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Aktivismus 2.0 - Politischer Protest im Internet.

Eine öffentlichkeitstheoretische Betrachtung.

AutorNora Moritz
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl52 Seiten
ISBN9783656266679
FormatePUB/PDF
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis16,99 EUR
Bachelorarbeit aus dem Jahr 2012 im Fachbereich Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation, Note: 1,0, Universität Salzburg, Sprache: Deutsch, Abstract: Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit sollen die Auswirkungen des Internets auf die Bereiche Politik und Gesellschaft stehen. Dabei gilt es zentrale Fragen zu beantworten, wie in etwa den Aspekt, inwieweit sich das Internet als Raum einer sogenannten politischen Öffentlichkeit anbietet. Gleichzeitig stellt sich damit die Frage, welche Visionen und Potenziale mit dem Internet in Bezug auf die Demokratie einhergehen. Denn haben technische Entwicklungen Auswirkungen auf die Kommunikation in der Gesellschaft, sind sie immer auch von unmittelbarer Bedeutung für demokratische Prozesse (vgl. Grunwald et al. 2006: 56). Ein weiterer zentraler Fokus der Arbeit liegt auf der Entstehung sogenannter virtueller Gegenöffentlichkeit, das heißt es soll aufgezeigt werden, inwieweit das Internet das Verbreiten beziehungsweise Aufgreifen oppositioneller Themen und Meinungen, die nicht in den klassischen Massenmedien wie Fernsehen, Radio und Zeitung vertreten sind, erlaubt. Darüber hinaus soll verdeutlicht werden, wie sich die Strukturen und Merkmale des Internets auf die Planung, Durchführung und Organisation von Protestaktionen auswirken. Daneben soll gleichzeitig beschrieben werden, welche Möglichkeiten das Internet politisch motivierten Aktivistinnen und Aktivisten bietet. Dazu soll näher auf das Phänomen des sogenannten Cyberaktivismus eingegangen werden.

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Leseprobe

3. Das Internet als Raum politischer (Gegen-)Öffentlichkeit


 

3.1 Vom Informationsmedium zum „Sozialraum“


 

Das Wort Internet (Kurzform für Interconnected Networks) steht für einen „Verbund von Teilnetzen, in dem Daten in digitalisierter Form paketvermittelt zwischen Computern ausgetauscht werden“ (Grunwald et al. 2006: 32). Seit seiner Entwicklung Ende der 1950er hat das Internet – auch Netz genannt - innerhalb unserer Gesellschaft zunehmend mehr an Bedeutung gewonnen (vgl. In der Smitten 2007: 67f.). Während es in seiner Anfangszeit als sogenanntes ARPANET hauptsächlich als Verbindungsnetzwerk der einzelnen Rechenzentren der amerikanischen Armee diente, führte die Einführung des sogenannten Internet Protocols (IP) – eine standardisierte Übertragungstechnik – dazu, dass Geräte unterschiedlicher Fabrikate miteinander verbunden werden konnten. Dadurch wurde eine länderübergreifende Nutzung möglich, jedoch blieb das Internet aufgrund seiner komplizierten Technik und den damit verbundenen hohen Kosten zunächst ein Privileg der Wissenschaft. (Vgl. ebd.) Erst die Weiterentwicklung zum sogenannten World Wide Web (WWW) in den 1990ern machte das Internet für die normale Bevölkerung zugänglich (vgl. Grunwald et al.2006: 33). So wurde die Technik dahingehend verbessert als dass mit der Erfindung des sogenannten Webbrowsers die Navigation im Netz wesentlich erleichtert wurde. Über das Hypertext Transfer Protocol (http) waren die einzelnen Internetseiten - genannt Websites - fortan miteinander verlinkt, das heißt verbunden. Die Websites wiederum basierten nicht mehr nur auf reinem Text, sondern konnten nun auch grafische Elemente wie Fotos oder Animationen sowie Audio- und Video-Einbindungen enthalten. Zudem brachte das World Wide Web verschiedene Dienste und Anwendungen hervor, wie beispielsweise Chats oder Onlineforen, welche den Nutzerinnen und Nutzern – genannt UserInnen – wechselseitiges Kommunizieren und Interagieren ermöglichen (siehe dazu auch Kapitel 3.3). (Vgl. ebd.)

