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E-Book

Anleitung zur Artgerechten Menschenhaltung im Unternehmen

Wo Potenziale sich entfalten dürfen, macht Arbeit richtig Spaß

AutorProf. Dr. Wolfgang Berger
VerlagJ. Kamphausen
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl120 Seiten
ISBN9783899016864
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis9,99 EUR
Der renommierte Wirtschaftsautor, Philosoph und Ökonom Wolfgang Berger begleitet Unternehmen seit über 15 Jahren bei einer inneren Neuausrichtung. Seine Methode hat z.B. eine Hightechfi rma von der Existenzbedrohung zur Marktführerschaft geführt, einem Handwerksbetrieb die Umsatzrentabilität verfünffacht und anderen Mittelständlern Umsatz und Belegschaft vervielfacht.

Prof. Dr. Wolfgang Berger ist Ökonom, Philosoph und Buchautor. Er arbeitete in Europa, Amerika und Asien als Manager in verschiedenen leitenden Positionen und Industriezweigen und war Professor für Betriebswirtschaftslehre in Deutschland und den USA. Er hält weltweit Vorträge, schreibt Fachartikel und Bücher und ist wissenschaftlicher Beirat von 'ohm - Die Resonanzschmiede für Unternehmen GmbH'.

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Leseprobe

GENIALITÄT IM UNTERNEHMEN ENTFACHEN


Im Jahre 1870 bildet die Londoner Manege-Schule erstmals Zirkusdirektoren aus. Die Abschlussqualifikation für die erfolgreichen Absolventen ist eine Berufsbezeichnung, die hundert Jahre später auch woanders in Mode kommt: Manager. Der Begriff leitet sich vom lateinischen „manum agere“ ab: jemanden an der Hand führen.

Im Zirkus hat es angefangen. Kennen Sie das? Zirkustiere werden an der Leine geführt, mit Tricks und Gewalt dressiert und zu Kunststücken gezwungen, die sie von sich aus nie machten. So wie Zirkustiere gegen ihre Natur auf ein nicht artgerechtes Verhalten gedrillt werden, werden in den Unternehmen viele Menschen gegen ihre Natur auf ein nicht artgerechtes Verhalten gedrillt.

Das aber ist gegen die Gesetze der Schöpfung, des Seins, des Lebens. In letzter Konsequenz führt es zu keinem guten Ende. Ein Manager hat in der Regel Personalverantwortung. Es gibt also Mitarbeiter, die in der Hierarchie unter ihm stehen. Er ist für diese Mitarbeiter oben, kann also „Obrigkeit“ spielen.

„Obrigkeit“ nannten sich früher die Wächter oben im Turm über der Mauer am Eingang zur Stadt. Seit dem Altertum trieben sie für den Herrscher, die Kirche oder den Grundeigentümer den „Zehnten“ ein, eine Steuer in Form von Ernteerträgen, Vieh oder Geld. Daraus leitet sich die Hierarchie ab. „Hierarchia“ ist im Altgriechischen die göttliche Ordnung und auch der Herr der Geheimnisse.

Das obrigkeitsstaatliche Erbe reicht bis in die politischen Systeme unserer Demokratien. Dort wird Selbstbestimmung zum Beispiel durch Volksentscheide oft als Störung empfunden. Daraus folgt die große Frustration über Politik. Wenn Sie bei konkreten und spezifischen Belangen mitentscheiden können, werden Sie sich Ihrer Mitverantwortung überhaupt erst bewusst. Wenn Mitverantwortung in Resignation ertränkt ist, verkommt Demokratie zu einem leeren Ritual.

Reicht das obrigkeitsstaatliche Erbe auch bis in die Strukturen des Unternehmens, in dem Sie arbeiten? Werden Ideen von denen, die in der Hierarchie unten stehen, auch bei Ihnen – so wie in vielen anderen Unternehmen – als Störung empfunden? Daraus folgt die Kälte des Berufslebens. Wenn Sie in den Bereichen, in denen Sie kompetent sind, mitreden und mitentscheiden können, werden Sie wahrscheinlich vor Eigeninitiative, Ideen, Lösungen nur so sprühen. Wenn Mitwirkung aber unter vielen Lagen von Hierarchie begraben liegt, verkommt Führung zum Einpeitschen und Antreiben.

