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E-Book

Allgemeinbildung für Dummies

AutorWinfried Göpfert, Horst Herrmann
VerlagWiley-VCH
Erscheinungsjahr2015
Seitenanzahl230 Seiten
ISBN9783527686155
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis16,99 EUR

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Leseprobe

3

Menschheitsgeschichte

In diesem Kapitel

Was soll überhaupt »Geschichte« sein?

Periodisierungen und Stilepochen

Die sogenannte prähistorische Zeit

»Hochkulturen«

Globalgeschichte und Big History

Wir tun gut daran, mit einem verbreiteten Vorurteil aufzuräumen: Die Vergangenheit ist nicht tot. Im Gegenteil. Sie wird immer wieder durch unsere neuen Erfahrungen, Fragestellungen und Perspektiven belebt. Neueste Erfahrung, neueste Weitung sind die Ansätze zu einer »Global- und Universalgeschichte«.

Was soll überhaupt »Geschichte« sein?

Es fängt fast simpel an: Als »Geschichte« bezeichnen wir zunächst alles, was geschehen ist. Enger verstanden sprechen wir von Menschheitsgeschichte. Dabei setzen wir Geschichte mit dem Vergangenen gleich, das uns Menschen gehört.

Geschichte bedeutet, dass wir das beobachten, was hinter uns liegt, an das Geschehene denken, davon erzählen und in der sogenannten Geschichtsschreibung bestimmte Erkenntnisse über die Vergangenheit niederlegen.

Geschichte besagt ein Doppeltes: die Fakten, also das was geschehen ist, und uns selbst, die wir die Fakten von unserem Ort in der Zeit zu verstehen suchen. Neue Erkenntnisse korrigieren bisweilen unser bisheriges Wissen. Auch wir selbst, die Erkennenden, ändern uns. Das alles schafft innovative Perspektiven. Doch welche? Und wozu?

»Historische Vorgänge und Geschehensfolgen enthalten nicht den mindesten Hinweis auf einen umfassenden letzten Sinn. Die Geschichte an sich hat kein Ergebnis. Eine Lösung des Problems der Geschichte hat es nie gegeben und wird es nie geben, denn die menschliche Geschichtserfahrung ist die Erfahrung stetigen Scheiterns.« (Karl Löwith)

Geschichte und Geschichtsschreibung

Das Problem, »Geschichte« allgemein verbindlich zu definieren, bleibt: Definitionen sind von den Perspektiven derer geprägt, die sie formulieren. Dabei zeigt sich, dass Geschichtsschreibung von politischen und gesellschaftlichen Interessen abhängt. So sprechen wir von »Erfolgsgeschichte«, sobald Fakten einem Zweck untergeschoben werden wie beispielsweise dem Nachweis, dass eine Gruppe wie das Christentum sich in der Antike durchsetzen konnte.

Oder wir identifizieren eine Darstellung als Resultat einer »Siegergeschichte«, weil sie Fakten aus der Sicht der Sieger zurechtrückt: Es gibt dann – wie in der einlinigen Sicht der sogenannten Apostelgeschichte des Lukas – Personen, die nur gut (Apostel, Jünger) oder nur schlecht (Juden, Irrlehrer) handeln.

In den Jahren, als die RAF (Rote Armee Fraktion) aktiv war, kam es zum Streit über Begriffe, hinter denen Überzeugungen standen. Wer die RAF eine »Gruppe« nannte, wollte sich von denen absetzen, die von einer »Bande« redeten.

In den Medien spielt der Krieg um Wörter noch eine Rolle. So sprachen Ministerien offiziell nicht von einem richtigen Krieg, der in Afghanistan geführt wurde, sondern versuchten Klimmzüge: »Konflikt, bewaffneter Schutz, militärischer Einsatz«. Mithilfe einer bestimmten Wortwahl werden nicht nur Ereignisse in unserer Gegenwart vorauszudeuten versucht. Auch die Zeitgeschichtsschreibung soll durch Sprachregelung in die gewünschte Richtung gelenkt werden. Was werden künftige Geschichtsbücher über solche Lenkungen berichten, wen werden sie im Krieg um Begriffe siegen lassen?

In Deutschland, das Kaiseralleen, Königstraßen, einen Kurfürstendamm kennt, lassen sich kaum Orte oder Plätze finden, die nach Opfern benannt sind. Müsste nicht endlich das Interesse von den gesalbten Totschlägern, Schreibtischtätern, Mördern, über die Schulbücher berichten, als seien sie unschuldig geblieben, abgelenkt und auf die Opfer – beispielsweise des Hexenwahns oder des Großen Deutschen Bauernkriegs (1525) – konzentriert werden?

Die Frage nach dem, was Wahrheit sein könnte, zu beantworten, macht bescheiden: Es gibt keine historische Wahrheit an sich. Es gibt allenfalls eine bestimmte Interpretation von Quellen. Diese geschieht aus einer bestimmten Perspektive. Demnach ist sie abhängig: von der Zeit, von einem Ort, vom jeweiligen Interesse, von einem Denken in den Kategorien Freund und Feind.

