbar „aufgeklärten” Menschen belächelt wird. Zu den positiven Eigenschaften eines tugendhaften Verhaltens zählen u.a. Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Beharrlichkeit, Menschlichkeit.

Die Verbundenheit des Budos und somit des Aikidos zu einem tugendhaften Verhalten wird auch daran erkennbar, dass symbolisch jeder der sieben Falten des im Aikido getragenen Hosenrockes (Hakama) einer Tugend wie folgt zugeordnet wird:

Jin für Güte / Gi für Gerechtigkeit/die rechte Entscheidung /

Rei für Höflichkeit/Etikette / Chi für Weisheit/Intelligenz /

Shin für Aufrichtigkeit / Chugi für Loyalität / Meiyo für Ehre/Respekt

Hier handelt es sich um Attribute, die einen Menschen wertvoll machen und zu einem Verhalten führen, welches den Unterschied zwischen einem tugendhaften Menschen und einen egoistischen, rücksichtslosen und nur auf seinen persönlichen Vorteil ausgerichteten Menschen ausmacht.

Der berühmte Philosoph der Aufklärung, Immanuel Kant (1724-1804), befasste sich u.a. mit der Tugendhaftigkeit des Menschen. Dabei erstellte er die These des „kategorischen Imperativ”. Seine darin gipfelnde Erkenntnis laut sinngemäß „Lebe so, dass dein Verhalten zur Maxime werden kann”, also lebe vorbildlich und somit beispielhaft für deine Mitmenschen.

Dieses Verlangen nach einem beispielhaften Verhalten muss aus dem Inneren eines Menschen kommen, ohne einen für sich daraus entstehenden Vorteil zu erhoffen. Dieses Verhalten muss geschehen, weil wir es selbst so wollen und wir es uns selbst so auferlegen. Wir sollten dies nicht aus einer Furcht oder Beklemmung o.ä. heraus tun, um hier dubiosen, religiösen Zwängen (z.B. Androhung von „Höllenqualen”) Folge zu leisten.

Um zumindest das Gespür für den Reiz der Tugendhaftigkeit zu erwecken, kann Aikido hilfreich sein. Das regelmäßige, intensive Training macht „den Kopf...

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