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Analyse der Mitbestimmung im diametralen Mediendiskurs

Eine Untersuchung der Kommentare zum Thema Mitbestimmung bei der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)' und 'die Tageszeitung (TAZ)'

AutorRaoul Weise
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl82 Seiten
ISBN9783640207848
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis10,99 EUR
Studienarbeit aus dem Jahr 2006 im Fachbereich Soziologie - Wissen und Information, Note: 1.7, Friedrich-Schiller-Universität Jena (Lehrstuhl für Arbeits- , Industrie- und Wirtschaftssoziologie), Veranstaltung: Unternehmenskultur und Mitbestimmung, 8 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: 'Die Mitbestimmung ist ein Phänomen, an dem man Eigenarten der deutschen Sozial-, Politik- und Wirtschaftsgeschichte erkennen kann, in ihrer hier zu Lande entwickelten Form ist sie ein deutsches Phänomen geblieben. Nach dem es in Publizistik, Politik und Wissenschaft lange still um die Mitbestimmung geworden war, ist das Thema seit den späten 1990er Jahren in die öffentliche Debatte zurückgekehrt, und zwar kontrovers (Kocka, 2006, 1).' Diese Kontroverse zum Thema Mitbestimmung wird in dieser Hausarbeit aufgegriffen und analysiert. Die Frage, die dieser Hausarbeit zu Grunde liegt ist: 'Wie wird mit dem Thema Mitbestimmung in den Kommentaren der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Tageszeitung umgegangen?' Im Näheren handelt es sich hierbei um eine Analyse der Mitbestimmung im diametralen Mediendiskurs...

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Leseprobe

4. Komparative Analyse der Kommentare über Mitbestimmung bei FAZ und TAZ


 

Die Recherche resultierte ausschließlich über die Leitartikel-Archivsuche der jeweiligen Zeitung über das Internet im Zeitfenster vom 01.01.1996 bis zum 31.08.2006. Die Ermittlung erfolgte neben der Eingabe des Begriffs Mitbestimmung auch über Synonyme wie Partizipation, Betriebsverfassungsgesetz, Betriebsrat und „Co-Manangement“. Im Detail wurde man bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit der Eingabe Ressort: Alle und Rubrik: Kommentar fündig. Bei der Tageszeitung war man mit der Selektion Art: Kommentar, Ressort: Alle und Quelle: Alle erfolgreich. Dabei wurden die Begriffspaare sowohl im Titel als auch im Text recherchiert.

 

Die Diagramme 2 und 3 liefern hierbei eine quantitative und chronologische Übersicht zur Häufigkeit des Begriffs Mitbestimmung in den beiden Zeitungen.

 

Diagramm 2:

 

 

Quelle: eigene Darstellung

 

Diagramm 3:

 

 

Quelle: eigene Darstellung

 

Auffällig ist, dass bei allen vier Suchkriterien die Jahre 2000/2001 und  2004/2005 quantitativ herausragen. Die Kommentaranlässe waren hierbei die Novellierung des Betriebsverfassungsgesetzes bzw. die Einführung neuer EU-Richtlinien und die besonderen Vorkommnisse bei VW. Insgesamt muss man jedoch berücksichtigen, dass der Begriff Mitbestimmung mehrdeutig in verschiedenen Bereichen Anwendung findet. Es kann davon ausgegangen werden, dass es sich bei einem Großteil der Artikel nicht um Mitbestimmung im Sinne von Mitarbeiterbeteiligung handelt. Tendenziell lässt sich jedoch feststellen, dass im Zuge der Thematisierung des Begriffes Mitbestimmung in den Leitartikeln ebenso eine vermehrte Nutzung dieses Begriffes in anderen Artikeln festzustellen ist. Ein Indiz dafür, sind die ähnlich verlaufenden Kurven der vier unterschiedlichen Kriterien (siehe Diagramm 2 und 3).