Je weiter wir zurückgehen, desto schwieriger wird es, eine neutrale von der parteiischen Berichterstattung zu unterscheiden. Eigentlich kann niemand Geschichte –- »wie es wirklich war« – objektiv schreiben. Es bleiben Mängel an Quellen, Versehen, Unwissenheit, Fehlinformation. Nur etwas ist sicher: Im Jahr 5000 werden die Menschen – den gleichen Quellenstand vorausgesetzt – anders auf die Geschichte schauen als wir. Das macht misstrauisch gegenüber allen versuchten Fixierungen. Niemand kann sagen: »So war es.« Alle müssen sagen: »So könnte es gewesen sein.«

»Ungläubig und zurückhaltend aus Methode, wie der wissenschaftliche Historiker zu sein hat, bringt er den Theoremen über allgemeine Verlaufformen des geschichtlichen Prozesses nur das größte Misstrauen entgegen.« (Helmuth Plessner)

Die Theorie ist klar: »Menschheitsgeschichte« gilt als räumlich und zeitlich unbegrenzt. Doch praktisch ist sie erst möglich geworden, seit bestimmte Teile der Menschheit unseren Planeten und seine Menschen in einen geweiteten Blick nehmen konnten. Also beispielsweise seit den Erkundungsfahrten der Europäer im späten 15. Jahrhundert.

Der Blick? Menschheitsgeschichte blieb mehr oder weniger auf Europa beschränkt. Diese Eingrenzung führte dazu, dass die gängigen Darstellungen Europa als Mittelpunkt und alles andere nur im Bezug auf dieses Zentrum sahen. Folglich war vor allem jene »Welt« interessant, mit der Europa im Austausch stand. Was folgt? Erst mit dem 18. Jahrhundert werden auch China, Japan, Indien beachtet. Schwarzafrika, Südostasien, Australien und Ozeanien spielen nach wie vor eine bescheidene Rolle.

Sie können sich testen: Finden Vorgänge in Afrika wirklich Ihr Interesse? Und in der Südsee? Fertigen Sie ruhig eine Karte Ihrer Interessen und Wissensstände an. Sie werden sich wohl über Ihr meist nur lokales Interesse wundern.

Periodisierungen und Stilepochen

Nähern wir uns der Geschichte, sollten wir nicht nur Räume ausmachen und kennen, sondern auch Zeiten. Eine entsprechende Gliederung ist für die sinnvolle Erschließung wichtig. Sie erleichtert die Einordnung geschichtlicher Prozesse. Mithilfe systematischer Bündelungen einer komplexen Vergangenheit vermag »Gliederung« auch Lernprozesse zu unterstützen. Sie dient dann als Merkhilfe für unsere Orientierung.

Doch gerade wenn wir die grundsätzliche Notwendigkeit einer solchen Gliederung anerkennen, steckt der Teufel im Detail. Wir kennen die geläufige Einteilung in Antike, Mittelalter, Neuzeit, Moderne. Diese sogenannte Periodisierung teilt Geschichte in verschiedene Epochen und macht bei diesen gemeinsame Merkmale aus.

Die Unterteilung in Perioden muss – ähnlich wie räumliche Einteilungen (europäische, amerikanische Geschichte) – flexibel bleiben. Ihre Grenzen sind fließend. Auch werden Periodisierungen verschieden angesetzt, da einzelne Merkmale in manchen Regionen gar nicht oder nur unterschiedlich auszumachen sind.

Wie bestimmen wir Zeitalter und Epochen?

Eine Gliederung ist immer von außen angelegt. Dementsprechend folgt sie bestimmten subjektiv gewonnenen Kategorien. Sie verlangt, dass wir uns darüber verständigen, welche Merkmale wir als entscheidend ansehen, um eine Epoche von anderen abgrenzen zu können.

Einer solchen Wertung liegen immer wandelbare gesellschaftliche Maßstäbe zugrunde. Periodisierungen können daher nur Annäherungen an eine Realität sein. Sie müssen offen bleiben für ein fortschreitendes Wissen und eine entsprechende Überarbeitung.

Der Begriff »Zeitalter« lässt zwar an bestimmte Epochen von Ewigkeitswert denken und jagt manchen einen frommen Schauder ein. Wir sind nüchterner: Zeitalter bezeichnen nur längere Abschnitte in der Betrachtung der Geschichte unter der Kategorie »Zeit«, die sich durch verbindende Merkmale auszeichnen.

Die verbindenden Momente (»Stile«) prägen den jeweiligen Zeitabschnitt und geben ihm meist auch den Namen (z. B. Klassik, Romantik). Als »Stilepoche« bezeichnen wir einen zeitlichen Abschnitt von Jahren oder Jahrzehnten, in dem kulturelle Güter gleicher Art sich in vielen Merkmalen als verwandt oder ähnlich erweisen. Die charakteristische Ausprägung meint die Ähnlichkeit bezüglich formaler Merkmale, die wir als Gemeinsamkeit dem Gros der Manifestationen jener Epoche, Region, Person zuschreiben.

Ein Stil wird durch die – nicht in jedem Fall bewusst getroffene – Auswahl, Bewertung und Anwendung bestimmter Ausführungsmerkmale geformt. Anhand solcher Merkmale lassen sich Stilrichtungen feststellen. Details finden sich in anderen Kapiteln, beispielsweise zu Literatur, Musik, Bildender Kunst.

Die sogenannte prähistorische Zeit

Der Begriff prähistorische Zeit (lat....

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