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E-Book

Aktuelle Fragen der Terrorversicherung in Deutschland. Die Entscheidung über eine Erneuerung des US-amerikanischen Programms zur Absicherung von Terrorschäden

AutorChristopher Ohst
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2015
Seitenanzahl92 Seiten
ISBN9783656939542
FormatePUB/PDF
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis34,99 EUR
Masterarbeit aus dem Jahr 2014 im Fachbereich BWL - Bank, Börse, Versicherung, Note: 1,7, Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln (Versicherungswesen), Veranstaltung: Sachversicherung, Sprache: Deutsch, Abstract: Auf Basis einer fundierten Analyse der Terrorversicherungsmärkte in Deutschland sowie den USA soll folgende Fragestellung in der vorliegenden Arbeit untersucht und kritisch bearbeitet werden: Ist eine staatliche Unterstützung (vornehmlich in Deutschland und den USA) heutzutage noch notwendig? Falls ja, wäre zumindest eine Reduktion sinnvoll? Ein Unterziel der Arbeit ist es, die folgenden drei Fragestellungen kritisch zu analysieren sowie die Erkenntnisse mit Experteninterviews zu validieren: - Wie wird die Entscheidung über die Verlängerung des US-amerikanischen Programms zum 31. Dezember 2014 voraussichtlich aussehen? - Was sind die Gründe für oder gegen eine Pflichtversicherung für Terrorismusrisiken? - Ist die staatliche Unterstützung im Bereich Terrorversicherung wettbewerbsrechtskonform?

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Leseprobe

3 Versicherbarkeit von Terrorrisiken vor und nach dem 11. September 2001


 

3.1 Versicherung von Terrorrisiken vor dem 11. September 2001


 

Die versicherungstechnischen Wurzeln der Terrorversicherung haben ihren Ursprung im Jahre 1958. In diesem Jahr wurde weltweit der erste Ausschluss von Terrorrisiken dokumentiert.[62] In Deutschland wie auch in den USA wurde das Terrorrisiko trotz verheerender Anschläge in London sowie in Tokio[63] als geringes Versicherungsrisiko eingestuft. Lediglich zu Zeiten der Roten Armee Fraktion (RAF) wurde die Thematik in Deutschland medial aufbereitet und so in den Köpfen der Menschen präsent. Bezüglich des Pricings und der Kumulkontrolle[64] wurde das Terrorrisiko vor dem 11. September 2001 vernachlässigt. Die größte Gefahr, so dachte man damals, gehe von den klassischen FLEXA[65] Gefahren aus: Brand, Blitzschlag, Explosion sowie Anprall oder Absturz eines Luftfahrzeuges, seiner Teile oder seiner Ladung.[66] Bis Ende 2001 wurde das Terrorrisiko weltweit automatisch in die Sachversicherungsprodukte inkludiert. Zumal vor allem im industriellen Bereich meistens Allgefahren- bzw. All-Risks-Deckungen[67] abgeschlossen werden und das Terrorrisiko dort nicht ausgeschlossen wurde, bestand zum damaligen Zeitpunkt auch dort eine grundsätzliche Deckung. Auch einen Bezug auf die in Deutschland schon damals oft enthaltene Kriegsklausel, die „Schäden an versicherten Sachen und versicherten Kosten, die durch Kriegsereignisse jeder Art, innere Unruhen, Erdbeben oder Kernenergie verursacht werden“[68] ausschloss, war wegen der Abgrenzung zum Terrorrisiko[69] haltlos.

 

Weiterhin existieren auch in weiteren Versicherungssparten besondere Regelungen des Versicherungsschutzes gegen Terrorakte – sowohl vor als auch nach den Anschlägen am 11. September 2001. Aufgrund des gesetzten Rahmens erstreckt sich die vorliegende Arbeit jedoch in den grundlegenden Bereichen nur auf die Sach- und Betriebsunterbrechungsversicherung.

 

3.2 Rückblick auf die Ereignisse vom 11. September 2001


 

Der 11. September 2001 war ein Tag, der kurz-, mittel- sowie langfristige Konsequenzen für den US-Markt als auch für die weltweite (Versicherungs-)Wirtschaft zur Folge hatte. Diese Katastrophe, die auch als „9/11“ bekannt ist, hat alle bekannten und modellierten Schadenszenarien übertroffen. Auf die daraus entstandenen Probleme hinsichtlich des Terrorismusrisikos reagierte jedes Land auf unterschiedliche Weise.[70]

 

An jenem Dienstag, 11. September 2001, wurden zwischen 08:00 Uhr und 09:30 Uhr morgens[71] vier Linienflugzeuge von Anhängern der islamischen Terrororganisation Al-Quaida zum Zwecke eines gezielten Absturzes entführt. Zwei dieser Flugzeuge[72] wurden mutwillig in die beiden Türme des World Trade Centers (WTC) in New York City gelenkt.[73]

 

Ein drittes Linienflugzeug[74] wurde gezielt in die westliche Seite des Pentagon gelenkt und entfachte ein enormes Feuer. Das vierte Flugzeug konnte mit Hilfe der Passagiere in unbemanntem Gebiet zum Absturz gebracht werden.[75]

 

Diese drei Selbstmordattentate kosteten 3182 Menschen das Leben (2993 im WTC sowie 189 im Pentagon)[76]. Keiner der Fluggäste und nur einige wenige Angestellte der Unternehmen im WTC überlebten.

 

Im Pentagon traf das Flugzeug den Teil des Gebäudes, in dem zu dieser Zeit vorübergehende Reparaturmaßnahmen durchgeführt wurden. Somit arbeiteten zu dieser Zeit sehr viel weniger Menschen dort als gewöhnlich.