 

Die Auswahl der Kommentare wurde nach inhaltlicher Relevanz getroffen. Für beiden Zeitungen gab es bei der Titelsuche nach den Begriffen Partizipation, Betriebsverfassungsgesetz und „Co-Management“ keine Treffer.

 

Im Folgenden wurden die Leitartikel der FAZ und TAZ zum Thema Mitbestimmung anhand unseres gewählten Kriterienkataloges analysiert.

 

4.1 Wie häufig wird sich im Untersuchungszeitraum dazu geäußert und wie


viele Kommentatoren beschäftigten sich mit dieser Thematik? Wie groß ist


der Umfang der Kommentare zum Thema Mitbestimmung?


 

In dem Bezugszeitraum von 1996 bis August 2006 wurde sich bei der FAZ insgesamt dreizehnmal direkt zum Thema Mitbestimmung in den Leitartikeln geäußert. Hierbei kamen „nur“ sieben unterschiedliche Kommentatoren zu Wort. Rainer Hank und Nico Fickinger äußerten sich je dreimal, Joachim Jahn, Hans D. Barbier je zweimal, Elke Bohl, Manfred Schäfers und Jürgen Jeske kamen jeweils einmal zu Wort.

 

Bei der TAZ bekamen sechs unterschiedliche Kommentatoren bei insgesamt sieben veröffentlichten Leitartikeln die Möglichkeit sich zum Thema Mitbestimmung zu äußern. Hannes Koch schrieb hierzu zwei Kommentare, Tarik Ahmia, Heinz Siebold, Harald Werner, Ulrike Herrmann und Thilo Knott kamen jeweils einmal zu Wort. Im zugrunde liegenden Untersuchungszeitraum ist auffällig, dass sich beide Zeitungen im Kommentarteil erst ab dem Jahre 2000 direkt mit dem Thema Mitbestimmung befassen.

 

Der Umfang der Leitartikel gestaltete sich bei beiden Zeitungen unterschiedlich. Bei der FAZ gab es dabei quantitativ drei Gruppen, zwei Artikel mit rund 200 Wörtern, zwei Artikel mit rund 400 Wörtern und die restlichen neun Artikel mit rund 800 Wörtern. Bei der TAZ gab es mit fünfmal rund 300 und zweimal rund 900 Wörtern zwei quantitative Typen von Kommentaren. Während es bei der FAZ in Bezug Umfang keine erkennbaren Tendenzen gab so nimmt bei der TAZ erstaunlicher Weise der Umfang der Kommentare zum Thema Mitbestimmung ab.

 

4.2 Welche Anlässe führten zu einem Kommentar? Wie positionieren sich die


Kommentatoren?


 

Welche Anlässe führten zu einem Kommentar?

 

Beide Zeitungen nutzten dieselben Anlässe, um zum Thema Mitbestimmung Kommentare zu publizieren. Explizit waren dies: die Novellierung des Betriebsverfassungsgesetzes in den Jahren 2000-2001, die Einführung neuer EU-Richtlinien im Jahr 2004, die „VW-Affäre“2005 und 2006 der Fall SAP. Neben diesen Anlässen wurde sich bei der FAZ auch einmal zum Thema Globalisierung und bei der TAZ einmal zum Thema Mitbestimmung im Allgemeinen geäußert. In einem Punkt waren sich FAZ und TAZ jedoch einig, beide fordern eine Veränderung der betrieblichen Mitbestimmung in Deutschland. Aufgrund der wirtschaftlichen Veränderungen, insbesondere der Globalisierung, sei eine Anpassung notwendig. Bei der Frage wie sich die Mitbestimmung ändern soll, unterscheiden sich die Vorschläge der beiden Zeitungen jedoch deutlich. Zu den jeweiligen Kommentaranlässen erfolgt nun eine komparative Gegenüberstellung der entsprechenden Argumentationsstränge.

 

Im Folgenden analysiert Steffen Deckert die Leitartikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Raoul Weise die der Tageszeitung.

