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E-Book

Albanien Reiseführer Michael Müller Verlag

Ausflüge nach Montenegro, Kosovo und Nordmazedonien

AutorRalph Raymond Braun
VerlagMichael Müller Verlag
Erscheinungsjahr2019
Seitenanzahl492 Seiten
ISBN9783956547881
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis17,99 EUR
E-Book zur 1. Auflage 2019 Feine Strände, schroffe Berge, Weltkulturerbe, bewegte Geschichte, gutes Essen, freundliche Bewohner und günstige Preise - Albanien hat alles, was ein Urlaubsland braucht, auch wenn vieles noch in den Kinderschuhen steckt. Genau das macht den Reiz des Balkanlandes aus. Wer sich von schlechten Straßen, wohlmeinend, jedoch vieldeutig markierten Wanderwegen, dem schroffen Nebeneinander von Arm und Reich, dem Kontrast von Naturidylle und Industrieruinen nicht abschrecken lässt, der entdeckt verzauberte Orte und trifft (Über-)Lebenskünstler voller Energie und Zukunftsvisionen. Ralph-Raymond Braun bereist Albanien seit 30 Jahren - für den Michael-Müller-Autor ist das oft als 'letztes Geheimnis Europas' titulierte Land eine Schatzkammer, die er für die Reisenden öffnet. Und er gibt ihnen alle dafür notwendigen und nützlichen Tipps an die Hand.

Ralph Raymond Braun 1953 in der Anflugschneise des Frankfurter Flughafens geboren, aufgewachsen dortselbst und im Frankenland mit AFN (= American Forces Network) und Radio Luxemburg. Schon als Schüler erste journalistische Versuche als Vereinsreporter für die Heimatzeitung. Studierte Politik, Geschichte, Deutsch und kam dann über eine Karriere als Hausmeister, Buchhalter, Lehrer und Reiseleiter zum Schreiben von inzwischen mehr als zwanzig Reisebüchern.

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Leseprobe
Tirana430.000 Einwohner
Albaniens Hauptstadt erscheint heute jung, bunt und dynamisch. Mal gibt sie sich italienisch-mediterran, mal amerikanisch-inter­na­tio­nal, kaum aber orientalisch. Modisch gekleidetes Volk flaniert im Park und auf dem Boulevard, abends strahlen die Leuchtreklamen.
Ein Denkmal an der Kreuzung Rruga Lui­gj Gurakuqi und Rruga Barrikadave feiert den osmanischen Offizier Sulej­man Pascha Bargjini als Stadtgründer. Er stiftete hier im Jahre 1614 eine Moschee, eine Herberge, ein Badehaus und ei­ne Bäckerei - so berichtet es der osma­nische Reiseschriftsteller Evliya Çele­bi. Doch schon 1418, also knapp zwei Jahr­hunderte früher, erwähnt eine ve­ne­zianische Urkunde ein Dorf na­mens Ti­ra­na. Geht man noch weiter zurück, be­le­gen bei Bauarbeiten zu­fäl­lig als Licht gekommene Boden­mosai­ken, dass­ sich auf dem Stadt­ge­biet bereits in rö­mischer Zeit eine Sied­lung befand. An­tike Quellen be­zeich­nen die Land­schaft rund um die heuti­ge Stadt als The­randa, wovon sich der Name Tirana ab­geleitet haben mag.
Die unter Molla Beg, dem Enkel des Stadt­gründers, und seinem Sohn Et’hem errichtete Et’hem-Bey-Moschee und der Uhrturm stehen für die wach­sen­de Bedeutung Tiranas im 19. Jahr­hun­dert. Mit den Toptanis zog damals ei­n­es der führenden albanischen Adels­ge­schlechter in die Stadt und stritt fortan mit den Bargjinis um die Vor­herr­schaft. Auch einige Konsuln der euro­pä­ischen Mächte verbrachten den Som­mer lieber hier als im feucht­heißen, malariaverseuchten Durrës.

