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E-Book

Baedeker Reiseführer Berlin, Potsdam

mit Downloads aller Karten und Grafiken

AutorRasso Knoller
VerlagBaedeker
Erscheinungsjahr2018
ReiheBaedeker Reiseführer E-Book 
Seitenanzahl396 Seiten
ISBN9783575425249
FormatePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis19,99 EUR
Mit den Baedeker E-Books Gewicht im Reisegepäck sparen und viele praktische Zusatzfunktionen nutzen! - Einfaches Navigieren im Text durch Links - Offline-Karten (ohne Roaming) - NEU: Karten und Grafiken mit einem Klick downloaden, ausdrucken, mitnehmen oder für später speichern - Weblinks führen direkt zu den Websites der Tipps Tipp: Erstellen Sie Ihren persönlichen Reiseplan durch Lesezeichen und Notizen... und durchsuchen Sie das E-Book mit der praktischen Volltextsuche! E-Book basiert auf: 23. Auflage 2018 »Es wächst zusammen, was zusammen gehört«, prognostizierte einst Willy Brandt. Nichts hat in der bewegten Geschichte Berlins einen vergleichbaren Stellenwert wie der Mauerfall. Heute stehen zierliche Japanerinnen mit Selfiestick vor dem symbolhaften, die steinerne Barriere durchbrechenden Trabant. Und ein italienisches Liebespaar fotografiert sich vor Breschnew und Honecker beim Bruderkuss. Die East Side Gallery, Open-Air-Galerie auf dem längsten noch erhaltenen Teilstück der Berliner Mauer, veranschaulicht die vielfältige kreative Auseinandersetzung mit den politischen Umwälzungen des Novembers '89 - lassen Sie sich den Wind der Revolution um die Nase wehen! Eindrucksvolle Erlebnisse warten in Berlin an jeder Ecke. Der Baedeker Berlin Potsdam führt Sie durch das stimulierende Wirrwarr der Überraschungen. Eine davon: der Berliner Bär! Sie treffen das Berliner Wappentier heute unweit der verschiedensten Sehenswürdigkeiten: Am Brandenburger Tor, auf dem Ku'Damm gleich mehrmals - insgesamt 350 bunt bemalte Bärenskulpturen wurden 2001 aufgestellt und symbolisieren Freiheit, Toleranz und Demokratie. Atmen Sie den Geist der Metropole! Nicht unbedingt augenscheinliche, vielmehr magische Momente stehen beim neuen Baedeker im Fokus: Einen davon gibt's immer wieder dienstags in der Berliner Philharmonie bei den beliebten »Lunchkonzerten«.

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Leseprobe

D

Das ist...


... Berlin

Die fünf großen Themen rund um den schönsten Ort der Welt. Lassen Sie sich inspirieren!

© Dumont Bildarchiv/Sabine Lubenow

Der Berliner Bär


Knut hat Berlin zur Bärenhauptstadt der Welt gemacht. Der kleine, von seiner Mutter verstoßene Eisbär aus dem Zoologischen Garten brachte alle Herzen zum Schmelzen. Doch schon vor ihm spielten Bären eine besondere Rolle in der Berliner Geschichte. Der Bär ist das Berliner Wappentier, und das hat sich oft verändert. Man trifft ihn heute an vielen Orten der Stadt.

© mauritius images / Axel Schmies

ERSTMALS kam der Bär 1280 ins Bild – er zierte einen Gildebrief der Berliner Kürschner. Das dort verwendete Siegel trägt die Inschrift »Sigillum burgensium de berlin sum« – »Ich bin das Siegel der Bürger von Berlin.« Genau genommen waren es damals sogar zwei Bären, die zusammen mit dem märkischen Adler aufrecht stehend neben einem Schild abgebildet waren. Wenig später wurde der Bär dann auf alle Viere gestellt, und ab 1460 musste er sogar den brandenburgischen Adler auf seinem Rücken erdulden. Dieses neue Stadtwappen wurde den Berlinern vom Kurfürst Friedrich II. aufgezwungen, der damit seinen Sieg über die aufständischen Berliner in der Folge des »Berliner Unwillens« zementieren wollte. Die Berliner hatten sich damals vergeblich gegen den Bau einer Burg auf der Spreeinsel gewehrt, für den sie Land an den märkischen Landesherren hätten abgeben sollen.

