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Ausländische MitbürgerInnen (in München) zwischen Selbstorganisation und Fremdunterstützung: Sozialwissenschaftliche und sozialethische Überlegungen zur ... Münchner sozialwissenschaftliche Beiträge

AutorMartina Susanne Ortner
VerlagHerbert Utz Verlag
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl346 Seiten
ISBN9783831607808
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis47,99 EUR

Angesichts der Debatten um Zuwanderung und Integration, kommt der Kooperation von zivilgesellschaftlichen Akteuren eine zunehmend wichtige Rolle zu. Am Beispiel Münchens beschreibt die Autorin dieses Engagement von AusländerInnen und ihren HelferInnen.

Grundlage hierfür sind Gespräche mit VertreterInnen von AusländerInnenvereinen, Wohlfahrtsverbänden und Initiativen. Die Beobachtungen werden mit Theorien über Zivilgesellschaft, Sozialkapital, transnationale soziale Räume und kulturellen Pluralismus diskutiert sowie ausgehend vom Begriff der Solidarität reflektiert. Die Überlegungen münden in Regeln für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit. Vorausgesetzt wird dabei eine Haltung, die dem Anderen gegenüber Interesse zeigt und ihn verstehen will.

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Leseprobe

5. Sozialethische Kriterien und (praktische) Schlussfolgerungen (S. 289-290)

Das Ergebnis der sozialphilosophischen Überlegungen , führt zur Frage, welche Merkmale für zivilgesellschaftliche Solidarität im Bereich der Selbstorganisation und der Fremdunterstützung herausgefiltert werden können und welche Schlussfolgerungen daraus zu ziehen sind. Ausgangsüberlegung der Untersuchung war die Frage, wie sich zivilgesellschaftliche Solidarität im beschriebenen Rahmen zeigt, mit dem Ziel, einen Beitrag zur Organisation von Hilfe in diesem Bereich zu leisten und Anregungen für die Praxis zu geben. Dabei ist zu berücksichtigen, wie die Zuständigkeiten verteilt sind, also welche Muster menschlicher Ordnungen sichtbar werden und was gegebenenfalls verändert werden kann, um die Wirksamkeit zu erhöhen. Dies ist Gegenstand der Sozialethik.

Gegenstand der Sozialethik sind die menschlichen Institutionen, insofern sie durch die Freiheit der Menschen gestaltet werden können und damit auch ihrer gemeinsamen Verantwortung unterliegen. (Kerber 1998: 14)

5.1. Zivilgesellschaftliche Solidarität als individuelle und institutionelle Hilfe
Eine Person möchte für sich und gemeinsam mit anderen etwas tun, z. B. ein soziales Problem lösen. Das war der beobachtete Ausgangspunkt für die Selbstorganisation (Abb. 2.4) und reichte von dem Wunsch nach Zusammensein bis hin zur Organisation von konkreten Hilfsmaßnahmen. Die Person organisiert für sich und mit anderen, die sich dem Thema anschließen, Selbsthilfe. Dies ist ein individuelles Interesse zu handeln, weil die Person ihre eigene Lebenssituation verändern möchte.

Durch die Entscheidung, gemeinsam mit anderen zu handeln und solche Lösungsmöglichkeiten zu finden, die auch anderen Betroffenen helfen, oder die Situation so zu verändern, dass es die Grundlage für das Problem nicht mehr gibt, zeigt das Interesse für andere. Der AusländerInnenverein ist eine Institutionalisierung von Selbsthilfe. Die Gründung von Fremdunterstützung, wie sie sich bei den untersuchten Einrichtungen findet, ist dagegen die Institutionalisierung der Hilfe zur Selbsthilfe. In beiden Bereichen finden sich als Rechtsform der eingetragene Verein, in den meisten Fällen mit Gemeinnützigkeit.

Vereinzelt organisiert sich die Fremdhilfe in gemeinnützigen Gesellschaften mit beschränkter Haftung (gGmbH) (Seite 29). Die Entstehungsform „beim nichtwirtschaftlichen Verein" ist das „Normativprinzip (Eintragung in das Vereinsregister bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen, die das Registergericht prüft)" (Baumann 81989: 129). Damit sind solche Vereine juristische Personen. Ein Merkmal zivilgesellschaftlicher Solidarität ist daher, dass in dem Feld sowohl natürliche als auch juristische Personen aktiv sind.

5.1.1. Kriterien

Vereine zeichnen sich dadurch aus, dass sich diese Form vom Zusammenschluss der Mitglieder in der Hinsicht unabhängig macht, dass natürliche Personen ein- und austreten können, womit die juristische Person „vom Wechsel der Mitglieder unabhängig" ist (Baumann 81989: 130). Vereine haben damit eine stabile Struktur. Die Folge ist, dass nicht bei jedem Problem der Einzelne ganz neu überlegen muss, wie es gelöst werden kann, sondern dass es in vielen Fällen bereits Organisationen gibt, die sich mit der Thematik auseinander setzen und Hilfe anbieten.

