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E-Book

Analytische Philosophie

AutorHolger Leerhoff, Klaus Rehkämper, Thomas Wachtendorf
Verlagwbg Academic
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl144 Seiten
ISBN9783534714919
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis15,99 EUR
Die Analytische Philosophie ist die derzeit wohl einflussreichste Schule der Philosophie. Nicht nur in den angelsächsischen Ländern, in denen sie traditionell ihren Schwerpunkt hat, sondern auch im Rest der Welt bestimmt sie die philosophische Forschung und Lehre. Ihren Ausgangspunkt nahm die Analytische Philosophie bei sprachphilosophischen Fragen. Unter der Prämisse »Was man sagen kann, das kann man klar und eindeutig sagen« hat sie die Scheinprobleme und fehlerhaften Denkweisen in der Philosophie logisch durchleuchtet. Unsere Einführung erläutert diese historische Entwicklung; sie zeigt, dass und wie die analytischen Philosophen sich mit allen Phänomenen beschäftigen und führt ihre Methoden vor. Übungsfragen, Bibliographie, Glossar und Index machen den Band zu einem wertvollen Lehrbuch, das besonders der neuen Struktur des Studiums mit seinen Bachelor-Kursen gerecht wird.

Holger Leerhoff ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Universität Konstanz.

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Leseprobe

2. Einführung in die logischen Grundlagen

Dieses Kapitel kann und soll keinen Ersatz für eine Logik-Einführung darstellen, wie sie in der einen oder anderen Form in den Curricula praktisch aller Philosophie-Studiengänge zu finden sein dürfte; schon der Umfang dieses Kapitels lässt dies nicht zu. Auch sollen hier nicht die mit der Logik verbundenen philosophischen Probleme thematisiert werden, da diese zumeist recht speziell sind und wiederum in einer Einführung in die Analytische Philosophie nicht recht am Platz zu sein scheinen. Analytischen Philosophen wird oftmals eine übertriebene Affinität zu Formeln und zur Logik nachgesagt. Die Logik (wobei der Plural hier vielleicht angebrachter wäre) ist tatsächlich ein, wenn nicht das entscheidende Handwerkszeug des analytisch arbeitenden Philosophen, und die folgenden Kapitel dieser Einführung in die Analytische Philosophie setzen gewisse logische Grundlagen voraus. Diese in dem Umfang zu vermitteln, wie sie für die Lektüre des Buches notwendig sind, ist der Anspruch dieses Kapitels.

Argument Form und Inhalt Schlüssigkeit

In der Logik geht es um die systematische Untersuchung der Form von Argumenten im Gegensatz zu deren spezifischen Inhalten. Eines der Ziele einer solchen Untersuchung ist, schlüssige Argumente von nicht schlüssigen zu unterscheiden. Ein Argument ist genau dann schlüssig, wenn durch die logische Form des Arguments sichergestellt ist, dass die Voraussetzungen (Prämissen) zur Konklusion des Arguments führen: Gesetzt den Fall, die Voraussetzungen treffen zu, kann die Konklusion bei einem schlüssigen Argument unmöglich falsch sein; das Argument ist wahrheitsbewahrend. In einem solchen Fall sagt man, dass die Konklusion aus den Prämissen logisch folgt – und dies ist unabhängig von den eigentlichen Inhalten der Argumente und hängt nur von deren Form ab.

Aufbau von Argumenten

Wie aber sieht ein Argument nun aus? Formal betrachtet kann man ein Argument als eine Folge von Aussagen, den Prämissen, auffassen, auf die eine weitere Aussage, die Konklusion des Arguments, folgt. Die Konklusion wird dabei gemeinhin mittels ‚also‘, folglich‘, ‚daher‘ oder eines Wortes ähnlicher Bedeutung eingeleitet. Dazu ein konkretes Beispiel:

P1:Wenn es Bayerisch Creme in der Mensa gibt, dann tanzen die Dozenten auf den Tischen.
P2:Es gibt Bayerisch Creme in der Mensa.
K:Also: Die Dozenten tanzen auf den Tischen.

Dies ist ein Beispiel für ein schlüssiges Argument: Es ist unmöglich, dass die beiden Prämissen P1 und P2 wahr sind und gleichzeitig die Konklusion K falsch ist. In der obigen Schreibweise trennt der Schlussstrich des Arguments die Prämissen auch optisch von der Konklusion.

Meist liegen die Argumente in der Praxis jedoch nicht in so klarer Form vor. Nicht immer werden alle Prämissen erwähnt, oft wird nicht deutlich gemacht, was die Konklusion des Argumentes eigentlich ist. Es ist daher in solchen Fällen unerlässlich, gegebene Argumente in eine saubere Form zu ‚übersetzen‘, bevor sie logisch untersucht werden können. Für die Zwecke der Logik ist es sinnvoll, nach einer solchen Bereinigung des Arguments einen weiteren Schritt zu gehen und das Argument zu formalisieren: Dazu werden für die konkreten Inhalte des Arguments Abkürzungen in Form von Satzbuchstaben eingeführt, mit denen dann gearbeitet wird.

2.1 Erste Schritte in die Aussagenlogik

In der Aussagenlogik werden Folgerungsbeziehungen zwischen ganzen Aussagen (oder Aussagesätzen, wenn man eine eher sprachliche Auffassung vertreten will) untersucht, wobei in der Regel die Elementaraussagen (atomare Aussagen) als Einheiten herangezogen werden. Im obigen Beispiel tauchen nur zwei solche Elementaraussagen auf, denen jetzt die Satzbuchstaben B und D zugeordnet werden:

B:Es gibt Bayerisch Creme in der Mensa.
D:Die Dozenten tanzen auf den Tischen.

