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Auswirkungen der Globalisierung auf die afrikanische Wirtschaftsentwicklung am Beispiel Senegals

AutorSileymane Sokome
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl126 Seiten
ISBN9783656529910
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis31,99 EUR
Diplomarbeit aus dem Jahr 2010 im Fachbereich BWL - Wirtschaftspolitik, Note: 2,0, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Sprache: Deutsch, Abstract: Die dieser Arbeit zugrunde liegende Problemstellung umfasst die Frage nach den Auswirkungen der Globalisierung auf Afrika am Beispiel Senegals. Seit einigen Jahren sind die internationalen Beziehungen stark durch Prozesse der Globalisierung geprägt. Dieses Phänomen hat weitreichende Folgen für die Entwicklungsländer. Die Auswirkungen der Globalisierung sind in allen Bereichen der Ökonomie und Technologie, sowie an politischen Veränderungen sichtbar. Durch diese Prozesse verschärft sich auch die Polarisierung zwischen Armen und Reichen. Die wirtschaftliche Entwicklung in der Welt und die wachsende internationale Arbeitsteilung setzen einen verbesserten Ordnungsrahmen für Unternehmen und Staaten voraus. Die möglichen positiven Auswirkungen der Globalisierung sind enorm. Eine davon ist sicherlich die Zusammenführung von Menschen in aller Welt, die zu dem Eindruck führt, dass wir in einem globalen Dorf leben. Die globale Marktwirtschaft verfügt nachweislich über eine große produktive Kapazität. Richtig gelenkt kann sie einen beispiellosen materiellen Fortschritt bewirken, produktivere und bessere Arbeitsplätze für die Mehrheit der Menschen schaffen und einen wichtigen Beitrag zur Verringerung der Armut in der Welt leisten. In diesem Sinne bietet Globalisierung für Schwellenländer1 sowie für die unterentwickelte Nationen vielfältige Möglichkeiten zur Steigerung des Lebensstandards. Diese Chancen können vor allem dann genutzt werden, wenn ähnliche strukturelle Bedingungen zwischen den Ländern vorhanden sind. Dann trägt Globalisierung zur besseren Entwicklung bei. Doch faktisch verfügen nicht alle über die gleichen Ausgangsbedingungen. Gerade in den Entwicklungsländern bzw. in 'Afrika südlich der Sahara' besteht die Meinung, dass vor allem die Industrieländer von der Globalisierung profitieren. Besonders beachtenswert ist im Zuge der Globalisierung auch die Integration von Schwellenländern wie China, Malaysia und Brasilien. Diese Integration lässt vermuten, dass die überwiegende Mehrheit der Weltbevölkerung demnächst befähigt sein wird, an der Verteilung der Gewinne aus der Globalisierung teilzunehmen. Vor diesem Hintergrund muss genauer analysiert werden, inwieweit sich die Globalisierung auf Teile Afrikas südlich der Sahara bzw. auf Senegal auswirkt.

Sileymane Sokome ist in Senegal geboren. Er studierte Politik und Wirtschaft an der Johann Goethe Universität Frankfurt am Main und Rechtswissenschaft am Europa Institut der Universität des Saarlandes sowie französisches Recht an der Universität Lyon in Frankreich. Er lebt und arbeitet in Berlin.

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Leseprobe

2. Die Auswirkungen der Globalisierung auf Afrika südlich der Sahara


 

2.1. Globalisierung als Chance für Afrika?


 

Hunger, Krankheit und Konflikte sind oft die Schlagworte, die man gemeinhin mit Afrika verbindet. Trotzdem besitzt Afrika auch die Chance, die Globalisierung zu nutzen. Die Attraktivität des Kontinentes aufgrund seiner Rohstoffe erscheint zunehmend in einem neuen Licht. Das asiatische Engagement bringt Afrika vor allem wieder als Investitionsstandort in den Vordergrund. Indien, Malaysia, Singapur und China engagieren sich heute stark auf dem afrikanischen Kontinent, wenn auch zurzeit noch die europäischen und amerikanischen Unternehmen bei den ausländischen Direktinvestitionen dominieren.

 

Die Rahmenbedingungen Afrikas haben sich dahingehend verändert, dass die entsprechenden Regionen attraktiver für Investitionsvorhaben geworden sind. In Angola beispielsweise herrscht nun seit dem Waffenstillstand von 2002 Frieden und politische Stabilität. Tansania ist ein weiteres Beispiel für ein Land, welches vielfältige positive Veränderungen vollzogen und im Laufe der letzte zehn Jahre einen beeindruckenden wirtschaftlichen und politischen Fortschritt gemacht hat.