 

Die Terroranschläge des 11. September 2001 verursachten somit den größten bis dahin von Menschenhand oder durch Naturkatastrophen hervorgerufenen (versicherten) Schaden in der Geschichte der Menschheit.[77] Die angegebenen Entschädigungssumme 41,8 Milliarden US-Dollar[78] (Stand 2012). Eine vom US-amerikanischen Institut für Versicherungswesen (Insurance Information Institute (iii)) herausgegebene Studie ordnet die Entschädigungen den einzelnen Versicherungssparten zu (siehe Abbildung 3‑1).

 

 

Abb. 3‑1: Schadenverteilung der Terroranschläge vom 11.09.2001 nach Sparten[79]

 

Erstaunlich ist, dass nicht die Sachschäden, sondern die Betriebsunterbrechungsschäden den Großteil des entstandenen und versicherten Schadens ausmachen. Der Sachschaden von 4,6 Mrd. US-Dollar kam durch eine Einigung des WTC-Pächters Larry Silverstein mit den beteiligten Versicherungsunternehmen zustande. Dem Anschlag folgte zunächst ein jahrelanger Rechtsstreit bezüglich der Frage, ob es sich um ein oder zwei Schadenereignisse handelte. Der Versicherungsvertrag sah lediglich eine Entschädigungsgrenze von 3,55 Mrd. US-Dollar pro Ereignis vor. Diese Streitfrage endete schließlich in einem Vergleich über eben diese 4,6 Mrd. US-Dollar.[80]

 

Dieser für damalige Verhältnisse nicht vorhersehbare Großschaden[81] löste zusammen mit der Möglichkeit zukünftiger ähnlich großer Schäden Angst und Schrecken in der Finanzbranche aus. Er war für mittelfristige schwere Underwriting- sowie Pricingprobleme ursächlich.[82] Die wirtschaftlichen und versicherungstechnischen Folgen dieser Katastrophe werden in den folgenden Kapiteln dargestellt.

 

3.3 (Finanz-)Wirtschaftliche Folgen der Terroranschläge vom 11. September 2001


 

Als Folge der Anschlägen stürzten die Finanzmärkte weltweit in ein kurzfristiges Tief. Besonders betroffen waren Aktien der Versicherungsunternehmen. Wie Tabelle 3-1 verdeutlicht, fiel der Kurs der Aktien verschiedenster Versicherungsunternehmen innerhalb von zehn Tagen um bis zu 40 % (Hannover Re). Der Deutsche Aktien Index (DAX) verlor in diesem Zeitraum ca. 19 % an Wert. Gemessen an dem Verlust innerhalb der ersten zwölf Monate nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 sind die Kursverluste der großen Versicherungsunternehmen aggregiert größer als die originären Schäden bzw. die originäre Entschädigung aus den Terroranschlägen.[83]

 

 

Tab. 3‑1: Kursentwicklungen von Versicherungskonzernen und des DAX[84]

 

Erst knapp zwei Monate nach dem 11. September 2001 hatten sich die Finanzmärkte wieder erholt. Schon einige Zeit später wurde den Teilnehmern der Finanzmärkte bewusst, dass die Schäden der Anschläge (mittel- und langfristig) keinen weitreichenden Einfluss auf den Unternehmenswert der Versicherungsunternehmen haben (werden).[85]

 

Neben den rund 1.200 direkt[86] betroffenen Unternehmen gab es zahlreiche Unternehmen, die Ertragsausfälle oder Zulieferer- sowie Wechselwirkungsschäden zu verzeichnen hatten. Das Kumul erhöhte sich dadurch drastisch; es ergaben sich zudem Probleme bei der Entschädigungsberechnung sowie der Abwicklung von Rückversicherungsansprüchen.[87]

 

Auf Seiten der Fluggesellschaften führten die Terroranschläge kurzfristig zu einem drastischen Nachfragerückgang, auch bedingt durch ein viertägiges Flugverbot innerhalb der USA.[88] Der Verlust im Jahre 2001 (11,8 Mrd. Euro) glich vollständig den vorangegangenen Gewinn aller Luftfahrtunternehmen aus dem Jahr 2000 (10,7 Mrd. Euro) aus.[89]

 

In Deutschland hob die Regierung infolge der Terroranschläge im Rahmen eines Maßnahmenplans zur Bekämpfung von Terrorismus die Versicherungsteuer über alle Sparten hinweg um einen Prozentpunkt[90] an.[91] Die Versicherungsteuer machte zum Zeitpunkt der Anschläge 2001 mit etwas mehr als 10 Mrd. Euro, ca. 4 % der Steuereinnahmen des Bundes aus.[92] Aktuelle Werte ergeben, dass der Anteil der Versicherungsteuer am Gesamtsteueraufkommen trotz weiterer Steuererhöhungen[93] kontinuierlich gesunken ist und im Jahre 2013 lediglich 1,9 % ausmachte.[94]

 

Sonstige marginale Auswirkungen auf die Versicherungsbranche gab es bspw. im Bereich der Reiseversicherung. Deutsche Versicherungsunternehmen haben in der Folgezeit des 11. Septembers 2001 eine sehr viel höhere Zahl an Reiseabbrüchen[95] (im Rahmen der Reiserücktrittsversicherung) aufgrund von Krankheit verzeichnen müssen. Die Deutsche Reiseversicherung stellte im Monat Oktober 2001 durchschnittlich 3000 Reiseabbrüche pro Tag fest, wohingegen üblicherweise maximal 1200 Schäden pro Tag zu verzeichnen waren.[96] Ob diese Anzahl authentische Reiseabbrüche oder Betrugsfälle darstellten, ist aus den vorliegen Daten nicht zu entnehmen.

 

3.4 Versicherung von Terrorrisiken nach dem 11. September 2001


 

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 sah sich die deutsche...

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