 

4.2.1 Wie positionieren sich die Kommentatoren zur Novellierung des Betriebsverfassungsgesetzes?


 

Frankfurter Allgemeine Zeitung

 

Die FAZ kommentierte dieses Thema insgesamt sechs mal, der Umfang der ersten drei Artikel betrug rund 800 Wörter, die letzten zwei waren rund 200 bzw. 300 Wörter lang. Ein Grund für die Kürze der letzten beiden Kommentare kann unserer Meinung nach darin liegen, dass die Novellierung zu diesem Zeitpunkt schon so gut wie beschlossen war. Eine „Einflussnahme“ auf die Politik durch die Kommentare war dadurch kaum zu erhoffen. Es ist zu bemerken, dass die ersten beiden Kommentare (Schäfers am 08.06.2000 und Bohl am 24.10.2000) zu diesem Thema die „objektivsten“ sind. Hier stand die Novellierung des Betriebsverfassungsgesetzes noch am Anfang und es wurde seitens der FAZ noch abgewartet was sich ergeben wird. So werden zu Beginn des ersten Artikels vom 08.06.2000 die beiden „Kontrahenten“ Walter Riester (SPD) und Dieter Hundt (BDA) vorgestellt und dargestellt, dass hinter ihnen mächtige Kampforganisationen stehen. Die Gewerkschaften hinter Walter Riester und die Spitzenverbände der Wirtschaft hinter Dieter Hundt. Bei dem Kommentar von Bohl wird am Anfang darauf eingegangen, dass Herr Riester mit der Novellierung der Erosion der Mitbestimmung entgegenwirken möchte. Es wird weiterhin angeführt, dass das Betriebsverfassungsgesetz nicht mehr zeitgemäß ist und der heutigen Arbeitswelt angepasst werden muss.

 

Im Artikel von Schäfers wird weiter beschrieben, dass beide Verbände schon seit längerem Druck auf die Bundesregierung ausüben und dadurch die Novellierung ins Rollen gebracht haben.

 

„Gewerkschaften üben seit längerem Druck auf die Bundesregierung aus, das seit dreißig Jahren geltende Gesetz endlich anzupacken. Spitzenverbände der Wirtschaft drohen hingegen mit dem Verfassungsgericht, wenn das Gesetz so umgeschrieben werden sollte, wie es sich die Arbeitnehmervertreter wünschen (Schäfers, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.06.2000, Nr. 132, S.17).“

 

Bohl zweifelt am Anfang des Hauptteiles daran, dass durch die Novellierung die „Mitbestimmungserosion“ aufgehalten werden kann. Gerade jüngere Arbeitnehmer, vor allem aus der „Neuen Ökonomie“, möchten scheinbar gar keine Betriebsräte. Danach wird dies als eine Art Feldversuch beschrieben, bei dem sich zeigen wird, ob sich für Mitbestimmung oder dagegen entschieden wird. Der Vorschlag „gegen Mitbestimmung“ wird jedoch als letztes genannt und bleibt dadurch beim Leser eher im Gedächtnis haften.

 

Mag sein, daß das anders wird, wenn sich die Organisation solch junger Unternehmen verfestigt oder wenn die Firmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und sich die Mitarbeiter in der Not auf ihre rechtlichen Möglichkeiten besinnen. Vielleicht zeigt sich in der Betriebsratsabstinenz aber auch ein generelles Unbehagen an der institutionalisierten Mitbestimmung, weil sie als zu starr erscheint (Bohl, Frankfurter Allgemeine Zeitung 24.10.2000, Nr. 247, S.17).“

 

Im Hauptteil des ersten Kommentars wird erklärt, worum es überhaupt in der Novellierung geht. Hier wird angeführt, dass die Grundlage für diese Novellierung im Koalitionsvertrag niedergelegt ist. So objektiv dieser Artikel auf den ersten Blick scheinen mag, eine leichte Tendenz kontra Riester, also der Novellierung im Gewerkschaftssinn, ist doch zu erkennen. Riesters Vorhaben werden entweder mit einem negativen Unterton geschildert oder jeweils die diametrale Position der Wirtschaftsverbände Riesters Position...

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