Dieses Buch ist die Sauerstoffmaske für alle Arbeitnehmer und für ihre Chefs. So wichtig artgerechte Tierhaltung ist – artgerechte Menschenhaltung ist wichtiger. Wenn Sie sich für die Tiere einsetzen, aber wegen Burn-out zusammenbrechen bzw. vor Kummer, Stress oder Mobbing einen Herzinfarkt bekommen, können Sie den Tieren nicht mehr helfen. Deshalb sorgen Sie bitte zuerst dafür, dass es Ihnen gut geht. Nur wenn Sie das geschafft haben, können Sie etwas für andere Geschöpfe tun. Dieses Buch steht Ihnen bei diesem wichtigen ersten Schritt zur Seite.

Bei allem, was wichtig ist, gibt es eine richtige Reihenfolge. Wenn Sie im Flugzeug fliegen, zeigt Ihnen die Stewardess, was Sie tun müssen, falls der Luftdruck in der Kabine abnimmt. Sauerstoffmasken, die Sie über Mund und Nase stülpen sollen, fallen dann von der Decke. Danach können Sie normal weiteratmen. Diejenigen, die ein Kind neben sich haben, ermahnt die Stewardess: Ziehen Sie die Maske zuerst sich selbst über den Kopf, damit es Ihnen gut geht, und kümmern Sie sich erst danach um Ihr Kind. Nur wenn Sie noch Sauerstoff haben, können Sie Ihrem Kind helfen.

Unabhängig davon, ob Sie Arbeitnehmer sind oder ob Sie an der Spitze einer Abteilung, eines Bereichs oder einer ganzen Firma, Behörde oder Organisation stehen: es lohnt sich. Ihr Unternehmen kann Ihnen nur dann einen sicheren und gut bezahlten Arbeitsplatz mit den „artgerechten Zutaten“ Freude, Würde und Sinn bieten, wenn seine Existenz gesichert ist und es ihm wirtschaftlich gut geht.

Was ist das überhaupt: artgerecht? Wir können es übersetzen mit „der Natur des betreffenden Lebewesens entsprechend“. Die Natur – oder auch die „Schöpfung“ – gibt jedem Lebewesen vor, wie es reagiert. Diese Reaktionen sind überall so programmiert, dass sie dem Leben und seiner Fortpflanzung dienen – das Überleben und die damit verbundenen Erfahrungen ermöglichen. Damit erfüllen sie den Sinn der Schöpfung. Die Mechanismen sind oft sehr einfach:

Monty Roberts berichtet in seinem Buch „Der mit den Pferden spricht“, wie Pferde auf einfache Gesten reagieren: Er macht sich groß und die Schultern breit, zeigt die offenen Hände und blickt dem Pferd in die Augen. Das sind Raubtiergesten. Das Pferd flüchtet, senkt den Kopf, leckt und kaut, was so viel heißt wie: „Ich bin Pflanzenfresser, ich tu dir nichts, tu du mir auch nichts.“ Er wendet die Augen ab, zieht die Schultern zusammen und schließt die Hände. Das Pferd nähert sich ihm.

Auch die Fortpflanzung des Lebens funktioniert artspezifisch. Biologen nennen das Paarungsverhalten und haben etwas festgestellt, was kaum verwundert: Das Paarungsverhalten ist artspezifisch verschieden. Bei vielen Tieren besteht es aus drei oder vier präzise definierten Stufen. Wenn die abgehakt sind, klickt es – und der Arterhaltung ist ein Dienst erwiesen. Bei uns Menschen funktioniert das ähnlich. Allerdings geschieht das nicht in drei oder vier Stufen. Die Anthropologin Margaret Mead (1901–1978) fand heraus, dass es bei allen Rassen und Völkern dreißig ebenfalls präzise definierte Stufen bis zum Klick gibt, dessen Folgen bekannt sind.

