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Alle ins Wasser: Spielend schwimmen - schwimmend spielen (Band 1)

Spiel und Spaß für Anfänger

AutorUwe Rheker
VerlagMeyer & Meyer
Erscheinungsjahr2010
Seitenanzahl312 Seiten
ISBN9783840331671
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis17,99 EUR
Das Element Wasser ermöglicht dem Menschen Erfahrungen, die er auf andere Weise nicht gewinnen kann. Über solche Grunderfahrungen und Spiele wird ein integratives Anfängerschwimmkonzept vorgestellt, das für viele unterschiedliche Zielgruppen (Kleinkinder, behinderte Kinder und Jugendliche, integrative Gruppen, ältere Menschen usw.) anwendbar ist und eine Fülle von neuen Spiel- und Übungsformen anbietet. Diese Spielformen sind in mehr als 20-jähriger Tätigkeit in Kleinkinderschwimmgruppen, Gruppen mit behinderten Kindern und Jugendlichen und in der Sportlehreraus- und -weiterbildung erprobt worden. Zunächst wird die Bedeutung des Schwimmens sowie seine Geschichte und Funktion herausgearbeitet, bevor der Autor auf die einzelnen Aspekte der Praxis des Anfängerschwimmens eingeht, wie z. B. die spielerische Wassergewöhnung, das Atmen, Springen und weitere Bewegungen. Von diesen elementaren Voraussetzungen ausgehend, wird im letzten Kapitel beschrieben, wie erste Schwimmtechniken erarbeitet werden können.

Dr. Uwe Rheker, Dipl.-Sportlehrer, ist Studienrat im Hochschuldienst an der Universität Paderborn im Department Sport & Gesundheit und Beauftragter für Behindertenfragen und den Sport mit behinderten Menschen. Seit 1977 leitet er verschiedene Projekte im Sport mit behinderten Menschen: das vereinsübergreifende Angebot Schwimmen mit behinderten Kindern und Jugendlichen, die integrative Familiensportgruppe und den integrativen Verein Paderborner Ahorn-Panther. 1990 erhielt er für das vorbildliche Modell einer integrativen Familiensportgruppe den Fachsport-Behindertenpreis. Darüber hinaus ist er langjähriger Mitarbeiter im Lehrausschuss des Behinderten-Sportverbandes NRW und des DJK-Bundesverbandes.

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Leseprobe

2 PRAXIS DES ANFÄNGERSCHWIMMENS


2.0 BEREICHE UND ZIELE DES ANFÄNGERSCHWIMMENS


„Alle wollen nur den Kopf in die Schule schicken, aber immer kommt der ganze Mensch.“

(Ursula Förster)

In der Literatur zum Schwimmenlernen werden unterschiedliche Teilgebiete oder Teillernziele für das Anfängerschwimmen aufgeführt. Kurt Wiesner (1925), auf den alle modernen Methoden des Anfängerschwimmens aufbauen, nennt folgende Ziele für den Ausbildungsbereich, der vor dem Erlernen der Schwimmtechniken angesiedelt ist:

  • den Kopf untertauchen,
  • teilweises Schweben,
  • freies Schweben und
  • Gleiten.

Das sehr erfolgreiche Buch von Gerhard Lewin (1975) Schwimmen mit kleinen Leuten, das in der überarbeiteten Form 1994 als Schwimmen kinderleicht erschien, nennt folgende Teillernziele zum Anfängerschwimmen:

  • Tauchen,
  • Springen,
  • Gleiten,
  • Fortbewegen und
  • Atmen.

Kurt Wilke (1992b), der in der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Fachgebiets Schwimmsport weltweit große Beachtung gefunden hat, teilt die Methodik des Anfängerschwimmens in folgende Teillernziele auf: Tauchen, Springen, Atmen, Schweben, Gleiten. Gleichzeitig erhalten Spiele und Übungen zur Wassergewöhnung eine eigene Bedeutung.

Jede Methodik zum Anfängerschwimmen kann an diesen vorgegebenen Grundlagen nicht vorbeigehen. Bevor auf den Grundlagen dieser bewährten Methoden zum Anfängerschwimmen eine eigene Konzeption entwickelt werden soll, möchte ich einige grundlegende Überlegungen anstellen zum Lehren und Lernen im Schwimmunterricht.

