Sie sind hier
E-Book

Along The Road To India, Hallo Kabul

AutorJürgen Hennecke, Peter Philippen-Lindt
VerlagPro BUSINESS digital printing
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl400 Seiten
ISBN9783864600319
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis18,99 EUR
Im April 1974 starteten zwei seinerzeit 20 und 21 Jahre alte Jungs mit ihrem selbst eingerichteten Samba-Bulli (T1) zu einer halbjährigen Reise durch den damals noch goldenen, vorderen und mittleren Orient bis an die Südspitze von Indien. Zwischen Bundeswehr und Studium wollten die beiden Freiheit und Abenteuer pur erleben und mal für ein halbes Jahr aussteigen. Ihr Weg verlief ab der Türkei überwiegend off-road auf vielen staubigen Schotterpisten der Indien-Südroute durch Syrien, Irak, Iran und Pakistan. Indien wurde per pedes, Schiff, Mietwagen, Bus, Bahn, Motorskooter und Riksha durchquert. Heimwärts ging es auf der Nordroute, dem legendären Hippie-Trail, durch Pakistan, Afghanistan, Iran und Türkei. Sie beschreiben unendliche Weiten, atemberaubende Landschaften und erzählen von spannenden Begegnungen und ihren Erlebnissen mit den unterschiedlichsten Kulturen und Religionen, gewürzt mit viel Humor und Selbstironie.

Der 'Skript-Tipper' Peter 'Pit' Philippen-Lindt, Jahrgang 1952, träumte schon in der Schule den 'großen Trip' gen Osten. Nach der Rückkehr hat Peter Philippen-Lindt angewandte Geologie studiert, ließ sich mit seiner Familie in Aachen nieder und ist heute als selbständiger Beratender Ingenieur- und Hydrogeologe tätig. Der 'Geier-Photo-Jäger' Jürgen Hennecke, Jahrgang 1954, hatte die gleichen Visionen. Jürgen Hennecke hat im Anschluss an den großen Trip zunächst in Lüttich und Aachen Medizin studiert, promoviert, ließ sich auch mit seiner Familie in Aachen nieder und hat als Arzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren eine eigene Praxis in Aachen.

Kaufen Sie hier:

Horizontale Tabs

Leseprobe


Mesopotamien


Wasserräder am Euphrat, goldene Moscheen und Tempeltürme

Was erwarteten wir hier im „alten“ Mesopotamien, dem „Zweistromland“ zwischen Euphrat und Tigris: als „Bibelkenner“ suchten wir nach dem Turm von Babel, nach Ur, der Heimatstadt Abrahams und nach dem Garten Eden; als „Historiker“ nach den Hängenden Gärten von Babylon, einem der sieben Weltwunder; als „Märchen-Fans“ nach den Spuren von Ali Baba im Land von „Tausend und einer Nacht“.

Aber als „Traveller“ kamen wir zunächst einmal in einen aufstrebenden arabischen Staat, kurz vor der Machtübernahme durch Saddam Hussein, der bekanntermaßen noch eine traurige Berühmtheit erlangten sollte.

Wir verließen den syrischen Grenzposten auf einer Straße, der wir ansehen konnten, dass sie im Grenzbereich verlief und nicht sehr oft befahren wurde.

Die Brücke über den Grenzfluss war zerstört und eine Sandpistenumleitung führte durch das Flussbett, das zu dieser Zeit schon ausgetrocknet war. Die Grenzposten lagen sieben Kilometer auseinander und waren nicht als solche zu erkennen, denn die Passstelle lag mitten im Ort und der Zoll 300 m davon entfernt, nicht wie bei uns alles „wohlgeordnet“. Trotz allem hatten wir die Passbehörde schnell hinter uns und erfuhren vom Zoll, dass eine Versicherung für den Wagen zwingend vorgeschrieben war. Ohne diese wollte er uns nicht passieren lassen: „Make insurance", war alles, was er sagen konnte.

Der Versicherungsvertreter hatte dann sein Büro auch direkt nebenan. Ein Schreibtisch, drei Hocker und ein Teekessel bildeten die Einrichtung der Baracke. Wir legten dem Versicherer das Anliegen dar und wollten jene Versicherung abschließen, soweit, so gut. Unser Handelspartner hier mitten in der Wüste akzeptierte jedoch weder DM noch US Dollar. Syrisches Geld hatten wir nicht mehr und irakisches Geld hatten wir noch nicht. Wahrscheinlich war ihm die nächste Bank zu weit, immerhin 200 km! Also was tun? Mit dem Eingangsstempel vom Irak im Pass fuhr ich alleine noch mal zurück nach Syrien, um dort Geld zu tauschen. Der syrische Zoll schien dafür bekannt zu sein schwarz zu tauschen, obwohl er Quittungen ausgab. Aber das war ja jetzt egal. Holper hin, Geld gewechselt, holper zurück und nach einer Stunde kam ich noch rechtzeitig zum Tee, zu dem der Mitfahrer von unserem Versicherer zwischenzeitlich eingeladen worden war. Für umgerechnet etwa zehn Mark schlossen wir eine siebentägige Versicherung ab, obwohl wir mindestens drei Wochen bleiben wollten. Für so lange Zeit kannte er aber das Formblatt nicht und im Übrigen hatte er auch nur dieses eine. Mit zehn Mark waren wir also dabei und gingen zufrieden zum Zoll, der uns dann auch ohne große Formalitäten und sogar mit einer Tasse Tee abfertigte. Wir hatten es geschafft! Bagdad war nur noch ein Katzensprung von 400 km Entfernung.