 

„Das Wort Interaktion ist abzuleiten vom lateinischen agere für handeln und der Präposition inter für zwischen und steht für Handeln, das sich zwischen zwei Handlenden [sic!] abspielt, die ihr Handeln aufeinander beziehen. Darum verlangt eine Interaktion minimal zwei Züge, nämlich eine Aktion und eine Reaktion.“ (In der Smitten 2007: 70, H. i. O.)

 

 

In den darauf folgenden Jahren weitete sich das Internet zunehmend aus (vgl. ebd.: 68). So waren im Jahr 2005 bereits über eine Milliarde Menschen (vgl. ebd.) online, das heißt „am Netz“ (ebd.: 67). Die Zahl der einzelnen Websites ist aufgrund ihres hohen Umfangs inzwischen nicht mehr feststellbar (vgl. ebd.: 68). Die jüngsten Entwicklungen im World Wide Web werden unter dem Begriff Web 2.0 zusammengefasst (vgl. ebd.: 68f). Hervorgebracht wurde dieser vom Publizisten Tim O’Reilly, welcher darunter im Wesentlichen zwei Trends versteht: erstens das Implementieren von Anwendungen, welche vormals ausschließlich als eigenständige Programme auf dem Computer liefen, in den Webbrowser (vgl. ebd.: 69). Das wohl bekannteste Beispiel hierfür ist die E-Mail, „zu übersetzen als elektronische Post“ (ebd.: 70, H. i. O.). Während früher der Erwerb beziehungsweise die Installation bestimmter Softwareprogramme auf dem Computer notwendig war, um E-Mails versenden und empfangen zu können, ist dies heute problemlos über das World Wide Web möglich (vgl. ebd.: 69). Inzwischen gibt es im Internet eine Vielzahl an Unternehmen, die Mailprogramme - zum Teil kostenlos - zur Verfügung stellen. Der zweite wesentliche Trend des Web 2.0 ist das Entstehen sogenannter Communitys. Darunter werden Websites verstanden, die es ihren Nutzerinnen und Nutzern erlauben, diese aktiv mitzugestalten. Die UserInnen erhalten somit die Gelegenheit, anderen Personen Materialien wie beispielsweise Bild-, Musik- oder Video-Dateien zur Verfügung zu stellen und sich gegebenenfalls an selber Stelle darüber auszutauschen. Entsprechende Möglichkeit bieten beispielsweise Plattformen wie das Videoportal YouTube (siehe auch http://www.youtube.com) oder aber die Fotocommunity Flickr (siehe auch http://www.flickr.com). (Vgl. ebd.) Laut Grunwald et al. (2006: 33) stellt das Internet in seiner heutigen Form ein sogenanntes Hybridmedium dar, da es die Funktionen herkömmlicher Massenmedien vereint, indem es mittlerweile sowohl Telefonieren, Fernsehen, Radiohören als auch Zeitungslesen erlaubt.

 

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sich das Internet im Lauf der Jahre von einem reinen Informationsmedium hin zu einem „Kommunikations- und Sozialraum“ (ebd.: 31) entwickelt hat. Menschen treffen und verabredeten sich dort, um Informationen und Meinungen auszutauschen oder um darin Unterstützung zu finden (vgl. ebd.). Wie das Beispiel der Communitys zeigt, haben die NutzerInnen nicht mehr nur die Rolle des „passiven Rezipienten“ (ebd.: 34) inne, sondern werden vielmehr selbst zu Produzentinnen und Produzenten (vgl. ebd.). Dieser Prozess lässt sich laut Winter (2010: 43) auch als „Produsage“ bezeichnen. Das Internet hat also nicht mehr nur eine „technische“, sondern auch eine „soziale Seite“ (In der Smitten 2007: 67). Daher kann es in seiner heutigen Form auch als Social Web bezeichnet werden (vgl. ebd.). Winter (2010: 86f.) unterscheidet zwischen drei verschiedenen Arten von Sozialräumen, die sich im Internet herausgebildet haben: erstens sogenannte reale Gruppen, welche auch außerhalb des Internets bestehen, einen Teil ihrer Kommunikation aber ins Internet verlagert haben. Zweitens sogenannte virtuelle Gruppen, die ausschließlich im Internet agieren und drittens virtuelle Gruppen, die ihre Aktivitäten auf das reale Leben ausweiten (vgl. ebd.). In den unterschiedlichen Sozialräumen „wird debattiert, über konkurrierende Auffassungen gestritten, Unbehagen, Empörung und auch Kritik an gesellschaftlichen Missständen artikuliert“ (ebd.: 79). Das Internet wird somit zum Raum politischer Öffentlichkeit. In der Smitten (2007: 89f.) spricht in diesem Zusammenhang auch von einer sogenannten E-gora, eine elektronische Agora, in der sich die Menschen - ähnlich wie einst auf dem athenischen Marktplatz – über aktuelle Ereignisse informieren und über politische Themen diskutieren können. Im Gegensatz zur Agora bringt diese jedoch den Vorteil mit sich,

