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E-Book

Alles Seifenblasen?

Verlagkopaed
Erscheinungsjahr2002
Seitenanzahl397 Seiten
ISBN9783935686266
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis16,99 EUR
Verbotene Liebe, Marienhof, GZSZ... - Die Bedeutung von Daily Soaps im Alltag von Kindern und Jugendlichen

Sie sind bei Jugendlichen ausgesprochen erfolgreich und erreichen selbst bei Grundschulkindern hohe Marktanteile: die deutschen Daily Soaps wie Gute Zeiten, schlechte Zeiten oder Marienhof. Besonders für Mädchen gehören die täglich gesendeten Endlosserien zum allabendlichen Ritual.

In einer aufwändigen qualitativen Studie, der eine Zusammenschau des internationalen Forschungsstandes vorausgeht, wurden 401 Kinder und Jugendliche befragt, die regelmäßig Daily Soaps bzw. die soapähnlichen Formate Big Brother und Schloss Einstein sehen. Wie nutzen 6- bis 19-Jährige Daily Soaps in ihrem Alltag? Mit welchen Fantasien, Alltagsroutinen und Kommunikationen ist die Daily Soap verbunden? Welche Bedeutung weisen Kinder und Jugendliche den einzelnen Formaten zu? Wie ist die Aneignung aus pädagogischer Perspektive einzuschätzen? Wie gehen Kinder mit den Inhalten um, die eigentlich nicht für sie gemacht wurden?

Besonderer Schwerpunkt der Auswertung liegt in der geschlechterspezifischen Perspektive. Die Begeisterung der Mädchen, die oftmals einen alterstypischen Verlauf mit besonderer Intensität bei den 14- bis 15-Jährigen nimmt, wird vor dem Hintergrund weiblicher Adoleszenz nachvollziehbar: Soaps sind derzeit die Begleiterinnen durch diese kritische Zeit. Aber auch Jungen sehen Soaps. Sie bieten ihnen Anhaltspunkte für das „modernisierte Männliche“. 

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Kapitelübersicht
  1. Inhalt, Vorwort und Einleitung
  2. 1 Daily Soaps: Endlosgeschichten für Millionen
  3. 2. Keine Soap ist wie die andere? Unterschiede und Ähnlichkeiten in der Bedeutung der einzelnen Formate für Kinder und Jugendliche
  4. 3. Typische Aneigungsmuster der Soap
  5. 4. Daily Soap als Teil des Doing Gender?
  6. 5. "(...) da scheiden sich welche, da lieben sich welche, da machen sie Kinder" Ramona (10 Jahre, Fall 395)
  7. 6. Zusammenfassung: Die Bedeutung von Daily Soap im Alltag von Kindern und Jugendlichen
  8. Literatur
  9. Bildnachweise und Das Forschungsteam
Leseprobe
2.3 Ich seh' in Dein Herz - Ich sehe Gute Zeiten, schlechte Zeiten (S. 98-99)

Gute Zeiten, schlechte Zeiten (GZSZ) ist die erste Daily Soap, die in Deutschland auf Sendung ging. Die erste Folge wurde am 11. Mai 1992 ausgestrahlt. Die Soap wird von der Grundy UFA TV Produktions GmbH im Auftrag von RTL produziert. Nach dreieinhalb Jahren Drehzeit in den Bufa-Studios in Berlin-Tempelhof wechselte die Crew im Oktober 1995 in zwei Studios auf dem Filmgelände in Potsdam-Babelsberg, in denen bis heute gedreht wird. Die Handlung von GZSZ baut sich um ca. 20 Hauptfiguren sowie etliche Nebenrollen und StatistInnen auf. Die Serienfiguren kennen sich untereinander. Sie sind befreundet oder liiert und leben in unterschiedlichen Wohnformen zusammen in einer Großstadt. Die SchauspielerInnen sind meist jüngeren oder mittleren Alters. Ältere Menschen oder RentnerInnen kommen nicht vor. Neben den Privatwohnungen spielt GZSZ in Geschäftsräumen wie dem Büro der Werbeagentur „Sisters" sowie in zwei Lokalen – dem „Daniels", einer kleinen Bar und dem Restaurant „Fasan". Daneben gibt es öffentliche Räume, wie beispielsweise den Hof vor dem Geschäft „Kays Korner". Inhaltlich geht es hauptsächlich um die ständig auftretenden Konflikte zwischen den ProtagonistInnen sowie die Ereignisse und Schicksalsschläge, von denen die Figuren, teilweise in zyklischen Wiederholungen, ereilt werden.3 Durch das intrigante Verhalten der Figuren Dr. Jo Gerner und Sonja Wiebe ergeben sich regelmäßig zusätzlich Konflikte.

