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Arcandors Absturz

Wie man einen Milliardenkonzern ruiniert: Madeleine Schickedanz, Thomas Middelhoff, Sal. Oppenheim und KarstadtQuelle

AutorHagen Seidel
VerlagCampus Verlag
Erscheinungsjahr2010
Seitenanzahl305 Seiten
ISBN9783593415734
FormatPDF/ePUB
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis20,99 EUR
Der Untergang von Arcandor mit seinen Marken Karstadt und Quelle ist eine der größten Pleiten der deutschen Nachkriegsgeschichte. 100 000 Mitarbeiter blickten in den Abgrund, Tausende Gläubiger verloren ihr Geld. In leer geräumten Karstadt- Häusern heißt es heute 'bonjour tristesse' statt 'Schöner shoppen in der Stadt'. Die Mehrheitsaktionärin Madeleine Schickedanz verlor ein Milliardenvermögen. Der einstige Starmanager und Sonnyboy Thomas Middelhoff ruinierte seinen Ruf. Die traditionsreiche Privatbank Sal. Oppenheim verstrickte sich in die Arcandor- Pleite und ging unter. Hagen Seidel erzählt diese Geschichte voller Spannung und Dramatik. Er gibt tiefe Einblicke in die Verflechtungen deutscher Unternehmen und Banken und zeigt, wie Manager im großen Stil versagten und ein bedeutender Konzern rücksichtslos und zum Schaden der Beschäftigten, ja einer ganzen Volkswirtschaft, geplündert wurde.

Hagen Seidel, Jahrgang 1964, ist Wirtschaftsjournalist und Historiker. Er lebt in Düsseldorf und leitet das dortige Korrespondentenbüro der Welt-Gruppe. In einer Branchenumfrage eines Fachmagazins wurde Hagen Seidel 2007 in die Gruppe der vier wichtigsten Wirtschaftsjournalisten Deutschlands gewählt. Über kein Unternehmen hat er so viel geschrieben wie über KarstadtQuelle und Arcandor.

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Leseprobe
Das Jahr 2009 (S. 195-196)

Februar 2009

Umbruchzeiten: Thomas Middelhoff zieht in Düsseldorf bei seiner letzten Pressekonferenz als Konzernchef eine positive Bilanz: »Wir haben das Unternehmen gerettet und ihm wieder eine Perspektive gegeben.« Insbesondere die Übernahme von Thomas Cook, die Schuldenreduzierung und den Erhalt des Großteils der Arbeitsplätze sieht Middelhoff auf der »Habenseite« seiner Amtszeit. Dass der Konzernverlust zwischen Oktober und Dezember 2008 abermals um 20 Millionen auf 58 Millionen Euro gestiegen ist, wird nur am Rande erwähnt. Und von seinem bisher angekündigten Vorsteuergewinn von 1,1 Milliarden Euro ist nicht mehr die Rede.

»Die vergangenen Jahre waren wirklich spannend«, sagt er zurückblickend. »Ich war nicht immer der gleichen Meinung wie Sie«, wendet er sich direkt an die Journalisten, »aber das ist eben so.« Er zeigt sich zufrieden mit dem, was er bei Arcandor erreicht hat. Die Abschlussbilanz, die Karl-Gerhard Eick für die Telekom vorlegt, ist sehr viel besser als die von Middelhoff: Eick kann eine Verdopplung des Gewinns verkünden. Ohne Urlaub zwischen den beiden Jobs zieht der neue Mann ins Essener Büro, das Vorgänger Middelhoff gerade frei gemacht hat. Eick geht zu diesem Zeitpunkt wohl noch davon aus, dass er es in Essen mit einem starken Großaktionär Sal. Oppenheim zu tun haben wird.

März 2009


Karl-Gerhard Eick ist noch nicht einmal drei Wochen im Amt, als er auf der Hauptversammlung in der Düsseldorfer Stadthalle vor die Aktionäre tritt; der vierte Konzernchef seit 2004. Der Schwabe kommt sehr viel sachlicher daher als sein Vorgänger Middelhoff, verspricht weniger, redet mehr über die bevorstehende Arbeit, von den »gewaltigen Baustellen « im Unternehmen. Die Aktionäre empfangen ihn freundlich zurückhaltend, aber ohne Euphorie. Kein Wunder nach ihren bisherigen Erfahrungen. Der Finanzmann am Rednerpult schaut vor allem auf das Geld. Und er sagt deutlich, was ihm bisher aufgefallen ist:

»Die Relation von EBITDA-Ergebnis und Konzernverschuldung halte ich für bedenklich. Die Finanzierung ist heute zudem sehr kurzfristig und eng angelegt«, stellt Eick fest mit Blick auf die Kredite in Höhe von 900 Millionen Euro, die bereits im Juni verlängert werden müssen. Vermutlich weiss er, dass sein neues Unternehmen an diesem Punkt am verwundbarsten ist und dass die Kreditbeschaffung zunächst seine wichtigste Aufgabe werden wird. »Das ist eine große Herausforderung, aber keine mission impossible«, glaubt Eick. Zur Frage, ob Arcandor mit den drei bisherigen Säulen weiterbestehen wird oder ob eine Aufspaltung angedacht ist, äußert er sich ausweichend: »Eine Aufspaltung hat nicht meine Priorität.« Sollte eine Änderung der Struktur jedoch »Sinn machen, dann werden wir das auch machen«. Mit dieser Aussage ist alles möglich.
Inhaltsverzeichnis
Inhalt8
Vorwort10
Ein Dienstag im Juni 200915
Jahrzehnte im Aufwind: Arcandors Ahnen18
Das Jahr 200330
Das Jahr 200438
Schlaglicht:?Die Ära Wolfgang Urban – auf der Suche nach dem Konzept42
Schlaglicht:?Die Karstadt-Immobilien und der Anlageberater Josef Esch53
Schlaglicht:?Krise von unten: drei Karstadt-Verkäuferinnen berichten74
Das Jahr 200590
Das Jahr 2006105
Schlaglicht:?Aktion Tafelsilber107
Das Jahr 2007121
Das Jahr 2008131
Schlaglicht:?Sal. Oppenheim – und Jos. Esch146
Schlaglicht:?Thomas Middelhoff – der bewegte Mensch160
Schlaglicht:?Thomas Middelhoff – der bewegende Manager165
Das Jahr 2009196
Schlaglicht:?Madeleine Schickedanz – ein Opfer mit Verantwortung225
Schlaglicht:?Karl-Gerhard Eick – der 15-Millionen-Euro-Mann239
Das Jahr 2010258
Schlaglicht:?Klaus Hubert Görg – der Resteverwalter261
Ausblick285
Die Lehren aus dem Debakel291
Quellen295
Dank296
Register297

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