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E-Book

Badmintontraining

Technik - Taktik - Kondition

AutorKlaus-Dieter Lemke, Ulrich Meseck
VerlagMeyer & Meyer
Erscheinungsjahr2011
Seitenanzahl160 Seiten
ISBN9783840308437
FormatPDF/ePUB
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis13,99 EUR
Das Buch bietet einen einfachen und verständlichen Überblick über alle wesentlichen technischen, taktischen und konditionellen Merkmale des Badmintonspiels. Zu allen Bereichen sind bewährte Übungen und Spielformen aus der Trainingspraxis mit Beschreibungen und grafischen Skizzen eingearbeitet, damit sie von Freizeit- und Vereinsspielern unkompliziert angewendet werden können. Die Darstellung der einzelnen Kapitel wird durch aktuelles Bildmaterial und Bildreihen zu technischen Merkmalen ergänzt. Enthalten ist außerdem ein Auszug aus dem aktuellen Regelwerk und ein Glossar mit den wichtigsten Fachbegriffen des Badmintonspiels.

Klaus-Dieter Lemke ist Referatsleiter Schulsport im Deutschen Badminton-Verband. Neben seinem Engagement als Trainer bis zur 2. Bundesliga war er viele Jahre in der Übungs- und Trainerausbildung sowie in der Lehraus- und Fortbildung tätig. Urich Meseck ist Sportwissenschaftler an der Universität Bremen. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Sportspielforschung und Trainingswissenschaft. Er ist Leiter der Badmintonausbildung.

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Leseprobe

1 Welche konditionellen Fähigkeiten braucht ein Badmintonspieler?


Unter dem Begriff Kondition wird eine ganze Reihe von verschiedenen konditionellen Fähigkeiten zusammengefasst. Im Einzelnen sind dies Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit.

Jede Sportart erfordert auf Grund ihrer speziellen Belastungsstruktur unterschiedliche Ausprägungen dieser konditionellen Merkmale. Sicher leuchtet es unmittelbar ein, dass ein Gewichtheber mehr Maximalkraft benötigt als ein Badmintonspieler, oder dass ein Marathonläufer andere Ausdauerfähigkeiten braucht als ein Badmintonspieler.

In Bezug auf die konditionellen Fähigkeiten ist das Badmintonspiel durch typische Lauf- und Schlagbewegungen charakterisiert, die sich im Verlauf des Spiels je nach Spielstärke unterschiedlich häufig und unterschiedlich intensiv wiederholen. Dabei variiert die Dauer einzelner Ballwechsel ebenso wie die Spiellänge. Diese ist stark vom Spielleistungsniveau abhängig ebenso wie das zeitliche Verhältnis von Belastung und dazwischenliegenden Pausen. Relativ ungeübte Badmintonspieler, die noch nicht lange Badminton spielen, werden eine tatsächliche (effektive) Spielzeit (Zeit, die der Ball im Spiel ist) von etwa 30-40 % der Gesamtspielzeit haben, da die Ballwechsel noch nicht so lang sind. Je stärker das Spielniveau steigt, umso länger werden die Ballwechsel und damit steigt der Anteil der effektiven Spielzeit auf bis zu ca. 70 % bei den Spitzenspielern. Natürlich verändert sich damit auch die jeweilige Ausprägung der konditionellen Fähigkeiten. Die typischen Beanspruchungen sind jedoch bei den Lauf- und Schlagbewegungen (Starten zur Schlagposition, Stoppen, Schlagen, erneutes Starten zur zentralen Position) immer gleich. Bei den Schlagbewegungen werden die Rumpf- und die Schlagarmmuskulatur besonders beansprucht, bei den Laufbewegungen die Bein- und Rumpfmuskulatur.

