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Alles, was Sie über Gold wissen müssen

Hintergründe, Fakten und Anlagetipps für den wichtigsten Rohstoff

AutorChristoph Eibel
VerlagFinanzBuch Verlag
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl220 Seiten
ISBN9783862485420
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis24,99 EUR
Gold ist das einzige Geld, das seine Kaufkraft über Jahrtausende weltweit erhalten konnte. Aber: Wo schlägt das Herz des Goldmarktes heute und welche Goldpreise werden veröffentlicht? Welche Akteure prägen den Goldmarkt und welche Handelsusancen haben sich entwickelt? Wie werden sich die asiatischen und arabischen Goldmärkte entfalten? Der Unternehmer Christoph Eibl ermöglicht dem Leser mit seinem Buch 'Alles, was Sie über Gold wissen müssen' einen leichten Einstieg in die facettenreiche Welt des internationalen Goldhandels. Eibls Werk eignet sich sowohl für Privatanleger und Vermögensverwalter als auch für Analysten und Finanzprofis, die es als Nachschlagewerk über den Goldmarkt nutzen können. Aus dem Blickwinkel eines professionellen Goldhändlers bietet Eibl eine Übersicht über die verschiedenen Goldprodukte - vom Barren über die Goldleihe bis hin zu den Gold-Terminmärkten. Auch die Funktionsweise und die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten von Interbank- und Retailprodukten kommen in diesem Buch nicht zu kurz.

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Leseprobe

Kapitel 4
Die internationalen Goldmärkte



Der Goldmarkt zeichnet sich durch mehrere Besonderheiten aus, doch das wohl markanteste Phänomen sind – trotz eines globalen 24-Stunden-Handels – die jeweils lokalen Besonderheiten und Ausprägungen des Goldhandels. Neben den klassischen Unterschieden in Form der Währung der verschieden Goldhandelsregionen variieren die Handelsusancen in der Goldreinheit und der Gewichtseinheit.


So wird in Indien beispielsweise Gold in seiner Reinstform (99,99 Prozent Reinheit) in der Gewichtseinheit Tola und in indischen Rupien gehandelt. Der Hong-Kong-Chinese bevorzugt sein Gold hingegen in einer minderen Feinheit und rechnet in der Gewichtseinheit Tael. Bezahlen will er aber in chinesischen Yuan. Dieses kleine Beispiel soll die nun folgenden Ausführungen einleiten, die sich detailliert mit den jeweiligen Marktgegebenheiten und Spezialitäten der Goldmärkte beschäftigen. Die Vorgehensweise ist für die 20 behandelten Goldmärkte jeweils die gleiche: Zunächst wird kurz auf den historischen Hintergrund eingegangen, dann wird die heutige Marktstruktur eingehend beleuchtet. Schließlich wird jeweils die internationale Bedeutung herausgearbeitet.


4.1 Großbritannien



Der historisch wohl bedeutendste Goldmarkt ist das Vereinigte Königreich. Nicht nur das Gold-Fixing nahm hier seinen Anfang, sondern England ist auch der Sitz der London Bullion Market Association, die dem physischen Goldhandel durch ihre Standesregeln sein Gesicht gegeben hat.


Die ersten Bankaktivitäten gehen bis ins Jahre 1684 zurück: Die erste Bullion-Bank – Mocatta & Goldsmid – wurde noch vor der Bank of England gegründet. Die spätere Bedeutung des Londoner Marktes ist auch auf die frühe Einführung des Goldstandards in England im 18. Jahrhundert zurückzuführen. Mit Einführung des Standards war die Bank of England ständiger Käufer von Gold, um Münzen zu prägen und kontinuierlich Reserven aufzubauen. Wo immer Gold im Markt zur Verfügung war, stand die Bank of England bereit, Kaufangebote abzugeben. Die Folge hiervon war, dass vermehrt Goldverkäufer den englischen Markt aufsuchten, denn hier konnten sie sicher sein, ihr Material zu einem angemessenen Preis zu verkaufen.


