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E-Book

Architektur

psychologisch betrachtet

VerlagHogrefe AG
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl334 Seiten
ISBN9783456946122
FormatPDF/ePUB
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis26,99 EUR

Architektur - Baukunst und Gebrauchsarchitektur - ist in jedem Fall eine psychologische Betrachtung wert. Wie wirkt Architektur? Warum wird ein Bauwerk als schön oder als hässlich empfunden? Warum wirkt die eine Wohnung anheimelnd, die andere kalt und ungemütlich? Wissenschaftlich fundiert fasst die Autorin die Forschungsbefunde zu den verschiedenen Umwelten wie Büros, Schulen, Bibliotheken, Museen, Krankenhäusern, Gärten und Cafeterias zusammen. Weiterhin wird die gebaute Umwelt aus der Sicht von Kindern und Älteren sowie von pflegebedürftigen Menschen analysiert. Aus den Erkenntnissen werden Empfehlungen für die Umweltgestaltung abgeleitet. Das Buch leistet damit einen wichtigen Beitrag zur optimalen baulichen Gestaltung der verschiedenen Lebensbereiche. Anschaulich und verständlich geschrieben, mit zahlreichen Bildern und Fotos illustriert, ist es eine spannende Lektüre für jeden Leser. Ähnlich wie der Musikunterricht zur Steigerung der Hörfähigkeit beiträgt, geht es der Architekturpsychologie darum, den Menschen sehfähiger für seine Umwelt zu machen.

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Kapitelübersicht
  1. Inhalt und Vorwort
  2. 1. Grundlagen und Grundfragen der Architekturpsychologie
  3. 2. Gebaute Umwelt aus unterschiedlichen Blickwinkeln
  4. 3. Theorien und Methoden
  5. 4. Mensch-Umwelt-Beziehungen und psychologische Prozesse
  6. 5. Gestaltung spezifischer Umwelten
  7. 6. Zielgruppenorientierte Gestaltung
  8. Literaturverzeichnis
  9. Sachwortverzeichnis, Autorin und Autoren
Leseprobe

2. Gebaute Umwelt aus unterschiedlichen Blickwinkeln (S. 25-27)

Umwelten umgeben den Menschen. Sie unterscheiden sich von Objekten und Dingen, die wahrgenommen werden können, ohne dabei die eigene Position zu verändern. Der Mensch, der die Umwelt nur von einem Punkt aus sieht, bekommt ein höchst «einseitiges» Bild. Einen Gesamteindruck kann er nur durch wechselnde Standorte gewinnen (Ittelson, 1976). Umweltwahrnehmung und Mobilität sind auf diese Weise untrennbar miteinander verbunden.

Standorte können sich jedoch auch noch in anderer als allein räumlicher Hinsicht unterscheiden. Sie ergeben sich durch individuell unterschiedliche Einstellungen, Bedürfnisse und Erkenntnisinteressen. Nicht nur Architekten und Psychologen, sondern auch Historiker, Bauherrn, Besucher, Jugendliche, ältere Menschen, Eltern und Nicht-Eltern sehen gebaute Umwelten aus unterschiedlichem Blickwinkel. Ein und dasselbe Bürogebäude wird zum Beispiel von den Büroangestellten, die sich dort alltäglich einfinden müssen, und den gelegentlichen Besuchern unterschiedlich wahrgenommen und bewertet (Marans &, Spreckelmeyer, 1982). Verschiedene Positionen bilden sich durch eine unterschiedliche berufliche Sozialisation, durch divergierende Einstellungen und Verwertungsinteressen und durch differierende Lebenslagen heraus. Sie kommen auch durch unterschiedliche Beziehungen zur gebauten Umwelt zustande, indem diese als Kunstwerk, als Gebrauchsgegenstand, als Kommunikationsmittel, als Ware oder Erinnerungsstütze gesehen werden können. Architekten sehen ein Gebäude eher unter dem Aspekt des Kunstwerks, Nutzer in erster Linie als etwas, das man in Gebrauch nimmt, Investoren möchten Gewinn aus einem Bauprojekt ziehen, Historiker und Denkmalsschützer möchten das Gebaute als Ausdruck einer bestimmten Zeitepoche und damit als Kulturgut erhalten und sichern. Auch hier zeigt sich wieder, dass gebaute Umwelt mehr ist als nur ein physischer Raum, nämlich auch Bedeutungsträger. Damit hängt zusammen, dass Kriterien wie Funktionalität, Ästhetik, Erleichterung sozialer Beziehungen, Vermeidung sozialer Konflikte, Verwirklichung ökologischer Prinzipien, niedrige Kosten usw. je nach Blickwinkel einen unterschiedlichen Stellenwert haben. Ein Beispiel für vollkommen unterschiedliche Einschätzungen sind zwei Beschreibungen ein und desselben Wohnbauprojekts am Rottweiler Platz in Frankfurt am Main (vgl. Abb. 2-1). Im einen Fall war der Blickwinkel das Bauwerk, im anderen Fall dessen Ingebrauchnahme durch die Bewohner.