 

Die gesamtwirtschaftlichen Bedingungen Afrikas haben sich weiter verbessert und viele Länder haben umfangreiche Wirtschaftsreformen durchgeführt, die zur Verbesserung des Investitionsklimas beigetragen haben (zum Beispiel Senegal und Mali). Ein anderer Grund sind auch die seit einigen Jahren ansteigenden Rohstoffpreise.

 

Aufgrund all dieser Faktoren haben ausländische Investitionen in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum in Afrika erlebt. Die gesamten ausländischen Direktinvestitionen (ADI) nach Afrika stiegen zwischen 2004 und 2006 um 25 % auf 39 Mrd. US-$.[26] Damit erhöht sich der Anteil Afrikas an den weltweiten ADI von durchschnittlichen 1,6 % in den 90er Jahren auf 3,1 %.[27] Neben den ansteigenden ADI sind es vor allem die rasch anwachsenden Handelsströme zwischen Afrika und den Ländern Asiens, welche die wirtschaftliche Bedeutung Afrikas wachsen lassen. Der Anteil Asiens an den afrikanischen Exporten stieg von 9 % im Jahr 1990 auf 27 % im Jahr 2005. Bei den afrikanischen Importen aus Asien stieg der Anteil im gleichen Zeitraum von 23 % auf 33 %.[28] Dabei spielt China die größte Rolle. Das Land ist im Laufe der letzen Jahre zu einem der bedeutendsten wirtschaftlichen und politischen Akteure in Afrika geworden. China sieht in den afrikanischen Staaten mögliche Verbündete in der Taiwan-Frage.[29] Im Gegensatz zur Freigabe der Investitionen im Rohstoffbereich werden über Waffenlieferung aus China etwa nach Nigeria, Sudan oder Simbabwe Verträge abgeschlossen.[30]

 

An die Kreditvergabe durch die chinesische Export-Import Bank ist die Bedingung geknüpft, dass der Schuldner chinesische Firmen als Auftragnehmer heranzieht, die wiederum chinesische Arbeitskräfte ins jeweilige Ausland schicken. Zudem müssen häufig 50 % der Ausrüstung, Materialien, Technologie oder Dienstleistungen aus China kommen. Daher sollten die positiven Effekte chinesischer Kredite für Arbeitsplätze und Anschaffungen in den einzelnen Ländern nicht überbewertet werden.[31] Dennoch hat der wachsende Strom der chinesischen Direktinvestitionen nicht nur einen nachhaltigen Wachstumsanstieg, sondern auch eine wirkliche Integration der afrikanischen Ökonomien in die Globalisierung bewirken können.[32] Im Jahr 2006 erreichte zum Beispiel das Handelsvolumen zwischen China und Afrika 55,5 Mrd. US-$[33] (siehe Abbildung 3), verglichen mit dem Jahr 2005, in dem es bei 42 Mrd. US-$ lag. Das Land ist nach den Vereinigten Staaten und Frankreich zum drittgrößten Handelspartner Afrikas aufgestiegen und hat dabei Großbritannien hinter sich gelassen.[34]

 

Im selben Jahr investierten rund 700 größere chinesische Firmen mehr als 370 Mio. US-$.[35] Neben den Investitionen aus den Ölstaaten und Südafrika sind besonders chinesische ADI in Subsahara-Afrika signifikant angestiegen. Der Großteil des chinesischen Kapitals fließt in die Ölförderung und den Bergbau. Allerdings wird mit zunehmender Tendenz in Branchen jenseits der Rohstoffsektoren investiert. Die Länder Angola, Südafrika, Sudan, Äquatorialguinea und die Republik Kongo vereinen 80 % aller chinesischen Importe in Afrika in sich (siehe Abbildung 2).[36] Die Abbildung 2 gibt einen Überblick darüber, aus welchen afrikanischen Ländern China verschiedene, wichtige Rohstoffe bezieht. Daraus können ungefähre Rückschlüsse gezogen werden, wie sehr die jeweiligen Länder von der steigenden chinesischen Nachfrage nach einem Rohstoff profitieren könnten.

 

Abbildung 2: Chinas Einfuhren aus verschiedenen afrikanischen Ländern im Jahr 2005 in %

 

 

Quelle: IWF Direction of Trade Statistiken.

 

Demnächst dürften die Direktinvestitionen chinesischer Unternehmen (seit dem China-Afrika Gipfel im November 2006) weiter stark zunehmen.[37] Die chinesische Regierung erwartet einen Anstieg der Exporte auf mindestens 100 Mrd. US-$ in 2010 (vgl. Abbildung 3).