Befreiter Bär


Als Berlin im Jahr 1709 Residenz der Könige von Preußen wurde, erhielt die Stadt auch ein neues Wappen. Nun musste sich der gebändigte Bär mit dem Halsband unter den schwarzen preußischen und den roten märkischen Adler stellen. Frei und ohne Halsband durfte er sich erst wieder ab 1875 bewegen. Schon 1839 war eine rote Mauerkrone angefügt worden, die im Ostteil der Stadt bis zum Ende der DDR erhalten blieb. Im Westen war das Rot nach dem Krieg als Farbe der Kommunisten verpönt, dort wurde die Krone 1954 plötzlich golden und die Mauer verwandelte sich in eine Laubkrone. So ähnlich – ein stehender schwarzer Bär in einem mit Goldkrone geschmückten Wappen – sieht das Berliner Wappen noch heute aus.

Oder doch nur Sumpf?


Über die Frage, warum der Bär überhaupt zum Wappentier der Stadt wurde, gibt es unterschiedliche Theorien. Am einfachsten ist diejenige, dass die Spree in der Nähe der neu gegründeten Stadt besonders seicht gewesen sein soll und dort die Bären regelmäßig den Fluss überquert hätten. Der Name Berlin soll denn auch aus dem Wort »Bärenlager« entstanden sein. Eine andere vermutet, dass der Name auf den Markgrafen Albrecht I., den Eroberer der Mark Brandenburg zurückgeht. Der trug nämlich den Beinamen »der Bär«.

Nach einer dritten Theorie leitet sich der Name Berlin von dem slawischen Wort »berl« für Sumpf ab. Obwohl dies eigentlich die unpopulärste Option wäre – hieße das doch, dass Berlin überhaupt nichts mit einem Bären zu tun hat – findet sie unter Wissenschaftlern die meisten Anhänger.

Bärenzwinger


1939 beschloss man, das Berliner Wappentier auch ganz real in die Stadt zu holen. Seitdem lebten die Stadtbären in der Bärenanlage am Köllnischen Park beim Märkischen Museum. Im neuen Jahrtausend hatten Tierschützer wegen der beengten Lebensbedingungen immer wieder die Schließung des Zwingers gefordert. Allerdings waren die Stadtbären damals schon so alt, dass ein Umzug für die Tiere zu stressig gewesen wäre. Seit »Schnute«, die letzte Stadtbärin, 2015 eingeschläfert werden musste, steht die Anlage leer.

Bärenkunst Zum Anfassen


2001 wurde in Berlin eine Kunstaktion gestartet, bei der 350 bunt bemalte Bärenskulpturen in der gesamten Stadt aufgestellt wurden. Damit wollte man für ein »buntes« – ein tolerantes, freies und demokratisches – Deutschland werben. Inzwischen sind die Berliner Bären weltweit im Sinne der Völkerverständigung unterwegs, die meisten stehen allerdings immer noch in der Stadt – wo genau kann man auf der Seite www.buddy-baer.com/de abrufen. Den ersten interaktiven Buddy Bären finden Sie auf dem Washingtonplatz am Hauptbahnhof: Er wechselt die Farbe, sobald man ihn umarmt!

Ja, Multikulti


Willkommen, Bienvenue, Welcome: In kaum einer anderen Stadt der Welt leben und arbeiten so viele Menschen aus unterschiedlichen Nationen zusammen wie in Berlin. Deswegen findet der hier der Karneval auch nicht im Februar, sondern im Juni statt und nennt sich »Karneval der Kulturen«. Was die deutsche Hauptstadt auszeichnet: Hier funktioniert das Mit- und notfalls zumindest das Nebeneinander. Probieren Sie es aus.

WER es nicht wahrhaben will, sollte sich einfach die nackten Zahlen anschauen: In Berlin leben 496 000 Menschen mit ausländischem Pass und 444 000 Deutsche mit Migrations-hintergrund. Das ist zusammen genommen knapp ein Viertel der Bevölkerung. Die meisten von Ihnen wohnen in Mitte, Kreuzberg-Friedrichshain und Neukölln, weniger begehrt sind Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick.

Wo bleiben die vier letzten Nationalitäten?


Mit Fug und Recht darf man behaupten, dass die ganze Welt in Berlin zu Hause ist: Die Vereinten Nationen erkennen 194 Staaten offiziell an – und davon sind nur ganze vier nicht in der Stadt vertreten. Die Rangliste führen die Türken mit etwas mehr als 98 000 an, gefolgt von den Polen mit 53 000. Das untere Ende der Skala zieren die Bahamas (3, alle in Steglitz zu Hause) und San Marino (ebenfalls 3, ihnen gefällt Pankow besser).