In der Architekturzeitschrift «Bauwelt» wurde unter der Überschrift «Drang zum Hafen, Wille zur Kunst - Sozialer Wohnungsbau am Rottweiler Platz im Frankfurter Westhafen» über ein ästhetisch anspruchsvolles, ambitioniertes Projekt mit 104 Wohnungen, Gemeinschaftseinrichtungen und Mietergärten im öffentlich geförderten Wohnungsbau berichtet (Joas, 1991). Zum gleichen Zeitpunkt erschien in einer Tageszeitung eine Reportage über den Rottweiler Platz mit der Überschrift «Schrott und Spiele auf dem ungeliebten Acker - Gewaltpotenzial an jungen Bäumen ausgelassen»5. Die Diskrepanz zwischen den beiden Darstellungen könnte kaum größer sein. Unterschiedliche Ansichten ergeben sich auch dann, wenn individuellen und gesellschaftlichen Interessen unterschiedliches Gewicht beigemessen wird. So betonen die einen, dass Siedlungen und Bauwerke ein ansprechendes Gesamtbild aufweisen sollten, die anderen heben hervor, dass individuelle Bauformen die städtebauliche Vielfalt und damit auch das Anregungspotenzial erhöhen. Die Frage, wie viel Individualität möglich ist und wie viel Konformität sein sollte, ist indessen nicht nur eine Frage des Blickwinkels einzelner Personen oder Gruppen. Gerade auch Gesellschaften unterscheiden sich darin, wie viel Individualität sie zulassen und wie viel Konformität sie fordern (Altman &, Chemers, 1980). Ein gemeinsamer Nenner ist bei konträren Positionen nicht zu erwarten. Das Ergebnis ist meistens ein Kompromiss.

2.1 Baukunst und Gebrauchsarchitektur

Auf eine gebrauchsfähige Baukunst hatte schon der römische Kaiser Hadrian Wert gelegt, als er in seiner Villa in Tivoli bei Rom die bekanntesten Architekten seiner Zeit versammelte. Sie sollten darstellen, wie man Städte verschönern und die Welt bewohnbar machen kann. Ihm ging es um Schönheit und Nützlichkeit genauso wie Baron Voght im 18. Jahrhundert, der vor dem Eingang seines Landhauses im Westen Hamburgs einen Teich anlegen ließ, um sich an dessen Anblick zu erfreuen. Zugleich sollte der Teich aber auch von Nutzen sein, indem er als Viehtränke und Waschplatz für die Kutschen diente. Schönheit und Nützlichkeit müssen sich also nicht ausschließen - im Gegenteil: Ein Werk ist gelungen, wenn es schön und nützlich ist.

Inhaltsverzeichnis
Inhalt5
Vorwort7
1. Grundlagen und Grundfragen der Architekturpsychologie13
1.1 Entwicklung der Architekturpsychologie13
1.2 Positionen von Architektur und Psychologie22
2. Gebaute Umwelt aus unterschiedlichen Blickwinkeln25
2.1 Baukunst und Gebrauchsarchitektur27
2.2 Architekten und Auftraggeber33
2.3 Individualität und Einheitlichkeit35
2.4 Gebaute Umwelten für Frauen und Männer42
2.5 Architektur und Baukultur45
2.6 Natur in der gebauten Umwelt49
2.7 Architektur in der Literatur und Malerei53
3. Theorien und Methoden55
3.1 Theorien, Modelle und Weltsichten55
3.2 Forschungsmethoden66
3.3 Ansatzpunkte architekturpsychologischer Forschung81
4. Mensch-Umwelt-Beziehungen und psychologische Prozesse85
4.1 Räumliche Orientierung85
4.2 Umweltwahrnehmung99
4.3 Emotionale Reaktionen und ästhetischer Eindruck107
4.4 Räumliches Verhalten und Territorialität123
4.5 Privatheit132
4.6 Umweltkontrolle und Umweltaneignung136
4.7 Orts-Bindung und Orts-Identität140
4.8 Stress143
5. Gestaltung spezifischer Umwelten157
5.1 Büroumwelten158
5.2 Lernumwelten178
5.3 Freizeitumwelten203
5.4 Umwelten zur Wiederherstellung der Gesundheit223
6. Zielgruppenorientierte Gestaltung239
6.1 Umwelten für Kinder239
6.2 Umwelten für behinderte Menschen255
6.3 Umwelten für Menschen im Alter279
Literaturverzeichnis301
Sachwortverzeichnis327
Autorin und Autoren334

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