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Astronomie in Kindergarten, Hort und Grundschule

AutorPeter Schreiber
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2010
Seitenanzahl58 Seiten
ISBN9783640603053
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis16,99 EUR
Fachbuch aus dem Jahr 2010 im Fachbereich Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung, , Sprache: Deutsch, Abstract: Astronomie in Kindergarten, Hort und Grundschule. Ein Leitfaden für die praktische Arbeit mit Kindern. Astronomie muss kein 'dunkles' Hobby sein, das nur spätnachts stattfindet. In diesem Buch lernen Sie, einfache astronomische Beobachtungen erfolgreich mit Kindern durchzuführen.

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Leseprobe

Kapitel 1. Warum überhaupt Astronomie in Kindergarten, im Hort und in der Grundschule?

 

„Die Welt begann mit dem (…) Urknall. Es kann natürlich kein Knall gewesen sein, ohne eine Atmosphäre, die die Schallwellen leitet und ohne Ohren. Es war etwas anderes, dass sich in der absoluten Stille vollzog. Es war das Große Licht.“

 

Lewis Thomas, Late night thoughts on listening to Mahler`s Ninth Symphony, 1983

 

Vor 13, 7 Milliarden Jahren begann etwas Unglaubliches. Etwas Großes, noch nie dagewesenes. Etwas, dass so geheimnisvoll ist, dass unsere größten Wissenschaftler, unsere ausgefeilteste Technik und selbst der genialste menschliche Verstand an eine Mauer stoßen.

 

Es war Startschuss von Raum und Zeit, von all dem, was ist. Es war auch die Geburtsstunde unserer Welt, unserer Geschichte, jeden Lebens, von Ihnen und von mir. Niemand von uns wäre heute hier und würde genau das tun, was wir gerade tun, hätte es nicht diesen einen Moment vor Milliarden Jahren gegeben.

 

In den kurzen Momenten nach dem Urknall wurde der Grundstein für alles gelegt was ist, was war und was werden wird. Vorher war nichts, und danach alles. Aus einem absoluten Nichts wurde nicht nur eine, sondern Milliarden von Welten geschaffen, wurden Sonnensysteme, Nebel, aber auch Atome, Quarks und das, was die wissenschaftlicher „negative Materie“ nennen, in die Existenz „geworfen“. Ich sage geworfen, weil die explosionsartige Ausbreitung von Masse, Energie und Material etwas schwungvolles hat, etwas bewegtes, dynamisches.

 

Ich habe Eingangs geschrieben, dieser Vorgang wäre noch nie dagewesen. Sicher wissen aber können wir das natürlich nicht.

 

Der Physiker Marcus Chown beschreibt in seinem Buch „Das Universum und das ewige Leben“ die Möglichkeit, dass es vor diesem Urknall unendlich viele andere gegeben haben könnte. Da die Zeit erst (unmittelbar) nach dem Urknall begonnen hat, so wie auch sämtliche Naturgesetze erst danach zu wirken begannen, ist es unmöglich zu sagen, was davor war. Wer kann wissen, was vor der Zeit gewesen ist? So ist es natürlich möglich, dass der Urknall viele Male vorkam, dass viele, ja unzählige, Universen entstanden, Welten sich bildeten, es sogar Leben gab. Wir werden es nie erfahren.

 

Puh, ganz schön kompliziert, oder? 

 

Sicher ist: Dieses Universum ist real. Die Argumente, die für einen Urknall sprechen, sind beinahe unwiderlegbar. Wenn Sie es nicht glauben, schalten Sie einfach Ihren Fernseher ein. Suchen Sie einen Kanal, der frei ist und auf dem es „schneit“, auf dem also schwarze und weiße Punkte herum wimmeln. Ein Prozent von diesem Gewimmel sind Überreste der Strahlung, die beim Urknall entstand.

 

Seitdem ist alles in Bewegung, das Universum bereitet sich offensichtlich aus. Erkennbar ist dies unter anderem daran, dass sich andere Galaxien (z.B. die Andromedagalaxie) von uns wegbewegen. Ebenfalls wird diese Tatsache durch die Rotverschiebung dokumentiert. Diese zeigt, vereinfacht gesagt, dass das Licht (Spektrum) eines Sternes sich immer weiter ins rötliche verschiebt, je weiter er von der Erde entfernt liegt und dabei proportional zur Entfernung ist. Daher gilt: Je weiter eine Galaxie von uns entfernt ist, desto schneller bewegt sich sich von unserer Galaxie weg. Wir wissen also; alles ist in Bewegung, weg von dem Punkt, an dem alles begann und seinen Anfang nahm.

 

Man kann dies vereinfacht mit dem Ballonmodel erklären. Malen Sie auf einen unaufgeblasenen Ballon ein paar Sterne, Sternenhaufen,  Galaxien. Nun blasen Sie den Ballon langsam auf; die vorher zusammenstehenden Punkte werden sich voneinander entfernen, die Abstände dazwischen werden größer. Dasselbe passiert ebenfalls im Universum.

 

Und was passiert dann? Es gibt verschiedene Erklärungsmodelle die sich mit der (sehr fernen) Zukunft beschäftigen. In einem wird sich die Expansion des Universums kontinuierlich verlangsamen (wegen der Anziehung, die die einzelnen Galaxien aufeinander auswirken) und wird sich dann wieder zusammenziehen.

 

Ein anderes erläutert die Möglichkeit, dass die Expansion unendlich weitergeht. Wie bei so vielen Dingen gilt hier auch: Sicher wissen wir es nicht.

