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E-Book

Bamberg mit Leib und Seele

AutorHeike Mallad
VerlagFAW-Verlag
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl288 Seiten
ISBN9783932853135
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis12,99 EUR
Bamberg: Traumstadt der Deutschen, Fränkisches Rom, Weltkulturerbe. Wer hier wohnen darf, ist glücklich. Wer hierher reist, wird es zumindest für ein paar Augenblicke, Stunden, Tage. Eine kleine Städtereise, ein verlängertes Wochenende, ein Kurztrip für Schnellentschlossene egal, Bamberg ist auf jeden Fall das ideale Ziel, für einen Urlaub oder gar für immer. Wer in Bamberg weilt, kommt um den Dom, um das Alte Rathaus, um die vielen Brauereien nicht herum. Doch Bamberg bietet mehr als nur die üblichen Klischees zwischen bezaubernden Ba-rockfassaden, Bierseeligkeit und atemberaubender Altstadtidylle. Das ganz normale Leben, Menschen und Menschliches gibt es nämlich auch noch. Und genau diese Mischung spiegelt sich im literarischen Stadtführer von Heike Mallad wider: Er führt mit seinen sehr persönlichen, tagebuchähnlichen Geschichten durch eine faszinierende Stadt. Und dennoch gelingt es ihm, den etwas anderen Blick hinter die oft überlaufenen Kulissen zu werfen. Bamberg wird so zu einem außergewöhnlichen und sehr individuellen Erlebnis. Anekdoten, witzige Details und scheinbare Nebensächlichkeiten machen also Lust statt Touristenfrust und öffnen den Einheimischen wieder die Augen für die wahre Schönheit ihrer Stadt für ein Bamberg mit Leib und Seele.

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Leseprobe

Licht im Dunkel

Eine theatralische Zeitreise durch Bambergs Geschichte

„Ich werde heute für Sie die Stadtgeschichte von Bamberg beleuchten. … Die Dunkelheit ist dabei unser Ausgangspunkt. Das Nichts, die Leere sozusagen. Hier gibt es kaum Orientierung. Jetzt kommt das Licht ins Spiel und alle Augen konzentrieren sich hierher. Wenn ich mein Licht nun auf eine bestimmte Sache richte, dann löse ich diese damit aus der Dunkelheit heraus. In unserem Fall ist es das Buch, in dem die Geschichte dieser Stadt aufbewahrt wird. – Natürlich kann ich Ihnen mit meinem Licht nicht alles zeigen, was es gab und gibt, aber ich kann sehr wohl manche Dinge genauer zeigen. … Ich werde mein Licht auf Ereignisse richten, die diese Stadt in ihrem Wachsen und Werden geformt und geprägt haben.

Dies ist die Silhouette von Bamberg …“

Ich sitze im Stockdunkel, lausche wie gebannt der eindringlichen Stimme aus der Finsternis und folge schließlich fasziniert dem kleinen Lichtkegel, der scheinbar erst scheu tastend, dann selbstbewußt und zielstrebig eine neue, und doch alte und bekannte Welt entstehen läßt:

ein Schattentheater.

Ein Schattentheater in Bamberg.

Es hat seinen Platz da, wo einst alles begann – im ältesten Raume Bambergs, in der Katharinenkapelle.

Wer den Domplatz verläßt und durch das Portal der alten Hofhaltung geht, gelangt über einen Vorhof und eine Treppe in das gotische Gewölbe der geschichtsträchtigen Kapelle aus dem Jahr 1020. Schon jetzt, noch bevor das Theaterstück angefangen hat, weiß ich: Es gibt keinen besseren Platz in Bamberg, um die Geschichte dieser Stadt zu erzählen.

Dazu braucht es zunächst einmal gar nicht so viel. Nur erahnen kann ich zwei große Leinwände und ein großes Buch. Und einen Tisch.

Hinter dem Tisch steht ganz in Schwarz Norbert Götz. Ein Geschichtenerzähler, ein Rezitator, ein Stadtschreiber, aber vor allem:

ein Lichtkünstler,

ein Schauspieler,

ein Puppenspieler,

ein Schattenspieler.

Von allem ein bißchen. Aber vor allem ein Magier – ja, ein Magier, denn er beherrscht gleichsam die übernatürlichen Zauberkünste mit Hell und Dunkel. Er weiß um die magische Wirkung von Licht und Schatten.