Elementaraussagen

Während die Prämisse P1 eine zusammengesetzte Aussage ist, sind B und D Elementaraussagen: Sie sind nicht mehr in weitere Aussagen zu zerlegen. Die erste Prämisse ist demgegenüber komplex: Sie ist eine zusammengesetzte Aussage, in der die beiden elementaren Aussagen B und D zwar vorkommen, aber in eine Beziehung zueinander gestellt werden: „Wenn B, dann D.“ Ebenso hätte die Prämisse noch komplexer sein können: „Wenn es Bayerisch Creme in der Mensa gibt, dann tanzen die Dozenten auf den Tischen und die Köche schlagen Alarm.“ Formalisiert man die Aussage „Die Köche schlagen Alarm“ mit dem Satzbuchstaben A, dann hätte diese Aussage die Form: „Wenn B, dann D und A.“

Junktoren

Solche Beziehungen zwischen Aussagen heißen Junktoren. Üblicherweise werden in der Logik vor allem die Junktoren betrachtet, die auch in Argumenten der Alltags- und Wissenschaftssprache eine wichtige Rolle spielen:

Die Konjunktion (P und Q; PQ);

die Disjunktion oder Adjunktion (P oder Q; P Q);

das Konditional oder die (materiale) Implikation (wenn P, dann Q; PQ);

die Biimplikation (P genau dann, wenn Q; P↔Q).

Diesen Junktoren ist gemein, dass sie immer zwei Aussagen verbinden. Ein weiterer oft gebrauchter Junktor bezieht sich hingegen auf nur eine Aussage:

Die Negation (nicht P; ~ P).

Neben den hier verwendeten Symbolen finden sich oft alternative Symbole für die Junktoren, deren Bedeutung sich aber meist schnell erschließt.

Formalisiert man das Beispielargument vollständig, ergibt sich folgende Argumentstruktur:

B D

B

D

Die konkreten Inhalte der Aussagen kommen hier nicht mehr vor. Ebenso gut hätte obiges Argument statt von Vorgängen in der Mensa von Bahnstreiks oder von Mitochondrien handeln können – für die logische Bewertung des Arguments ist das unerheblich, die Formalisierung wäre dieselbe.

Extensionalität

Die oben vorgestellten Junktoren sind wahrheitsfunktional (extensional), es gilt das Extensionalitätsprinzip: Das heißt, dass sich der Wahrheitswert einer komplexen Aussage, die eine Verknüpfung von Elementaraussagen mittels dieser Junktoren ist, ausschließlich aus den Wahrheitswerten der in ihr enthaltenen Elementaraussagen, der Art ihrer Zusammensetzung und der Definition der Junktoren ergibt. Dazu wieder ein Beispiel: Die Aussage „Die Dozenten tanzen auf den Tischen oder in der Küche ist der Teufel los“ ist genau dann wahr, wenn (a) die Dozenten auf den Tischen tanzen, (b) in der Küche der Teufel los ist oder auch (c) beides der Fall ist. An diesem Beispiel wird deutlich, dass die Definition derJunktoren in der Logik nicht immer mit unseren Alltagsintuitionen übereinstimmt. Der Fall (c) scheint nicht ganz dem Alltagsgebrauch des Oder zu entsprechen; noch deutlicher wird dies bei dem Beispielsatz „Ich fahre am Wochenende in die Berge oder ans Meer“. Das Oder in der Logik ist ein einschließendes Oder, das eine Aussage auch dann als wahr ausweist, wenn beide Elementaraussagen wahr sind. Unser alltägliches Oder wird demgegenüber häufig als ausschließendes Oder (Kontravalenz) verstanden, das eine Aussage nur dann als wahr ausweist, wenn eine der Elementaraussagen wahr und die andere falsch ist, also als ‚Entweder-Oder‘. Natürlich kann man in der Logik auch mit dem ausschließenden Oder arbeiten, aber üblicherweise formalisiert man entsprechende Aussagen mit dem einschließenden Oder und gegebenenfalls der Zusatzbedingung, dass nicht beide Teilaussagen wahr sind: (A B) ~ (A B).

Wahl der Junktoren

Die Wahl der auf formaler Ebene benutzten Junktoren ist also nicht durch irgendwelche höheren Gesetzmäßigkeiten vorgegeben, sondern richtet sich (auch) nach pragmatischen Gesichtspunkten. Geht es eher um die Bequemlichkeit und Nähe zur normalen Sprache, arbeitet man gerne mit allen fünf (oder noch mehr) Junktoren. Tatsächlich benötigt man aber nicht alle diese fünf Junktoren, um alle möglichen Aussagenverknüpfungen darstellen zu können, sondern kann sie definitorisch wechselseitig ineinander überführen: So lassen sich beispielsweise aus kleineren Junktorenbasen (zum Beispiel den zweielementigen Basen {~, } oder {~, →}) alle anderen Junktoren herleiten. Streng genommen reicht sogar ein einziger Junktor aus, um damit alle anderen zu definieren; dieser muss allerdings spezielle Anforderungen erfüllen. Es gibt zwei derartige ‚funktional vollständige‘ einelementige Junktorenbasen, die nur den Sheffer-Strich ‚|‘, die Exklusion bzw. ‚Nicht-Und‘, oder aber die Peirce-Funktion ‚↓‘, die Rejektion bzw. das ‚Nicht-Oder‘, als Element enthalten.

Wahrheitstabellen

Um nun alle Mehrdeutigkeiten auszuschließen, wird die Bedeutung der Junktoren über eine Definition genau festgelegt. Ist eine solche Festlegung einmal getroffen, können...

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