Die erste große Etappe konnte schon jetzt als erfolgreich beendet angesehen werden. Das musste mit Nudeln und Ketchup mitten in der Wüste abseits von der Straße gefeiert werden.

Abends, nach Sonnenuntergang, fuhren wir in den Ort zurück und übernachteten in einem Rest House der irakischen Tourist Administration: 50 DM die Nacht mit Frühstück, aber feudal und ganz alleine. Hier akzeptierte man Dollars. Es ist halt überall anders und hier oft von den Launen der Leute abhängig; bei uns natürlich „nicht“!

Am nächsten Tag machten wir uns auf nach Bagdad, allerdings ohne einen Pfennig irakisches Geld. Zuerst war die Landschaft reine Wüste, doch dann, als die Straße endlich asphaltiert auf den Euphrat traf und sich an ihm entlang zog, hatte unser Auge wieder etwas Abwechslung. Nun war der Weg von Dattelpalmenhainen gesäumt, die teils bewässert wurden und teils wieder trockenes Land zu ihren Füßen hatten. Manchmal befanden sich auch Felder für Getreide oder Gemüse zwischen den Palmenanpflanzungen. Die Siedlungen wurden wieder häufiger und der zunehmende Verkehr verriet bald die Nähe der Großstadt. Bei der Ortschaft Heet (oder Hit) machten wir Station, um einzukaufen und wurden gleich von einem jungen Bewohner angesprochen, der uns die Außergewöhnlichkeiten des Ortes zeigen wollte.

Was sollte dieser kleine Ort schon haben?

Da mein Mitfahrer wollte, folgten wir ihm. Er zeigte uns eine Stelle, an der Erdöl als Asphalt und scheinbar auch Erdgas an der Geländeoberfläche frei austraten und einen kleinen Tümpel bildeten, den man anzünden konnte.

Danach fuhren wir zu einer weiteren Sehenswürdigkeit: zu den Wasserrädern von Heet, die wie in Urzeiten das Wasser des Euphrat vom Flussniveau auf die Höhe der Ansiedlung brachten. Ein gemauerter Pfeiler, fast zwölf Meter hoch, stand im Fluss, oben mit einem schmalen Zugang, auf dem das Wasser in einer Rinne zum Bewässerungssystem floss. Rechts davon direkt angeschlossen, lagen sechs einzelne Zellen in denen sich die Räder drehten.

Die Schaufeln waren Tonkrüge, die entlang des Rades befestigt waren und zum Antrieb dafür dienten geflochtene Matten, die auf der anderen Seite des Rades befestigt waren und durch ihren Widerstand im fließenden Wasser das Rad in Bewegung setzten bzw. hielten. Gelangten die Tonkrüge zu ihrem oberen Höchstpunkt, so trat bei der Abwärtsbewegung das Wasser aus und lief in den Rillen auf den Pfeilern ab, von wo es auf die Felder geleitet wurde. Das ganze funktionierte heute noch genau so gut wie vor zweitausend Jahren. Wirklich ein beeindruckendes Erlebnis.

Weiter ging’s nach Bagdad. Dort waren der Tank und der Reservekanister leer, aber wir standen mittlerweile vor dem Schalter der Wechselbank am Flughafen in Bagdad und waren gleich wieder reich. Mit 21 Dinar in der Tasche, das entsprach 260 DM ließ sich wieder leben.

Hier in Bagdad sollte es sogar einen Campingplatz geben, man höre und staune. Nach wilder Nachtfahrt durch die Innenstadt fanden wir dann auch das „Tourist Camp“ am Army Canal. Ein alter Palmenhain war zu einem Ausflugsziel der Bagdader umfunktioniert worden, in dem es schön schattig war. Es gab alles: Toiletten, Waschräume, Duschen und sogar eine Tischtennisplatte. O lala!

Später erkannten wir, dass die Tischtennisplatte wohl eher nur für die „Touristen Polizisten“ bzw. Campingplatzleiter da war, denn wir waren auf dem ganzen Platz die einzigen Camper.

Der Wagen mitsamt aller darin befindlichen Klamotten musste gesäubert werden, denn der Staub der Wüste saß in jeder Ecke und wir hatten in der letzten Woche keine Waschmöglichkeit mehr gehabt. Frisch gewaschen und gekämmt beäugten wir dann auch Bagdad ein erstes Mal.