Ich habe Glück und sitze gleich vorn, in der zweiten Reihe. Ich kann, obwohl es dunkel ist, viel erkennen. Denn meine Augen konzentrieren sich ausschließlich auf die wenigen auflösbaren Details. Und so sehe ich mehr, obwohl ich eigentlich weniger sehe. Zum Beispiel das Buch, das im Dunkel vor dem schwarzgekleideten Schattenspieler liegt.

Es sieht schwer aus, gewichtig.

Bedeutungsschwanger.

In Leder gebunden hält es in seinen festen Armen die Chronik der Stadt. Ein seltsames Buch, wie ich im Laufe des Theaterstückes feststellen sollte. Kein langweiliger Geschichtswälzer, kein Stadtführer, kein Lexikon, und erst recht kein Roman, keine Biographie, kein Gedichtband, kein Krimi – aber von jedem etwas.

Später erzählt mir Norbert Götz, daß er bereits vor zehn Jahren die Idee hatte, etwas von Bamberg auf die Schattenbühne zu bringen. Eigentlich war seine erste Idee, tatsächlich einen Krimi von und über und in Bamberg zu inszenieren. Im Mühlenviertel hätte er spielen sollen, wo dunkle Gestalten in der opulenten Umgebung von verwinkeltem Fachwerk, fliehenden Brücken und einer unerbittlichen Flußströmung ihr Unwesen treiben. Aber während er auf der Suche nach dem perfekten Verbrechen im Mittelalter war, das er zwischen den Regnitzufern hätte ansiedeln können, merkte er: Bambergs Stadtgeschichte – sie selbst ist besser als der beste Krimi. Sie bietet in ihrer über tausendjährigen Zeitspanne einfach alles, vor allem viel sex and crime: eine echte Liebesheirat zwischen dem Kaiser Heinrich und seiner Kunigunde von Luxemburg, Macht, Neid und Mißgunst der Bischöfe, einen Königsmord und die unglaublichen Wirren der Hexenverfolgung.

Doch so weit sind wir noch nicht. Am Anfang ist auf der Leinwand nichts weiter als die kleine Festung Babenberg, die in die Hände Heinrichs fällt und die er im Jahr 1000 seiner geliebten Frau als Morgengabe am Hochzeitstag schenkt – die eigentliche Geburtsstunde Bambergs. Oder besser: eine Sternstunde.

Tausend Jahre. Was für eine Zeit.

Tausend Jahre? Wie passen die in nur eineinhalb Theater-Stunden? Das ist mehr als gewagt.

Ins düstere Mittelalter kommt aber schnell das Licht der Hoffnung: Neben dem Dom gibt es zahlreiche Kloster- und Kirchengründungen. Doch wo Licht, da auch Schatten. Zwischen Klerus und Bürgerschaft entsteht mehr als nur ein kleiner Nachbarschaftsstreit. Mir ist so, als würde da vorn der figurenspielende Mann in Schwarz selbst ein Teil dessen. Die Lichtstrahlen verleihen ihm markante Stirnfalten. Gram und Sorgen graben sich tief in seine Gesichtszüge und in die Figuren, die er aus seinem Buch hervorzaubert. Nicht nur durch seine Lichtspiele, sondern durch jede Faser seines Körpers verwandelt er sie in eine wütende Meute. Verzerrte Schatten jagen über die Leinwände, und doch gestochen scharf zeichnen sich Lanzen und Hellebarden ab, die sich gegen die Obrigkeit erheben – so scharf, daß sie aussehen wie frisch geschliffen. Möglich machen es ganz kleine Lichtpunkte, die gleichsam aus den Händen des Schattenspielers zu strahlen scheinen. Das Licht, ja, das Licht – darauf komme es eben an, erklärt er mir später. Nicht jedes Licht eignet sich, um die Schatten zum Leben zu erwecken. Und nicht jedem Licht gelingt es, die Rolle der Augen des Zuschauers einzunehmen …

Eine ganze Weile dauerte es, doch dann war es plötzlich klar: Die Hauptrolle im Schattentheater spielt nicht der Schatten selbst, sondern das Licht. Dreidimensional sollten die Geschichten im Dunkel präsentiert werden und nicht so statisch wie zum Beispiel im asiatischen Schattenspiel.

Nur – wie sollte das gehen?