 

„dass die Teilnehmer [und Teilnehmerinnen, d. Verf.] einer Versammlung nicht physisch anwesend sein müssen, so dass Mobilitätsprobleme und große Entfernungen kein Hindernis darstellen, wenn Menschen mit gemeinsamen Anliegen zueinander Kontakt aufnehmen und ggf. gemeinschaftliche Aktionen in die Wege leiten wollen“ (ebd.: 90).

 

Aufgrund dieser Tatsache erleichtert das Internet die Verbreitung oppositioneller Themen und Meinungen wesentlich, weshalb ihm ein hohes demokratisches Potenzial nachgesagt wird (vgl. ebd.). Ob beziehungsweise inwieweit mit der E-gora demokratische Prozesse einhergehen oder gefördert werden können, soll im nächsten Kapitel diskutiert werden.

 

3.2 Konzepte zur internetgestützten Demokratie – zwei Ansätze im Vergleich


 

„Demokratie lebt von gelingender Kommunikation. Kommunikationsbeziehungen zwischen politischen Funktionsträgern [bzw. –Trägerinnen, d. Verf.] und Bürgern [bzw. Bürgerinnen, d. Verf.], zwischen Bürgern [und Bürgerinnen, d. Verf.] untereinander oder zwischen Funktionsträgern [bzw. –Trägerinnen, d. Verf.] und der (organisierten) Öffentlichkeit gehören zu den kulturellen Grundlagen der Demokratie. Wenn technische Entwicklungen Auswirkungen auf gesellschaftliche Kommunikationskulturen haben, sind sie daher von unmittelbarer Bedeutung für die Demokratie. Das Internet ist ohne Zweifel eine der gegenwärtig wichtigsten technischen Entwicklungen mit dem Potenzial zur Veränderung der kulturellen Grundlagen demokratischer Politik.“ (Grunwald et al. 2006: 57)

 

Wie bei bisher jedem in der Gesellschaft neu auftauchenden Medium, so ist auch beim Internet die Euphorie groß, dass sich daraus neue Chancen für die Demokratie ergeben – insbesondere aufgrund der Tatsache, dass sich vor allem unter den Bürgerinnen und Bürgern westlicher Länder, für die ein demokratisches System schon beinahe zur Selbstverständlichkeit geworden ist, zunehmend Politikverdrossenheit und Wahlmüdigkeit ausbreitet (vgl. ebd.: 58). So ist zwar das Interesse der BürgerInnen an politischen Entscheidungen – insbesondere an denen, die sie selbst betreffen – nach wie vor gegeben. Tiefergehenden politischen Themen, Parteien und einzelnen politischen Akteurinnen beziehungsweise Akteuren wird von Seiten der Bevölkerung jedoch immer weniger entgegengebracht. (Vgl. ebd.) Die Erwartungen an das Internet richten sich daher insbesondere auf eine „Revitalisierung der Demokratie“ (ebd.: 63). „Anvisiert werden eine neue Rolle des Staates sowie ein verstärktes bürgerschaftliches und politisches Engagement gut informierter Bürger [und Bürgerinnen, d. Verf.] unter intensiver Nutzung des Internets.“ (Ebd.) Zusammengefasst wird diese Vorstellung im Konzept der Digitalen Demokratie.

 

„[…] das Wort Demokratie ist etymologisch zurückzuführen auf das...

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