Geschichte und Produktion von Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Vorläufer von GZSZ ist die von Grundy produzierte australische Daily Soap The Restless Years. Die ersten 230 Drehbücher dieser Serie wurden mit einigen wenigen Änderungen einfach ins Deutsche übertragen. Seit Folge 231 sind alle Drehbücher auf die Interessen des Publikums in Deutschland aus gerichtet und werden vor Ort verfasst. Dieses Vorgehen wurde bereits 1990 in der holländischen Adaption Goede tijden, slechte tijden erfolgreich angewandt (vgl. Sanchez Lansch 2001).

Die Entwicklung der Handlungsstränge wird im Storydepartment abgewickelt. Ca. sieben StorylinerInnen und zwei StoryeditorInnen denken sich die Geschichten aus. Die Dialoge werden von ca. sieben DialogautorInnen ausgearbeitet. Der Chefautor koordiniert und bestimmt maßgeblich die Storylines und Futureprojekte. Die weitere Umsetzung der Drehbücher unterliegt fünf RegisseurInnen, die abwechselnd an einem so genannten Block arbeiten, der in der Regel fünf Folgen – eine Sendewoche – umfasst (vgl. Tab. 1). Um die Folgen anbzudrehen, stehen dem/r RegisseurIn pro Woche zwei Außen- und fünf Studiodrehtage (davon sind anderthalb Tage ausschließlich für Proben reserviert) zur Verfügung. An Requisiten sind seit Drehbeginn rund 13.000 Teile zum Einsatz gekommen, vom Stuhl bis zum Liebesbrief, und im Kostümfundus warten rund 20.000 Kostümteile, vom Abendkleid bis hin zum Trainingsanzug, auf ihren Einsatz. Alle StammschauspielerInnen erhalten pro Saison eine komplett neue Garderobe.
Inhaltsverzeichnis
Inhalt6
Vorwort8
Einleitung10
1 Daily Soaps: Endlosgeschichten für Millionen14
1.1 Forschungsstand und Fragen der IZI-Studie14
Die Geschichte der Soap Opera: Vom Werberahmenprogramm für Haushaltsmittel zum weltwreiten Erfolg14
Ein kurzer Steifzug durch die internationale Soap-Forschung18
Medien als Teil des Alltags29
Methode34
Stichprobenbeschreibung40
Auswertung der Befragung42
1.2 Stereotype Friguren und wiederkehrende Themen45
Ergebnisse einer medienanalytischen Betrachtung der vier deutschen Daily Soaps45
Stereotype Figuren der Daily Soap45
Übergreifende Momente der Stereotypen56
Der Themenkanonen des Genres Daily Soap60
Zusammenfassung65
1.3 Schloss Einstein: Erzählkultur und Themenkomplexe einer Serie zwischen Soap Opera und Kinderprogramm66
2. Keine Soap ist wie die andere? Unterschiede und Ähnlichkeiten in der Bedeutung der einzelnen Formate für Kinder und Jugendliche80
2.1 Daily Soaps im Alltag von Soaps-Fans. Ein erster quantitiver Überblick80
2.2 "WIr reden über die spannenden Storys meiner Lieblingssoaps, über alles, was so passiert ist" - Folgekommunikation und interaktive Funktion90
2.3. Ich seh`in dein Herz - sehe gute Zeiten, schlechte Zeiten99
Wozu Kinder und Jugendliche die Rezeptionssituation von GZSZ nutzen102
Reden über Gute Zeiten, schlechte Zeiten: Folgekommunikation und interaktive Funktion109
Was Kinder und Jugendliche bei der inhaltlichen Beschreibung von GZSZ in den Vordergrund stellen110
Lachen währund der GZSZ-Rezeption113
Weinen während der GZSZ-Rezeption116
Anneingung der Figuren von GZSZ: Wenige dominierende Indentifikationsfiguren121
Träume zu GZSZ127
Wünsche zu GZSZ131
Wenn Kinder und Jungendliche Autorinen bei GZSZ wären133
Typische subjektive-thematische Funktionen von GZSZ135
Zusammenfassung138
2.4 Marienhof: " Es wird viel passieren ..."140
Wozu Kinder und Jugendliche die Marienhof-Rezeptionsituation nutzen: Situative Funktion143
"Ich unterhalte mich mit meiner besten Freundin" - Interaktive Funktionen des Marienhofs147