Die erste dieser dreißig Stufen ist immer und überall ein Lächeln. Die Juristen bezeichnen so etwas als notwendige, nicht aber hinreichende Bedingung: Wer nicht lächelt, kommt nie zur Stufe zwei. Natürlich ist nicht jedes Lächeln die erste Sprosse der 30-stufigen Leiter. Zum Glück gibt es viele andere gute Gründe zu lächeln. Auch die letzte Stufe ist – immer und überall – Klick. Ohne diese biologische Vorgabe wären wir nicht hier.

Die unheilvolle Konfusion entsteht dazwischen: Dreißig Stufen sind für Menschen artspezifisch. Auch die erste und die letzte Stufe sind bei allen Menschen gleich. Die Reihenfolge der Stufen zwischen Anfang und Ende aber ist bei Menschen nicht artspezifisch, sondern kulturspezifisch. Auf beiden Seiten des Atlantiks, auf beiden Seiten des Mittelmeers, des Indischen Ozeans und des Pazifischen Ozeans gelten hierbei andere Regeln. Das macht interkulturelle Flirts kompliziert, aber keineswegs reizlos.

Alle Religionen sehen im Menschen die Krone der Schöpfung. Es liegt nahe, dass es deshalb bei uns nicht so einfach sein kann wie bei den Tieren. Wir reagieren selten mechanisch, sondern folgen unseren eigenen Überzeugungen. Der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831) warnt uns davor, unsere Überzeugungen auf die Autorität anderer zu gründen – etwa wissenschaftlichen Erkenntnissen, die wir nicht selbst geprüft haben. Er ermahnt uns, „nur der eigenen Überzeugung zu folgen, oder besser noch, alles selbst zu produzieren und nur die eigene Tat für das Wahre zu halten.“

„Treue ist vor allem Treue zu sich selbst“, sagt der Pilot und Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry (1900–1944) dazu. Und der Philosoph Immanuel Kant (1724–1804) nimmt diejenigen in die Pflicht, die sich hinter Sachzwängen verstecken: „Handle so, dass du die Menschheit […] niemals bloß als Mittel brauchst.“ (Wir können auch „missbrauchst“ sagen.) Von „selbst verschuldeter Unmündigkeit“ spricht Kant in Bezug auf Menschen, die nicht die Entschlusskraft und den Mut haben, ihre Vernunft einzusetzen, und stattdessen lieber auf andere hören.

Kant und Hegel schauen mir beim Schreiben wohl manchmal über die Schulter und schmunzeln. Sie konnten sich vor mehr als zweihundert Jahren nicht vorstellen, mit welch großartigen technischen Möglichkeiten wir heute arbeiten. Trotzdem folgen die meisten Menschen dabei nicht ihren eigenen, sondern fremden Überzeugungen und haben nicht die Kraft, aus ihrem Hamsterrad auszubrechen. Das war früher das Los der Sklaven.

Viele engagierte Leute setzen sich für artgerechte Tierhaltung ein, nicht nur im Zirkus – auch bei Nutztieren, die oft ein grauenvolles Leben führen. Die Qualen, die sie erleiden und die Angst, die ihr Dasein prägt, essen wir mit, wenn wir sie verspeisen. Wir essen Fleisch, das mit Verzweiflung und schrecklichen Schmerzen imprägniert ist. Und dann wundern wir uns, wenn auch wir uns nicht mehr freuen können oder unsere Sorgen uns nicht gut schlafen lassen. Wir haben das schließlich alles in uns hineingefuttert.

Artgerechte Tierhaltung ist ein großes Anliegen. Über artgerechte Menschenhaltung wird wenig nachgedacht. Viele Mitarbeiter leiden darunter, dass sie nicht wirklich wissen, was von ihnen...

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