Neben der Nachfrage durch die Bank of England bot natürlich der Commonwealth einen idealen Nährboden dafür, das Gold aus den Kolonien über England selbst zu handeln. Und so waren die zwei größten Goldzentren der Welt zunächst an England gebunden: zum einen Südafrika, das in jener Zeit die größte Goldproduktion vorzeigen konnte und englische Kronkolonie war, zum anderen Indien, bis heute noch einer der wichtigsten Abnehmer von physischem Gold. Primär ging das Gold in der englischen Kolonie Indien in die Schmuckindustrie. Hinzu kam Australien als weiterer Teil des Commonwealth, der ebenfalls dazu beitrug, Gold nach London zu bringen. Australien betrieb schon früh Goldminen und lieferte Gold in das Vereinigte Königreich.


Der Goldstandard funktionierte auf diese Weise durch permanente Goldzuflüsse ohne Schwierigkeiten. Dem englischen Beispiel folgten andere europäischen Nationen mit der Einführung eines eigenen Goldstandards. England nahm so von Beginn an eine Vorreiterrolle ein, was den Goldhandel und die Golddistribution durch Zentralbanken betrifft. Folglich gingen auch viele Handelsgeschäfte zunächst nach England, um dann nach Europa abgewickelt werden zu können.


Die Bank of England fungierte dann auch recht bald als Verwahrstelle für Gold von anderen Zentralbanken, meistens jener Staaten, die Mitglied im Commonwealth waren und es teilweise heute noch sind. So wurden in der Bank of England größere Goldvorräte auf fremden Namen verwahrt. Die Handelsusance Loco London erfährt hiermit auch eine besondere historische Bedeutung. Der in England gehandelte Goldpreis entwickelte sich über die Jahre zu einem internationalen Referenzpreis. Gold, das rund um den Globus gehandelt wurde, orientierte sich zunehmend an der englischen Notierung.


Südafrika brachte durch die Kolonialherrschaft in den vergangenen Jahrhunderten fast seine gesamte Minenproduktion in den englischen Markt ein, und es entstand ein sehr enges bilaterales Verhältnis. Die Abwicklung erfolgte durch das Bankhaus N. M. Rothschild, das die Hoheit über den Kauf des Goldes zunächst innehatte. In der Anfangszeit wurde alles Gold aus Afrika in einer Doré-Barren-Form oder noch einer Vorstufe des Endproduktes nach London transportiert und dort durch Rothschild, Raphael und Johnson Matthey raffiniert. Die Raffinerien verkauften das Gold häufig an die Bank of England oder boten es den Londoner Goldhandelshäusern zum Kauf an. Dieses Verhältnis war bis 1968 ungetrübt, Distribution und Finanzierungen von Banken funktionierten reibungslos. Doch dann leitete die 1968er-Krise ein Ungleichgewicht ein, das einen neuen, niemals zuvor da gewesenen Goldmarkt zur Folge hatte.


Vor dem Goldmarkt, wie wir ihn heute kennen, mit einem Floating-Goldpreis, einem freien Goldpreis, war der Preis durch die Bank of England fixiert, eine eigene, freie Preisbildung war nicht möglich. Händler waren zu dieser Zeit reine Intermediäre. Der Handel lief entweder direkt über die Bank of England oder über die Raffinerien, die oft den Minen Kredite gewährten, um so den Verkauf des Goldes der Mine an sich selbst sicherzustellen.


Die Bank of England stellte mit zunehmenden Goldhandelsaktivitäten die ersten Regeln für den Goldhandel auf. Mit Einführung solcher Standards führte das altehrwürdige Bankhaus N. M. Rothschild etwa zur selben Zeit den ersten Standardbarren ein. Zuvor hatte die Bank of England 200-Unzen-Barren (damals wurden diese noch in einer Reinheit von .9160 ge- und verkauft) gehandelt und von Lieferanten eingefordert. Der noch heute im Kreise der London Bullion Market Association als Standardbarren bezeichnete 400-Unzen-Barren mit einer Feinheit von .9950 stammt noch aus der Rothschild-Zeit.