Wegzug, Zuzug, Nachwuchs


All diese Menschen zieht und zog es nach Berlin, weil sie sich dort ein besseres Auskommen erhofften, weil sie Chancen suchten, weil sie verfolgt wurden. Das war bereits 1685 so, als sich 6000 aus Frankreich wegen ihres Glaubens vertriebene Hugenotten in Berlin niederließen (Kurz nachgedacht: Wie heißt unser Innenminister? Richtig: de Maizière). Zur Zeit der Industrialisierung kamen viele Polen (ebenso wie nach dem Ende des Ostblocks), in Wirtschaftswunderzeiten holte man Türken, Jugoslawen und Italiener nach Westberlin, während beim Aufbau des Sozialismus auch manch Vietnamese und Angolaner mitzutun hatte. Viele von ihnen und vor allem ihre Kinder und Enkel sind noch da und sie tragen zusammen mit den Neuankömmlingen nicht wenig dazu bei, dass Berlins Bevölkerung wieder wächst, obwohl es in den Jahren nach der Wende einen Wegzug von über 1,3 Millionen Menschen (meist Deutsche) zu verkraften hatte.

© Dumont Bildarchiv/Sabine Lubenow

Multikulti für den Gaumen: beim Street Food Thursday in der Markthalle 9

Street Food >>>


Man nehme: Leute, die kein eigenes Restaurant haben, aber leidenschaftlich gern kochen, bringe sie in die Markthalle 9 in Kreuzberg und würze mit einem neugierigen Publikum von Jung bis Alt, mit und ohne Migrations-hintergrund – fertig ist der Street Food Thursday, alles andere als ein fader Eintopf, sondern ein kulinarischer Ritt rund um die Welt zu erschwinglichen Preisen. Schließlich ist man ein »demokratisches Restaurant«, wie die Veranstalter anmerken.

Falafel, Thai und Döner


Und wo trifft man sie? Auf dem berühmten Türkenmarkt in Neukölln, auf dem Vietnamesenmarkt in Friedrichshain, in Wladimir Kaminers Russencafé, beim Chillen auf dem Tempelhofer Feld, beim Karneval der Kulturen und an jedem Falafel-, Thai-, Asia- und Döner-Imbiss. Dort muss man eine Antwort parat haben, wenn es heißt: »Mit scharf?«

Die Imbissbudenbetreiber gehören im Übrigen zu den fast 33 000 ausländischen Unternehmern in Berlin. Ohne sie und die ausländischen Arbeit-nehmer würde wirtschaftlich in der Hauptstadt deutlich weniger, in manchen Branchen gar nichts gehen. Noch Fragen?

»Es Wächst Zusammen, Was Zusammen Gehört«


Kleine Japanerinnen mit Selfiestick stehen vor dem die Mauer durchbrechenden Trabant. Ein italienisches Liebespaar fotografiert sich vor Breschnew und Honecker beim Bruderkuss. Und eine Jugendgruppe aus Dänemark posiert fürs Gruppenfoto vor dem Portrait von Michail Gorbatschow. Die Eastside Gallery ist heute eine der meist besuchten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Sind Ost und West zusammengewachsen, wie Willy Brandt es wollte?

DDR-Museen


Sozusagen einen Blick hinter die Mauer, in den Alltag der DDR, können Sie im DDR-Museum (Karl-Liebknecht-Str. 1) gegenüber dem Berliner Dom werfen. Hier dreht man die Zeit zurück in die 1980er-Jahre. Nehmen Sie bequem Platz in einem typischen Wohnzimmer jener Tage: Lümmeln Sie sich in das »Polstersofa Sebnitz« mit Blick auf die »Schrankwand Carat«. Im Kleiderschrank des Museums hängt das blaue FDJ-Hemd neben Mutters Kleid aus Dederon. Über den Alltag in der DDR informiert auch das Museum in der Kulturbrauerei (Knackstr. 97) – hier ist der Eintritt sogar kostenlos!

DASS sein »antifschistischer Schutzwall« einmal ein beliebter Hintergrund für Touristenfotos werden würde, hätte sich Walter Ulbricht wohl nicht träumen lassen. An den meisten Orten in Berlin ist die Mauer inzwischen verschwunden. Nach der Wende rückten Planierraupen und Bagger dem Monstrum zu Leibe – 184 km Mauer wurden zu 300 000 Tonnen Straßenschotter verarbeitet. Nur...

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