Viele methodische Wege zum Anfängerschwimmen sind von der Zielsetzung geprägt, die Schwimmanfänger möglichst schnell an die sportlichen Schwimmtechniken heranzuführen. Diese frühe Orientierung an einigen wenigen Techniken (vier olympische Schwimmtechniken) hat zur Folge, dass die Vielseitigkeit der Bewegungsmöglichkeiten im, am, ins und unter Wasser sehr schnell eingeschränkt wird und damit die Entwicklungsmöglichkeiten der Kinder nicht voll ausgeschöpft werden können.

„Für die Ausprägung funktionaler Bewegungsaktionen, für die Entwicklung differenzierter Wahrnehmungs- und Aktionsschemata, für das Sammeln von Bewegungserfahrungen und das Entwickeln von Bewegungsgefühl“ (Loibl, 1992, S. 31) ist die voreilige Orientierung an vorgegebenen Bewegungsabläufen wie den Schwimmtechniken eher hinderlich.

Ganzheitliche Konzeptionen, welche die Entwicklung der gesamten Persönlichkeit von Kindern verfolgen, orientieren sich nicht vorschnell an sportlichen Techniken. Im Folgenden sollen einige ganzheitliche Ansätze für den Sportunterricht in aller Kürze vorgestellt werden.

1. Die Motopädagogik und Psychomotorik

Motopädagogik versteht sich nach einer Definition des Arbeitskreises Psychomotorik als „Konzept der Persönlichkeitsentwicklung über motorische Prozesse“ (Irmischer 1980, S. 27). In der Motopädagogik steht daher nicht das Erlernen sportmotorischer Techniken im Vordergrund. Es geht vielmehr um die Bedeutung der Motorik für die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit des jungen Menschen. Dabei betont die Motopädagogik und ebenso die Psychomotorik den untrennbaren Zusammenhang von Bewegung und Wahrnehmung und die enge Beziehung von Bewegung und emotionalen und kognitiven Verarbeitungsprozessen (vgl. Kiphard, 1979; Irmischer, 1980, u. a.).

2. Handlungsfähigkeit

Viele Sportpädagogen sehen in der Handlungsfähigkeit das Hauptziel des Sport- und Bewegungsunterrichts. Für den Schwimmunterricht formuliert Durlach (1994, S. 13) folgende Zielsetzung: „Kindern im Umgang mit dem Element Wasser Handlungsfähigkeit vermitteln.“

3. Dialogisches Bewegungskonzept

Das Schwimmenlernen wird von Hildebrandt „als Erschließung des Bewegungsraumes Wasser“ (1993, S. 199) dargestellt. Er fordert für den Schwimmunterricht ein bewegungspädagogisches Konzept, wie es Gordijn als dialogisches Bewegungskonzept entworfen hat. Er „versteht Sich-Bewegen als einen subjektiven Dialog zwischen Mensch und Welt“ (Hildebrandt, 1993, S. 200).

4. Integrationspädagogische Ansätze

Die Integrationspädagogik als gemeinsame Erziehung von behinderten und nicht behinderten Kindern gibt ebenfalls neue Impulse für eine ganzheitlich orientierte Erziehung (vgl. Eberwein, 1994; Kobi, 1994; Zielke, 1994, u. a.). In der Sportpädagogik werden integrative Ansätze vor allem von Fediuk (1992), Scheid (1995) und Rheker (1996b; 2005) eingebracht.

Diese Integrationspädagogik für den Sport möchte Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen in den Sportunterricht und darüber hinaus integrieren und setzt ebenso ganzheitlich an (vgl. Kap. 1.6). Der ganze Mensch mit seinen Stärken und Schwächen, sei er behindert oder nicht behindert, steht im Mittelpunkt des pädagogischen Bemühens. Dabei soll es ermöglicht werden, dass jeder Mensch seine individuellen Fähigkeiten in sozialer Gemeinschaft entfalten kann (vgl. Rheker, 1996b).

Diese pädagogischen Ansätze haben folgende Zielsetzungen gemeinsam: Es geht um die Entfaltung der gesamten Persönlichkeit des Menschen. Vielseitige Bewegungserfahrung hat Vorrang vor einseitigem Techniklernen. Spaß an Bewegung, Spiel und Sport stehen im Vordergrund. Selbstständigkeit im Lernprozess, intrinsische Motivation und eine lebenslange, gesunde sportliche Betätigung sind vorrangige Ziele, ebenso wie die aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt (Materialerfahrung).

