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Als die Welt still stand

Galileo Galilei - verraten, verkannt, verehrt

AutorAtle Naess
VerlagSpringer-Verlag
Erscheinungsjahr2006
Seitenanzahl245 Seiten
ISBN9783540312512
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis19,99 EUR

Die preisgekrönte Biographie des norwegische Schriftstellers Atle Næss führt den Leser auf eine fesselnde Reise durch die Höhen und Tiefen des Lebens einer der schillerndsten Persönlichkeiten der europäischen Wissenschaftsgeschichte - Galileo Galilei. Mit feinsinniger Empathie entwickelt Naess das Portrait eines Mannes, der sich selbst durch die Zwänge der römischen Inquisition nicht von seinen wegweisenden Forschungen abbringen ließ.

Aus den Rezensionen der norwegischen Ausgabe:

'Mit umfassender Kenntnis und sicherem Erzählstil hebt Næss die epochemachenden Arbeiten hervor, die die Grundlage der modernen experimentellen Naturwissenschaften bilden. Er packt all die vielen Stationen [Galileis] Lebens in ein sehr lesenswertes Buch, das in vielerlei Hinsicht hervorsticht.'

Per Anders Madsen, Aftenposten Morgen

'Diese Biographie stellt eine faszinierende kulturhistorische Studie dar und ist daher nicht nur für Leser mit Interesse an Naturwissenschaft und Wissenschaftsgeschichte geeignet. Sie kann auch hervorragend als Roman gelesen werden.'

Atle Abelsen, Teknisk Ukeblad

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Leseprobe

Freundschaft und Macht (S. 81-82)
Nur ein Jahr zuvor war Galilei zwar ein geachteter Professor in der kleinen Stadt Padua gewesen, außerhalb der Fachkreise jedoch ein Unbekannter. Nun kam er nach Rom, in die Hauptstadt der Welt – caput mundi – und erlebte sich als eine umworbene Berühmtheit. Die ein.ussreichen Bürger der Stadt rissen sich geradezu darum, ihn einzuladen und ihm ihre Ehre zu erweisen. Sein alter Freund und Wohltäter, Kardinal del Monte, schrieb in einem Brief an Cosimo:

Wenn wir noch immer unter der alten römischen Republik lebten, glaube ich wahrhaftig, dass auf dem Kapitol eine Statue errichtet worden wäre, zu Ehren seiner außerordentlichen Leistungen."33
Galilei wohnte standesgemäß beim toskanischen Botschafter in der Villa Medici. Schon am Tag seiner Ankunft suchte er die Jesuiten imCollegio Romano auf und wurde herzlich empfangen. Nachdem sie ausführlich über die Fernrohr-Observationen diskutiert hatten, beschlossen Clavius und seine Kollegen, interessierte Römer zu einer öffentlichen Vorlesung einzuladen, bei der Galilei anwesend sein sollte. Dort würden sie seine Entdeckungen erklären, und die jesuitischen Astronomen könnten kundtun, dass ihre eigenen Beobachtungen die Galileis bestätigten.

Diese Veranstaltung über und für Galilei war sowohl ein soziales als auch ein wissenschaftliches Ereignis. Die gesamte ein.ussreiche Oberschicht Roms, kirchliche und weltliche Würdenträger, nahm auf den Bänken der großen Halle des Jesuiten-Kollegiums Platz. Dort hörten sie von der unregelmäßigen Ober.äche des Mondes, von Jupiters sensationellen Monden und von den neuen, merkwürdigen Phänomenen, die im Zusammenhang mit Saturn und Venus beobachtet worden waren.

Einer der enthusiastischsten Zuhörer war ein vier Jahre jüngerer Landsmann Galileis, ein gelehrter Jurist, der aus einer bekannten .orentinischen Familie stammte.
Er hatte früh seinen Vater verloren und war bei einem Onkel in Rom aufgewachsen. Dort erhielt er eine erstklassige Ausbildung bei den Jesuiten und studierte anschließend Jura.