Bei Spielsportarten wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass ein einzelner Faktor nicht leistungsentscheidend ist, sondern eine ganze Fülle von konditionellen, technischen und taktischen Fähigkeiten zusammenspielt. Denn auch Technik und Taktik sind von der Kondition abhängig. Es gilt die alte englische Sportweisheit: „The fitter you are, the better you play.“ Wir wollen im folgenden Kapitel einen Überblick über die wichtigsten konditionellen Fähigkeiten für das Badmintonspiel geben, die einzelnen Fähigkeiten beschreiben und Trainingsformen vorstellen, mit denen diese Fähigkeiten trainiert werden können.

Tab. 1: Wichtige konditionelle Fähigkeiten für das Badmintonspiel

Konditionelle Fähigkeiten
AusdauerKraftSchnelligkeitBeweglichkeit

Die Trainingsformen zur Verbesserung der Kondition sind so ausgewählt, dass sie möglichst badmintonspezifisch sind, damit ein schneller, unmittelbar für die Spielverbesserung zu nutzender Effekt erzielt werden kann.

1.1 Energiebereitstellung und Ausdauerfähigkeiten für das Badmintonspiel


Tab. 2: Energiebereitstellung im Badmintonspiel

Energiebereitstellung
Anaerob-alaktazid (wenige Sekunden)Anaerob-laktazid (bis ca. 90 s)Aerob (bis ca. 90 min)

1.1.1 Kurz-, Mittel- und Langzeitausdauer


Aerobe Energiebereitstellung, bei der Sauerstoffverbrauch und Sauerstoffaufnahme ungefähr im Gleichgewicht liegen, stellt die Basis der Ausdauerfähigkeiten dar. Für Badminton sind vor allem die aerobe Kurz- (bis 10 Minuten) und Mittelzeitausdauer (10–30 Minuten), aber auch die aerobe Langzeitausdauer (über 30 Minuten) wichtig. Mit der Höhe der aeroben Ausdauer ist also insgesamt die Dauerleistungsgrenze für das Spieltempo festgelegt.

Anaerob-alaktazide Energiebereitstellung ist notwendig für kurze (wenige Sekunden), hochintensive Bewegungen mit maximaler Schnelligkeit. Bei kurzzeitigen Belastungsspitzen mit schnellkräftigen Bewegungen wird der Brennstoff der Muskelzellen (Adenosintriphosphat, ATP) direkt aus den Phosphatspeichern zur Verfügung gestellt. Die Speicher sind allerdings nach wenigen Sekunden überwiegend entleert, können jedoch im weiteren Verlauf des Spiels immer wieder aufgefüllt werden. Die Geschwindigkeit und Häufigkeit des Wiederauffüllens ist jedoch unter anderem von der Qualität der aeroben Ausdauer abhängig. Je besser die aerobe Ausdauer ausgebildet ist, umso schneller und häufiger können die Speicher aufgefüllt werden.

Tab. 3: Ausdauerfähigkeiten

Ausdauerfähigkeiten
AerobAnaerob
Kurzzeitausdauer (bis 10 min)Kurzzeitausdauer (bis 20 s)
Mittelzeitausdauer (bis 30 min)Mittelzeitausdauer (bis 60 s)
Langzeitausdauer (über 30 min)Langzeitausdauer (bis 120 s)

Anaerob-laktazide Energiebereitstellung ist notwendig bei zeitweiser Überschreitung der Dauerleistungsgrenze (vgl. aerobe Ausdauer), um z. B. bei längeren, sehr anstrengenden Ballwechseln mithalten zu können. Die Energie wird aus den Speichern der jeweiligen belasteten Muskelgruppen geschöpft.

Folge ist jedoch eine anhaltende Milchsäurebildung (Laktat), die zur Übersäuerung und Ermüdung der Muskulatur führt. Die hohe Spielbelastung kann dann nicht mehr aufrechterhalten werden, das Spieltempo muss verlangsamt werden. Im Verlauf von Spielen ist es daher wichtig, nicht zu oft und nicht zu hoch zu übersäuern, da die Erholungsphasen immer länger werden.