Für den Bereich des Anfängerschwimmens sind diese pädagogischen Ansätze von entscheidender Bedeutung. Besonders das Spielen und Bewegen im Wasser für Schwimmanfänger bietet die Möglichkeit, vielfältige Bewegungserfahrungen zu machen, die eigenen Bewegungsmöglichkeiten auszuprobieren und kreativ zu werden, den Lerninhalt und den Lernweg zu den Zielen des Anfängerschwimmens mitzugestalten usw. Offene Bewegungsaufgaben oder Arrangements von Unterrichtssituationen können diese Ziele für alle Teilbereiche des Anfängerschwimmens realisieren. Die Vertreter eines mehr traditionellen Sportunterrichts können sich in der folgenden Methodik zum Anfängerschwimmen aber auch wiederfinden. Die vorgestellten, methodisch gegliederten Bereiche ermöglichen auch ein deduktives Vorgehen, bei dem der Lehrer die Ziele und Inhalte des Schwimmunterrichts vorgibt.

Methodische Konzeption des Anfängerschwimmens

Die im Folgenden vorgestellte Konzeption des Anfängerschwimmens versucht, ganzheitliche Ansätze für den Sportunterricht zu ermöglichen und baut gleichzeitig auf den bewährten Methoden von Lewin und Wilke auf. Sie wurde seit mehr als 30 Jahren in verschiedenen Anfängerschwimmgruppen mit Erfolg erprobt (Schwimmen mit Babys und kleinen Kindern, Schwimmen mit behinderten Kindern und Jugendlichen, Schwimmunterricht in der Primarstufe, Schwimmunterricht an der Sonderschule und an integrativen Schulen, Schwimmunterricht in der Sportlehrerausbildung).

Dabei wurde folgende Konzeption entwickelt: Die Bereiche des Anfängerschwimmens (Tauchen, Atmen, Springen, Auftreiben und Gleiten) werden ergänzt durch die „spielerische Wassergewöhnung“ und die „elementaren Bewegungserfahrungen“, die nach meinen Erfahrungen im Anfängerschwimmen mit unterschiedlichen Zielgruppen von entscheidender Bedeutung sind. Besonders wichtig sind sie im Schwimmunterricht mit sehr jungen Kindern und für behinderte Kinder und Jugendliche. Die im Folgenden vorgestellte Methodik des Anfängerschwimmens umfasst folgende Bereiche:

  1. spielerische Wassergewöhnung,
  2. Tauchen,
  3. Atmen,
  4. Springen,
  5. Auftreiben,
  6. Gleiten und
  7. elementare Bewegungen.

Diese Bereiche des Anfängerschwimmens werden so vorgestellt, dass in jedem Bereich auf unterschiedlichem Niveau vielfältige Erfahrungen gemacht werden können. Dabei können die jeweiligen Teillernziele sowohl über offene Aufgabenstellungen erarbeitet als auch über exakte Spiel- und Bewegungsanweisungen erlernt werden.

Im Bereich Springen können Kinder bspw. zunächst über Aufgaben und Spiele im Wasser erfahren, dass durch den Abdruck der Füße diese den Boden kurz- oder langfristig verlassen können. Durch Bewegungsaufgaben, die zu einem kreativen und vielfältigen Experimentieren, Explorieren und Selbstgestalten von Bewegungsabläufen auffordern, können Niedersprünge auf unterschiedlichem Niveau gestaltet werden:

  • von der Treppe,
  • vom Beckenrand und
  • vom Startblock oder Sprungbrett.

Besondere Bedeutung kommt in dieser Anfängerschwimmmethodik den Bereichen „spielerische Wassergewöhnung“ und „elementare Bewegungen“ zu. Vom ersten Aufenthalt von Schwimmanfängern im Wasser bis zum sichern Schwimmenkönnen und darüber hinaus können über elementare Bewegungserfahrungen vielfältige Techniken und Bewegungsfertigkeiten vorbereitet, gelernt und eingeübt werden. Es beginnt bei ausgleichenden Bewegungen, um als unsicherer Nichtschwimmer im Wasser stehend für Gleichgewicht zu sorgen. Über das Laufen im Wasser wird der Wasserwiderstand erfahren und durch den Einsatz der Arme können erste Techniken erlernt werden, wie mit den Extremitäten Vortrieb erzeugt wird.

Für Menschen, die bereits gut...

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