 

Sehr viel über die zusammenhänge im Universum bleibt uns noch verschlossen, und so verwundert es nicht, wenn Erwachsene wie Kinder mit staunenden Augen in den nächtlichen Himmel blicken, zu den hunderttausend Sonnen, die ihr Licht zu uns auf die Reise schicken. Bedenkt man, dass dieses Licht in vielen  Fällen losgeschickt wurde, als auf der Erde noch die Dinosaurier lebten (schon das Licht braucht für die Strecke Sonne – Erde über acht Minuten) wird klarer, mit was für riesigen Dimensionen wir es zu tun haben. Wir sind sehr allein und isoliert im Universum auf einer kleinen Insel des Lebens. Und wir wissen viel zu wenig.

 

Manch einer mag sich fragen, ob dieses Thema überhaupt lohnend ist, um sich damit in der pädagogischen Arbeit auseinanderzusetzen. Immerhin ist (in der Regel) die Einrichtung schon naturwissenschaftlich engagiert. Oftmals gibt es Forscherwerkstätten, Experimentierplätze, Sachkundeunterricht und großzügige Außenbereiche, die das Kind zur Auseinandersetzung mit seiner Umwelt einladen.

 

Es gibt Experimentierangebote, Forschungsexkursionen zum Beispiel ins Museum oder den Zoo und Waldtage.

Reicht das nicht?

 

Im Rahmen der  PISA Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wird naturwissenschaftliche Grundbildung (Scientific Literacy) wie

 

folgt definiert:

 

„Naturwissenschaftliche Grundbildung (Scientific Literacy) ist die Fähigkeit,

 

naturwissenschaftliches Wissen anzuwenden, naturwissenschaftliche Fragen zu erkennen

 

und aus Belegen Schlussfolgerungen zu ziehen, um Entscheidungen zu verstehen und zu

 

treffen, welche die natürliche Welt und die durch menschliches Handeln an ihr vorgenommenen Veränderungen betreffen.“

 

Da schon die einfachsten astronomischen Zusammenhänge unmittelbar die Erfahrungswelt der Kinder berühren, dürfen wir dieses Thema nicht ignorieren.

 

Wenn Kinder zum Beispiel fragen, warum es Ebbe und Flut gibt, wodurch die Jahreszeiten entstehen, warum es Tag und Nacht gibt, so sind dies elementare Fragen, die unbedingt unsere Aufmerksamkeit verdienen.

 

Eine einfache Antwort ist oftmals auch eine falsche Antwort  und so sind diese Fragen oft nicht mit wenigen Sätzen zu beantworten. Ich werde im folgenden aufzeigen, dass Astronomie im Kindergarten, Hort und Grundschule ein elementares Thema ist, das viele andere Sachgebiete berührt. So werden wir uns ebenfalls mit Geologie, Meteorologie, Ökologie und weiteren wissenschaftlichen Themenbereichen befassen.

 

Wichtig dabei ist, dass dem Kind die Möglichkeit gegeben wird,  mit allen Sinnen Erfahrungen zu sammeln. Eine Wissensvermittlung, die sich ausschließlich oder überwiegend darauf beschränkt, über Themen, zu referieren wird, im wesentlichen erfolglos bleiben. Deswegen soll das eigene Tun der Kinder im Vordergrund stehen, sie sollen experimentieren, hinterfragen, herausfinden, erproben und aktiv sein.

 

Die Beschäftigung mit der Umwelt im Sinne einer  ganzheitlichen Auseinandersetzung sollte also im Mittelpunkt stehen.

 

Folgende Aspekte erscheinen mir dabei als besonders wichtig:

 

 

Aus diesen drei Grundsätzen entwickelt sich die Projektform, mit der die Astronomie in Kindergarten, Hort und in der Grundschule sicher am kontinuierlichsten zu vermitteln ist. Es macht wenig Sinn, Kindern vereinzelte Erlebnisse zu bieten, da gerade astronomische Zusammenhänge oftmals in einem größeren Kontext stehen, also zum Beispiel der wandernde Mond nur als „wandernd“ wahrgenommen werden kann, wenn man ihn über mehrere Tage oder gar Wochen beobachtet und den jeweiligen Wissensstand dokumentiert.

 

Wie Sie im Verlaufe dieses Buches sehen werden, berührt die Astronomie viele angrenzende Themengebiete, wie zum Beispiel das regionale Wetter und die wechselnden Jahreszeiten, also Dinge, die sich direkt an die kindliche Erfahrungswelt anschließen, mit ihr vernetzt sind. Deswegen ist Astronomie auch  mehr als nur „Sterne gucken“. Die aktive und kreative Auseinandersetzung mit der Umwelt, mit geographischen Gegebenheiten, mit Technik und unterschiedlichsten Materialien zum Beispiel für die Dokumentation schließt sich an.

 

Aus der Pisa-Studie wissen wir ebenfalls, dass drei Bereiche besonders betroffen sind, wenn es darum geht, naturwissenschaftliche Zusammenhänge begreifbar zu machen:

 

Das Verständnis der Besonderheiten naturwissenschaftlicher Untersuchungen

 

umfasst die Fähigkeit, Fragestellungen zu erkennen, die naturwissenschaftlich untersucht werden können, und das Wissen über die Anforderungen an solche Untersuchungen. Weitere Aspekte betreffen das identifizieren von Daten, die benötigt werden, um eine Behauptung oder Erklärung zu überprüfen.

 

...
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