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E-Book

Ausdrucksmalen für Menschen mit Demenz

AutorRenate Sulser
VerlagHogrefe AG
Erscheinungsjahr2010
Seitenanzahl86 Seiten
ISBN9783456948324
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis23,99 EUR
«In meinem Kopf rutscht alles weg, sag, wohin ging es nur?» Ja, wohin ging es nur? Dieser Frage setzt die Maltherapeutin Renate Sulser eine Neuorientierung in einem nichtkognitiven Medium entgegen. Mit dem von ihr entwickelten sinnes- und körperorientierten Ausdrucksmalen schafft sie einen Ort, an dem sich Menschen, die an einer dementiellen Erkrankung leiden, noch lange und mit viel Freude ihren tiefen Bedürfnissen, Erinnerungen und Anliegen widmen dürfen. Dieses Buch zeigt mit eindrücklichen Beispielen, wie mit Hilfe von Ausdrucksmalen der bei Demenz drohenden Inaktivität und Gefühlsverarmung entgegengewirkt werden kann - nicht im Sinne einer Mal-«Therapie», sondern einer alltagsbegleitenden Arbeit. Es eignet sich daher nicht nur für Mal- und KunsttherapeutInnen, sondern besonders auch für professionelle Pflegende und alle, die für einige Zeit den Lebenspfad demenzkranker Menschen begleiten. Für ihre maltherapeutische Arbeit mit demenzkranken Menschen wurde Renate Sulser 2002 der schweizerische Alzheimerpreis für bemerkenswerte Leistungen verliehen.

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Kapitelübersicht
  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Vorwort
  3. Dank
  4. Teil 1 Einführung
  5. Teil 2 Bilder mit kurzen Einleitungen
  6. Abschließende Bemerkungen
  7. Über die Autorin: Ausbildung und Lebenslauf
  8. Literaturhinweise
  9. Anzeigen
Leseprobe
"Teil 2 Bilder mit kurzen Einleitungen (S. 33-34)

Umgang mit Ausdrucksbildern

Sie sind eingeladen, die nachfolgenden Bilder und Geschichten mit einer besonders respektvollen und vor urteils losen Haltung zu genießen. Es ist nicht mein Anliegen, die Bildspuren desorientierter und betagter Menschen nach psycho logischen Erkenntnissen zu analysieren oder sie mit Bildern von «Nichtverwirrten » zu vergleichen. Vielmehr zeigen sie, dass mit Freude und Hingabe gemalt wird, auch wenn die Demenzerkrankung weiter fortschreitet. Menschen mit demenziellen Veränderungen werden trotz ihrer Vergesslichkeit nie mehr zu kleinen Kindern. Das heißt, ihre gemalten Spuren sind nicht zu vergleichen mit kindlichem Malen.

Menschen mit einer Demenz finden krankheitsbedingt wieder zurück zu den ursprünglichen Formen und Figuren, da ihr «Körperwissen» noch lange erhalten bleibt: Kognitive Einschnitte zwingen sie, ihre Sinne und körpergespeichertes Wissen wieder vermehrt als «Orientierungshilfe» zu aktivieren. Ganz wichtig scheint mir darauf hinzuweisen, dass die Aussagen der Malenden zu ihren Bildspuren auf keinen Fall als erklärende «Titel» angesehen werden dürfen. Sie sind vielmehr, so wie auch ihre gemalten Spuren, spontane Äußerungen, welche einzig die aufsteigenden Gefühle der Malenden betreffen.

Sie geben keine Einsicht in ihr aktuelles Leben, da sie, wie schon beschrieben, fließend in verschiedenen Wirklichkeiten leben. Ihre häufig poetischen Aussagen dürfen uns wohl freuen und berühren, aber nicht täuschen: entstehen sie doch eher aus kognitiven Einschränkungen heraus als aus der gewählten Freiheit. Oftmals kommunizieren die Malenden mit ihrem Bild, oder sie möchten das soeben Erlebte mitteilen. Ihnen eine aufmerksame und anteilnehmende Begleiterin zu sein genügt. In der betreuerischen Arbeit mit demenzkranken Menschen spielt deren persönliche Biographie eine große Rolle.

Es wird damit versucht, ihnen aufgrund des Erlebten einen Identitätsbezug zu ermöglichen. In der Arbeit im Malatelier sehe ich die Biographiearbeit als nicht so prägend an. Da ihre Bilder aus dem Reich des kollektiven Unbewussten stammen, stehen sie nicht immer in direktem Bezug zum tatsächlichen Leben. Die Erzählungen einer hochbetagten Frau zeugen davon: Immer wieder begegnete sie beim Malen einem kleinen Jungen. «Paul» nannte sie ihn, ohne zu zögern. Klein und schutzbedürftig blickte er sie an. Zärtlich begrüßte und liebkoste sie ihn mit Worten.

Diese Frau war kinderlos, dennoch trug sie ein uraltes, vom Körper gespeichertes Wissen vom «Muttersein» in sich. Als «Paul» in ihren Bildern erschien, erkannte sie ihn als ihr geistiges «Seelenkind», von dem sie bewegt sagte: «Also ich weiß nicht – aber – er ist ganz mein.» Ich kann die Malenden vorurteilsloser begleiten, wenn ihre Biographien nicht im Vordergrund stehen. So wird meine Wahrnehmung nicht von Daten, Geschehnissen und Krankheitsgeschichten belastet. Alle malen sie aus Neugier, aus dem Bedürfnis heraus, sich nützlich zu fühlen, aus Lust am Tun."
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis6
Vorwort8
Dank10
Teil 1 Einführung12
Dokumentation über einen geriatrischen Betreuungsbereich14
Geschichte des Ausdrucksmalens15
Einrichtung des Malateliers, Malmaterial17
Malen im Atelierraum19
Malgruppen mit jüngeren und hochbetagten Menschen mit Demenz24
Bedeutung der Stadien der Demenz im begleitenden Malen24
Verwirrt sein bedeutet Einschränkung und Freiheit zugleich28
«Bäume weinen lautlos, wenn man sie entwurzelt»29
Teil 2 Bilder mit kurzen Einleitungen32
Umgang mit Ausdrucksbildern34
Das Kunstvolle36
Das Intuitive48
Das Vergessene51
Das Wahnhafte56
Das Lied vom Blau59
Das Geschriebene66
Das Mystische74
Das Abschiednehmen79
Abschließende Bemerkungen82
Über die Autorin: Ausbildung und Lebenslauf83
Literaturhinweise84
Anzeigen86

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