 

Die Nachstehende Abbildung illustriert, wie der Außenhandel zwischen Afrika und China künftig an Bedeutung zunehmen wird.

 

Abbildung 3: Außenhandel zwischen China und Afrika nach ausgewählten Jahren in Mrd. US-$

 

 

Quelle: Chinesisches Außenhandelsministerium, Jeune Afrique Intelligent Hors Série N0 18, 2008, S. 104

 

Mittelfristig werden die effektiven Gewinne für die Länder Afrikas jedoch davon abhängen, ob es den Regierungen gelingt, den Rohstoffboom für nachhaltige Entwicklung zu nutzen, also mehr Arbeitsplätze zu schaffen und Armut zu mindern. Dies könnte in Form von Bildungs- und Infrastrukturinvestitionen, Armutsminderung und insbesondere institutionellen Reformen geschehen. Sollten die Länder diese Vorteile nicht nutzen, werden die Gewinne aus dem Handel mit China nur kurzlebig sein. Dies gilt besonders mit Blick auf die Risiken, die das chinesische Engagement auch birgt. Chinesische Direktinvestitionen haben auch Einfluss auf die Entlohnung der Produktionsfaktoren Afrikas. Gut ausgebildete afrikanische Fachkräfte beziehen keine Spitzengehälter, und auch Arbeiter ohne Ausbildung können nur sehr geringe Löhne erzielen, da China sein eigenes Personal mitbringt.[38] Chinesen produzieren in Afrika überwiegend mit chinesischen Arbeitskräften. Gleichzeitig unterminiert China mit seiner Vorgehensweise alle Bemühungen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, die Korruption in Afrika auszumerzen. Es perpetuiert damit politische Systeme, die als Haupthindernis für eine nachhaltige Entwicklung des Kontinents gelten.[39] Aus diesem Grund wird die rasche Expansion der chinesischen Unternehmen im Erdölsektor Afrikas von westlichen Industrieländern mit Skepsis und teilweise offener Kritik begleitet. Argumentiert wird, dass Chinas Verhalten im Gegensatz zu den Prinzipien der Extractive Industries Transparency Initiative (EITI) stehe. Diese Initiative beschäftigt sich u.a. mit Maßnahmen zur Erhöhung der Transparenz und Rationalität in der Vertragsgestaltung mit Erdölfirmen. Angola gilt als Paradebeispiel, wo Patronage und Korruption zu einem Verlust von rund 4 Mrd. US-$ Erdöleinnahmen oder 10 % des BIP geführt haben sollen.[40] Dies wird von der chinesischen Regierung allerdings nicht thematisiert, da nach dem außenpolitischen Prinzip der Nichteinmischung in interne Angelegenheiten eines Landes verfahren wird. Eine weitere schwerwiegende Kritik bezieht sich auf Chinas militärische Zusammenarbeit mit afrikanischen Entwicklungsländer, die als destabilisierender Faktor angesehen wird. Wie schon erwähnt hat China an afrikanische Entwicklungsländer mit schwelenden Konflikten Waffen geliefert (bspw. der Darfur-Krieg im Sudan).

 

Im Vergleich dazu sind die Handelsvolumen europäischer bzw. deutscher Unternehmen mit Afrika vergleichsweise gering. Die deutschen Exporte stiegen um 12,3 % auf 16,6 Mrd. Euro und übertrafen damit nur noch knapp die Importe aus Afrika, die um 24 % auf 16,4 Mrd. Euro stiegen. Ursachen für die geringen Handelsvolumen zwischen Afrika und Deutschland waren die humanitären Katastrophen und politischen Konflikte der letzten Jahre in Kongo, Sierra Leone und Sudan .[41] Dagegen erhöhte sich der Bestand der deutschen Direktinvestitionen in Afrika nach den aktuellsten Zahlen der Deutschen Bundesbank im Jahr 2005 um 15,6 % auf 5,8 Mrd. Euro. Der wichtigste Investitionsstandort war die Republik Südafrika, wobei allein 4,2 Mrd. Euro von deutschen Unternehmen angelegt wurden. Sie erzielten mit 70.000 Beschäftigen einen Umsatz von 15,6 Mrd. Euro.[42] Die größten deutschen Unternehmen kommen aus dem Automobilsektor (BMW, Daimler und Volkswagen) und Dienstleistungssektor (Deutsche Lufthansa und DHL International). Die ansteigenden Rohstoffpreise sorgten für die deutsche Zunahme bei den Direktinvestitionen, die sich...

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