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E-Book

Angela Merkel. Mensch und Politikerin

AutorCaroline Krätz, Felix Neubüser, Manuel Kaufmann
VerlagScience Factory
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl272 Seiten
ISBN9783656464990
FormatePUB/PDF
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis34,99 EUR
Angela Merkel ist seit 2005 die erste deutsche Bundeskanzlerin, ein Ende ist vorläufig nicht abzusehen. Doch wer steht da eigentlich alle vier Jahre zur Wahl? Diese Frage stellt sich jeder Bürger vor dem Gang zur Wahlurne. Das vorliegende Buch beleuchtet die bisherige Amtszeit Angela Merkels und die Wahl 2005 . Dabei werden sowohl ihre Reden als auch ihr Kleidungsstil einer Analyse unterzogen, um ein Bild der Person und der Politikerin zu zeichnen. Aus dem Inhalt: Geschichte der Fernsehdebatten, TV-Duell Schröder/Merkel 2005, Theorien der Emotionspsychologie, die großen Regierungserklärungen von Merkel und Kiesinger im Vergleich, Kleidung als Medium und seine Kommunikative Bedeutung.

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Leseprobe

Zusammenfassung:


Diese Diplomarbeit untersucht die Bedeutung und Beschaffenheit von emotionalen Argumenten zum Zwecke der Selbstdarstellung. Anhand des Beispiels des TV-Duells 2005 zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und Herausforderin Angela Merkel wurde sich folgenden Fragen genähert:

Welche emotionalen Argumente werden von den Duellanten Schröder und Merkel verwendet und wie werden diese Argumente konkret ausgestaltet?

Welche selbstdarstellerischen und nonverbalen Mittel treten bei der Ausgestaltung von zwölf emotionshaltigen Szenen auf?

Drei Theorien wurden in dieser Arbeit zur Auswahl von emotionshaltigen Stellen im TV-Duell vorgestellt sowie auf das Material bezogen. Es handelt sich dabei um die vier Argumente Ad (vgl. Walton, 1992), das Argument der Emotionsbenennung (vgl. Fiehler, 1990) und das Argument mit positiver Valenz (vgl. Johnson et al., 2004).

Qualitativ inhaltsanalytisch wurden in einem nächsten Schritt zwei Kategorien-systeme auf die ausgewählten Szenen angewendet: das Kategoriensystem der Selbstdarstellung nach Schütz (1992) und ein für die Zwecke dieser Arbeit verkürztes System zum mimischen Ausdrucksverhalten auf Grundlage der Arbeiten von Ekman (2004).

Die qualitative Inhaltsanalyse zeigte, wie die beiden Kandidaten Emotionen unterschiedlich nutzten: Schröder grenzte sich durch seine emotionalen Argumente häufig vom direkten Gegner ab, argumentierte mit Werten und Moral und betonte seine Bürgernähe. Merkel differenzierte und deutete um, stellte ihr Programm, ihrer Ziele und ihre Meinung dar und betonte ebenfalls ihre Bürgernähe.

Beide Kandidaten zeigten den Gesichtsausdruck von Angst und unechtem Lächeln, was dazu führte, dass inkongruente Nachrichten auf verbalem und nonverbalem Kanal gesendet wurden.

Merkel zeigte ein sehr intensives Mienenspiel, das häufig von heruntergezogenen Mundwinkeln begleitet war, so dass ihr nonverbales Verhalten in vielen Fällen dem Inhalt ihrer Worte widersprach.

Schröders relativ wenig bewegtes Gesicht lenkte die Aufmerksamkeit auf seine sparsam eingesetzte Mimik und verringerte das Risiko, Nachrichten zu senden, die mit dem verbalen Kanal inkongruent sind. Mit seinem häufig kämpferischen Ausdruck entsprach sein nonverbales Verhalten eher den Erwartungen an eine Führungspersönlichkeit, als Merkels Verhalten, welches sie eher unsicher wirken ließ.

Abstract


This thesis examines the role of emotion in argument. The chancellor’s debate, televised in Germany in 2005, was reviewed with reference to the following questions:

Which emotional arguments were used during the debate and how were they construed?

How were self-expression and non-verbal ploys used within a sequence of twelve emotive scenes?

Based on relevant literature, three theories were used to select emotive scenes. These were the four Argumentum Ad (see Walton, 1992), the denomination of emotion (see Fiehler, 1990) and the argument with positive valence (see Johnson et al., 2004). Two systems of qualitative content analysis were applied to selected scenes: the category system of self-expression (see Schütz, 1992) and a new category system for the detection of facial displays. The latter was constructed for the purposes of this thesis, following Ekman (2004).

Qualitative content analysis revealed how the two candidates made different uses of emotion. Schröder often dissociated himself from the direct opponent, instead basing his arguments on values and morals, and emphasized his closeness to the citizens. Merkel differentiated and reinterpreted arguments, describing her program, goals and opinions, but also underlined her connection to the people.

Both candidates made use of facial expressions, such as fear and insincere smiles, whose effect was to send incongruent messages on verbal and nonverbal channels.

In particular, Merkel demonstrated an intense display of expressions. These, often accompanied by a downturned mouth, belied the meaning of her words.

Schröder’s relatively calm face drew attention to his sparingly-used facial expressions and reduced the risk of sending mixed messages. With his frequently fierce countenance, Schröder’s nonverbal behaviour met the public’s expectations of a leadership personality, whereas Merkel’s nonverbal behaviour made her look insecure.