Wer mitten im Spiel bis an seine maximale Leistungsgrenze „geht“, wird kaum Chancen haben, dieses Spiel in der Folgezeit noch erfolgreich zu gestalten, da nicht nur die Beine nicht mehr wollen, sondern auch die Konzentrationsfähigkeit infolge der Übersäuerung stark beeinträchtigt wird. Dies gilt natürlich auch für die Belastungsdosierung im Training, die im anaerob-laktaziden Bereich erst gegen Ende einer Trainingseinheit erfolgen sollte. Ferner ist zu berücksichtigen, dass bei dieser Art von Training eine längere Regenerationszeit von bis zu zwei Tagen eingeplant werden muss.

1.1.2 Übungs- und Spielformen zum Training der Ausdauer


(1) Speedrace

Beschreibung:

Alle Übungen in diesem Bereich müssen mit maximaler Geschwindigkeit und maximalen Krafteinsätzen absolviert werden. Aus diesem Grunde dürfen die Belastungszeiten nur sehr gering sein (max. 10 s.) und die Wiederholungszahlen pro Serie sollten 6 nicht überschreiten. Bei einer Pausenlänge von 2–3 min zwischen den Serien sind 5–8 Serien je nach Trainingszustand anzuraten.

Da die geforderte höchste Intensität in der Regel mit Ball nicht zu erreichen ist, sollten diese Übungen ohne Ball auf dem Feld trainiert werden. Zwischen den einzelnen Wiederholungen liegt eine Pause von 10–15 s, die im Einzeltraining durch einen Timer oder einen CD-Player geregelt werden kann.

Alle Übungen beginnen mit größtmöglicher Konzentration in der ZP und enden auch hier.

Der Trainierende startet aus der ZP in die Position 1 und spielt dort einen parallelen Vorhand-Überkopf-Smash, läuft dann in den Netzbereich und tötet in der Position 2 mit der Vorhand, bewegt sich schnell zur T-Linie und tötet dann mit der Rückhand in der Position 3. Der Trainierende beendet die Übung schnellstmöglich in der zentralen Position.

Abb. 1: Speedrace

Ziel:

Da nach neueren Untersuchungen die durchschnittliche Belastungsdauer pro Ballwechsel etwa 6–8 s beträgt, soll mit dieser Trainingsform die Ausdauerfähigkeit im anaerobalaktaziden Bereich verbessert werden. Mittrainiert werden Aktionsschnelligkeit und Schnellkraft.

Variationen:

  • Der Trainierende spielt einen Links-vom-Kopf-Smash in der Position 1 und tötet dann in der Position 2 mit der Vorhand.

Abb. 2: Variation I

  • Der Trainierende spielt einen Vorhand-Überkopf-Smash in der Position 1, dann einen Rückhand-Drive in der Position 2 und beendet den Ballwechsel mit einem Rückhand-Smash in der Position 3.

Abb. 3: Variation II

Hinweise:

  • Das Training sollte nach einer angemessenen Aufwärmphase am Beginn einer Trainingseinheit liegen.
  • Alle Lauf- und Schlagtechniken sollten mit höchster Intensität und größtmöglicher Konzentration ausgeführt werden.
  • Die Pausenlänge zwischen den Serien muss individuell gestaltet werden (neue Serie bei Herzfrequenz (HF) 100–120 Schlägen pro min).

(2) Ballmaschine

Beschreibung:

Ein Zuspieler spielt dem Trainierenden 3–6 Bälle zu. Der Trainierende sollte versuchen, jeden Ball so schnell und so hoch wie möglich anzunehmen und so hart wie möglich zu schlagen. Der Zuspieler variiert sein Zuspiel so, dass der Trainierende lange Laufwege schnellstens überwinden, von hinten hart schmettern, hinten und in der Mitte einen scharfen Drive und vorne hoch ablegen oder töten muss. Zwischen den 4–6 Wiederholungen sind 10–15 s Pause, die Serien sollten 5–8 x wiederholt werden. Zwischen den Serien gibt es eine individuelle Pause (HF 100–120), beide Spieler sammeln die Bälle ein und der pausierender Spieler wird Zuspieler.

Abb. 4: Ballmaschine

Ziel:

Da nach neueren Untersuchungen die durchschnittliche...

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