Die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts standen im Zeichen zweier bedeutender Ereignisse für den Goldhandel: Im Jahre 1915 beendete die Bank of England den Goldstandard, und das Bankhaus N. M. Rothschild initiierte das erste Gold-Fixing.


Das Ende des Goldstandards und der Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 lähmten den Handel. Das in Übersee produzierte Gold blieb meist vor Ort, da der Transport durch den Krieg gefährdet war und der Bedarf auch stark sank. Erst mit dem Start des Fixings 1919, das N. M. Rothschild eröffnete, kam wieder Leben in den Londoner Goldmarkt. Die Bank of England und das Bankhaus N. M. Rothschild arbeiteten eng zusammen, um die südafrikanische Minenproduktion zu finanzieren und das gekaufte Gold zu vermarkten. Rothschild hatte es zu diesem Zeitpunkt erneut geschafft, die zentrale Rolle im internationalen Goldhandel einzunehmen. Das Fixing begann zunächst per Telefon, wurde dann aber in einem förmlichen Treffen jeden morgen um 11.00 Uhr im Hause Rothschild abgehalten. Das Fixing war geboren, und es sollte bis 2004 in seiner ursprünglichen Form bestehen bleiben.


Es gab jedoch während des Zweiten Weltkriegs eine Unterbrechung, es fand also kein Fixing statt. In dieser Zeit profitierte der englische Goldhandelsplatz erneut von einer finanzpolitischen Entscheidung. Dieses Mal war es die Konferenz von Bretton Woods im Jahre 1944. Das dort unterzeichnete Abkommen definierte einen neuen Goldstandard, in dem die Bank of England als Clearing-Haus fungieren sollte. Die Schaffung einer neuen internationalen Währungsordnung mit einer Goldpreisfestschreibung von 35 US-Dollar war stark angelehnt an die guten Erfahrungen des Goldstandards der einzelnen europäischen Länder, die bis 1915 Bestand hatten. In der Zeit von 1871 bis 1915 hatten neben England auch das Deutsche Reich, Frankreich, die USA, Österreich-Ungarn und weitere Länder einen Goldstandard oder einen Bimetallstandard. Die größten und wichtigsten Länder waren so an einen Goldstandard gekoppelt. Das Bretton-Woods-Abkommen sorgte dafür, dass die Ausgabe von Münzen und Banknoten zu einem bestimmten Prozentsatz durch Gold gedeckt waren. Die Festschreibung von 35 US-Dollar pro Unze entstammt der Entscheidung der USA aus dem Jahre 1934, als die US-Behörden bestimmten, Gold zu diesem Preis anzukaufen. Die Folge war ein physischer Goldabfluss in die USA.


Die Fixing-Wiedereröffnung im Jahr 1954 erfolgte, wie schon zuvor, auf Pfund-Sterling-Basis. Dadurch, dass die USA den Goldpreis bei 35 US-Dollar fixiert hatten, tauchte über kurz oder lang die Frage auf: Was passiert bei einer Dollar-Abwertung? Diese Frage war mehr als berechtigt, denn der Korea- (1950 – 1955) und der Vietnam-Krieg (1964 – 1973) trugen nicht gerade dazu bei, die Währung fundamental zu unterstützen.


Mit der steigenden Nachfrage nach Gold vor allem von Seiten der Investoren musste ein Weg gefunden werden, den Kaufdruck zu entschärfen. Die großen Nationalbanken der USA, Großbritanniens, Belgiens, Frankreichs, Italiens, der Niederlande, der Schweiz und der Bundesrepublik schlossen sich zusammen, um den Goldpreis bei 35 US-Dollar zu halten, indem sie stetig als Verkäufer auftraten.


Mit dem Höhepunkt des Vietnam-Krieges 1968 stieg die Nachfrage nach Gold gegenüber dem Gold-Pool, der aus den benannten Banken bestand, so stark an, dass die britische Regierung ohne Voran-kündigung

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