Was Pre-Teens und Jugendliche bei der Beschreibung von Marienhof in den Vordergrund stellen150
"Da hab ich schrecklich geheuelt" - Weinen während der Marienhof-Rezeption152
Herzhaft Lachen während der Marienhof-Rezeption155
"Sie ist immer freundlich und hilfsbereit" - Wie Kinder die Friguren aus dem Marienhof wahrnehmen und interpretieren157
"Ich habe schon mal geträumt, dass Leonore Capell zu mir kommt" - Was Kinder und Jugendliche zu Marienhof träumen164
"Ich würde schreiben, dass Andres S. endlich von Roman W. ein Kind bekommt" - Wenn Kinder und Jugendliche Autorinnen beim Marienhof wären167
Zentrale subjektive-thematische Funktionen des Marienhofs für Kinder und Jugendliche170
Zusammenfassung177
2.5 "Alles ist alles ist relativ normal" - Die Bedeutung von Schloss Einstein für Kinder179
Teilstriche zu Schloss Einstein181
Interaktive und situative Alltagsbindungen von Schloss Einstein181
Wie die Kinder sich Friguren bei Schloss Einstein aneignen193
Lachen und Weinen in der Schloss Einstein-Rezeption196
Träume von Schloss Einstein199
Was nicht direkt die Perspektive der Kinder trifft200
Welche Szenen Kinder sich aus Schloss Einstein herausnehmen204
Zusammenfassung208
2.6 Leb, wie du dich fühlst: Die Bedeutung von Big Brother für Kinder und Pre-Teens210
Forschungsstand zur bundesdeutschen Big Brother-Rezeptionsforschung211
Empirisches Material der Teilstudie zu Big Brother216
Akzeptanz von Big Brother bei Grundschulkindern217
Individuelle Bedeutung von Big Brother für Kinder die es reglemässig sehen221
Zusammenfassung235
2.7 Soap-Fanclub - Deskription einer Sozialform aus Sicht der Fanclub-Leitenden237
Deskription der Sozialform Fanclub aus Sicht der Organisatorinnen238
Das Angebot eines Fanclubs243
Fanclub in der Triade Fan - Fanclub - Produktion248
Zusammenfassung249
3. Typische Aneigungsmuster der Soap252
Typische Aneignungsmuster der Daily Soap254
Die Daily Soap als Unterhaltung, Information und Ratgeber255
Widerspielgeln der eignen Vorstellung271
Schulart- und altersspezifische Tendenzen in den Aneignungsmustern297
4. Daily Soap als Teil des Doing Gender?304
4.1 Die Daily Soap als Begleiterin durch die weibliche Adoleszenz304
Fehlende Frauenfriguren im sonstigen Programm307
Überschlanke Frauen als Normalfall309
Die Daily Soap trifft die eigene Weltwahrnehmung und Perspektive von Sein-in-Beziehung und Sein-in-der-Welt310
Vergnügen Soap312
Die Daily Soap als Begleiterin beim "Verlust der Stimme"314
4.2 Da kannst du mal sehen ... Jungen und Soaps320
Jungesein und Mannwerden in der Moderne321
Fernsehen und Geschlechterthemen324
Jugendphase: Jungen "als Jungen"325
Höhen und Tiefen des individuellen Jungeseins327
Die männliche Moderne managen328
Geschlechterthemen in der Soap: spezifisch männlich?331
Soaps zwischen Märchen und "Themenöffner" und Themenlieferant333
Indifikation und Distanzierung334
Das Weibliche und das Männliche340
Wirklichkeit(en) und Unwirklichkeit(en)341
Soaps - Schillernde Seifenblasen der Moderene344
5. "(...) da scheiden sich welche, da lieben sich welche, da machen sie Kinder" Ramona (10 Jahre, Fall 395)346
Methodische Vorbemerkungen346
Was suchen Grundschulkinder in den Soaps?347
Pädagogische Überlegungen zur Soap-Rezeption von Kindern347
Ein abschließender Gedanke zum Beitrag der Soaps zur Konstuktion von Wirklichkeit365
6. Zusammenfassung: Die Bedeutung von Daily Soap im Alltag von Kindern und Jugendlichen366
Literatur376
Bildnachweise391
Das Forschungsteam392

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