Mutter-Teresa-Airport, Tirana

Dank der zentralen Lage etwa in der Mit­te des Landes wurde Tirana 1920 zur Hauptstadt des unabhängigen Alba­niens bestimmt. Allerdings fehlte der Klein­stadt die notwenige Infra­struk­tur. Par­lament und Ministerien muss­ten sich in den wenigen größeren Wohn­häu­sern einrichten, es gab keine Ka­na­li­sa­tion, kaum befestigte Straßen und ei­ne unzureichende Strom­ver­sorgung. Den­ ersten Entwurf eines haupt­stadt­gemäßen Stadtbilds lieferte der Ita­lie­ner­ Armando Brasini, ein Zeit­genosse und Geistesverwandter des Hitler-Ar­chi­tek­ten­ Albert Speer. Bra­s­i­ni sah da­von ab, das alte, „orien­ta­lische“ Tirana um­zu­bauen, was ja den weit­gehenden Kahl­schlag be­deu­tet hätte, sondern plan­te auf dem freien Feld süd­lich der Alt­stadt einen monu­men­talen „Platz der Minis­te­rien“ (heu­te Skanderbeg-Platz) samt süd­wärts füh­ren­dem Bou­le­vard zum „Platz der Prä­si­dent­schaftskanzlei“ (Mut­ter-Tere­sa-Platz), alle­samt be­baut­ in neo­klas­si­scher und im­perialer Grandeur.
Zwischen Blutrache und Völkerbund: Tirana im Jahre 1927
Diese verschleierten Frauen, diese hunderte herrenloser Hunde, die der Wind an der Leine führt, diese Fese auf den fetten Köpfen und die Turbane über bärtigen Gesichtern, diese farbigen An­sichts­karten-Bluträcher mit dem Trommelrevolver statt des Bau­ches, mit dem Gewehr statt des Regenschirms - alle diese Geld ver­dienenden, Geschäfte machenden, in den Ämtern Beste­chun­gen vermittelnden exotischen Philister sind überzählig und jen­seits der Zeit. Es gibt nichts Langweiligeres als sogenannte Volks­sit­ten, die schon in den Leichenkammern der Ethnologie, in den Bü­chern und Seminarien seit dreißig Jahren seziert und immer noch spazieren geführt werden, als wären sie lebendig. Schon gibt es im Parlament eine Präsidentenloge, mit einer Glocke, mit Papier für Interpellationen, mit einer Pressetribüne; schon gibt es eine Bank mit italienischen, langsamen Beamten, mit Kursen, auf­ge­spießt auf Tafeln wie Schmetterlinge, mit einem Direktor, der Trans­aktionen hingegeben ist. Schon trägt der Wirt meines Hotels in der ledernen Pistolentasche Kleingeld, auf seinem Büfett sam­meln sich die ersten Schwalben der Zivilisation, Gießhübler, Whisky, Wermut, Fernet Branca. Zusammen mit den Gold­plom­ben und dem New Yorker Slang, der Halbbildung und den Mando­li­nen der aus Amerika Zurückgekehrten, zusammen mit den Ford-Autos, die an zertrümmerte Leierkästen gemahnen, bilden sie den Übergang von der nationalen Kultur zur Forderung auf staatliche Selbst­ständigkeit. Albanien ist just auf dem Weg von der Blut­rache zum Völkerbund.
Joseph Roth, Frankfurter Zeitung vom 29. 5. 1927
Auch wenn Brasinis grandioser Plan al­lein aus Geldmangel nie umgesetzt wur­de, folgte die Stadtentwicklung doch seiner Grundidee. Italienische Archi­tekten gestalteten den Skander­beg-Platz, den Mutter-Teresa-Platz und den die beiden Plätze verbindenden Bou­le­vard. In Ismail Kadares Roman Der Gene­ral der toten Armee vergleicht der Pro­tagonist den Grundriss mit einem Lik­torenbündel, dem Symbol des italie­ni­schen Faschismus: Der Bou­le­vard als Griff, das Stadion als Schnei­de und die Kunst­hochschule als schar­fer, hinterer Teil des Beils. Die an sow­je­tischen Vor­bil­dern orientierte Archi­tektur des Hoxha-Regimes fügt sich dann gut in das von den Faschisten hin­terlassene En­semble. Die Archi­tek­tur der Gegen­wart, soweit sie über Zweck- und Protz­bau­ten hinaus einen ästhetischen An­spruch erhebt, ist im Zen­trum nur mit so­li­tären Hoch­haus­tür­men präsent, ver­längert den Bou­le­vard aber ganz im Nor­den der In­nen­stadt, wo sich früher der Bahnhof be­fand, mit einem En­sem­b­le noch im Bau befindlicher Stahl- und­ Glaspaläste.