Einleitung und Überblick


Das Format des TV-Duells ist in der deutschen Politik ein noch junges Phänomen, das bezüglich des hohen Interesses in der Bevölkerung nur von Sportereignissen und dramatischen tagesaktuellen Nachrichten übertroffen wird. Mit einem TV-Duell erreichen die Kandidaten mehr Bürger als mit jedem anderen Auftritt des Wahlkampfes und besitzen damit kurz vor dem Urnengang ein wichtiges PR-Instrument, um sich dem Zuschauer als kompetent und sympathisch zu präsentieren.

Das Medium des Fernsehens begünstigt dabei eine emotionalisierende Selbstdarstellung, die besonders die Zuschauer erreicht, die sich sonst weniger für Politik interessieren. Wie es den Politikern[1] allerdings gelingt, die Zuschauer emotional anzusprechen und für sich zu gewinnen, über die Beschaffenheit der emotionalen Argumentation in der Politik, die Wirkungsprozesse, die durch TV-Duelle ausgelöst werden, über die Kommunikation von Emotionen im Massenmedium Fernsehen und über das Verhältnis von Sprache und Emotion gibt es erstaunlich wenig Forschung (vgl. Maurer & Reinemann, 2003; Nuyts, 1990; Huth, 1978).

Mit dem Format der Presidential Debates, wie die TV-Duelle in den USA genannt werden, hat sich bisher vorrangig die Politologie und die Publizistik beschäftigt. Psychologische Fragestellungen wurden dabei nur am Rande behandelt.

In der vorliegenden Arbeit wird das TV-Duell 2005 im Hinblick auf die verwendeten emotionalen Argumentationsformen von Frau Merkel und Herrn Schröder untersucht.

Kapitel 2 dieser Arbeit beschäftigt sich mit der Geschichte der Fernsehdebatten und, damit einhergehend, den Voraussetzungen, die zur Einführung von TV-Duellen in Deutschland führten.

Im dritten Kapitel wird die bisherige Forschungslage zum Einfluss von TV Debatten erörtert. Dabei wird näher darauf eingegangen, ob und unter welchen Umständen ein TV-Duell wahlentscheidend sein kann sowie welche Ansätze bzgl. der Erforschung emotionaler Inhalte bereits verfolgt wurden. Die vorliegende Arbeit wird zudem in den Kontext der Emotionspsychologie eingeordnet.

Kaptiel 4 differenziert die Fragestellung, auf die sich konzentriert wird. Im Mittelpunkt stehen zwei Forschungsfragen, erstens, wie emotionale Argumente von den Duellanten Frau Merkel und Herrn Schröder angewendet werden und zweitens, welche selbstdarstellerischen und nonverbalen Merkmale damit einhergehen.

Da die Datenmenge keine Totalanalyse zulässt, wird die Fragestellung explorativ angegangen.

Die Methode der Wahl, die qualitative Inhaltsanalyse, wird diesbezüglich erläutert.

In Kapitel 5 werden theoriegeleitet und anhand zahlreicher Beispiele sechs Argumentationsmuster (begründet auf drei Theorien) vorgestellt, die eine Identifizierung und erste inhaltliche Einordnung von emotionshaltigen Argumenten erlauben: Das Argumentum Ad Populum (Meinung des Volkes betonen), Argumentum Ad Misericordiam (Mitgefühl zeigen), Argumentum Ad Baculum (negative Konsequenzen darstellen), Argumentum Ad Hominem (Gegner kritisieren) (vgl. Walton, 1992), die Emotionsbenennung (Gefühle ansprechen) (vgl. Fiehler, 1990) und das Argument mit positiver Valenz (positive Sachverhalte darstellen) (vgl. Johnson et al., 2004). Pro Kanzlerkandidat und pro Argumentationsform wird eine Szene ausgewählt, so dass für die folgende Analyse insgesamt zwölf Szenen zur Verfügung stehen.

Ausgehend davon, dass hochrangige Politiker, insbesondere Kanzlerkandidaten über eine hohe Medienwirksamkeit und Fähigkeit zur Selbstdarstellung verfügen müssen, da diese in einer Zeit der Mediatisierung und Personalisierung zu Selektionskriterien für den Aufstieg in politische Spitzenpositionen geworden sind, wird in Kapitel 6.1 das Selbstdarstellungsverhalten von Schröder und Merkel anhand des Kategoriensystems nach Schütz (1992) analysiert, welches selbstdarstellerisches Verhalten in die drei Oberkategorien offensive, defensive und assertive Selbstdarstellung einordnet. 30 Unterkategorien ermöglichen eine differenziertere Betrachtungsweise.

Kapitel 6.2 widmet sich der Kommunikation von Emotionen durch die Körpersprache. Theorien des nonverbalen Verhaltens stellen die herausragende Bedeutung einer angemessenen Körpersprache als Informationsquelle für den Zuschauer heraus. In der Analyse wird sich auf die Mimik konzentriert, da der Gesichtsausdruck den wichtigsten nonverbalen Reiz zur Kommunikation von Emotionen darstellt. Basierend auf der Forschung von Ekman (2004) wird ein Kodierungssystem zur Identifikation der sieben Primäraffekte (Trauer, Zorn, Angst, Überraschung, Ekel, Verachtung und Freude) für die Zwecke der vorliegenden Arbeit zusammengestellt. Exemplarisch wird pro Szene ein Gesichtsausdruck im Hinblick auf die emotionale Wirkung untersucht.

Kapitel 7 stellt die Implikationen der vorliegenden Arbeit für Politiker, Zuschauer sowie für die weitere Forschung heraus und gibt einen Ausblick auf mögliche zukünftige Fragestellungen auf diesem Gebiet.

Geschichte der Fernsehdebatten


Die Präsidentschaftsdebatten in den USA


Ein TV-Duell oder eine Fernsehdebatte ist ein Zusammentreffen der Spitzenkandidaten des Wahlkampfs. Es wird live im...

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