Der Begriff soziale Institution (Knotenpunkt des Netzes) bezeichnet feste, d.h. gesellschaftlich organisierte Regelungen zur Lösung allgemeiner (häufig auftretender) Probleme. Solche Regelungen sind repetitiv (sie wiederholen sich immer wieder), man kann sie antizipieren (sie werden in der Regel befolgt), ihre Einhaltung wird „erzwungen" (soziale Sanktionen), und sie werden gelernt und internalisiert (...). Insofern sind institutionelle Regelungen die konkreteste Form dessen, was die Gestalt einer Gesellschaft stabilisiert. (Müller 1997: 131)

Inhaltsverzeichnis
Dank4
Inhaltsverzeichnis5
Abbildungsverzeichnis8
Tabellenverzeichnis9
Abkürzungen10
Lesehinweise10
Einleitung12
1. Situationsbeschreibung17
1.1. Ausgewählte Daten zu München17
1.2. Beispiele zur Wirtschafts- und Migrationsgeschichte der Stadt20
1.3. Zur Bevölkerungsentwicklung24
1.4. AusländerInnenvereine in München – ein Überblick29
1.5. Rechtliche Grundlagen zum Vereinswesen35
1.6. Zum Engagement im Bereich der Fremdunterstützung40
2. Empirischer Befund44
2.1. Vorüberlegungen44
2.2. Methodisches Vorgehen46
2.2.1. ExpertInneninterview46
2.2.2. Leitfragengestütztes Interview49
2.2.3. Art und Weise der Auswertung52
2.3. Auswertung56
2.3.1. Erster Schritt: Deutungsentwurf57
2.3.1.1. Selbstorganisation58
2.3.1.2. Fremdunterstützung61
2.3.1.3. Spannungsfelder und Schnittstellen62
2.3.2. Zweiter Schritt: Inhaltsanalyse63
2.3.2.1. Selbstorganisation63
2.3.2.3. Ergebnisse122
2.3.3. Dritter Schritt: Sinnstruktur/Lebenswelt126
2.3.3.1. Selbstorganisation126
2.3.3.2. Fremdunterstützung135
2.3.3.3. Spannungsfelder und Schnittstellen143
2.3.3.4. Religionsgemeinschaften148
2.3.4. Ergebnisse152
3. Sozialwissenschaftliche Überlegungen154
3.1. Zivilgesellschaft als Ort der Solidarität154
3.1.1. Selbstorganisation155
3.1.2. Fremdunterstützung159
3.1.3. Anmerkungen zu Religionsgemeinschaften163
3.1.4. Spannungsfelder und Schnittstellen164
3.2. Sozialkapital als Basis für Solidarität168
3.2.1. Selbstorganisation169
3.2.2. Fremdunterstützung176
3.2.3. Anmerkungen zu Religionsgemeinschaften180
3.2.4. Spannungsfelder und Schnittstellen185
3.3. Transnationale soziale Räume als Beispiel für grenzüberschreitende Solidarität188
3.3.1. Selbstorganisation189
3.3.2. Fremdunterstützung198
3.3.3. Anmerkungen zu Religionsgemeinschaften201
3.3.4. Spannungsfelder und Schnittstellen201
3.4. Pluralismus als Beispiel für sich abgrenzende Solidarität204
3.4.1. Selbstorganisation206
3.4.2. Fremdunterstützung214
3.4.3. Anmerkungen zu Religionsgemeinschaften217
3.4.4. Spannungsfelder und Schnittstellen219
3.5. Zusammenfassung222
4. Sozialphilosophische Überlegungen228
4.1. Voraussetzung für Solidarität229
4.1.1. Selbstorganisation233
4.1.2. Fremdunterstützung236
4.1.3. Anmerkungen zu Religionsgemeinschaften238
4.1.4. Spannungsfelder und Schnittstellen242
4.2. Ziele solidarischen Handelns247
4.2.1. Ziele verbinden248
4.2.1.1. Selbstorganisation250
4.2.1.2. Fremdunterstützung252
4.2.1.3. Anmerkungen zu Religionsgemeinschaften253
4.2.1.4. Spannungsfelder und Schnittstellen254
4.2.2. Ziele berücksichtigen Eigenes und Fremdes258
4.2.2.1. Selbstorganisation259
4.2.2.2. Fremdunterstützung262
4.2.2.3. Anmerkungen zu Religionsgemeinschaften264
4.2.2.4. Spannungsfelder und Schnittstellen265
4.2.3. Ziele trennen267
4.2.3.1. Selbstorganisation269
4.2.3.2. Fremdunterstützung272
4.2.3.3. Anmerkungen zu Religionsgemeinschaften274
4.2.3.4. Spannungsfelder und Schnittstellen275
4.3. Maßnahmen der Solidarität277
4.3.1. Selbstorganisation282
4.3.2. Fremdunterstützung286
4.3.3. Anmerkungen zu Religionsgemeinschaften289
4.3.4. Spannungsfelder und Schnittstellen290
4.4. Ergebnis293
5. Sozialethische Kriterien und (praktische) Schlussfolgerungen300
5.1. Zivilgesellschaftliche Solidarität als individuelle und institutionelle Hilfe300
5.1.1. Kriterien301
5.1.2. Schlussfolgerungen304
5.1.3. Konkrete Handlungsvorschläge306
5.2. Zivilgesellschaftliche Solidarität als Hilfe zu Partizipation309
5.2.1. Kriterien310
5.2.2. Schlussfolgerungen311
5.2.3. Konkrete Handlungsvorschläge315
5.3. Zivilgesellschaftliche Solidarität als partnerschaftliche und subsidiäre Hilfe317
5.3.1. Kriterien318
5.3.2. Schlussfolgerungen320
5.3.3. Konkrete Handlungsvorschläge323
5.4. Schlussbemerkung: Zehn Grundregeln für die Praxis zivilgesellschaftlicher Solidarität der Selbstorganisation und der Fremdunterstützung324
Literaturverzeichnis328

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