Das Klima war schon affig warm und ohne ein Wölkchen am Himmel, Palmen, Sonne und goldener Orient.

Bagdad war eine Großstadt wie jede andere auch. Es gab viel Verkehr, Geschäfte und europäisch gekleidete Menschen, dazu noch englische Doppeldeckerbusse, so dass der Vergleich mit London sehr nahe lag. Orientalisches Leben, wie ich es mir vorgestellt hatte, war hier kaum zu finden, nur noch in den Armenvierteln. Taxis, Taxis überall und in den Außenbezirken Villen von Leuten, die wohl auch bei uns nicht im Armenhaus hätten leben müssen. Bettler sahen wir fast gar nicht in Bagdad. Zwar gab es arme und reiche Leute aber keine, die dem Verhungern nahe gewesen wären. Alle renommierten internationalen Firmen hatten ihre Vertretungen und Reklameschilder in den Straßen, wie in jeder europäischen Großstadt auch.

Die Entfernung zur Heimat spürten wir überhaupt nicht mehr, wir konnten frei sprechen, unsere Gedanken mit jedermann austauschen und fast alle, mit dem wir Touristen in Berührung kamen, sprachen mehr oder weniger gut Englisch, aber immer gut genug zur Verständigung. Dazu noch eine moderne Umgebung, wir entbehrten nichts mehr und fühlten uns bei dem Superwetter sauwohl.

Die Katzen auf dem Campingplatz fühlten sich anscheinend auch in unserer Gesellschaft wohl, denn sie bekamen Milch von uns ab. Einmal sogar von meiner Hose, die dank einer „Tischdusche“ mit Milch durchtränkt worden war. Tischdusche ist durch unseren Klapptisch im Wagen zu erklären, der voll gedeckt manchmal durch eine ungeschickte Bewegung der Speisenden zum Nachteil des am Kopfende Sitzenden einklappte und das ganze Gedeck schlagartig auf dessen Schoß „entleerte“. Diese Begebenheit trat an diesem Tage gleich zweimal ein. Ich durfte also drei Hosen zur Feier des Tages tragen, da ich gewöhnlich das Kopfende „bewohnte“.

Zur weiteren Ausrüstung des Platzes gehörten ein paar Hütten, in denen es angenehm kühl war und zwei Touristen Polizisten, die sich ständig liebevoll um unsere Angelegenheiten kümmerten. Im Irak, als einem Polizeistaat, hieß das Fremdenverkehrsamt „Touristen Polizei“ oder im Original: „Tourist Police“.

Das Wichtigste war nun erledigt, und wir hatten Zeit für ein paar Ausflüge in die Umgebung von Bagdad. Mossul und damit Assur fielen aus, da in der Gegend nördlich davon noch rege Kampftätigkeiten im Kurdenkonflikt herrschten. So fuhren wir nur bis Samarra.

In diesem, nördlich von Bagdad gelegenen Ort, befand sich ein einmaliger Bau: das Spiralminarett in Samarra. Vergleichbar keinem anderen uns bekannten Bauwerk stand dieses Minarett auf einer eiförmigen Grundfläche und war an der Basis ein plumpes, dickes, rundovales Mäuerchen, in der an einer Stelle eine langsam steigende...

Blick ins Buch

Weitere E-Books zum Thema: Sonstiges - Ausbildungsberufe

Gehäkelte Stulpen

E-Book Gehäkelte Stulpen
Ein Kurs mit vielen Bildern für Anfänger Format: ePUB

Dieses E-Book zeigt mit einer Schritt für Schritt Anleitung, wie man die hübschen Stulpen häkelt. Auf 11 Seiten sind mit zahlreichen Bildern alle notwendigen Schritte ausführlich erklärt. Auch wenn…

Weitere Zeitschriften

Ärzte Zeitung

Ärzte Zeitung

Zielgruppe: Niedergelassene Allgemeinmediziner, Praktiker undInternisten.Charakteristik: Die Ärzte Zeitung liefert 3 x pro Woche bundesweitan niedergelassene Mediziner den ...

FREIE WERKSTATT

FREIE WERKSTATT

Hauptzielgruppe der FREIEN WERKSTATT, der unabhängigen Fachzeitschrift für den Pkw-Reparaturmarkt, sind Inhaberinnen und Inhaber, Kfz-Meisterinnen und Kfz-Meister bzw. das komplette Kfz-Team Freier ...

bank und markt

bank und markt

Zeitschrift für Banking - die führende Fachzeitschrift für den Markt und Wettbewerb der Finanzdienstleister, erscheint seit 1972 monatlich. Leitthemen Absatz und Akquise im Multichannel ...

elektrobörse handel

elektrobörse handel

elektrobörse handel gibt einen facettenreichen Überblick über den Elektrogerätemarkt: Produktneuheiten und -trends, Branchennachrichten, Interviews, Messeberichte uvm.. In den monatlichen ...