Irgendwann nach der langen Phase des Experimentierens mit herkömmlichen Glühbirnen und mit Overheadprojektoren kam Norbert Götz buchstäblich die Erleuchtung, und zwar über einen kleinen Fahrrad-Halogenstrahler. Alle anderen Lichtquellen waren zu groß, zu diffus. Die Schatten fransten aus, wurden unscharf. Aber das Fahrradbirnchen – das war’s!

Licht, so sagt Norbert Götz fast zärtlich, Licht ist wie ein Kind. Du mußt lernen, es zu zähmen. Und: Du mußt seine Talente in ihm wecken.

Doch so klein das Fahrradbirnchen auch war, es wurde heiß, sehr heiß in der Hand des Schattenspielers und zwang ihn zum Handeln. Aber erst mal zum Nachdenken. Ein Griff mußte her, der aber sollte gut in der Hand liegen, um möglichst unverfälscht die Bewegungen des Arms, des ganzen Körpers wiederzugeben.

Irgendwie bin ich dann auf die Idee gekommen, kugelige Abschlußstücke von runden metallenen Zaunstäben herzunehmen, schmunzelt er.

Und so schmiegen sich nun die Schattenspielerfinger um einen kleinen schwarzen Metallball, der aus seinem Inneren leuchtet.

Wir sind mit der Zeitreise durch Bambergs Geschichte mittlerweile kurz vor dem Jahr 1600 angekommen. Und damit auf der dunkelsten Seite Bambergs.

Der Schein des Feuers, der sonst Wärme und Geborgenheit ausstrahlt, bringt die Schatten des Todes in die Stadt. Die Jungfer Behemer ist eine der ersten, die als Hexe auf dem Scheiterhaufen stirbt, weil sie – wie Norbert Götz einen der Ankläger mit schriller Stimme rezitiert – mit dem Teufel gebuhlt haben soll.

Der Schattenspieler schlägt damit das schwärzeste Kapitel in seinem großen Bamberg-Buch auf, aus dem er ein altes Pergament zieht. Dann zündet er eine Kerze an und beginnt den Abschiedsbrief von Bürgermeister Junius an seine Tochter Veronica vorzulesen.

Ein solcher Schmerz steigt aus den Zeilen, daß er mir das Herz zu lähmen droht. Ich fühle mich so seltsam leer und schäme mich gar. Ob es daran liegt, daß im schönen, hellen, lichten Bamberg so fast gar nichts an die Schatten der Vergangenheit erinnert? Wer weiß schon, wenn er durch die Innenstadt geht, wo das einstige Malefiz-Haus, das Foltergefängnis, stand? Und wer findet ein Zeugnis in der Stadt darüber, daß jeder zehnte Einwohner durch die Schergen des Bischofs sein Leben lassen mußte? Nur durch Zufall habe ich neulich auf einem Weg durch die Mayersche Gärtnerei dort die Anna-Maria-Junius-Straße entdeckt. Wenn ich nicht „Licht und Schatten“ gesehen hätte, ich wüßte mit diesem Namen nichts anzufangen. Aber ein richtiges Mahnmal für die 1.000 Bamberger, die zu Unrecht als Hexen und Ketzer durch den Irrglauben der katholischen Kirche verbrannt worden sind – Fehlanzeige.

Wie gut, daß mir – und allen anderen, die es zulassen – das Schattentheater die Augen öffnet.

Dann – endlich! – wird es heiterer. Das Licht tanzt über neue prächtige Bauten, über verspielte Giebel, das Antlitz der Stadt wird weicher und lieblicher.

Wir sind im Barock – die Hohe Zeit Bambergs.

Die kleinen Strahler zeichnen auf den Leinwänden eine glückliche Episode Bambergs nach, die von Lebenslust und der Freude am Schönen geprägt ist. Die Stadt blüht auf, hat plötzlich Residenzcharakter, vor allem betont durch die neue weitläufige und mondäne Anlage des Domplatzes.

Ja – der Domplatz.

Der Domplatz hat gerade für Norbert Götz eine fast schicksalhafte Bedeutung. Denn er – oder besser gesagt eine Fahne vor der alten Hofhaltung – ist der sichtbare Beweis seines Erfolges.

Daß ich irgendwann eine eigene Fahne, und dann auch noch auf dem Domplatz, bekomme, die für mein Schattenspiel wirbt, erzählt der Herr über Licht...

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