Maffeo Barberini interessierte sich für allesNeue. Er benutzte seine juristische Bildung, um sich eine kirchliche Karriere aufzubauen, war aber nicht besonders an Dogmen und theologischen Finessen interessiert. Stattdessen beschäftigte er sich in einer privaten Akademie und in dem Kreis um del Monte mit Kunst, Literatur und Wissenschaft. Hier diskutierte man über Malerei, musizierte oder führte chemische Experimente durch.

Doch war es die Poesie, die ihn am meisten faszinierte. Er schrieb selbst, formvollendet und auf Latein. Barberini war ein begabter Mann. Papst Clemens VIII. wurde frühzeitig auf ihn aufmerksam und wählte ihn für einen ehrenhaften Auftrag aus, der einiges Feingefühl erforderte. Viel päpstliche Geschicklichkeit wurde darauf verwandt, im Fahrwasser zwischen den beiden katholischen Großmächten, dem konservativen Spanien und dem liberaleren Frankreich, zu navigieren. 1601 hatten Heinrich IV. – ein zweifelhafter Konvertit protestantischer Herkunft – und seine Frau Maria de Medici ihren ersten Sohn bekommen. Bei der Taufe des Thronfolgers musste der päpstliche Hof selbstverständlich vertreten sein, und der Papst wählte dafür den jungen Florentiner Maffeo aus.

Maffeo Barberini feierte diesen Karrieresprung auf bemerkenswerte Weise. Er bestellte ein Portrait beim radikalsten und umstrittensten Maler Roms, Caravaggio. Das Bildnis zeigt einen selbstsicheren und eifrigen, aber gleichzeitig auch sensiblen jungen Mann, der fest den Brief mit dem ehrenvollen Auftrag umfasst.

Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis7
Prolog: Eine Reise nach Rom9
Der Sohn des Musikers13
Ein begabter junger Toskaner16
Zu den Jesuiten nach Rom20
Landvermesser im Inferno23
Die Kugeln fallen vomTurm26
Von Pisa nach Padua29
Zeichen am Himmel33
Die Kreisbewegungen der Himmelskörper36
Dozent und Konstrukteur40
Verpflichtungen eines Professors42
Die Entstehung der modernen Physik45
Ein neuer Stern an einem unveränderlichen Himmel?49
Annäherung an einen Hof51
Die Kugeln fallen an ihren Platz55
Der römische Stil57
Das Rohr mit dem weiten Ausblick60
Eine neue Welt63
Jupiters Söhne67
Johannes Kepler, kaiserlicher Mathematiker70
Noch mehr Zeichen am Himmel76
Freundschaft und Macht89
Ein Disput über Dinge, die auf demWasser schwimmen93
Sonne, steh still in Gibeon!97
Der Brief an Castelli102
„Nicht wie der Himmel geht,105
sondern wie wir in den Himmel kommen“105
Geistlose und absurde Philosophie, formal betrachtet Ketzerei110
Der Hammer der Ketzer113
Todesfälle und Vorwarnungen119
Kometen künden von Unheil124
Worte auf der Goldwaage129
Eine wunderbare Fügung135
Krieg und Ketzerei138
EuropäischerMachtkampf und römische Neffen141
Das Alte und das Neue144
„Ein heilsames Edikt“149
Zwei weiseMänner – und ein Dritter152
Das Rom der Inquisition159
Diplomatie in Zeiten der Pest164
Ein Befehl von ganz oben170
„ ... in keiner Weise daran glauben, es lehren oder verteidigen ... “175
Überzeugt durch gute Gründe188
„Ich, Galileo Galilei“193
Die Unendlichkeit199
Ein Todesfall und zwei neueWissenschaften204
Begegnung mit der Unendlichkeit210
„Das Universum ... ist nicht größer als der Raum, den mein Körper einnimmt“216
Epilog221
Nachwort229
Anhang233
Anmerkungen235
Quellen241
Schriften Galileo Galileis241
Übersetzungen242
Sonstige Literatur242
Internet247
Personenregister249

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