Die Einwohnerzahl wuchs von 1938 nur 25.000 bis 1990 auf 250.000 Men­chen. Der nach dem Ende der Diktatur un­gebremste Zuzug aus den ländlichen Re­gio­nen ließ die Bevölkerung weiter an­schwellen, so dass heute, rechnet man die Vorstädte dazu, etwa 600.000 Men­schen in Tirana leben; viele davon in informellen, den türkischen Gece­kon­d­us vergleichbaren Quartieren, schnell und billig gebaut auf früherem Acker­land, das mit dem Ende des Kom­mu­nismus herrenlos geworden war. Hier, abseits des properen Stadt­zen­trums, fehlt es an Schulen und Bus­ver­bin­dungen, fließt das Trinkwasser nur stun­denweise.
Die Innenstadt indes hat sich von der in den Jahren nach der politischen Wen­de herrschenden Anarchie und Ge­setz­losigkeit gut erholt - und verdankt dies­ maßgeblich dem Bürgermeister (2000-2011) und späteren Minis­ter­prä­si­denten Edi Rama. Unter seiner Ägide er­setzten Neupflanzungen die ille­gal ab­geholzten und verfeuerten Bäu­me. Die auf den Freiflächen er­rich­ten Buden­ und Hütten wurden be­sei­tigt. Di­e Müll­abfuhr funktioniert wie­der und statt­ der nicht immer ver­kehrs­siche­ren Klein­busse privater Chauf­feure trans­por­tieren heute städtische Busse die Men­schen nach Fahrplan durch Tirana. Noch immer augenfällig sind die pop­pig-bunten Fassaden­an­stri­che, mit denen der gelernte Kunst­maler Rama sei­ne Stadt aufhübschen ließ. Leider ver­blasst mancherorts die frische Farbe bereits wieder.
Skanderbeg-Platz (Sheshi Skanderbeg)
Mit der ich-weiß-nicht-wievielten Um­ge­staltung wurde der Skanderbeg-Platz nun wieder den Fußgängern zurück­ge­ge­ben, denen er bereits unter der Hoxha-Diktatur gehörte - damals gab es ja kaum Autos. Der Platz besteht aus ei­ner weiten, von Bäumen eingefassten Frei­fläche im Norden, die sich zum abend­lichen Xhiro mit prallem Leben füllt, und einem ovalen, innen als Rasen­fläche angelegten Südteil zwi­schen Skan­derbeg-Denkmal und den von Flores­tano di Fausto 1926-36 im Stil ita­lie­ni­scher Renaissancepalazzi ge­plan­ten­ Regierungsgebäuden. Die Frei­flä­che,­ unter der sich eine Tief­garage be­fin­det, ist zur Mitte hin leicht py­ra­mi­den­artig aufgefaltet und wird im Som­mer mit aus Schlitzen quel­len­dem, über den Plattenbelag strö­men­dem Was­ser gekühlt. Im Bereich vor der Nationalbank (Banka e Shqipërisë, er­rich­tet 1938) und dem im Ersten Welt­krieg als Casino für die öster­reichisch-un­garischen Offiziere ge­bau­ten Kin­der­theater (Teatri Kombëtar i Fëmijevë) ste­hen noch ein paar ältere Baum­rie­sen. In ihrem Schatten plan­schen Kin­der­ zwischen wechselnd aus dem Boden sprudelnden und abends bunt beleuch­teten Wasserspielen. Im Zen­trum des Platzes trabt die von Odhise Paskali 1968 zum 500. Geburts­tag Skanderbegs ge­schaffene Reiter­statue. Vor Skan­der­beg­ wachte ein Stand­bild von Josef Sta­lin im Zentrum des Ge­sche­hens, das dann an den weni­ger pro­mi­nenten Platz­ vor der Natio­nal­galerie umgesetzt wur­de.

Vier Epochen am Skanderbeg-Platz

Das Nationalmuseum (→ Link) er­kennt man leicht an seinem über­großen Mosaik an der Eingangsfront. Davor, wo heute ein junger Park im Wach­sen­ ist, schritt Enver Hoxha im we­hen­den Mantel voran. Der Sturz seiner gold­glänzenden Monumental­statue, gut ein Jahr nach dem Fall der Ber­liner Mau­er von einer auf­ge­brach­ten Menge voll­zogen, symbolisierte das Ende des kom­mu­nistischen Albanien.
Der in den 1960ern an der Stelle des al­ten Basarviertels gebaute Kultur­pa­last (Pallati i Kulturës) mit seinem...
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